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Offseason 2017: Die Trendwende!

03.08.2017 || 10:04 Uhr von:
Ruiniert der schwache Osten die Liga? Stehen Small-Market-Teams vor der Bedeutungslosigkeit? Was bringt die restliche Offseason? Eine Bilanz der ereignisreichen Sommerwochen.

Die Offseason 2016 war einzigartig in der Geschichte der NBA. Aufgrund eines Cap-Anstiegs von 24 Millionen Dollar standen den 30 Teams kumuliert ca. eine Milliarde zur Verfügung. Das Geld wurde mit vollen Händen ausgegeben. Denn ein Ende dieses rasanten Anstiegs der Gehaltsobergrenze schien nicht in Sicht. Zach Lowe berichtete in seinem Podcast davon, dass zahlreiche Verantwortliche mit einem Anstieg auf 120 Millionen in den nächsten Jahren gerechnet hatten. Dies erwies sich jedoch als Fehleinschätzung.

In den letzten zwölf Monaten wurden die bisherigen Prognosen für die Saison 2017/18 mehrfach nach unten korrigiert. Aus ursprünglich 108 wurden letztendlich „nur“ 99,09 Millionen. Somit blieben den Franchises lediglich 400 Millionen, um ihre Kader fürs kommende Jahr zu verstärken. Dementsprechend präsentierten sich die General Manager deutlich sparsamer.

Dennoch stand der bisherige Sommer dem des Vorjahres in nichts nach. Erstmals seit 1993 tradete ein Team mit dem Top-Pick im Draft herunter. Drei Top-15-Spieler wechselten bereits vor dem offiziellen Start der Free Agency per Tauschgeschäft ihren Arbeitgeber. Auch der höchst gehandelte Free Agent – abseits der Bay Area – wird zukünftig in einem anderen Trikot auflaufen. Zudem durchbrachen mit Stephen Curry und James Harden zwei Basketballer erstmals die 200-Millionen-Vertragsgrenze.

Welche Auswirkungen haben die vergangenen Wochen auf das kommende Jahr? Stehen die Small-Market-Teams vor der Bedeutungslosigkeit? Welche wichtigen Entscheidungen stehen in den kommenden Monaten noch an?

Go West

Bereits seit Jahren gibt es ein Ungleichgewicht zwischen der Western und Eastern Conference. In der Saison 2013/14 gewannen die Phoenix Suns als Neuntplatzierter gar zehn Spiele mehr als die Atlanta Hawks – die Nummer acht des Ostens. Diese Diskrepanz zwischen beiden Landesteilen schien sich in den vergangenen Jahren jedoch zu legen. Zwar stellte der Westen in der abgelaufenen Saison bilanztechnisch die drei besten Teams der Liga, die Mitte rückte jedoch enger zusammen.

Die Offseason 2017 spricht jedoch klar für die Teams des Westens. Laut den Top-100 von SI standen zu Saisonbeginn 2016 noch sieben der besten 20 Spieler bei einem Team des Ostens unter Vertrag. Mit Paul George, Jimmy Butler und Paul Millsap wechselten drei davon in den Westen. Die beste Neuverpflichtung des Ostens, Gordon Hayward, belegte beim damaligen Ranking lediglich den 27. Platz. Die Dominanz des Westerns wird im kommenden Jahr größer sein als zuvor.

Viele Fans und Experten fordern daher die Abschaffung der Conferences. Was aus Fairnessgründen durchaus sinnvoll erscheint, wird es in absehbarer Zeit jedoch nicht geben. Dies hat NBA-Commissioner Adam Silver bei der Bekanntgabe einiger anderer Regeländerungen klargestellt. Solange die derzeitige Struktur nicht für große finanzielle Einbußen bei allen Teams sorgt, wird sich keine außreichende Mehrheit für solch einen Schritt finden. Denn die NBA ist keine Diktatur. Um diese Änderung zu bewerkstelligen, bedarf es die Zustimmung vieler Besitzer. Solange eine solche Diskrepanz zwischen beiden Conferences herrscht, haben die Eigner der schwachen Seite kein Interesse, solch einen Schritt zu befürworten. Denn die Teilnahme an der Postseason ist für die Teams finanziell ein lukratives Ziel.

Sportlich mag die derzeitige Regelung fragwürdig sein. Für die reguläre Saison verspricht sie jedoch einige Spannung. Der Playoffkampf im Westen sollte wesentlich interessanter sein, als 2017. Sieben Teams standen bereits Wochen vor Saisonende sicher in der Postseason. Stand heute haben elf Franchises auf dem Papier einen Kader mit Playoffformat. Diese Konstellation verspricht Spannung bis zum letzten Spieltag. Doch auch der Osten hat einiges zu bieten – wenn auch auf niedrigerem Niveau. Mit 35 Siegen könnten die Teams bereits eine Chance auf die Playoffs haben. Daher sollten die Mehrzahl der Teams in der Lage sein, lange auf Schlagdistanz zu bleiben. Eine längere Siegesserie zu Saisonende kann die Eastern Conference auf den Kopf stellen.

