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Bob McAdoo: eine vergessene Karriere

27.08.2005 || 00:00 Uhr von:

Bob McAdoo hat Großartiges geleistet. Nicht nur wegen seines MVP-Titels oder seiner drei Titel als Scoring Champion. Nein, Bob McAdoo hat nebenbei auch noch das Spiel um die feine taktische Note des von außen werfenden Big Man erweitert. Doch der Ruhm verblasste alsbald: McAdoo wurde bei der Wahl zu den fünfzig besten NBA-Spielern aller Zeiten schlicht ignoriert. Als einziger MVP überhaupt. Eine Geschichte des steilen Aufstieges und des tiefen Falls.

Wie alles begann?

Robert Allen McAdoo Junior, wie er mit vollem Namen hieß, wurde am 25. September 1952 geboren und wuchs in North Carolina, genauer in Greensboro auf. Seine Mutter arbeitete als Lehrerin an der örtlichen Grundschule, während sein Vater Aufseher am benachbarten A&T College war. Im Alter von nur drei Jahren warf McAdoo dort das erste Mal einen Ball auf den Korb und war fortan ein begeisterter Basketballspieler.

Nach dem unspektakulären Besuch der Grundschule stand für ihn der Besuch der High School an. Nachdem amerikanische Richter begonnen hatten, die Rassendiskriminierung aufzuheben und die meisten Schulen auch für Schwarze öffneten, bestand für McAdoo die Möglichkeit, eine gemischte Schule zu besuchen. Doch McAdoo entschied sich anders. Weil er und seine Freunde glaubten, dort bessere Chancen zu haben, das Schul-Basketballteam zu erreichen, besuchten sie die Ben L. Smith High School.

Natürlich gelang der Sprung in das Basketballteam; McAdoo wusste sofort zu überzeugen. Dreimal in Folge von 1969 bis 71 wurde er ins All-Conference Team gewählt, 1969 sogar ins All-State Team berufen. Zudem führte er sein Team zu einem erfreulichen dritten Platz in der Staatsmeisterschaft. Nebenbei war er auch ein erfolgreicher Hochspringer, stellte dabei sogar einen neuen Landesrekord auf und gewann als Senior die Landesmeisterschaft North Carolinas. Einer seiner unterlegenen Rivalen damals war der spätere NBA-Spieler Bobby Jones. Auch am Saxophon wusste er zu überzeugen und spielte in der Schulband.

Bei all diesen Nebenbeschäftigungen schien er die Konzentration auf die Schule etwas zu vernachlässigen, war nie ein guter Schüler und scheiterte folgerichtig auch bei dem Versuch, die University of North Carolina zu besuchen, weil er den akademischen Eignungstest nicht bestand. Notgedrungen entschloss er sich das Vincennes Junior College zu besuchen und dort sowohl an seinen basketballerischen als auch an seinen schulischen Leistungen zu arbeiten. Beides gelang ihm. Sportlich konnte er sein Team mit durchschnittlich 19,3 Punkten pro Spiel direkt in seinem ersten Jahr zur Meisterschaft zu führen. Im zweiten Jahr verbesserte er seinen Punkteschnitt sogar noch einmal auf 25 Ppg und wurde mit einer Einladung in das US-Team für die Panamerikanischen Spiele 1971 belohnt. Nach diesen zwei Jahren am Junior College hatte er sich auch akademisch verbessert und bestand die Aufnahmeprüfung der University of North Carolina.

Dort schlug er direkt ein wie eine Bombe. Schon in seinem ersten Jahr führte er die Mannschaft zu einem 29-5 Rekord und war auch in der March Madnees erst im Halbfinale durch Florida State zu stoppen. Lohn für seine 19,5 Punkte und 10,1 Rebounds pro Spiel waren Nominierungen in fast allen Auswahlteams, sowie die Auszeichnung zum Team- und ACC Tournament MVP.

Die Not seiner Familie als Grund anführend, wollte McAdoo nun frühzeitig Profi-Basketballer werden und meldete sich deshalb schon 1972 zum Draft an. Während die Portland Trail Blazers ihn noch verschmähten und stattdessen LaRue Martin ? den wahrscheinlich schlechtesten Nummer-Eins-Pick aller Zeiten ? wählten, zogen ihn die Buffalo Braves an zweiter Stelle.

Seine große Zeit?

