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Lonzo Ball: on- or off-ball?

11.11.2017 || 11:22 Uhr von:
Trotz eines überragenden Ben Simmons bestimmt ein Rookie aus Los Angeles die Schlagzeilen. Doch wie passt ein Spielertyp wie Lonzo Ball in die moderne NBA?

Mit dem zweiten Draftpick zogen die Los Angeles Lakers im Juni dieses Jahres einen vielversprechenden Guard von der heimischen University of California. Trotz eines erfolgreichen Freshman-Jahres sorgt der Spielertyp Lonzo Ball für unterschiedlichste Karriereprognosen. Befürworter sehen in ihm den nächsten Jason Kidd, Kritiker einen Old-School-Point-Guard, dessen Skillset nicht in die moderne NBA passt.

Die vermeintlichen Schwächen bestätigen sich auch in den ersten Saisonwochen. Erste „Bust“-Rufe werden bereits laut. Ernsthaft prognostizieren lässt sich die Karriere von Ball zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Seine Entwicklung könnte aber wegweisend für zukünftige Spielmacher seines Kalibers sein. basketball.de analysiert die Entwicklung auf der Point-Guard-Position. Wie kann ein Pass-First-Spieler à la Ball zum Superstar reifen? Wie lassen sich seine Stärken alternativ einsetzen?

Entwicklung der Point Guards

13,48 vs 22,6: Diese beiden Zahlen verdeutlichen die veränderte Rolle der Spielmacher am deutlichsten. Vor 20 Jahren – in der Saison 1997/98 – erzielten die fünf besten Passgeber der Liga (Rod Strickland, Jason Kidd, Mark Jackson, Stephon Marbury, John Stockton) durchschnittlich 13,48 Punkte pro Spiel. In der abgelaufenen Saison scorten die Assistleader James Harden, John Wall, Russell Westbrook, Chris Paul und Ricky Rubio über neun Punkte mehr pro Partie. Im Gegensatz zu früher ist der moderne Einser eher ein Scorer, der passen kann. 2016/17 führten daher drei Point Guards die Liga beim Scoring an. Dies war lange Jahre unvorstellbar.

Old-School-Spielmacher

Solche Spielertypen gab es im vergangenen Jahrtausend ebenfalls. Klassische Spielgestalter waren jedoch in der Überzahl. Ein reiner Ballverteiler wie Mark Jackson war sogar All-Star. Mit den Indiana Pacers bestritt er 1997/98 seine erfolgreichste Saison. Die Franchise aus Indianapolis war das einzige Team, dass die Chicago Bulls während deren zweiten Three-Peats in ein siebtes Spiel zwingen konnte. Dieses Pacers-Team war ein Prototyp des früheren Basketballs.

Mit Jackson besaß die erste Fünf von Coach Larry Bird nur einen guten Spielmacher. Mit 8,7 Vorlagen erzielte er mehr Assists als Punkte (8,3). Während ein Pass-First-Spieler von der Defense heutzutage eher vernachlässigt wird, bereitete er den Bulls trotz fehlender Korbgefährlichkeit in den Conference Finals derartige Probleme, dass Phil Jackson ihm häufig seinen besten Verteidiger auf den Hals hetzte. Die Pressverteidigung von Scottie Pippen sollte den Spielfluss der Pacers stören. Denn das ganze Spiel der Pacers wurde von ihm gelenkt. Abgesehen von seinem Backup Travis Best (3,4 Vorlagen/Spiel) legte kein weiterer Akteur mehr als 2,3 Assists in dieser Saison auf.

Dies hat sich heutzutage geändert. Beim Meister 2017 erreichte zwar kein einziger Spieler die Assistzahl eines Mark Jacksons, vier übertrafen jedoch die Marke der anderen Pacers-Akteure. Die Last des Spielaufbaues wird auf mehrere Schultern verteilt. Der Point Guard hat neben dem Passspiel oft eine ganz andere Aufgabe.