Small- vs Big-Market-Teams

Nachdem Kevin Durant 2016 und Gordon Hayward 2017 ihre Franchise aus einem kleinen Markt verlassen haben, hat die Diskussion um die Chancengleichheit wieder an Brisanz gewonnen. Haben Small-Market-Teams überhaupt eine Chance in der heutigen NBA?

Fakt ist, dass Mannschaften aus großen Märkten immer Vorteile haben werden. Gerade für die Werbepartner der Spieler ist es von großem Interesse, diese in solchen Metropolen zu etablieren. Hinzu kommen die finanziellen Vorteile der Teams. Trotz jahrelangem Missmanagement gehören beispielsweise die New York Knicks zu den lukrativsten Franchises der Liga. Luxussteuer ist im Gegensatz zu kleineren Teams hier kein Problem. Trotz all dieser Vorteile ist die Situation der kleinen Märkte aber besser als je zuvor.

Vor 21 Jahren verließ ein Jahrhunderttalent nach seinem Rookievertrag die Orlando Magic, um sich den Los Angeles Lakers anzuschließen. Nach einer Finalteilnahme 1995 und dem Einzug in die Conference Finals in der folgenden Saison wechselte Shaquille O`Neal trotz 60 Siegen und einer rosigen Zukunft zu einer Franchise, die im Jahr zuvor in der ersten Playoffrunde ausgeschieden war. Dies war im letzten Jahrhundert kein Einzelfall. Denn Märkte wie Los Angeles oder New York besaßen einen ganz anderen Stellenwert als heute. Gewinner dieser Entwicklung sind die Small-Market-Teams.

Seit der Free Agency 1996 hat sich vieles verändert. Von der Liga wurden Mechanismen geschaffen, um die kleineren Franchises zu schützen. Vor allem die Einführung der Restricted Free Agency nach Beendigung von Rookieverträgen verhindert einen frühzeitigen Abgang der Topspieler. Bisher hat kein Maximalspieler eine langfristige Vertragsverlängerung ausgeschlagen, um ein Jahr später Unrestricted Free Agent zu werden. Diese Maßnahme bindet Rookies quasi sieben bis neun Jahre an ihre ursprüngliche Franchise.

Doch auch die Einstellung der Spieler hat sich verändert. In den letzten Jahren wechselten die besten Free Agents ausschließlich zu Teams, die bessere sportliche Perspektiven boten. Gordon Hayward und Kevin Durant wählten die beste Situation, nicht den großen Markt. Die Free-Agent-Historie der Boston Celtics und Golden State Warriors ist nicht besonders glorreich. Beide Franchises haben sich durch gutes Management in diese Situation gebracht. Gleiches galt für zwei begehrte Free Agents 2015: LaMarcus Aldridge und Greg Monroe wurden von den Metropolen-Teams Los Angeles und New York umworben. Den Zuschlag bekamen jedoch San Antonio und Millwaukee.

Gut möglich, dass die Los Angeles Lakers 2018 den Gegenbeweis erbringen werden. Derzeit ist die Kluft zwischen großem und kleinem Markt jedoch geringer als in den vergangenen Jahrzehnten. Sportlicher Erfolg und eine gute Organisation stehen bei den Free Agents an erster Stelle. Um den Vorteil des Marktes ausspielen zu können, müssen deren Teams in diesen Punkten zumindest in Schlagdistanz sein. Deshalb gibt es derzeit keinen Handlungsbedarf von Seiten der Liga.

Was kommt als nächstes?

Einen Monat nach Beginn der Free Agency ist die Offseason noch lange nicht vorbei. Auch wenn die Schlagzahl der Meldungen über Neuverpflichtungen seit Mitte Juli deutlich nachlässt, sind bis Saisonstart noch viele wichtigen Entscheidungen zu treffen. Dabei handelt es sich nicht nur um die derzeitig noch vertragsfreien Free Agents und die Situation um Camelo Anthony sowie Kyrie Irving. Gerade der Umgang mit den Spielern der Rookieklasse 2014 wird interessant.

