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Celtics vs. Sixers: Trade of Thrones

19.06.2017 || 10:56 Uhr von:
Der Sommer beginnt gleich mit einem Blockbuster-Trade. Boston und Philadelphia treffen eine Vereinbarung, die beide Seiten zu einem Anwärten auf den NBA-Thron werden lässt - in der Theorie

Bereits sechs Tage vor dem NBA-Draft erschütterte eine Trade-Vereinbarung die Liga: Die Boston Celtics traden ihren ersten Draft-Pick – der sehr wahrscheinlich Markelle Fultz werden wird – zu den Philadelphia 76ers. Im Gegenzug erhalten die Celtics um General Manager Danny Ainge deren dritten Draft-Pick sowie den Lakers-Pick 2018 (wenn er zwischen zwei und fünf landet) oder den ungeschützten Kings-Pick 2019. Damit tauscht eine Franchise erstmals seit 1993 das erste Wahlrecht gegen ein späteres: Vor 24 Jahren schickte Golden State unter anderem Anfernee Hardaway für den dritten Pick nach Orlando. Im Gegenzug kam Chris Webber in die Bay Area. Was bedeutet dieser Trade für die beteiligten Teams? Welche Folgen hat dies für die kommende Offseason?

Vorteil 76ers

Sixers-Präsident und -Manager Bryan Colangelo schickt zwei vermeitliche Top-fünf-Picks nach Boston, um seinen Wunschspieler zu bekommen. Für ein Team im Rebuild, das den potenziellen Franchise-Spieler der nächsten Jahre sucht, ist dies ein nachvollziehbarer Deal. Doch Philadelphia besitzt bereits zwei solcher Spieler. Dass zu viele Köche den Brei verderben, musste bereits Sam Presti vor fünf Jahren feststellen. Der Wechsel von James Harden offenbarte, dass „The Beard“ sich neben Kevin Durant und Russell Westbrook nicht vollends entfalten konnte. Besitzt eine Franchise zwei Superstartalente, sucht diese eher passende Rollenenspieler. Mit Malik Monk und Jonathan Isaac stünden gleich zwei geeignete Kandidaten zur Verfügung.

Dennoch ist dieser Trade der richtige Move. Im Gegensatz zur damaligen Situation in Oklahoma City stehen hinter Joel Embiid und Ben Simmons große Fragezeichen. Der Center von der Kansas University konnte in seinen ersten drei Jahren lediglich 31 Spiele absolvieren. Ben Simmons verpasste seine ersten Saison ebenfalls verletzungsbedingt. Ob der Australier mit fragwürdigem Distanzwurf und Schwächen beim Abschluss in Korbnähe die riesigen Erwartungen erfüllen können wird, bleibt abzuwarten. Mit Markelle Fultz erhalten die Sixers nun einen dritten Hoffnungsträger. Doch selbst wenn Embiid und Simmons einschlagen, sollte er beide gut ergänzen.

Dank des Tauschrechtes mit den Sacramento Kings erhielt Colangelo anstatt des ursprünglichen fünften Picks den Dritten. Dies war jedoch vor dem Trade kein großer Vorteil. Denn die meist gehandelten Kandidaten – Josh Jackson, De`Aaron Fox und Jason Tatum – besitzen alle Schwachstellen, die zu den beiden Hoffnungsträgern nicht wirklich passten. Die guten Fits Monk und Isaac sind für Draftplatz drei jedoch zu limitiert. Erst durch die Vereinabrung mit Boston wurde das Tauschrecht wertvoll. Denn Fultz erfüllt beide Vorraussetzungen. Er passt hervorragend zu Embiid und Simmons und besitzt deutlich mehr Starpotenzial als Monk und Isaac. Fultz kann sowohl das Spiel lenken, als auch abseits des Balls spielen. Kombiniert mit seinem hoffnungsvollen Wurf ist er prädestiniert, um neben der Nummer 25 aufzulaufen. Scheitert das Experiment mit Simmons als „Point Guard“, steht der 19-Jährige als Ersatz bereit. Ansonsten agiert er eher wie ein Shooting Guard. Auch defensiv ist er dank seiner Spannweite in der Lage, beide Guard-Positionen zu verteidigen. Dadurch sind die Sixers flexibler, wenn es um die weitere Kaderplanung geht, die jetzt Priorität in der Offseason hat.