Moderner Point Guard

Das derzeitige Spiel lebt im Gegensatz zu den 90er Jahren von Seperation und Spacing. Neben der besseren Athletik und des breiteren Skillsets der heutigen Profis trugen auch zwei Regeländerungen zu dieser Entwicklung bei. Die Eliminierung des Hand-Checkings erleichert es den Angreifern – vorwiegend Guards und Flügelspieler mit gutem Ballhandling -, ihre direkten Gegenspieler im Eins-gegen-Eins zu schlagen. Ohne ein vernünftiges Spacing wird dieser Vorteil jedoch revidiert. Während zu Michael Jordans Zeiten Manndeckung vorgeschrieben war, können Verteidiger heutzutage im Raum verteidigen. Dies erleichtert die Hilfe, wenn ein Offensivspieler zum Korb zieht. Effektiv ist diese Help-Defense jedoch nur, wenn der dafür offen gelassene Spieler dies nicht bestrafen kann.

Perfektioniert hatte diese Offensive beispielsweise die einzige Franchise, die in diesem Jahrzehnt ohne einen Franchise-Spieler in seiner Prime einen Titel gewann. Der Angriff der San Antonio Spurs 2014 gilt für viele als Paradebeispiel einer guten Teamoffense. Ein Schlüssel zum Erfolg war dabei die Penetration von Tony Parker. Mit seinen Drives riss er große Löcher in die Verteidigung der Miami Heat und provozierte die Hilfe. Die Kickout-Pässe führten zwar nicht immer zu einem offenen Wurf, die Spurs passten den Ball jedoch schnell weiter, bis die Defense kollabierte.

Um solch eine Kettenreaktion auszulösen, muss der primäre Ballhandler seinen Gegenspieler jedoch schlagen können.

Lonzo On-Ball

Genau diese Fähigkeit wird Lonzo Ball von seinen Kritikern meist abgesprochen. Die Nummer 2 besitzt nicht die Schnelligkeit eines Tony Parker, nicht die Athletik eines Russell Westbrook und nicht die Kraft und die Raffinesse eines James Harden, um gute Verteidiger regelmäßig zu düpieren. Um sich Platz zu verschaffen, ist Ball auf die Screens seiner Mitspieler angewiesen. Da sein Pull-Up-Wurf ebenfalls fraglich ist, muss die Defense den Druck nicht ständig aufrecht halten. Um zukünftig der primäre Ballhandler eines Contenders zu sein, sollte der 20-Jährige an seinen Skills arbeiten und kräftiger werden. Denn in Sachen Athletik und Schnelligkeit sind ihm wohl Grenzen gesetzt.

Vorbild ist hierbei Brandon Roy. Trotz begrenzter körperlicher Vorraussetzung und ständigen Knieproblemen war der Blazers-Guard – sofern gesund – kaum zu stoppen. Sobald er sich innerhalb der 30 Fuß-Marke befand, strahlte Roy Gefahr aus. Der Blazer besaß den Distanzurf, den Pull-Up, das Mid-Range-Game und den Floater, um nach einem Pick&Roll ständig Gefahr auszustrahen. Zusätzlich traf er über 60% in Ringnähe und zog Fouls. Deshalb konnte Brandon Roy trotz seines athletischen Mankos regelmäßig die Help-Defense erzwingen.

Diese Skills kann sich auch ein Lonzo Ball antrainieren. Die Defizite sind bei ihm jedoch noch sehr groß. Mit 40% am Ring, 32,7% als Pick&Roll Ballhandler sowie 23,4% aus der Distanz jagte der Guard in den ersten zehn Spielen keinem Gegner Angst ein. Seine Fußarbeit, sein Wurf sowie seine rechte Hand benötigen wohl jahrelange Arbeit. Sollten die benötigten Fortschritte ausbleiben, könnte seine ideale Position neben einem Mitspieler, der die Löcher reißen kann, auch abseits des Balles liegen.

Lonzo Off-Ball

Mit 1,98 Meter besitzt der Kalifornier die Körpergröße, um als nomineller Zweier aufzulaufen. Dazu ist er kein Spieler à la Rajon Rondo, der die Offense mit langen Dribblings verlangsamt. Balls größte Stärke am College war, dass er den Ball schnell laufen ließ. Diese Fähigkeiten kann er auch off-ball einsetzen.

