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Paul Millsap: Aller guten Dinge sind drei

11.01.2017 || 14:03 Uhr von:
Paul Millsap_Atlanta Hawks
Kyle Korver nach Cleveland, Paul Millsap auf dem Trademarkt. Die Atlanta Hawks stehen am Scheideweg, ein Trade des Power Forwards könnte am Kräfteverhätnis der Liga rütteln.

Vor wenigen Tagen berichteten mehrere Journalisten darüber, dass die Atlanta Hawks für Tradeangebote ihres Power Forwards offen sind. Solche Meldungen sind zur Saisonmitte keine Seltenheit und entpuppen sich meist als Fehlmeldung. Denn Medien sind darauf angewiesen, laufend Schlagzeilen zu produzieren. Solange die Auflagen oder Klicks stimmen, ist der Wahrheitsgehalt oft zweitrangig. Dennoch gibt es triftige Gründe, die für einen solchen Trade sprechen.

Hervorzuheben ist, dass diese Meldung unter anderem von Marc Stein veröffentlicht wurde. Mit Adrian Wojnarowski gehört der ESPN-Redakteur zu den verlässlichsten Quellen der Liga. Er hat sich einen zu guten Ruf erarbeitet, um diesen mit wagen Gerüchten zu ramponieren. Breaking-News von Stein sind in der Regel von mehreren Quellen bestätigt. Außerdem ist dies nicht das erste Mal, dass Millsap in den vergangenen Monaten in Trade-Gerüchten involviert worden ist.

Millsap-Trade, der Erste

Bereits im Juli 2016 sorgte Atlanta für massig Schlagzeilen. Nachdem Jeff Teague zu den Indiana Pacers getradet wurde und Dwight Howard als Free Agent zu den Hawks kam, stand die Personalie Al Horford im Mittelpunkt. Angeblich war die Franchise daran interessiert, ihren Big Man langfristig zu binden – wenn auch nicht fürs Maximalgehalt. Dafür war Mike Budenholzer auch bereit, Paul Millsap nach Toronto zu traden. Nachdem der dritte Pick des Jahres 2007 jedoch in Boston unterschrieb, scheiterten die Verhandlungen mit Masai Ujiri.

Millsap-Trade, der Zweite

Damit waren die Tradegerüchte um die Nummer 4 der Hawks aber nicht ad acta gelegt. Wenige Wochen später berichtete Zach Lowe von Gesprächen mit den Denver Nuggets. Angeblich sollte Millsap in einem Paket um Kenneth Faried und Draftpick(s) nach Colorado geschickt werden. Das Ergebnis ist bekannt. Der Power Forward startete die Saison im Trikot der Atlanta Hawks.

Millsap-Trade, der Dritte

Nachdem Kyle Korver für den Erstrundenpick 2019 zum Titelverteidiger nach Cleveland getradet wurde, spricht vieles für einen baldigen Abschied des werdenden Free Agent. Dieser Move sowie die Gerüchte um Tim Hardaway Jr., Thabo Sefolosha und Tiago Splitter sind klare Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen in Atlanta die langfristige Perspektive einem kurzfristigen Erfolg vorziehen. In diese Planung passt Paul Millsap wohl nicht rein.

Ausgangssituation 2017

Da in der kommenden Offseason viele Verträge auslaufen, stehen General Manager Budenholzer im Sommer ca. 40 Millionen Dollar zur Verfügung. Eine Weiterverpflichtung von Millsap würde jedoch jegliche Flexibilität zunichte machen. Mit einem Caphold von knapp 31 Millionen wären die Hawks finanziell nahezu handlungsunfähig – zumindest auf dem Free-Agent Markt. Um sportlich relevant zu bleiben, kann das Front Office maximal die Verträge der anderen Vertragsfreien mit den Birdrechten halten. Heißt: Atlanta würde mit nahezu unverändertem Kader in die nächste Saison starten.

Hinzu kommt, dass die zwei besten Spieler – Paul Millsap und Dwight Howard – altersbedingt mittelfristig auf dem absteigenden Ast sind. Damit wäre Atlanta in den nächsten Jahren bestenfalls ein Playoffteam ohne höhere Ambitionen, also eine Kopie der Hawks mit Joe Johnson und Josh Smith. Ohne junge Toptalente oder andere Assetts – wie beispielsweise hohe fremde Draftpicks – ist dies keine gute Position. Wieso sollte deshalb eine Franchise, die Al Horford 2016 keine 153 Millionen zahlen wollte, einem dann 32-jährigen Big Man einen potenziellen Maximalvertrag über 207 Millionen zahlen wollen? Die Gefahr wäre zu groß, dass dieser Vertrag mittelfristig in eine Sackgasse führen würde. Nur was kann Atlanta noch als Gegenwert erwarten?

