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Allan Houston sagt dem Profi-Basketball Adieu

03.11.2005 || 00:00 Uhr von:

Letztlich war es nur eine kleine Randnotiz: ?Chronische Knieschmerzen zwingen Houston zum Rücktritt? war auf SI.com zu lesen, nicht hervorgehoben, nein, erst recht nicht als Aufmacher. Das ist definitiv ungenügend und auch unwürdig, denn Allan Houston war kein Spieler, den man einfach so vergisst oder auf diese Weise verabschiedet. Allan Houston war ein zweimaliger All-Star, ein Kämpfer, nach dem Abgang von Patrick Ewing die Integrationsfigur der Knicks und (leider) auch der einzige Grund, sich überhaupt noch ein Knicks-Spiel anzuschauen.

17,3 Punkte, 2,9 Assists und 2,4 Rebounds pro Spiel mag auf den ersten Blick nicht nach viel klingen, doch im Anbetracht der Tatsache, dass Houston die ersten beide Jahre in Detroit kein Starter war und dass Ewing ihm nach seinem Wechsel zu New York 1996 Ballbesitz und folglich Punkte wegnahm, muss man ihm doch im Hinblick auf seine folgenden Jahre als Leader (2001-02 und 2002-03) ein mehr als gutes Zeugnis ausstellen. Zudem war er lange Zeit einer der besten Dreier- und Freiwurfschütze neben dem ebenfalls kürzlich zurückgetretenem Reggie Miller, vielleicht einer der 20 besten Scorer der NBA und mit nur 2,10 Turnovers pro Spiel einer der sichersten und besten Guards der Liga, auch wenn ihn seine Schwächen (wenig Steals, schwacher Rebounder und kaum Blocks) immer wieder daran hinderten, als Superstar anerkannt zu werden.

Der Beginn

Begonnen hat Houstons Karriere allerdings weniger glücklich bei den Detroit Pistons, die ihn 1993 nach vier guten Jahren College in Tennessee (21,9 PpG) an Position 11 drafteten. Bei den Pistons stand er zunächst im Schatten von Isiah Thomas und Joe Dumars, weshalb er nur 20 Spiele startete und sich mit 8,5 Punkten in 20 Minuten zufrieden geben musste. Im Slam-Dunk-Contest beim All-Star-Game 1994, den er als 4. abschloss, fand er dennoch ? auch ohne Playoff-Teilnahme ? ein würdiges Saison-Highlight. Im nächsten Jahr besserte sich seine Situation zwar (durch den Abgang von Isiah Thomas), doch musste sich Houston den Platz neben Dumars mit Lindsey Hunter teilen.

Dennoch ließ er des öfteren sein Talent aufblitzen (10x über 30 Punkte, 26x über 20), was ihn für höhere Aufgaben in der nächsten Saison, 1995-96, berief. Diese Saison sollte seinen Durchbruch bedeuten: An der Seite von Grant Hill führte er Detroit in die Playoffs und erreichte Career-Highs in allen wichtigen Kategorien (ausgenommen Steals), setzte sich gegen Lindsey Hunter durch und startete in 75 von 82 Spielen. Dennoch befriedigte ihn das frühe Ausscheiden in den Playoffs (1. Runde 0-3 gegen Orlando) nicht und er unterschrieb als Free Agent bei den New York Knicks, die Derek Harper, der nach Dallas ging, ersetzen mussten.

Next Level

Im ?Big Apple? stand der als bescheiden geltende Houston ? verständlicherweise ? im Schatten von Patrick Ewing, zeigte seine Fähigkeiten aber dennoch in den Playoffs mit 19,2 Punkten (Saison: ?nur? 14,8 PpG) und bekam sogar den Vorzug vor Legende John Starks. Allerdings schieden die Knicks im Conference-Halbfinale unglücklich mit 3-4 gegen die Miami Heat aus. Als Patrick Ewing dann aufgrund einer Verletzung seines rechten Handgelenks den Großteil der nächsten Saison ausfiel, war Houstons Stunde gekommen: 18,4 PpG, sechs Spiele mit über 30 und 37 Spiele mit über 20 Punkten standen am Ende der Saison in seinen Statistiken. Dies führte New York in die Playoffs, in denen Houston mit 21,1 PpG immerhin neuntbester Scorer war. Nach einem glücklichen 3-2 gegen Miami folgte im Conference-Halbfinale gegen Indiana eine 1-4 Niederlage und das erneute, vorzeitige Aus.   