Restricted Free Agents 2018

Bis zum Vortag des Saisonstarts können sich die Teams und die werdenden Restricted Free Agents auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung einigen. 2016 war dies für viele betroffenen Spieler der große Zahltag. Doch dies kann sich 2017 ändern. Die Restricted Free Agents der diesjährigen Offseason mussten bereits erfahren, dass die Ausgangslage durch den geringeren Capspace schwieriger geworden ist. Stellvertretend hierfür steht Andre Roberson. 2016 bot Sam Presti ihm einen Vierjahresvertrag über 48 Millionen Dollar. Vor wenigen Wochen unterschrieb Roberson bei den Thunder eine dreijährige Vertragsverlängerung mit einem Volumen von 30 Millionen Dollar. Dabei hatten die vorherigen Jahre noch gezeigt, dass ein Restricted Free Agent meist mehr Geld angeboten bekommt, als bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung.

Auch Kentavious Caldwell-Pope und Nerlens Noel gehörten zu den Verlierern der Offseason. Während der Ex-Pistons statt des erhofften Maximaldeals nur einen Einjahresvertrag bei den Los Angeles Lakers erhielt, ist Noel noch vertragsfrei. Abgesehen von den Dallas Mavericks, die dank der Bird-Rechte bis zum Maximalvertrag bieten dürften, besitzt derzeit kein Team die Möglichkeit, Noel das erhoffte Vertragsvolumen zu offerieren.

Dies wird zu einer großen Unsicherheit bei den kommenden Restricted Free Agents führen. Maximalverträge über fünf Jahre und knapp 150 Millionen – welcher angeblich Andrew Wiggins unterbreitet werden soll – wird es kaum geben. Die General Manager werden die Ausgangslage ausnutzen und deutlich teamfreundlichere Angebote unterbreiten als in den Vorjahren. Einige Spieler werden dennoch zustimmen.

Die Draftklasse 2014 ist jedoch auch aus weiteren Gründen schwer einzuschätzen. Denn unter den Top-sieben-Picks befinden sich vier Spieler, die bereits eine lange Verletzungshistorie aufweisen. Gerade Joel Embiids Wert ist nicht zu ermitteln. In seinen 31 Spielen erwies er sich als eines der größten Talente der Liga. Doch selbst ein Greg Oden bestritt in seinen ersten drei Jahren mehr Partieen als die Nummer 21 der Sixers.

Wegweisend wird ebenfalls die Entscheidung von Marcus Smart und den Boston Celtics sein. Denn der Rekordmeister gilt weiterhin als ein heißer Tradekandidat. Smarts potenzielle Vertragsverlängerung wird bereits ein Indiz dafür sein, welche Pläne Danny Ainge zukünftig verfolgt. Unterschreibt der Guard bereits in dieser Offseason einen neuen Vertrag, ist dieser captechnisch bis Juli 2018 nur schwer in einen Trade zu integrieren. Dafür zeigte der Wechsel von Victor Oladipo zu den Indiana Pacers, wie wertvoll eine vorzeitige Einigung im kommenden Sommer sein kein. Ohne dessen Gehalt wäre der Trade für Paul George deutlich komplizierter geworden. Oklahoma City hätte den jetzigen Kader nicht zusammenstellen können. Gleiches gilt auch für Utah. Der Backcourt ist im Gegensatz zu den Forward-Positionen gut besetzt. Eine frühe Vertragsverlängerung mit Dante Exum und/oder Rodney Hood könnte ebenfalls Teil einer langfristigen Tradestrategie sein.

Zwischenfazit

Der Sommer 2017 leitet einen Gegentrend ein. Aufgrund der ausbleibenden Cap-Steigerung sind die Jahre des Überflusses vorbei. Viele Teams trifft dies überraschend. Dementsprechend zurückhaltend war die Investitionsbereitschaft in der Offseason. Gerade Big Men haben große Schwierigkeiten einen langfristigen Vertrag zu bekommen.

Hält dieser Trend an, werden Cap-Space sowie auslaufende Verträge in den kommenden Jahren sehr wertvoll sein. Abgesehen von den Teams im Rebuild werden weniger Franchises massig Gehaltsspielräume besitzen. Deren Position in der Free Agency wird daher deutlich gestärkt. Die Bedeutung der Trades wird deshalb auch zunehmen. Das Beispiel Houston zeigte, dass fehlender Cap für Chris Paul auch andersweitig gelöst werden kann. Die Anzahl der Salary Dumps wird ebenfalls zunehmen.

Grundsätzlich lässt sich daher bilanzieren, dass der Wert einer kompetenten Führungsetage deutlich zunimmt. Es benötigt mehr Kreativität, um Veränderungen vorzunehmen. Fehlerhafte Investitionen sind schwerer zu verkraften als zuvor.

Offseason 2017: Die Trendwende!
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