Vorteil Boston

Deutlich schwieriger ist die Beurteilung aus Sicht der Celtics. Grund hierfür ist die Unklarheit, in welche Richtung die Franchise gehen möchte. Boston kann als Ost-Finalist mit massig Assets und Cap Space bereits im kommenden Jahr um den Titel mitspielen. Die zahlreichen jungen Spieler sowie fremde Draftpicks ermöglichen jedoch auch einen Rebuild. Damit könnte die Prime der Cleveland Cavaliers und Golden State Warriors umgangen werden.

Rebuild

Bevorzugt Danny Ainge den Rebuild, ist dieser Trade höchst riskant. Dem Rekordmeister fehlt der potenzielle Franchise Player, um den sie ihr zukünftiges Team aufbauen können. Markelle Fultz hätte diese Lücke schließen können. Einzige Begründung für diesen Wechsel wäre dann, dass Ainge und seine Scouting-Abteilung sich der Meinung der meisten Draftanalysten – die sehen die Nummer 20 in einem alleinigen Tier – nicht anschließt. Dann wäre die Akquisition weiterer Top-Assets richtig.

Trade

Die meisten Beobachter rechnen jedoch mit einem Trade. Das Frontoffice hat zuletzt viel Geduld bewiesen. Ein Jahr bevor die günstigen Verträge von Isaiah Thomas, Avery Bradley und Marcus Smart auslaufen, besitzt die Franchise aber zum letzten Mal genug Cap Space, um per Free Agency und Trade zuzuschlagen. Vermutlich bevorzugt Ainge diese Option gegenüber des ungewissen Neuaufbaus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Verantwortliche vor den höchsten Einsätzen nicht zurückschreckte.

Seit Monaten wird bereits darüber diskutiert, ob die Celtics den Pick der Brooklyn Nets in einen Trade packen werden. Die Lottery Mitte Mai hat diese Chancen dezimiert. Der erste Pick eines solchen Jahrgang ist gut geeignet, um ein Trade-Paket für einen Spieler wie Anthony Davis zu schnüren. Der ist jedoch nicht verfügbar. Für die realistischen Kandidaten – Paul George, Jimmy Butler, Kevin Love etc. – ist solch ein Spieler inklusive dessen günstige Vertragskonstellation, viel zu wertvoll. Beim dritten Draftrecht sieht die Sachlage jedoch anders aus. Dies ist in etwa der Wert, der für solch einen Wechsel geeignet ist. Danny Ainge geht aus dem Tauschgeschäft nun mit zwei solcher Trade-Assets hervor. Wenn Boston in der kommenden Offseason den lang erwarteten Win-Now-Move machen möchte, ist die Ausgangslage der Celtics jetzt deutlich besser.

Ein weiterer Vorteil hat dieser Deal auch in Hinblick auf die Cap Space-Situation. Das Caphold des dritten Draftpicks ist 1,4 Millionen Dollar geringer als der des Ersten. Eigentlich Peanuts! Doch wenn alle ungarantierten Spieler nicht gehalten werden, kratzt die Franchise inklusive Ante Zizic an dem Maximalgehalt eines Gordon Haywards oder Blake Griffins. Bei den prognostizierten 101 Millionen fehlen gerade einmal 0,8 Millionen zu dieser Summe. Kann Ainge den teils garantierten Vertrag von Demetrius Jackson traden anstatt ihn zu waiven, brächte dies weitere 0,65 Millionen. Heißt: die genaue Ermittlung der Gehaltsobergrenze wird entscheiden, ob Boston gar ohne jeglichen Salary-Dump einen der Wunschkandidaten aufnehmen kann. Ansonsten wäre der Abgang von Terry Rozier bereits ausreichend.

Butter bei die Fische

Das Handling eines solches Win-Now-Moves für beispielsweise Jimmy Butler und einen Maximalspieler ist in der Praxis jedoch sehr schwierig. Wie könnte ein solch fiktives Szenario aussehen? Ganz entscheidend ist dabei das Timing. Denn wenn der dritte Draftpick das Kernstück dieses Trades sein soll, könnte dieser Deal erst im August offiziell werden. Ansonsten muss Boston mehrere Verträge abgeben, ohne die Chance eines Maxmimalvertrages zu verlieren.

Denn Hayward oder Griffin müssten zuerst unter Vertrag genommen werden. Dies ist jedoch frühestens ab Beendigung des Moratoriums am 6. Juli möglich. Doch selbst dann müssten die Celtics mehrere Spieler nach Chicago schicken, um das nötige Gehalt für einen Butler-Wechsel zusammenzubekommen. Denn das Rookiegehalt des dritten Picks zählt zwar gegen den Cap der Kelten, nicht jedoch in einem Trade.