Wunschliste

Die Hawks standen bereits im letztjährigen Februar vor einer vergleichbaren Situation. Angeblich stand Al Horford aufgrund seines auslaufenden Vertrages auf dem Trademarkt. Der geforderte Preis war den Interessenten jedoch zu hoch. Der Center beendete daraufhin die Saison in Georgia. Den Gerüchten zufolge will Budenholzer auf für Paul Millsap einen hohen Gegenwert bekommen.

The Hawks, sources say, want at least one quality first to headline a Millsap deal.

Diese Forderung ist jedoch schwer zu erzielen. Denn jedes Team, das für den Power Forward tradet, ist in einer vergleichbaren Situation wie Atlanta. Millsap könnte im Sommer die Franchise ohne Gegenwert verlassen oder einen Maximalvertrag – wenn auch nur über 4 Jahre – mit einem Startgehalt von rund 36 Millionen Dollar fordern. Sollte kein Wettbieten a la Kevin Love 2014 entbrennen, wird dies den Preis deutlich reduzieren. Einen einstelligen Draftpick oder ein junges Talent mit All-Star-Potenzial ist nicht zu erwarten.

Entscheidend wird auch sein, in welche Richtung die Franchise gehen will. Denn die Verpflichtung von Dwight Howard sowie die Vertragsverlängerung von Kent Bazemore in der vergangenen Offseason deuten nicht darauf hin, dass ein langfristiger Rebuild der Masterplan zu Saisonbeginn war. Hat sich diese Einstellung geändert oder soll lediglich eine Verjüngung des Kaders erfolgen?

Kandidaten

Interessenten für einen Spieler wie Paul Millsap dürfte es viele geben. Denn er ist eine gute Mischung aus einem klassischen Power Forward und einem Small Ball Vierer. Die Nummer 4 gehört zu den vielseitigsten Spielern auf seiner Position und ist einer der besten Verteidiger der Liga. In der Theorie dürfte die halbe Liga an ihm dran sein. Die Vertragssituation wird das Feld jedoch ausdüngen.

https://youtu.be/kEgq4UGEISc

Die Kardinalfrage lautet: Was will Millsap? Denn nur wenn die Bieter eine Chance haben, den Forward langfristig zu binden, wird der Gegenwert interessant genug für die Hawks sein. Ein NO zu seiner potenziellen Vertragsverlängerung sollte auch das Aus für einen Millsap-Trade sein.

Steht das Geld im Mittelpunkt, wird es mehr Teams geben, die an einem Trade für den Power Forward interessiert sind. Denn kaum ein Topteam wird im Sommer 2017 den nötigen Capspace besitzen, um Millsap einen Maximalvertrag und Titelambitionen liefern zu können. Fraglich ist außerdem, ob der Power Forward dann ganz oben auf deren Wunschliste steht. Wenn Millsap in seinen letzten Jahren aber noch einmal in einem Team mit Contenderambitionen spielen will, gibt es deutlich weniger Bewerber. Die Sacramento Kings wären dann vermutlich raus. Aber die Topteams werden kaum bereit sein, einen elementaren Baustein des Kaders herzugeben.

Boston Celtics

Ein Team, das diese Vorraussetzungen erfüllen könnte, wäre der Rekordchampion aus Massachusetts. Paul Millsap würde perfekt ins System von Coach Brad Stevens passen und die Celtics zum Hauptkonkurrenten der Cleveland Cavaliers werden lassen. Doch deren General Manager ist nicht dafür bekannt mit seinen Assetts allzu spendabel umzugehen. Die Picks der Brooklyn Nets hat er bereits 2016 für Al Horford nicht gezogen und wird dies auch für den Ex-Teamkollegen nicht tun. Vor allem, da es nur einige Feinjustierungen benötigt, um im Juli genug Capspace für den Free Agent Paul Millsap zu kreieren. Dennoch könnte Boston ein interessanter Tradepartner sein.

Denn auch die Eichhörnchenstrategie von Danny Ainge hat seine Opfer hinterlassen. Es gibt nicht genug Minuten um alle jungen Assetts zu entwickeln. Und um einen potenziellen Maximalvertrag im Sommer bieten zu können, müssten weitere jungen Spieler von der Gehaltsliste gestrichen werden. Wenn die Hawks sich mit Masse statt Klasse zufrieden geben, wäre Boston ein guter Tradepartner. Mit Kelly Olynyk, Terry Rozier, Jordan Mickey, Demetrius Jackson, den zwei gestaggerten Picks aus 2016 und dem Erstrundenpicks der Los Angeles Clippers und Memphis Grizzlies 2019 kann Ainge ein interessantes Paket zusammenstellen. Und Atlanta ist in den letzten Jahren für seine gute Spielerentwicklung bekannt.

