BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Warriors gegen Cavaliers – die Finals-Vorschau

01.06.2017 || 11:58 Uhr von:
In der heutigen Nacht beginnen die NBA Finals 2017! Was spricht für Golden State, was für Cleveland? In unserer Analyse stellen wir die entscheidenden Faktoren für den Ausgang der Serie vor.

Seit etwa einem Jahrzehnt ist Jeff Van Gundy nun als TV-Experte für ESPN tätig. Gemeinsam mit Mike Breen und Mark Jackson ist er Teil der vielleicht besten Kommentatoren-Crew im Basketball, die auch dieses Mal wieder die Finalspiele auf ABC kommentieren wird. Soll heißen: Das Wort dieses Mannes hat Gewicht.

Im Vorfeld der Finals fand der ehemalige Head Coach der New York Knicks und Houston Rockets klare (und für neutrale Fans ernüchternde) Worte: „Dies ist der größte Talentunterschied zwischen dem besten und zweitbesten Team während meiner Zeit in der NBA.“ Im The Lowe Post-Podcast bestätigte Van Gundy nun diese Aussage. Für ihn wäre die Titelverteidigung der Cleveland Cavaliers der größte Finals-Upset, seitdem er die Liga verfolgt.

Droht nun etwa Langeweile? Sind die Golden State Warriors den Cavs wirklich so sehr überlegen? basketball.de hat die Knackpunkte der diesjährigen Finals herausgearbeitet und ein eigenes Fazit gezogen.

Was spricht für Golden State?

Im Vergleich zur letzten Saison ist an dieser Stelle natürlich die Addition von Kevin Durant zu nennen; seine offensiven Fähigkeiten sind unbestritten. In den aktuellen Playoffs agiert der Forward extrem effizient (55,6% FG). Doch nicht nur als Scorer bereichert er den Warriors-Angriff. Er ist zudem ein guter Playmaker mit starker Übersicht und verfügt in Anbetracht seiner Länge (ca. 2,11 m) über eine herausragende Beweglichkeit. Dank seiner Kombination aus Schnelligkeit und gutem Ballhandling kann er sogar das Pick-and-Roll als Ballführender laufen. Dies sorgt bei der gegnerischen Defense für Abstimmungsschwierigkeiten, da deren Big Men es nicht gewöhnt sind, im Blocken-und-Abrollen den Ballführenden zu verteidigen (siehe letzte Szene im folgenden Clip).

Darüber hinaus ist Durant auch ein starker Verteidiger – sowohl auf dem Flügel als auch unter dem Korb. Dank seiner Größe ist der MVP des Jahres 2014 nicht nur ein guter Defensiv-Rebounder, sondern auch ein starker Post-Verteidiger. In den beiden ersten Szenen des oberen Videos gelingt es Durant, Kevin Love in Schach zu halten. Insgesamt ist KD für die Warriors in allen Bereichen des Spiels ein extremes Upgrade gegenüber Harrison Barnes letzte Saison.

Der zweite Faktor heißt Stephen Curry. Der zweimalige MVP dürfte deutlich bessere Leistungen zeigen als in den vergangenen Finals. Dort erzielte er zwar 22,6 Punkte pro Spiel, traf allerdings aus dem Feld sehr schwach (40,3% FG). Zudem leistete sich der Point Guard mehr Ballverluste (4,3) als er Assists spielte (3,7). Defensiv beging er einige unnötige Fouls, die ihn in Foulprobleme brachten. Curry war noch nicht vollständig von seiner in der ersten Playoff-Runde erlittenen Bänderdehnung genesen; es fehlte ihm schlicht an Explosivität. Dies soll jedoch keine Entschuldigung für seine schwachen Vorstellungen sein. Nun geht Curry topfit in die Finals und brennt auf Wiedergutmachung. In den diesjährigen Playoffs ist Curry wieder auf MVP-Level unterwegs (28,6 PpG, 50,2% FG, 43,1% 3P).

