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Bird vs. Magic

18.04.2002 || 00:00 Uhr von:

Bird gegen Magic – Dieses Duell zweier Sportler war ein derart faszinierendes Spektakel, dass man unweigerlich beginnt, an ein Drehbuch aus Hollywood zu denken, wenn man davon hört. Dieses Sportmärchen hat jedoch ausschliesslich das wahre Leben geschrieben. Die Geschichte beginnt denn auch gleich mit einem Paukenschlag. Wir schreiben das Jahr 1979. In einer bis zum bersten gefüllten Sporthalle in Salt-Lake-City findet das Finale des NCAA-Final Four statt. Die beiden Mannschaften stehen sich jeweils in einer Reihe in der Mitte des Spielfelds gegenüber und lauschen der obligaten Nationalhymne. In den Reihen der Indiana State University steht der 23-jährige Larry Bird, der sein Team beinahe im Alleingang ins Finale gebracht hat und auf das Duell mit dem zweiten grossen College-Star dieses Jahres brennt: Michigan State?s Earvin Johnson, Spitzname „Magic“, gerade mal 20 Lenzen jung, ist ein Leader und Kämpfer wie Bird, ein Spieler der gewinnen will ? um jeden Preis.

Millionen von Zuschauern sitzen gebannt vor dem Fernseher und verfolgen den Zweikampf der College-Stars. Es ist ein Duell, dass speziell durch die unterschiedlichen Charaktere der beiden Spieler besticht. Beide sind bekannt für ihren unermüdlichen Trainingseinsatz und den Kampfgeist im Spiel. Magic stellt dabei jedoch den typischen afroamerikanischen Basketballer dar. Sein Spiel ist geprägt von einer magisch anmutenden Eleganz und er sprüht nur so vor Spielfreude. Auf der anderen Seite steht Larry Bird, der harte Arbeiter, bei dem es irgendwie immer so wirkt, als ob er mangelndes Talent durch einen unermüdlichen Trainingseinsatz wettgemacht hat. Er verfügt nicht über diese Magie von Magic Johnson, aber er besitzt die gleiche göttliche Gabe was Spielintelligenz und Siegeswillen angeht. Der strahlende Showman gegen den etwas scheu lächelnden Kämpfer, magisch anmutende Kreativität gegen Basketballskills nahe der Perfektion ? die Bretter die uns die Welt bedeuten standen bereit für ein Stück Sportgeschichte.

Zurück zum besagten College-Finale. Die beiden Stars waren sich vorher noch nie gegenübergestanden. Bird hatte bereits die vollen vier Jahre College auf dem Buckel, während sich Magic erst in seinem zweiten Jahr befand. Beide waren schon während ihrer Zeit in der Highschool gefeierte Lokalhelden. Bird wuchs im basketballverrückten Indiana auf und entdeckte schnell seine besondere Begabung. Der junge Schnösel elektrisierte schon damals die Massen – Bei Birds letztem Spiel an der High School fanden rund 4’000 Fans den Weg in die örtliche Sporthalle und feierten ihren „Local-Hero“. Ähnlich erging es auch dem jungen Earvin Johnson. Aufgewachsen in der Kleinstadt Lansing im Staat Michigan avancierte der Point Guard schnell zum Nachwuchsstar. Als der damals fünfzehnjährige Earvin bei einem Highschool-Spiel die gegnerische Mannschaft im Alleingang auseinandernahm und danach 36 Punkte, 16 Rebounds und 16 Assists auf seinem Konto verbuchen konnte, fand ein anwesender Sportjournalist nur eine Beschreibung: er nannte den Jungen „Magic“.

Bird und Johnson wurden während ihrer Collegezeit landesweit berühmt und als sich das direkte Duell der beiden im NCAA-Finale abzeichnete, verfiel die ganze Nation in einen wahren Basketballrausch. Birds Mannschaft war die ganze Saison hindurch noch ungeschlagen, während Magic?s Michigan State die Endrunde nur dank einem beherzten Saisonendspurt erreichen konnten. Bird spielte auch während dem Final Four überragend und liess seinen Gegnern keine Chance. Der Leader der Indiana Sate machte auf dem Court keinen Hehl aus seiner spielerischen Überlegenheit und er liess das seine Gegenspieler regelmässig spüren, indem er seine Leistung mit einer gehörigen Portion Trash Talk unterstrich. Magic bekam im Training vor dem Finale gegen Birds Team von seinem Coach die Aufgabe, die Rolle von Bird zu spielen, damit sich das ganze Team auf die drohende Basketballmaschine Marke „Larry Bird“ vorbereiten konnte. Und die Strategie zeigte tatsächlich Wirkung: Während des Finalspiels wurde Bird komplett zugemacht, wodurch er kaum zu seinem Spiel fand. Magic gewann mit seinem Team die College-Meisterschaft und hatte das erste Duell mit dem weissen Basketballwunder aus Indiana hinter sich – ohne zu ahnen, dass das der Beginn einer langen Rivalität und Freundschaft sein würde.

