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„Wir glauben fest an Daniel“

03.01.2018 || 13:23 Uhr von:
Im Rahmen des anstehenden Trips der Boston Celtics zum NBA Global Game nach London standen unter anderem Daniel Theis und Head Coach Brad Stevens Medienvertretern aus aller Welt Rede und Antwort.

Am 11. Januar treffen die Boston Celtics in der Londoner O2-Arena auf die Philadelphia 76ers. Im Vorfeld des Trips in die britische Hauptstadt standen ausgewählte Akteure der Boston Celtics Medienvertretern aus der ganzen Welt im Rahmen einer Telefonkonferenz Rede und Antwort. Wir haben die interessantesten Aussagen von Nationalspieler Daniel Theis und Head Coach Brad Stevens zusammengetragen.

Daniel Theis

Wie fühlt es sich an, einer der Fanlieblinge in Boston zu sein? Gibt es irgendwelche Sticheleien mit anderen deutschen NBA-Profis? Schließlich bist du der einzige der fünf Spieler, der mit seinem Team an der Spitze der Liga steht.

Die Fans in Boston sind ohnehin besonders. Jedes Spiel ist ausverkauft, jeder Spieler bekommt Zuwendung von den Fans. Es ist natürlich eine Ehre für mich, dass mich einige Fans sehr mögen. Ich versuche einfach so wie in den letzten Jahren zu spielen und Energie zu bringen.

Und zum Zweiten: Chicago [mit Paul Zipser] hat zuletzt einen Lauf hingelegt. Sie sind ganz klar besser geworden. Dennis [Schröder] hat in den letzten Jahren [mit Atlanta] auf höchstem Level gespielt. Sie waren immer in den Playoffs dabei. Und auch [die Dallas Mavericks] wollen gewinnen und werden immer besser in dieser Saison.

Du bringst nun seit Jahren tolle Leistungen in deiner Rolle von der Bank. Kannst du erklären, warum dir die Rolle so gut liegt?

Ich achte nicht darauf, ob ich starte oder von der Bank komme. Ich habe das in Ulm und Bamberg über Jahre gemacht. Von daher versuche ich, Energie zu bringen und gute Defense zu spiele, wenn ich auf dem Feld bin. Also es spielt keine Rolle für mich, ob ich das Spiel beginne oder von der Bank komme. Wann immer das Team mich braucht, versuche ich bereit zu sein.

Werden Freunde und Verwandte aus der Heimat zu dem Spiel nach London?

Ja, mein Bruder und seine Freundin werden nach London reisen. Meine Frau kommt aus Boston mit. Es werden auch ein paar Freunde kommen und auch ein paar Leute, von denen ich weiß, dass sie in London spielen, also Fußballer zum Beispiel. Ein Spieler, der in der Bundesliga spielt und die deutschen Spieler beim FC Arsenal, die sich auch für Basketball interessieren. Ich denke, wir werden uns mit Sicherheit mit einigen der Spieler treffen.

„Ich werde die Maske nicht vermissen“

Aus der Spielerperspektive gesehen: Kannst du dir vorstellen, dass es eine permanente NBA-Franchise in Europa geben wird? Glaubst du, dass das funktionieren würde oder wäre die Distanz zu groß?

Es würde schwierig sein wegen des Spielplans mit so vielen Spielen – mit Playoffs sind es fast 100 Spiele – und mit den Reisen. Es ist schwer, weil es eine Woche für uns und Philadelphia einnimmt, eine Partie in London zu spielen. Ich denke, dass es für ein oder zwei Spiele in der Saison möglich ist, wenn ein Team von einer Stadt zur anderen reist. Aber permanent ist es schwer das hinzubekommen, auch für das Auswärtsteam aus den USA, weil der Spielplan so vollgepackt ist. Es würde uns sehr viel Zeit kosten herumzureisen. Und natürlich der Jetleg mit der Zeitverschiebung von sechs Stunden. Aber für dieses eine Spiel kann es für die beiden Teams besonders werden. Und für die Fans in Europa, die die Chance haben, nach London zu kommen und uns zu sehen. Ich denke, es wird eine große Sache sein für die NBA und für die Leute in Europa.

Was sagst du zu dem Spielplan? Wie hart ist es für dich als Rookie, in der NBA zu spielen mit den 82 Partien. Andererseits hattest du in der EuroLeague letzte Saison ein ähnliches Programm, wo die Möglichkeiten aber vielleicht nicht ganz so toll sind wie in der NBA. Ist es daher vielleicht sogar einfacher für dich als in der letzten Saison?