Der dritte Aspekt ist die „Lineup of Death“ der Warriors sowie die dadurch entstehenden Probleme für die Cavaliers-Defense. Die Skillball-Aufstellung mit Stephen Curry, Klay Thompson, Andre Iguodala, Kevin Durant und Draymond Green wurde in diesen Playoffs erst 32 Minuten aufs Feld geschickt, was nicht einmal drei Minuten pro Partie entspricht. Kein Wunder: Die Warriors wurden bislang schließlich kaum gefordert. Warum also die Katze schon aus dem Sack lassen? Für die Finals wird erwartet, dass diese fünf Spieler deutlich häufiger gemeinsam auf dem Feld stehen werden. Sollte der angeschlagene Iguodala fehlen, ständen Shaun Livingston und Ian Clark als Ersatz bereit.

Für die Cavaliers ergeben sich in Verteidigung kaum lösbare Probleme gegen diese Aufstellung. In den bisherigen Serien gegen Indiana, Toronto und Boston bestand deren simple, aber effektive Defensiv-Taktik darin, den besten Spieler des Gegners zu doppeln. Gegen Golden State würde diese Herangehensweise scheitern. Curry, Thompson und Durant darf man zu keinem Zeitpunkt frei stehen lassen. Auch Green trifft in den aktuellen Playoffs 47,2 Prozent seiner Dreier bei 4,4 Versuchen pro Spiel. Und Andre Iguodala kann ebenfalls Freiräume für Dreier und Drives nutzen. Alle fünf Spieler sind erstklassige Playmaker, sodass jeder freie Mitspieler in Sekundenbruchteilen bedient wird; einfache Layups sind häufig das Resultat.

In der basketball.de-Video-Analyse sind einige Beispiele der exzellenten Warriors-Offensive aus der Serie gegen die San Antonio Spurs aufgeführt:

Müssen die Cavs also selber klein spielen und Kevin Love opfern? Dies wäre wiederum für den eigenen Angriff schädlich. Wie verstecken die Cavaliers Kyrie Irving in der Verteidigung? Die Frage, wie Cleveland versuchen wird, die Death-Lineup von Golden State zu kontern, gehört zu den spannendsten in diesen Finals.

Was spricht für Cleveland?

Ganz einfach: Die herausragenden individuellen Fähigkeiten von LeBron James und Kyrie Irving. Die Offensiv-Philosophie der Cavs ist zwar berechenbar, aber deswegen nicht weniger leicht zu stoppen. In den Finals 2016 liefen die Cavaliers immer wieder das Pick-and-Roll, um Switches in der Warriors-Defense und damit Mismatches zu kreieren. Die Konstellation soll entweder James gegen Curry oder Irving/ James gegen den Warriors-Center lauten. Schickt Golden State Hilfe beim Ballführenden, geht der Ball raus zum freien Mann an der Dreierlinie.

Und hier kommt die zweite Stärke der Cavaliers ins Spiel: der Distanzwurf. Cleveland verfügt über eine Reihe von gefährlichen Dreierschützen, von denen mindestens drei jederzeit auf dem Feld stehen. Gleich neun Cavs-Akteure weisen in den aktuellen Playoffs eine Dreierquote von mindestens 40 Prozent auf. Von den regelmäßigen Rotationsspielern treffen vor allem Channing Frye (52,6 %), Kevin Love (47,5 %), Iman Shumpert (47,1 %) und J.R. Smith (44,9 %) hochprozentig von Downtown. Folglich weist Cleveland mit 43,5 Prozent die (mit Abstand) höchste Dreierquote aller Teams in den Playoffs auf.

