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Anthony und Rose weiter in New York – Vergebene Chance?

25.02.2017 || 12:53 Uhr von:
Knicks
Die Trade Deadline ist verstrichen und die Knicks hatten keinerlei Trade zu vermelden. War es die richtige Entscheidung, die beiden Stars im Big Apple zu halten?

All Star Break, der Zeitpunkt an dem Teams einen letzten Push in Richtung Playoffs starten oder die Saison abschreiben. Grund dafür ist die Trade Deadline, die Donnerstag um 21 Uhr deutscher Zeit verstrich. In den Wochen zuvor dominierten die Gerüchte um einen Trade von Carmelo Anthony die Schlagzeilen und hielten die Online-Foren in Atem. In den letzten Tagen war es dann ein möglicher Derrick Rose Trade, der ihn im Gegenzug für Ricky Rubio nach Minnesota senden sollte und die F5-Tasten auf den Tastaturen der Knicks-Fans bis zur Deadline auf Temperatur brachten. Aber weder Rose, noch Anthony mussten New York verlassen, eine Tatsache, die Niemanden so richtig zufriedenstellt. Weder Fans, Medien noch Knicks Team-Präsident Phil Jackson.

Melo-Drama – bereit für die nächste Runde

Denn gerade Jackson hatte in den Wochen zuvor einiges für einen Trade von Carmelo Anthony getan und immer wieder Seitenhiebe ausgeteilt, so dass es schließlich sogar zu einem klärenden Gespräch zwischen Jackson und Anthony kam. Melo hat noch zwei weitere Jahre Vertrag nach dieser Saison (zweites Jahr eine Player Option) und ist klarer Top-Verdiener der Knicks und das mit fortschreitendem Alter, ist er doch mittlerweile 32 Jahre alt. Und obwohl er in den letzten Wochen alle Kritiker, die behaupteten, er würde stark nachlassen eines besseren belehren konnte (25,3 Punkte pro Spiel seit dem Jahreswechsel) zeigt auch diese Saison, dass Anthony selbst mit verbesserten Optionen um sich herum meilenweit von einem Titel und aktuell sogar der Playoff-Teilnahme entfernt ist. Seine Tage im Garden scheinen gezählt zu sein. Wenn, ja wenn ein passender Trade Partner gefunden worden wäre. Denn wie allseits bekannt sein dürfte, hat sich Carmelo eine No-Trade-Klausel in seinen Vertrag schreiben lassen, so dass er jedem Trade hätte zustimmen müssen. Genaueres über die Ausgangslage vor der Deadline ist im Artikel von Sven Scherer nachzulesen. So gerne Melo auch in NY bleiben würde, die Situation scheint auch an ihm zu zehren.

Hype, Euphorie und schließlich Ernüchterung

Vor allem aber wirft der enttäuschende Saisonverlauf kein gutes Licht auf Jackson und sollte die Zukunft des dreizehnfachen NBA-Champions in New York in Frage stellen. Derrick Rose, Joakim Noah, Courtney Lee und Brandon Jennings gepaart mit dem aktuellen König New Yorks Carmelo Anthony und dessen Kronprinzen Kristaps Prozingis sollten endlich wieder Ansehen und eine lange Saison im Garden sorgen. Dies war die Prämisse, die vor der Saison die NBA-Welt aufhorchen ließ. Und etwa bis zur Jahreswende war auch alles halbwegs in Ordnung, war man zwischenzeitlich doch vier Spiele über .500 und hatte volle Segel in Richtung erster Playoff-Teilnahme nach drei Jahren Abstinenz gesetzt.

Seit dem 22.12.2016, einem 106:95 Sieg über die Orlando Magic verlor man jedoch 21 von 29 Spielen! (Mein letzter, sehr positive, Artikel stammt vom 23.12.2016 – Ich sehe hier überhaupt keinen Zusammenhang!) Der Trend zeigt also klar nach unten, mal ganz abgesehen von den Querelen abseits des Courts, die für die New Yorker Presse natürlich ein gefundenes Fressen sind.

To tank or not to tank?

Die Lage schien klar zu sein. Ein Team mit gestandenen Spielern und großen Namen wird wohl selbst am Minimalziel, dem Erreichen der Playoffs, scheitern. Welchen Grund konnte es also dafür geben nicht alles zu traden und komplett neu anzufangen? Nun, man ist nur vier Spiele vom achten Platz im Osten entfernt, fünf vom siebten und sechs vom sechsten Tabellenplatz. Mögliche Gegner in den Playoffs wären dort die Celtics, Wizards, Raptors oder Hawks, jedenfalls alles keine Überteams. Mit der gesammelten Erfahrung gerade von Rose und Noah in den Playoffs wäre eine Überraschung möglich sofern nach dem All Star Break ein Run gestartet werden kann. Gelingt dies kann in dieser Saison tatsächlich noch einiges drin sein, auf das man vielleicht im nächsten Jahr aufbauen könnte. Das ist allerdings auch schon alles! Denn wie beschrieben, es geht um Überraschungen und darum vielleicht ein bisschen Playoff-Basketball zu sehen. Und so gerne wir auch Playoff-Porzingis sehen möchten, so würde dies nur den unvermeidbaren Neuaufbau um ein paar Jahre verschieben.

