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Atlanta Hawks: Der große Umbruch?

17.02.2016 || 11:01 Uhr von:
Al Horford_Atlanta Hawks
Bei keinem anderen Team werden so viele Namen in Tradegerüchten gehandelt wie bei den Atlanta Hawks. basketball.de erklärt, warum bei den Habichten alles auf dem Prüfstand steht.

Mit 60 Siegen waren die Atlanta Hawks in der vergangenen Saison das beste Team der Eastern Conference. Und auch in diesem Jahr hätte die Franchise aus Georgia derzeit Heimvorteil in der ersten Runde einer Playoffserie. Trotzdem kocht die Gerüchteküche vor der Trading Deadline am 18. Februar. basketball.de analysiert die Hintergründe.

Al Horford

Seit neun Jahren ist Horford nun die Konstante bei den Hawks. Obwohl er aufgrund seines unspektakulären Spielstils oft unter dem Radar fliegt, entwickelte er sich zu einem der besten Big Men der Liga. Er kann sowohl auf Center als auch als Power Forward auflaufen und besitzt seit dieser Saison einen guten Dreipunktewurf (34% 3FG). Seit seiner Ankunft verpassten die Hawks nie die Playoffs. Warum also befindet sich sein Name seit Tagen auf der Liste der potenziellen Trade-Kandidaten?

Der Hauptgrund ist sein auslaufender Vertrag. Mit einem Jahresgehalt von zwölf Millionen Dollar gehört er derzeit zu den unterbezahltesten Spielern der Liga. Dies wird sich im Sommer ändern. Nachdem Altanta bereits in der vergangen Offseason dem ebenfalls günstigen Frontcourt-Partner Paul Millsap einen Maximalvertrag bezahlen mussten, wird bei Horford im Sommer mit einem gleichen Szenario gerechnet. Doch sind die Hawks bereit dazu, ihrem Center einen Maximalvertrag über 145 Millionen Dollar in den nächsten fünf Jahren zu geben?

Denn zu Beginn der Free Agency wird Al Horford 30 Jahre alt sein. In den letzten fünf Jahren verpasste er 122 reguläre Saisonspiele. Dazu ist er – trotz aller Qualität – kein Franchise Player. Ein Team mit klarem Kern kann dieses Risko sicher eingehen, bei den Hawks ist jedoch unklar, in welche Richtung die Franchise in den kommenden Jahren gehen wird.

“From everything I’ve been told in the last two or three days, Atlanta’s requests for both  Al Horford and Jeff Teague have been borderline ridiculous,” explained Mannix. “

Ist Altanta nicht gewillt, Horford diesen Vertrag zu bezahlen, oder zweifeln sie gar an dessen Verbleib, so muss der Marktwert von Horford getestet werden. Gerüchteweise soll der Preis jedoch trotz auslaufenden Vertrages sehr hoch sein. Trotzdem ist eine Verpflichtung des Bigs vor der Offseason aufgrund des niedrigen Capholds – 18 Millionen Dollar – eine interessante Option. Denn dieser liegt rund sieben Millionen unter dem eigentlichen Startgehalt. Dies ermöglicht es dem neuen Team, diese Millionen zuerst in andere Free Agents zu investieren, bevor sie mit Al Horford verlängern. Aus den gleichen strategischen Gründen verlängerten beispielsweise die Detroit Pistons und Washington Wizards die Verträge von Andre Drummond und Bradley Beal nicht vorzeitig.

Free Agency 2017

Viele Fans der Hawks werden beim derzeitigen Tabellenstand ein Déjà-vu haben. Ähnlich wie in der Horford/Smith/Johnson-Ära steht Atlanta im Niemandsland der Playoffteilnehmer der Eastern Conference und wird – bei anhaltendem Trend – bei ca. 45 Siegen auslaufen. Doch im Gegensatz zu „alten“ Zeiten ist das Gehaltsgefüge der Franchise deutlich gesünder. Abgesehen von der Spieler-Option von Millsap besitzt kein Spieler einen garantierten Vertrag über 2017 hinaus. Nahezu der ganze Kader ist aus heutiger Sicht unterbezahlt. Noch! Denn diese Konstallation bietet Chancen und Risiken zugleich.

Für die Saison 2017/18 wird der Cap derzeit auf mindestens 108 Millionen Dollar geschätzt. Damit ist die Offseason 2017 für die Hawks hervorragend geeignet, um einen Kader zu renovieren. Doch dazu müssen die Free Agents auch nach Georgia kommen wollen. Die Erfahrung der letzten Jahre lässt daran zweifeln.

Damit besteht das große Risiko, mit den eigenen Free Agents verlängern zu müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Da die Spieler sich unter Coach Mike Budenholzer hervorragend entwickelten, werden die zuvor günstigen Verträge 2017 sehr teuer. Damit wäre die finanzielle Flexibilität der letzten Jahre dahin. Jahrelanges Mittelmaß würde den Hawks drohen. Denn ab 2018 soll der Cap nach derzeitigen Schätzungen wieder etwas sinken. Alle 2017 abgeschlossenen Verträge könnten deren Teams zukünftig schmerzen.