Vor dem gleichen Problem standen die Cleveland Cavaliers 2014. General Manager David Griffin benötigte ebenfalls das Gehaltsvolumen von Andrew Wiggins, um den Deal für Kevin Love zu ermöglichen. Dieses Dilemma lässt sich mit etwas Geduld jedoch umgehen. Die Cavs nahmen deshalb Andrew Wiggins unter Vertrag und tradeten ihn erst im August zu den Minnesota Timberwolves. Denn sobald ein Rookie verpflichtet wurde, lässt sich sein Gehalt in Wechsel integrieren. Und im Gegensatz zu Free Agents können diese nicht erst ab dem 15. Dezember, sondern bereits 30 Tage nach Vertragsunterschrift getauscht werden. Ab August wäre deshalb ein Wechsel des Rookies plus Avery Bradley (alternativ auch Crowder + Rozier) möglich. Weitere Verträge müssten nicht integriert werden.

Somit könnte Danny Ainge für den Shooting Guard theoretisch zwei All-Stars nach Boston holen, ohne das Grundgerüst des letztjährigen Ost-Finalisten aufbrechen zu müssen.

Big Two

„Spielt man das Spiel um Throne, gewinnt man oder stirbt“

Eine entscheidende Frage bleibt: Lohnt es sich überhaupt, gegen eine derzeitige Übermacht aus Golden State und Cleveland einen Win-Now-Trade zu focieren?

Sollte ein zuvor aufgezeigtes Szenario möglich sein, muss dies bejaht werden! Mit einem Kern aus Al Horford, Jae Crowder, Gordon Hayward, Jimmy Butler, Isaiah Thomas, Marcus Smart, Jaylan Brown, Ante Zizic und Ergänzungsspielern brauchen sich die Celtics zumindest vor den Cavs nicht zu fürchten. Setze nie gegen LeBron James, jedoch sollte Boston auf Augenhöhe sein. Mittelfristig spricht dann Vieles für den Rekordmeister. Ainge besitzt weiterhin zig hochkarätige Assets, mit denen er das Team im Draft oder einem späteren Trade verstärken kann, während die Laufleistung von James‘ Motor, seine anstehende Free Agency und die fehlende Flexibilität des Kaders gegen Cleveland spricht.

Golden State ist zweifellos weiterhin der große Favorit. Gegen die Small-Ball-Lineup der Warriors ist Boston im Vergleich zu Cleveland besser aufgestellt. Brad Stevens besäße genau die Spielertypen, um diese Taktik zu kontern. Wenn die Chance besteht, mittelfristig zum zweitbesten Team der Liga zu avancieren, ist dies dem vielversprechendsten Rebuild immer vorzuziehen. Selbst der Champion ist vor Missgeschicken und Abgängen nicht gefeilt. „Give Luck a Chance!“

Zufall?

Bei diesem Tauschgeschäft ist die beidseitige Protection des Lakers-Picks sehr spannend. Beim derzeitigen (natürlich verfrühten) Blick auf den Mock-Draft 2018 steht der Flügelspieler Luca Doncic bei DraftExpress an erster Stelle. Dahinter folgen bis einschließlich Position sieben nur Combo-Forwards oder Bigs. Während der jetzige Kern der 76ers noch Bedarf auf dem Flügel hat, sind die anderen Positionen nach der Verpflichtung von Markelle Fultz elitär besetzt. Bei den Celtics, die den Pick nur erhalten, wenn er zwischen zwei und fünf liegt, verhält es sich entgegengesetzt. Zufall?

Fazit

Solche Blockbuster-Deals sind für alle beteiligten Teams nie ohne Risiko. Denn keine Seite weiß wirklich, was sie letztendlich abgibt bzw. erhält. Aus Sicht der Philadelphia 76ers ist es jedoch schwer, solch ein Angebot abzulehnen. Deutlich schwieriger ist die Bewertung der Boston Celtics. Hätte Ainge es auf Josh Jackson abgesehen, wäre solch ein Wechsel nur mit Einbindung der Los Angeles Lakers oder während des Draftes geschehen. Denn es ist weiterhin unklar, ob der Spieler aus Kansas an dritter Position zur Auswahl stehen wird. Deshalb lässt sich das Frontoffice der Kelten zumindest noch diverse Optionen offen.

Eine Rarität ist diese Übereinkunft allein deshalb, da sie das Potenzial besitzt, zwei Franchises einen Titel zu bescheren. Besser konnte der Sommer doch nicht starten!

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