In einer vom Lockout geprägten Saison 1998-99 wurde Houston dann allerdings nicht die Leader-Rolle zuerkannt. Stattdessen bekam er Latrell Sprewell an die Seite gestellt, der mit ihm und Ewing die Knicks als Achter in die Playoffs führte. In der ersten Runde gegen Miami ? im entscheidenden fünften Spiel ? zeigte Houston 0,8 Sekunden vor Schluss seine wahre Größe, als er die Partie mit einem einhändigen Wurf zum 78:77 entschied und die folgende Erfolgsgeschichte der Knicks überhaupt erst ermöglichte. Gepusht durch dieses Erfolgserlebnis, brachte Houston als Schlüsselfigur und Antreiber seiner Teamkameraden die Knicks sensationell bis in die Finals gegen San Antonio, wo man allerdings erwartungsgemäß mit 1-4 unterlag. Dieses Ereignis ist es auch, das von Fans noch heute neben dem heroischen Einsatz von Willis Reed in Spiel 7 der Finals 1970 gegen die Lakers als großartigste Playoff-Performance angesehen wird und Houston zunächst einmal einen großen Kredit bei Fans und Kritikern bescherte.

Neben dem Spielfeld

Diese Finals-Niederlage wog aber letztlich nicht so schwer, da Houston am 12. 6. 1999 – einen Tag nach dem Gewinn der Eastern-Conference – zum ersten Mal Vater wurde und längst erkannt hatte, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als Basketball: ?Meine professionelle Zielstellung ist es, zu helfen, dass die Knicks den NBA-Titel gewinnen, aber ich habe auch ein Lebensziel ? andere unterstützen, indem ich ihr Leben in einer positiven Art beeinflusse. Gott hat mich mit dieser Gabe bedacht, und ich bin dazu verpflichtet, diese mit anderen zu teilen.?

Diese Einstellung und vielschichtige Verdienste für die Gesellschaft brachten ihn auch zu der Ehre, von 2000 bis 2004 von ?The Sporting News? als einer der ?99 Good Guys in Sports?  ausgezeichnet zu werden. Zu diesen Verdiensten gehörten seine Spendensammlungen (z.B. für die Kapelle seiner Heimatstadt, für die 500.000 $ zusammen kam), seine Bemühungen um die Schüler, die er z.B. eine Zeit lang zu den Knicks-Spielen (in der 1. Reihe) einlud und ihnen die wichtige Arbeit der Lehrer näher brachte, seine Spenden (100.000 $ für die Schul-Förderung), seine zahlreichen Wohltätigkeitsveranstaltungen, usw. Auch ansonsten gilt Houston als ?Good Guy?, der eher bescheiden und ruhig ist, seine Team-Kollegen aber durch sein humoristisches Talent immer wieder zum Lachen brachte. Doug Collins meinte einst sogar, Houston hätte etwas von ?Eddie Haskell? in sich.

Der Zenit

Die nächsten beiden Jahre übernahm Houston mehr und mehr die Leader-Rolle, durfte zweimal beim All-Star-Game teilnehmen und trat in die (zu) großen Fußstapfen von Patrick Ewing, der 2000 nach Seattle wechselte. Seinen größten Erfolg feierte Houston dann aber ironischerweise nicht in der NBA, sondern mit dem amerikanischen Auswahlteam bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, als er mit 8 PpG und 60% von der Dreierlinie dem ?Dream Team V? zu einer erneuten niederlagenlosen Bilanz und der Gold-Medaille verhalf. 

Starke Leistungen in der Saison 2000-01 brachten ihm einen Maximal-Vertrag bis 2007 ein, der allerdings auch den Druck auf seine Person erhöhte. In den nächsten zwei Jahren nach dem Vertragsabschluss, in denen ihn weder Krankheit noch andere Dinge behinderten, offenbarte Houston endlich sein wahres Talent: Als Leader einer schlechten Mannschaft erzielte er 20,4 bzw. 22,5 PpG (8. in der Liga), warf fast perfekt von der Freiwurflinie (91,7 % 02/03), scheiterte allerdings trotz starken Leistungen beide Jahre an der Playoff-Teilnahme. Dennoch würden seine zwei 50-Punkte-Spiele innerhalb eines Monats (16. 2. 2003: 53 Punkte, und 50 Punkte am 16.3.2003) unvergesslich, aber leider auch einmalig bleiben.