Reality Check

Denn die Realität zeigt, dass man zwar in vielen Spielen drin ist und nur knapp verliert, die Probleme aber offensichtlich sind, gerade in der Defensive. Weiter steht man eben auf dem zwölften Platz im Osten, Nummer 24 in der gesamten Liga und damit auf Platz 7 was die Reihenfolge in der 2017 Draft Lottery angeht. Bevor ihr nun sagt, „Was interessiert uns der Draft. Die Knicks haben doch ohnehin keine Draft Picks“, muss ich euch freundlich bitten uns nicht mit diesem „Basketball“-Team östlich des East Rivers zu verwechseln. Denn was man auch von den Entscheidungen Phil Jacksons halten mag, er hat die Fehler der Knicks-Vergangenheit nicht wiederholt und keinerlei Draft-Picks für den kurzfristigen Erfolg getradet.

Warum also nicht dem aktuellen Hoffnungsträger und Messias in Ausbildung (Porzingod) einen weiteren potentiellen Star an die Seite stellen? Gerade im Bereich der Guards scheinen mit Markelle Fultz, Lonzo Ball (wohl wirklich sein richtiger Name), Dennis Smith und De’Aron Fox einige interessante Point Guards vorhanden zu sein, die einen Abgang von Derrick Rose im Sommer verkraften ließen. Natürlich alles hoch spekulativ, aber der achte Platz muss ja nicht das Ende der Fahnenstange sein. Werden weitere Spiele verloren, könnten die Knicks „hoch“ rutschen. Selbst als Achter hat man 8,2% Chancen auf einen Top3 Draft Pick und 2,3% auf den Top Draft-Pick. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, so schafften es die Chicago Bulls 2008 vom neunten Platz der Draft Lottery auf den ersten Platz und sicherten sich Derrick Rose. Könnte Rose nun also als „Tank Commander“ den Knicks einen hohen Pick sichern, es wäre eine schöne Anekdote.

Es war / ist Zeit

Derrick Rose also weiterhin im Kader und mit auslaufendem Vertrag. Die Knicks tun gut daran, im Sommer nicht alles auf eine Karte zu setzen. Rose im Kader zu haben ist sicherlich nicht schlecht, ist er doch ein produktiver Spieler, aber eben auch nur zu einem vernünftigen Preis. Mit der Verletzungshistorie ist er sicherlich kein „Max-Player“ und sollte auch so behandelt werden. Für Rose etwas zählbares zu bekommen, wäre optimal gewesen, hat man schließlich im Sommer immerhin einen soliden Center in Robin Lopez und einen jungen Point Guard in Jerian Grant nach Chicago abgeben müssen. Sofern nun aber wirklich kein guter Deal da war, ist es sicherlich besser lieber keinen Trade zu tätigen, der den nächsten mittelmäßigen Point Guard nach New York holt und Cap Space bis 2019 bindet.

Bei Carmelo waren sicherlich die Optionen für einen Trade überschaubar, da Melo nur einem Trade zu einem Contender zugestimmt hätte. Im Sommer sollte ein Trade weiter forciert werden. Denn so sehr ich ihn als Spieler und auch als Persönlichkeit schätze und ihn liebend gerne als Knickerbocker in Rente und schließlich in die Hall of Fame gehen sehen würde. Er hat nach Porzingis sicherlich den höchsten Wert im Kader und daraus muss man Kapital schlagen. Vielleicht sind ja sogar am Draft-Tag einige Deals drin, die in dieser starken Draft-Klasse gute, junge Spieler nach New York bringen.

Was wird aus Phil Jackson?

So eindeutig also alles für einen Rebuild durch den Draft und ohne Carmelo Anthony und Derrick Rose aussieht und dies wohl auch von Phil Jackson eingesehen wird, hat eben Jackson große Probleme: Der Respekt vor seiner Person, die Aura die ihn bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren umgab, ist verschwunden. Schlechte Trades, unglückliche Kommentare und Tweets, die ständigen Diskussionen um den Einfluss seiner Triangle-Offense auf die Trainer sowie Jacksons Sturheit in dieser Beziehung und vor allem der Misserfolg des Teams beschmutzen die großartige Karriere des ehemaligen Star-Trainers.

Wurde am Anfang seiner Amtszeit versucht entwicklungsfähige Spieler und Draft-Picks (zumindest 2nd-Rounder) zu sammeln um mit dem Trainer zweiter Wahl, Derek Fisher, langfristig ein Team aufzubauen, rief man zu Beginn dieser Saison dann doch vorschnell den „Win-Now-Modus“ aus um wieder einmal enttäuscht zu werden. Sollte Phil Jackson nun also wieder vom „Win-Now-Modus“ zum Rebuild umschwenken schadet dies seiner Person und Glaubwürdigkeit enorm. Es ist keine klare Linie, kein klarer Plan erkennbar und die Rufe nach einem Wechsel im Front Office werden auch bei den loyalen Knicks Fans langsam lauter. Das Kredo „In Phil we trust“ ist schon lange nicht mehr zu hören. Angst um seinen Job muss er sich aber wohl nicht machen, denn nach den aktuellsten Aussagen von Team-Besitzer James Dolan in einem seiner raren Interviews, hat Jackson nichts zu befürchten. Dolan werde den geschlossenen Vertrag bis zum Ende ehren, unabhängig vom Erfolg:

Vielleicht zieht Jackson aber auch selbst die Notbremse, hat er doch in diesem Sommer eine Ausstiegsoption, auch wenn er die Nutzung dieser Option bisher stehts ablehnte.

Anthony und Rose weiter in New York – Vergebene Chance?
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