Die erst zwei Jahre zuvor als Expansion Team gegründeten Braves hatten die letzten beiden Jahre mit lediglich 22 Siegen abgeschlossen und benötigten dringend einen Franchise Player, der sie zu ersten Erfolgen führen sollte. Diese Rolle sollte McAdoo ausfüllen und schien daran zunächst grandios zu scheitern. Hall-of-Famer und Braves-Coach Jack Ramsay hielt ihn für zu gebrechlich, um die Center-Position zu spielen und versuchte den Rookie auf die Small-Forward-Position umzuschulen. Das Experiment misslang, McAdoo schaffte nicht einmal den Sprung in die Starting Five und fiel insbesondere durch seine komplett fehlende Defense auf. Nach einer halben Saison hatte der Coach endlich ein Einsehen und beorderte ihn auf die Center-Position. McAdoo bedankte sich mit 18,0 Punkten, 9,1 Rebounds und der Auszeichnung zum Rookie of the Year. Der Teamerfolg blieb bei lediglich 21 Siegen dennoch aus.

Besser wurde dies erst, als es den Braves in der nächsten Off-Season gelang, das Team gezielt zu verstärken. Neben den besseren Mitspielern explodierte auch McAdoos Leistung. Mit 30,6 Punkten pro Spiel gewann er erstmals den Scoring-Titel und wurde zum All-Star Game eingeladen. Sein Team gewann insgesamt 42 Spiele und konnte sich erstmals in der Geschichte für die Playoffs qualifizieren. Dort traf man auf die Titelfavoriten der Boston Celtics. Namen wie Havlicek, White, Cowens und Nelson standen für Qualität und waren letztlich auch nicht zu schlagen. Dennoch boten McAdoo und die Braves einen großen Kampf und spielten sich erstmals in die Herzen der Fans in Buffalo.

In der nächsten Saison konnten sich nicht nur die Braves erneut für die Playoffs qualifizieren, sondern auch McAdoo konnte noch einmal zulegen. 34,5 Punkte pro Spiel bedeuteten nicht nur erneut den Scoring-Titel, sondern er wurde auch mit dem MVP-Titel ausgezeichnet. In den Playoffs traf man auf die Washington Bullets, verlor aber unglücklich im siebten Spiel, obwohl McAdoo 37,4 Punkte und 13,4 Rebounds auflegte.

Im nächsten Jahr war der Hype um McAdoo auf dem Höhepunkt angekommen. Sein Coach Jack Ramsay ? selbst einer der Pioniere des NBA-Basketballs und in der Hall of Fame vertreten ? geriet regelmäßig ins Schwärmen und prophezeite McAdoo, dass dieser der beste Big Man der Geschichte werden könnte. Auch Centerlegende Bill Russell zeigte sich beeindruckt davon, auf welche Art und Weise McAdoo die Center-Position interpretierte und dominierte: ?Er ist der großartigste Schütze aller Zeiten. Punkt.? Der gelobte selbst nahm das Lob mit der ihm eigenen Bescheidenheit auf und verkündete, er halte sich schon jetzt für den besten Spieler aller Zeiten.

Sportlich lief es auch weiterhin sehr gut. Buffalo erreichte erneut die Playoffs und konnte dort erstmals in der Vereinsgeschichte eine Serie gewinnen, als man in der ersten Runde gegen Philadelphia triumphierte. Danach verabschiedete man sich allerdings erneut gegen die starken Boston Celtics.

Der schleichende Niedergang?

Doch die Ehe zwischen McAdoo und den Buffalo Braves geriet in eine ernste Krise, obwohl dies mit eher harmlosen Dingen begann. So bat McAdoo aufgrund von Rückenproblemen darum, ein Spiel der Regular Season aussetzen zu dürfen. Franchise-Besitzer Paul Snyder forderte eine Untersuchung durch einen zweiten, unabhängigen Arzt, was der Spieler allerdings ablehnte. Konsequenterweise wurde er deshalb von der Teamleitung für ein Spiel suspendiert. Zudem meinte McAdoo irgendwann, dass er zu groß und zu bedeutend für das kleine Nest Buffalo geworden sei und lästerte in Buffalo würden die Kinder nur Hockey anstelle von Basketball spielen.

Da sich beide Seiten nicht zusammenraufen konnten, wurde McAdoo Mitte der Saison 1975/76 nach New York getradet. Der Beginn einer langen Odyssee. Zwar konnte er auch in New York weiterhin seine Qualitäten als Scorer unter Beweis stellen, geriet aber mit dem Teamkollegen und Superstar Spencer Haywood aneinander und wurde deshalb nur ein Jahr später nach Boston verfrachtet.