Um beides zu verhindern, haben die Warriors teilweise eine neue Verteidigungs-Strategie für das Pick-and-Roll entwickelt. Die klare Anweisung dabei lautet: kein Switchen! Stattdessen sinkt entweder der Gegenspieler des Blockstellers ab (gefährlich, da James und Irving ihre Mitteldistanzwürfe sicher treffen) oder die Warriors spielen das „Hedge and Recover“, wie in den ersten beiden Szenen des unteren Video zu sehen ist. In diesen läuft LeBron James als Ballführender das Pick-and-Roll, während Currys Gegenspieler als Blocksteller hinzukommt. Das Ziel der Cavs ist es, das Switchen zu erzwingen und anschließend den Point Guard der Dubs zu attackieren. Doch die Warriors switchen in diesen beiden Fällen nicht. Stattdessen springt Curry kurz raus, um danach mit einem Sprint wieder zu seinem ursprünglichen Gegenspieler zurückzukehren.

In der ersten Szene sind noch anfängliche Schwierigkeiten bei der Rotation zu erkennen. Curry will zurück zu Shumpert, der aber schon von JaVale McGee aufgenommen wurde. Folglich steht ein Cavs-Spieler an der Dreierlinie extrem frei. Durch harte Closeouts verhindern die Warriors dennoch den Distanzwurf und lassen nur einen erschwerten Korbleger zu. In der zweiten Szene funktioniert die Kommunikation besser, allerdings lassen die Warriors auch hier einen Dreierschützen freistehen. Ob die Warriors mit der kleineren Aufstellung diese Taktik noch besser spielen? Auch dies wird mitentscheidend für den Ausgang der Finals sein.

Als abschließender Faktor ist Tristan Thompson zu nennen. Nur wenn der Big Man am offensiven Brett wütet und seinen Cavaliers einen klaren Vorteil bei den Offensiv-Rebounds beschert, kann sich der Meister realistische Chancen auf eine Titelverteidigung ausrechnen. Wenn die Warriors aber zu oft ihre eigenen Abpraller fangen und – wie in vielen der oberen Szenen zu sehen – ihren gefährlichen Fastbreak-Basketball spielen können, wird diese Serie so wie das Aufeinandertreffen im letzten Januar eine klare Angelegenheit für die Dubs werden.

Lasst die Spiele beginnen!

Aufgrund der vielen Fragezeichen in der Cavs-Defense sind die Warriors in der Tat der hohe Favorit auf den Titel. Während Golden State auf beiden Seiten des Courts auf elitärem Niveau agiert, hat Cleveland nur einen überragenden Angriff entgegenzusetzen. In der Verteidigung ist der amtierende Champion sehr anfällig – sowohl was die individuelle als auch die Team-Defense betrifft. Dennoch gibt es einige taktische Aspekte, die es wert sind zu verfolgen. Zudem wird die Ansammlung von Star-Power Spektakel versprechen. Lasst uns also das Gerede über die angebliche Warriors-Überlegenheit vergessen und uns auf packende Finalspiele freuen. In der kommenden Nacht geht es endlich los.

Warriors gegen Cavaliers – die Finals-Vorschau
5 (100%) 2 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Manuel
Manuel 1. Juni 2017 um 12:46 Uhr

Interessante Aspekte, vor allem die Pick-and-Roll-Verteidigung der Warriors mit Stephen Curry. Generell wird hier interessant sein, wie die Warriors agieren – beim versuchten Doppeln/ Trappen ist James nun jemand, der den Pass auf die offenen Mitspielern finden wird.

Zu James: Bei ihm wird auch die Defensivaufgabe interessant sein. Die Cavs zogen in der Verteidigung in den Playoffs ja wirklich an – klar, keine Mammutaufgabe wie jetzt gegen die Warriors. Da konnte James ja immer wieder den „Roamer“/ „Free Safety“ oder wie man es nennen will spielen. Gegen die Warriors sehe ich ihn aber doch in erster Linie gegen Durant – zu viele Waffen bei Golden State, und die Cavs ansonsten mit niemandem, der mit Durants Größe/ Skills mithalten kann.

Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.