Ich habe letzte Saison mit Bamberg fast 70 Spiele wegen der EuroLeague, aber wir hatten auch ab und zu die Möglichkeit, dass Spieler in der Liga ein wenig pausieren konnten. In der NBA gibt es dagegen die Back-to-back-Spiele. Wir haben jetzt 40 Spiele in etwa zwei Monaten absolviert. Besonders unser Spielplan war sehr hart, weil wir glaube ich nur zweimal in der bisherigen Saison zwei Tage hintereinander spielfrei hatten. Das ist das, was es härter macht als in Europa, denn dort hast du als EuroLeague-Team von Montag bis Mittwoch Zeit für Training oder Vorbereitung. Du spielst dann Donnerstag und vielleicht wieder Samstag, also zwei Spiele pro Woche. In der NBA sind es vier oder fünf Partien pro Woche.

Du trägst derzeit eine Nasenschutzmaske wegen deiner unglücklichen Verletzung. Hast du dich daran gewöhnt?

Seitdem ich die zweite, besser passende Maske habe, ist es viel besser. Ich kann mehr sehen, aber ich hoffe, dass ich sie beim Spiel in London-Spiel nicht mehr tragen muss. Ich werde sie nicht vermissen. (lacht)

Wie sehr unterscheidet sich der Spielstil in der NBA von Europa und wie sehr musstest du dich anpassen?

Das Spiel in der NBA ist ein bisschen schneller und athletischer als in Europa. In der Offensive nimmst du manchmal auch nach dem ersten Pass schon den Wurf. Ein offener Wurf ist ein guter Wurf. In Bamberg haben wir das System durchgespielt und die Verteidigung laufen lassen. Das Spiel in Europa ist ein bisschen geduldiger.


 

Brad Stevens

Der Trip nach London steht an. Wie unterscheidet sich diese Reise von den anderen während der regulären Saison in Sachen Zeitzone, Fanbase, Arena?

Wir sind so sehr daran gewöhnt, in großen Arenen zu spielen, dass wir darüber nicht weiter nachdenken. Das Besondere ist, dass wir Möglichkeit haben, zumindest ein- oder zweimal dort zu trainieren und an Sachen zu arbeiten, an denen wir arbeiten müssen. In der NBA ist es oft so, dass nach dem Spiel in den Flieger steigst und danach sofort wieder spielst und danach wieder wegfliegst. Das ist das Spezielle an dem Trip, dass wir einige Tage in einer Stadt sind, bevor wir spielen und die Möglichkeit haben, zusammen zu arbeiten. Alles andere ist aber ähnlich wie sonst.

Ihr seid auf Kurs, 60 Spiele zu gewinnen, was das erste Mal in Ihrer NBA-Laufbahn wäre. Was ist das Besondere an dieser jungen und talentierten Gruppe. Und was sagen Sie zu den Vergleichen mit Gregg Popovich.

Ich genieße es wirklich, diese Gruppe zu trainieren. Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. Ich denke nicht, dass wir auf dem Level eines 60-Siege-Teams spielen, also wir werden herausfinden, wie gut wir sind, wenn alles getan ist.

Zu den Vergleichen mit Gregg Popovich: Ich bin nicht in derselben Kategorie, dessen bin ich mir bewusst. Es macht einen unglaublich demütig, ein Teil dieser Liga zu sein, weil die Spieler und Trainer so gut sind. Du musst an jedem Tag vorbereitet sein, um zu bestehen. Das nimmst du nicht als selbstverständlich hin. Es ist eine schwierige Aufgabe gegen die Besten der Besten. Von daher will ich nicht verglichen werden mit Pop. Es schmeichelt mir, aber ich nehme es nicht zu ernst, weil ich weiß, wie weit weg ich von jemandem wie ihm bin.

Könnten Sie vielleicht ein paar Worte zu Daniel Theis sagen? Wie gut hat er sich an das NBA-Spiel angepasst und wie gut passt er in das Team?

Daniel ist ein fantastischer Kerl und ein unglaublicher Mitspieler. Er fühlt sich in seiner Rolle und den Sachen, die er gut macht, vermutlich so wohl wie kein Anderer, den ich trainiert habe. Er weiß, was er gut macht und bleibt in diesem Bereich. Daraus resultierend hat er großartige erste 40 Spiele gemacht. Und das als Rookie und ungedrafteter Spieler, der zuvor nie in der NBA gespielt hat. Es ist unglaublich, wie viel Einfluss er auf unser Spiel hat. Es gibt Spiele, wo er mehr spielt als in anderen basierend auf den Matchups, aber er ist Jemand, an den wir jetzt und auch in der Zukunft fest glauben.

„Einem Basketball-Junkie wie mir macht das unheimlich viel Spaß“

Kyrie Irving zählt seit einiger Zeit zu den besten Spielern in der Liga. In welchen Bereichen kann er noch besser werden? Als Anführer, in der Verteidigung?