Zunächst wussten von dem Trade allerdings lediglich die beiden Teambesitzer. McAdoo selbst sowie Bostons General Manager Red Auerbach und Spielercoach Dave Cowens erfuhren dies erst aus der Zeitung und waren dementsprechend ?begeistert?. Zu allem Überfluss spielten Cowens und McAdoo auch noch auf der selben Position, was Cowens dazu veranlasste, seinen Konkurrenten teilweise auf die Bank zu setzen. In der Offseason 1979 trennten sich die Celtics von McAdoo und verschifften ihn nach Detroit.

Auch dort wurde er nicht glücklich. Von Verletzungen geplagt, konnte er nie an seine alte Klasse anknüpfen und wurde schließlich 1981 entlassen. Spät in der Saison spielte er noch zehnmal für die New Jersey Nets, konnte sich mit diesen aber nicht auf einen neuen Vertrag einigen.

Seine zwei Meisterschaften als Rollenspieler?

Das Schicksal wandte sich ihm erst wieder mitten in der Saison 1981/82 zu. Der heutige General Manager und damalige Spieler der Los Angeles Lakers, Mike Kupchak verletzte sich schwer, die Lakers suchten händeringend Ersatz und fanden diesen an Weihnachten 1981 in Bob McAdoo. Ein Move, der sich für beide Seiten bezahlt machte. McAdoo war von der Last befreit, als Franchise Player ein Team führen zu müssen und akzeptierte sein Dasein als Rollenspieler. Belohnt wurden er und sein Team mit dem Gewinn der Meisterschaft 1982.

In den kommenden drei Jahren brachte McAdoo seine Offensivqualitäten im Wesentlichen von der Bank aus ins Spiel, war in seiner letzten Saison in Los Angeles sogar ligaweit der Bankspieler mit dem höchsten Punkteschnitt und wurde 1984 mit dem erneuten Titelgewinn belohnt. Als die Lakers allerdings ihre Bank verjüngen wollten, fiel McAdoo dem zum Opfer und war erneut vertragslos, bevor ihn die Philadelphia 76ers für die zweite Saisonhälfte unter Vertrag nahmen, wo er auf seinen alten Hochsprungrivalen Bobby Jones traf.

Seine Zeit in Europa?

Als er jedoch in der kommenden Offseason erneut ohne Vertrag dastand, entschied er sich für einen spektakulären Schritt. Nach insgesamt 14 Spielzeiten und 18.787 Punkten verlies er die Liga und unterschrieb in Italien bei Tracer Mailand. Dort konnte er trotz seines Alters ? er war immerhin schon 36 ? noch einmal überzeugen. Schon in seinem ersten Jahr gewann er mit Mailand sowohl die italienische Meisterschaft als auch die Europaliga. Als er 1992 im Alter von 42 Jahren seinen Rücktritt erklärte, hatte er auch in Italien mit 26,6 Punkten und 8,7 Rebounds pro Spiel seine Spuren hinterlassen.

Für seine starken Leistungen wurde er mit zwei Teilnahmen an den McDonald?s Open belohnt, wo er beide Male ins All-Tournament Team gewählt wurde und noch heute einige Scoringrekorde hält. Zudem ist er der einzige Spieler, der sowohl in der NBA als auch in der italienischen Liga als MVP ausgezeichnet wurde.

Die Zeit nach der Karriere?

Nach dem Karriereende kehrte er in die USA zurück und arbeitete 1993 im Hintergrund an dem Film ?The Air up there? mit. Außerdem nahm er an einer Tour einiger NBA-Legenden nach Südafrika teil. 1995 heuerte er bei den Miami Heat als Assistant Coach an und erarbeitete sich dort eine Menge Respekt, wofür er mit dem Coaching des Summer-League-Teams 2004 belohnt wurde. 2000 wurde ihm dann auch sein letzter sportlicher Traum erfüllt, als er in die Basketball-Hall-of-Fame aufgenommen wurde, nachdem man ihn bei der Wahl zu den besten 50 Spielern aller Zeiten noch übergangen hatte.

Heute hat McAdoo in Miami endlich eine Heimat gefunden, lebt dort mit seiner Frau Patrizia und seinen Kindern Ross, Russell, Rasheeda und Ryan. Sein ältester Sohn Robert III lebt in North Carolina, die älteste Tochter Rita in New York. McAdoo ist als Familienvater und Assistant Coach der Heat zufrieden, von seiner Überheblichkeit vergangener Tage ist nichts mehr geblieben. Nach einer Karriere voller Irrungen und Wirrungen hat sich McAdoo diesen ruhigen Lebensabend in Miami aber auch redlich verdient.

Bob McAdoo: eine vergessene Karriere
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