Ein unrühmliches Ende

Anstatt die Knicks mit Stephon Marbury an seiner Seite wieder in die Playoffs zu führen, begann für Houston in der folgenden Saison eine schier endlose Serie von Verletzungen, angefangen beim Knie über den Rücken bis hin zur Patella-Sehne. Aufgrund dieser Verletzungen konnte er in den letzten beiden Spielzeiten nur 70 von 164 möglichen Spielen absolvieren und quälte sich durch die endlosen Reha-Maßnahmen, um den Fans noch einmal zu zeigen, dass er zu mehr Heldentaten fähig ist als zu dieser gegen Miami in den Playoffs 1999 ? bis er am Montag, den 17.10.2005 vor die Presse trat und die Gerüchte um seinen Rücktritt schweren Herzens bestätigte:

?Ich habe alles Mögliche dafür getan, wieder zurückzukommen und meine Karriere so zu beenden, wie ich das wollte, aber meine Verletzungen würden dies nicht zulassen.? Man könnte meinen, der Kreis habe sich geschlossen: ein unglücklicher Beginn bei Detroit im Schatten anderer und ein mehr als unglücklicher, verletzungsbedingter Abschluss einer einzigartigen und mitreißenden Karriere.

Der 100-Millionen-Dollar-Deal

Umso ärgerlicher für die Knicks, dass sie ihm 2001 noch eine 100-Millionen-Dollar-Vertragsverlängerung bis 2007 (knapp 40 Mio. für die letzten beiden Jahre) gaben und seinen Ausfall folglich doppelt bezahlen müssen, da Allan Houston unter Larry Brown mit Jamal Crawford und Stephon Marbury einen der besten Backcourts der Liga bilden sollte und da der Salary Cap weiterhin belastet wird. Diese Vertragsverlängerung war es letztendlich aber auch, die die Kritik an seiner Person, die ihn während der letzten zwei Jahre begleitet hat, überhaupt hervorrief. Denn welcher Spieler ist schon 100 Mio. Dollar für sechs Jahre wert? An diesem Gehalt gemessen, zerbrach Houston dann unter dem enormen Druck der Fans aus dem ?Big Apple?, die ihn nach dem Verhältnis Leistung-Gehalt beurteilten, was bei einer Playoff-Teilnahme in den letzten vier Jahren (2004: Erstrunden-Aus gegen New Jersey) zweifellos negativ für Allan Houston ausfällt.

Doch trotz all den Buhrufen bedankte er sich bei den Fans, vor allem dafür, dass sie ihn ?herausforderten?. Allan Houston mochte Herausforderungen. Er nahm sie gegen Lindsey Hunter in Detroit an, er nahm die Herausforderung ?New York? an, er nahm die Kritik nach seiner Vertragsverlängerung ebenso in Kauf wie die endlosen und erfolglosen Reha-Maßnahmen, um vielleicht noch ein, zwei Saisons dranzuhängen ? ja, fehlende Kampfbereitschaft kann man ihm nicht vorwerfen, ebenso wenig wie das Unterzeichnen des Vertrages oder das Auftreten der Verletzungen. Und dennoch wurde er ausgebuht, was ihn vielleicht noch mehr schmerzte als die Verletzungen selbst.

Was bleibt …

Was von Allan Wade Houston letztendlich bleibt, sind zwei All-Star-Spiele, ein Eastern-Conference-Titel 1999, 63 Playoff-Spiele, 1305 Dreier, zwei 50-Punkte-Spiele innerhalb eines Monats, der einhändige Wurf zum Sieg gegen Miami in den Playoffs 1999, zahlreiche Knicks-interne Rekorde und möglicherweise sogar das ?Retiren? seiner Nummer, der 20. Doch vielmehr sollte man, wenn man sich an ihn erinnert, an seine Kampfbereitschaft und seinen unbändigen Willen, Herausforderungen anzunehmen, denken oder auch an seine vielen wohltätigen Taten und Bemühungen um die Jugend und letztlich an eine Legende der Knicks-Geschichte und nicht an den Grund für den Untergang der Knicks-Dynastie der 90er.

Allan Houston sagt dem Profi-Basketball Adieu
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