The next Level

Mit dem NBA-Draft wurde das nächste Kapitel eingeläutet. Der alte Fuchs von den Boston Celtics, Arnold „Red“ Auerbach, sah im jungen Larry Bird den Retter seines schwächelnden Teams. Auerbach hatte schon vor vielen Jahren mit seinem Basketballspürsinn beeindruckt, als er Bill Russel nach Boston lotste und damit die Grundlage für die Celtics-Dynastie der 60er schuf. Boston zog Bird an sechster Stelle und wählte damit einen Spieler, der perfekt in die bestehenden Teamstrukturen passte. Der zurückhaltende Kämpfer schien genau der richtige für den erfolgreichsten Club der NBA zu sein.

Die LA Lakers hingegen zogen Earvin Johnson an erster Stelle und legten damit den Grundstein für den erfolgreichen Showtime-Basketball der kommenden Jahre. Ein Spieler Namens Magic, mit einem ständigen Riesensmile im Gesicht und No-look-Pässen wie von einem anderen Stern passte perfekt in die glitzernde Welt von Los Angeles. Lediglich die Leaderrolle des jungen Magic, wollte einer überhaupt nicht akzeptieren. Die LA Lakers gehörten zu diesem Zeitpunkt ganz klar dem Star-Center Kareem Abdul Jabaar – noch…

Die sportliche Rivalität zwischen Bird und Magic schien auch in der NBA nahtlos an die vergangenen Collegezeiten anzuknüpfen. Beide Rookies schafften auf Anhieb den Sprung in die Starting-five und machten ihre Teams schlagartig zu Titelfavoriten. Den grössten Leistungssprung durchlebten dabei die Celtics, die sich mit Hilfe des neuen Forwards um unglaubliche 32 Siege verbesserten und am Ende der ersten Saison mit 61 Siegen plötzlich das beste Team der NBA waren. Durch diesen Erfolg schnappte Larry Bird am Ende der Saison seinem Rivalen Magic den Titel des „Rookie of the Year“ vor der Nase weg. Bird entwickelte sich schnell zu einem erstklassigen Verteidiger, obwohl er nicht sonderlich schnell auf den Beinen war. Man sagte über ihn, er könne Spielzüge erkennen, bevor sie überhaupt eingeleitet wurden. Magic hingegen entwickelte sich zu einem erstklassigen Point Guard, der den Fast-Break-Basketball der Lakers weiterentwickelte. Johnson war eine neue Art von Point Guard, der mit seiner Körpergrösse und Athletik auf dem Feld eigentlich auf allen Positionen einsetzbar gewesen wäre.

Nachdem Larry Bird die Saison hindurch mit seiner Leistung beim Wiederaufbau der Celtics bestach, gehörten die Playoffs ganz den Lakers rund um den Rookie Magic Johnson. Die Celtics scheiterten im Finale der Eastern Conference klar an den 76ers mit ihrem Ausnahmeathlet Julius Erving. Die Lakers hingegen schafften souverän den Einzug ins NBA-Finale ? und es sollte die Sternstunde für Magic Johnson werden. Die Serie stand 3:2 zu Gunsten der Lakers, als die Nachricht, dass Abdul-Jabbar im sechsten Spiel verletzungsbedingt ausfallen würde, die Chance der Lakers gegen null sinken liess. Kareem war der bisherige Top-Scorer der Finals mit 33,4 Punkten im Schnitt und war auch im letzten Spiel mit 40 Punkten der Leistungsträger der Lakers. Bereits im ersten Spiel der Finals erledigte Kareem den Gegner fast im Alleingang mit 33 Punkten, 14 Rebounds, 6 Blocks und 5 Assists. Die Serie schien durch seinen Ausfall bereits verloren, als sich der 20-jährige Rookie aufmachte die gesamte Last des Teams auf seinen Schultern zu tragen, indem er für Jabbar auf der Centerposition einsprang. Magic brillierte mit 42 Punkten, 15 Rebounds, 7 Assists und 3 Steals ? als 20-jähriger Rookie in einem entscheidenden Finalspiel versteht sich! Mit dieser Leistung sicherte er den Los Angeles Lakers den Titel. Magic Johnson wurde auf Grund seiner Leistung als erster Rookie in der Geschichte der NBA zum MVP der Finals gewählt ? das hat bis heute noch kein Zweiter geschafft. Er verlor jedoch trotz der vielen Ehren nicht den Boden unter den Füssen und wusste genau, wem dieser Titel hauptsächlich gebührte: „Wenn der grosse Kerl nicht gewesen wäre, würden wir heute nicht hier stehen“, huldigte Magic den Star-Center nach dem Spiel.

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