Natürlich wäre der zweite Pick des diesjährigen Drafts kein Spielertyp à la Danny Green, der nur auf offene Würfe wartet oder den Ball gleich weiterpasst. Der 20-Jährige wäre eher der zweite Ballhandler mit großem Einfluss auf den Angriff der Lakers. Vergleichbar wäre seine Situation mit der Offensivrolle des Namenvetters Draymond Green – wenn auch auf einer anderen Position.

In Golden State sind Stephen Curry und Kevin Durant diejenigen, für die die gegnerische Verteidigung vorrangig planen muss. Der amtierende „Defensiv Player of the Year“ Green hatte 2016/17 dennoch die zweitmeisten Touches im Team. Ligaweit lag er ebenfalls auf dem 24. Platz. Und obwohl Green in seinen ersten fünf Jahren nur in der 73-Siege-Saison überdurchschnittlich aus der Distanz traf, ist dank seiner Vielseitigkeit mit ihm kein Spacing-Problem auszumachen. Ähnlich könnten auch die größten Schwächen von Lonzo Ball kaschiert werden.

Penetration/Shooting

Selbst wenn der Guard im Eins-gegen-Eins weiterhin Probleme mit seinem Zug zum Korb haben sollte, könnte sich dies in einer Rolle abseits des Balles ändern. Wenn ein Mitspieler per Drive-and-Kick Löcher in die Defense reißt, erhält der 20-Jährige das Spielgerät in einer veränderten Situation. Häufig ergeben sich daraus deutlich offenere Würfe. Sein langsamer und zugleich leicht zu blockender Wurf wäre dabei weniger anfällig. Ball ist ebenfalls in der Lage, einen besser postierten Mitspieler zu finden. Dritte Option ist ein Mismatch oder ein ungestümer Closeout, der aus einer rotierenden Help-Defense entsteht. In beiden Fällen ist die Penetration deutlich leichter, als gegen eine gut organisierte Verteidigung.

Dafür muss sein Distanzwurf jedoch deutlich treffsicherer werden. Die 13% aus dem Catch-and-Shoot nach den ersten zehn Spielen zwingen keine Verteidigung, Lonzo Ball an der Dreierlinie zu decken. Mit 41,2% an der UCLA sowie zahlreichen Würfen deutlich hinter der eigentlichen College-Dreierlinie sollte er sich einen passableren offenen Wurf aneignen können.

Vergleich zu Jason Kidd

Lonzo Ball ist ein Spielertyp, den es in der NBA kaum gibt. Deshalb ist es sehr schwierig, entsprechende Vergleiche zu finden. Der heutige Coach der Milwaukee Bucks Jason Kidd gehörte zu den wenigen Spielern, der ähnliche Anlagen und eine vergleichbare Spielübersicht besaß.

Doch auch die Rolle eines Jason Kidd hat sich während seiner Jahre in der NBA verändert. In seiner Prime war der Point Guard der Denker und Lenker der New Jersey Nets. Während er dort noch eine Usage Percentage von bis zu 25,9 hatte, ging diese im Meisterjahr mit den Dallas Mavs deutlich zurück (14,3). Im Spätherbst seiner Karriere wurde er immer häufiger off-ball oder gar als Shooting Guard eingesetzt – ebenfalls mit Erfolg. Ob dies nur am zunehmenden Alter lag? Oder musste sich selbst ein zukünftiger Hall of Famer dem modernen Spiel anpassen?

Fazit

Die Erwartungen an Lonzo Ball sind riesig. Das Verhalten seines Vaters, der Hype am College sowie die Lobpreisungen eines Magic Johnson haben ein sehr hohe Meßlatte gesetzt. Gut scheint nicht gut genug für eine erfolgreiche Karriere des 20-Jährigen zu sein. Doch Franchise-Spieler gibt es nur ganz wenige. Aufgrund seines Basketball-IQs sowie der Passing-Skills wird der Kalifornier aber keinesfalls ein Draft-Bust. Die Nummer 2 wird zweifelsohne seine Rolle in der Liga finden. Die Frage ist ledigich: Wie gut wird er, und spielt er besser on- oder off-ball?

Lonzo Ball: on- or off-ball?
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