Kyrie kann sich in jedem Bereich auf dem Court noch verbessern. Die besten Spieler der Liga haben diesen beständigen Fokus. Man muss nur auf die letzten paar MVPs in der Liga schauen, insbesondere auf [Stephen] Curry und [Russell] Westbrook. Der Sprung, den sie gemacht haben von der Saison zuvor hin zu ihrem MVP-Jahr war größer als bei jedem anderen Spieler. Ich denke, manchmal schauen bei den Most Improved Playern auf Leute, die sich vom Bankspieler zum Starter oder vom gar nicht spielenden zum Sechsten Mann entwickelt haben. Und dabei übersehen wir die Tatsache, dass oft die besten Spieler in der Liga die Most Improved Player sind. Es gibt einen Grund, weshalb sie so großartig sind. Kyrie arbeitet hart, er hat eine tolle Einstellung, er will großartig sein. Er gibt sich nicht mit dem zufrieden, was er bereits erreicht hat. Er arbeitet, um jeden Tag besser zu werden. Und das ist der Grund, warum er auch nach wie vor besser wird.

Wie wichtig ist es für Spieler und Liga, in Übersee zu spielen?

Wir alle verstehen den Einfluss der NBA und des Basketballs weltweit. Bei all den vielen Dingen, die Basketball mir gegeben hat, war es vor allem die Möglichkeit, an verschiedene Orte zu kommen. Als College-Spieler habe ich in vier verschiedenen Ländern in Europa gespielt. Als ich Butler trainiert habe, sind wir mit unserem Team in Finnland und Italien gewesen. Wir hatten einen Trip nach Australien festgesetzt unmittelbar bevor ich ging. Als Teil der NBA habe ich bereits die Chance bekommen, in Madrid und Mailand zu trainieren und auch zum NBA Cares-Trips nach Johannesburg zu reisen. Nun fliegen wir nach London. Ohne Basketball wäre ich an keinen dieser Orte gekommen. Für mich ist es einfach ein weiterer Grund, dankbar zu sein für die Möglichkeit, das zu tun, was ich tue. Es gibt einen weltweiten Einfluss des Spiels. Uns alle vereint die Liebe zum Spiel. Einem Basketball-Junkie wie mir macht das unheimlich viel Spaß.

Befürchten Sie, dass die jungen Spieler, die bislang so gut spielen und großen Beitrag geleistet haben, vielleicht gegen die Rookie-Mauer prallen könnten im weiteren Verlauf der Saison? Und was denken Sie über das Spiel gegen Cleveland [in der Nacht auf Donnerstag]? Es ist das erste Aufeinandertreffen seit der Saisoneröffnung. Was haben Sie aus der letzten Partie gelernt?

Du denkst jeden Tag darüber bei deiner Vorbereitung. Es gibt einen Grund, weshalb wir während der letzten zwei Monate nicht viel trainiert haben. Denn wir wollten nicht diese Extra-Belastung. Wir steuern die Belastung auch in den Spielen. Wir haben glaube ich nur einen Spieler aus unserem Team unter Top-50 in Minuten in der NBA. Ich habe das Gefühl, dass wir das gut gemanagt haben. Und wir haben die Leute gebeten, offen uns gegenüber zu sein in der Frage, wie es ihnen geht. Dadurch können wir es noch besser regeln.

Nun haben wir etwas mehr Gelegenheit zu trainieren. Wir werden ein bisschen mehr auf dem Court sein an spielfreien Tagen, aber wir haben weiterhin das große Bild im Hinterkopf. Ich meine alles, was wir machen, ob vom Coaching- oder sportwissenschaftlichen Gesichtspunkt zielt darauf ab, die lange Saison zu navigieren und jeden Moment zu maximieren, aber gleichzeitig immer bereit zu sein, dein Bestes zu geben.

Zum zweiten Punkt: Solange die Cavs an der Spitze des Ostens sind – und das waren sie in den letzten zweieinhalb Jahren – ist jedes andere Team inklusive uns in der Jägerposition.

Das Spiel in London ist ein Beweis für die mittlerweile internationale Kultur in der NBA. Glauben Sie, dass dies der Grund ist, weshalb die NBA ein solch gutes Produkt ist?

Ich denke, es besteht kein Zweifel daran, dass die Internationalität einer der coolsten Bestandteile meines Jobs ist. Wenn man unser Team betrachtet: Wir haben jeweils einen Spieler aus der Dominikanischen Republik, aus Deutschland, Australien, aus Frankreich, einen in Ägypten geborenen Spieler. Es ist eine besondere Sache, mit Leuten aus der ganzen Welt zusammen zu sein und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Ich denke ein Grund, warum Leute Sport lieben: weil wir eine Chance bekommen, dieses Zusammenwirken zu sehen. Es ist zweifellos ein toller Teil der NBA, besonders mit all den unterschiedlichen Werdegängen in den Teams.

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