Deshalb ist es nachvollziehbar, dass sich die Verantwortlichen in Georgia nach Tradeoptionen umschauen. Der Wert der Spieler, die noch bis Juli 2017 unter Vertrag stehen, ist noch recht hoch. Entspricht der Gegenwert für Jeff Teague und Co. nicht den Erwartungen, kann General Manager Budenholzer auch bedenkenlos bis zum Sommer warten. Viele Teams werden beim großen Wettbieten leer ausgehen und sich dann auf dem Trademarkt nach Alternativen umsehen. Gerade der Markt der Point Guards ist 2016 sehr dünn besetzt. Die Hawks haben derzeit keinen Druck, einen Deal abzuwickeln. Aus dieser Situation lässt sich erfahrungsgemäß viel rausholen. Aber Vorsicht: selbst ein guter Trade für Teague oder Korver – beispielsweise für Picks – ist nicht gefahrlos. Denn die sportliche Entwicklung kann auch Auswirkungen auf die Entscheidung von Horford im kommenden Sommer haben. Plant Atlanta weiterhin mit seinem Center, muss die kurz- und mittelfristige Perspektive berücksichtigt werden.

Rebuild oder Retool?

Falls Trades geplant sind, bleibt die Frage, in welche Richtung die Atlanta Hawks gehen wollen. Ein Rebuild ist ebenso denkbar wie ein Retool des Kaders. Die Tatsache, dass die Franchise seit dem vergangenen Jahr neue Besitzer hat, erschwert diese Einschätzung noch. Für beide Richtungen gäbe es gute Gründe.

Fehlt das Vertrauen in den derzeitigen Kern, wäre der Zeitpunkt für einen Rebuild ideal. Der Tradewert der Spieler ist sehr hoch. Für Milsapp, Horford, Teague und vielleicht sogar Korver können die Hawks viele wichtige Assetts für einen Neuaufbau bekommen. Viele Teams suchen händeringend nach Tradepartnern, die gute Spieler abgeben wollen. Dies erhöht den Preis. Mit vielen fremden Picks sowie jungen Spielern á la Dennis Schröder und Kent Bazemore – der jedoch Free Agent wird – lässt sich ein Umbruch dann auch auf wenige Jahre reduzieren.

Auch in Hinblick auf kommende Free Agencies würde ein Rebuild in diesem Jahr Sinn ergeben. 2016 und 2017 gibt es dank den zwei großen Anstiegen der Gehaltsobergrenzen überdurchschnittlich viele gute Teams, die im Kampf um die besten Free Agents konkurrieren. Diese Tatsache treibt die Preise für alle vertragsfreien Spieler in die Höhe. Selbst wenn zuletzt schwache Teams bereit sind, einen Maximalvertrag zu bezahlen, sind die Aussichten einen guten Spieler im Sommer zu holen, gering. Dies ändert sich wieder ab 2018. Dann werden, wie in der Vergangenheit üblich, wieder weniger Teams den notwendigen Gehaltsspielraum für Free Agents besitzen. Ist die Grundlage in einem Rebuild bis dorthin gelegt, kann Atlanta dann auch ein interessantes Team für junge Free Agents sein.

Für die Attraktivität der Franchise hätte ein solcher Umbruch jedoch erstmal fatale Folgen. Die Zuschauerzahlen in Atlanta waren in den vergangenen Jahren bereits ein großes Problem. Immerhin  brachte eine E-Mail des Vorbesitzers Bruce Levenson, in dem die schlechte Zuschauersituation der Hawks erörtert wurde, den Verkaufsprozess in Gang. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die neuen Eigentümer, die gerade 850 Millionen Dollar in die Franchise investierten, ein vielversprechendes Team auseinanderreißen wollen. Ein Rebuild würde die Einnahmen in den kommenden Jahren reduzieren. Es sollte auch die Tatsache nicht vernachlässigt werden, dass GM und Coach ein und dieselbe Person sind. Ein Trainer gibt ungern ein potenzielles Eastern-Conference-Finals Team auf, um einen jahrelangen Rebuild zu gehen. Wird diese Richtung nicht von den Besitzern vorgegeben, spricht dieser Interessenkonflikt eher gegen eine radikale Lösung.

Im Podcast ESPN-Lockdown wurde kürzlich über Gerüchte gesprochen, dass Dwight Howard im Sommer an einer Heimkehr nach Atlanta interessiert sei. Sportlich wäre diese Verpflichtung des 30-Jährigen Centers sicher riskant. Für das Zuschauerinteresse könnte es jedoch genau der Neuzugang sein, den sich ein Unternehmen wünscht.

Fazit

Die Atlanta Hawks werden zur Trading-Deadline ein interessanter Gesprächspartner sein. Konkurrenten können mit dem richtigen Angebot einen guten Spieler bekommen. Unter Wert wird Budenholzer seine Spieler jedoch nicht verkaufen. Einzig die Situation um Al Horford ist für die Franchise etwas prekär. Doch das Interesse an ihm ist angeblich groß genug, um in einem potenziellen Trade einen vernünftigen Gegenwert zu erhalten.

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