Trade-Beispiel: Olynyk, Jerebko, Zeller, Yabusele, Zizic, Clippers-Pick – Millsap

Toronto Raptors

Die kanadische Franchise wird wohl am häufigsten genannt, wenn es um einen potenziellen Trade für den Power Forward geht. Sie haben ebenfalls eine interessante Kombination aus sportlicher Perspektive, jungen Assetts und Draftpicks, um solch einen Trade zu ermöglichen. Dazu ist die Vier die größte Baustelle im Kader des Teams. Wie sein Kollege aus Boston ist der General Manager der Raptors jedoch auch ein harter Verhandlungspartner. Wenn Toronto das finanzielle Risiko eingehen wird, Paul Millsap und Kyle Lowry im Sommer einen Maximalvertrag geben zu müssen, wird Masai Ujiri die große Stärke seines Teams – die Bank – ungern rupfen. Denn ein Trade für den Power Forward der Hawks hat den Sinn ein ernsthafter Konkurrent für LeBron James‘ Cavs zu sein. Dafür dürfen keine neuen Baustellen entstehen.

Trade-Beispiel: Ross, Sullinger, Poeltl, Clippers-Pick 2017 – Millsap

Charlotte Hornets

Derzeit spricht vieles für einen Rebuild in Atlanta. Doch wenn die Hawks stattdessen die Taktik vom Ex-General Manager weiterverfolgen wollen, könnten auch andere Teams interessant sein. Danny Ferry stellte in den letzten Jahren ein Team auf die Beine, dass sportlich konkurrenzfähig und finanziell flexibel aufgestellt war. Dazu konnte er auf einen gute Entwicklungsarbeit vertrauen. Sollte diese Taktik fortgeführt werden, könnte ein Trade mit Michael Jordans Hornets interessant sein. Charlotte hat sich im vergangenen Sommer langfristig an viele Spieler gebunden und ist in Zukunft finanziell stark eingeschränkt. Die beiden Topspieler – Kemba Walker und Nicolas Batum – kommen in ihre Prime, sie opferten im Sommer einen Erstrundenpick für Marco Belinelli und haben seit der Gründung 2004 kein einziges mal die zweite Playoffrunde erreicht.

Heißt: Charlotte ist im All-In-Modus. Ein Paul Millsap würde ein deutliches Upgrade auf der Vier bedeuten. Champion werden die Hornets mit ihm wohl nicht, um eine Chance auf die Conference Finals zu haben wird die Franchise aus North Carolina aber wohl einiges opfern. Und die Hornets haben einige Verträge, die unter dem neuen CBA interessant für ein Team im Retool-Modus ist.

Trade-Beispiel: Kidd-Gilchrist, Williams, Lamb, Erstrundenpick – Millsap, Bazemore

Denver Nuggets

Wenn Paul Millsap kurzfristig Teil eines erfolgreichen Teams sein will, hat die Mile High City in dieser Auflistung eigentlich nichts zu suchen, oder? Doch die Nuggets unterscheiden sich von potenziellen Konkurrenten wie den Sacramento Kings. Sie haben einen jungen Kern, können mit dem Power Forward der Hawks in die Playoffs kommen und hätten trotz einer Weiterverpflichtung von Millsap im Sommer massig Capspace – mit kleineren Moves sogar einen weiteren Maximalvertrag – für weitere Neuzugänge.

Sie dürsten nach einem erfahrenen Veteranen und sportlichem Upgrade und werden erfahrungsgemäß kein Risiko scheuen. Im Sommer 2014 gehörte Denver zu den Teams, die Kevin Love via Trade nach Colorado locken wollten – trotz des Risikos, ihn im kommenden Jahr als Free Agent zu verlieren. Zuletzt waren sie auch Teil von Gerüchten um DeMarcus Cousins und Blake Griffin. Denver ist definitiv ein Team, dass bereit ist ein hohes Risiko einzugehen um voran zu kommen.

Tradebeispiel: Kenneth Faried, Will Barton, Jusuf Nurkic, Grizzlies Pick 2017 – Paul Millsap

Fazit

Die nächsten Wochen werden zeigen, in welche Richtung die Atlanta Hawks planen. Die Franchise hatte jahrelang große Schwierigkeiten die Halle zu füllen. Der Zeitpunkt für einen radikalen Rebuild mag auf dem Papier interessant sein; für eine Besitzergruppe, die vor kurzem 850 Millionen in ein NBA-Team gesteckt hat, jedoch nicht ohne Risiko. Denn der finanzielle Aspekt gehört zum Business dazu.

Ein Trade von Paul Millsap wird auch für die ganze Liga relevant sein. Zumindest wenn er stattfindet. Denn laut Wes Wilcox wurde er am Montag wieder vom Trademarkt genommen. Wie viel davon taktisches Geplänkel und Preistreiberei ist, wird sich noch zeigen. Der Power Forward mag kein Franchise-Player sein. Seine Addition könnte trotzdem das Kräfteverhältnis der Liga verändern.

Paul Millsap: Aller guten Dinge sind drei
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