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Weltweit

Vaterfreuden

04.09.2017 || 20:31 Uhr von:
Die Nationalspieler Robin Benzing und Donatas Motiejunas sind beide Vater geworden. Der eine war bei der Geburt seines Kindes dabei, der andere nicht. Wichtiger ist aber, was in den Jahren danach passiert.

Es war am zwölften August abends um halb zehn, als Austin Green nicht länger ruhig sein wollte. Er loggte sich in seinen Twitter-Account ein und legte los. Wenige Stunden zuvor hatten amerikanische Patrioten ihren als Sorge verkleideten Rassismus durch die Straßen von Charlottesville getragen. „Wenn ihr verhindern wollt, dass eure Kinder werden wie die fehlgeleiteten Rassisten in Virginia, dann bringt sie schon in jungen Jahren zum Basketball. Ich glaube fest daran, dass das eine Lösung sein kann“, tippte der in Spanien lebende Green und lieferte seine Argumente gleich hinterher. „Es ist schwer, ein hasserfüllter Rassist zu werden, wenn die Idole deiner Kindheit und deine Freunde aus unterschiedlichen Kulturen stammen und verschiedene Hautfarben haben. Es gibt auch im Basketball Idioten, aber kein Sport ist offener und inklusiver. Hier findet jeder seinen Platz.“ Austin Green ist Journalist, Scout und ganz gewiss basketballverrückt. Aber greift er hier nicht ein wenig zu hoch? Basketball ist am Ende ja doch nur ein Spiel.

Ein Mädchen

Für manche ist dieses Spiel allerdings zum Beruf geworden. Robin Benzing ist einer der wenigen Deutschen, die mit diesem Spiel ihren Lebensunterhalt verdienen. Er hat es sogar zum Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gebracht. Trotz Knieverletzung ist er mit nach Tel Aviv zur Europameisterschaft geflogen, er wurde gerade noch rechtzeitig fit. Im Auftaktspiel gegen die Ukraine erzielte er 17 Punkte. Der Bundestrainer betonte nachher, wie wichtig Benzing für seine Mannschaft gewesen sei. Das war am Donnerstag. Am Freitag brachte seine Frau zu Hause in Deutschland ein Mädchen zur Welt. Robin Benzing ist jetzt Vater einer kleinen Tochter. Er war bei der Geburt nicht dabei. „Du sollst bitte dort bleiben und spielen“, hat seine Frau zu ihm gesagt.

Ein Junge

Anders handhabte das Donatas Motiejunas aus Litauen. Der 26-jährice Center machte sich nur wenige Tage vor Beginn der Europameisterschaft auf nach Houston, wo seine Freundin ein Kind erwartete. Er war bei der Geburt dabei, es war seine Entscheidung und die seines Trainers, der selber zwei Kinder hat und Motiejunas unterstützte. Noch am Tag der Geburt aber fegte Wirbelsturm Harvey durch die Straßen von Houston und legte unter anderem den Flugverkehr lahm. Erst am 31. August schaffte es der Nationalspieler nach Tel Aviv, sein Flugzeug startete von Dallas aus. Vier Stunden nach seiner Ankunft stand er auch schon auf dem Parkett. Litauen verlor die Auftaktpartie, Motiejunas machte vier Punkte.

Im siebten Himmel

Sein Landsmann Sarunas Jasikevicius wurde ebenfalls neulich mit diesem Thema konfrontiert. Der ehemalige Point Guard ist seit letzter Saison Trainer von Zalgiris Kaunas. Als er seinen Center Augusto Lima während der Playoffs gehen ließ, fragte ein Reporter kritisch nach. Jasikevicius antwortete folgendermaßen: „Haben Sie Kinder? Wenn Sie Kinder haben, junger Mann, werden Sie verstehen. Das ist das Größte, was ein Mensch erleben kann. Denken Sie, dass Basketball das Wichtigste ist im Leben?“ Der Reporter beharrte darauf, dass das Halbfinale wichtig sei, für das Team und den Verein. Jasikevicius aber fuhr fort: „Wichtig? Wenn Sie ihr erstes Kind sehen, werden Sie verstehen, was das Wichtigste im Leben ist. Weil nichts majestätischer sein kann im Leben als die Geburt eines Kindes. Keine Titel, nichts. Augusto Lima ist im siebten Himmel gerade, und ich bin sehr glücklich für ihn.“ Diese Pressekonferenz hat inzwischen 1,6 Millionen Aufrufe auf YouTube.

Manche Väter schaffen es zur Geburt, andere nicht. Am Ende ist eine Sache aber viel wichtiger. Robin Benzing und Donatas Motiejunas eint, dass sie dem Rat von Austin Green folgen werden. Natürlich werden ihre Kinder mit der Sportart Basketball aufwachsen, sie werden ihren Vater in die Halle begleiten, sie werden selbst bald zum ersten Mal auf einen Korb werfen. Sie werden Teil der multikulturellen Basketball-Familie werden und über Menschen wie jene, welche in Charlottesville ihr Unwesen trieben, nur mit den Köpfen schütteln. Am Mittwoch treffen Litauen und Deutschland aufeinander. Auf der einen Seite Donatas Motiejunas, stolzer Vater eines Sohnes. Auf der anderen Seite Robin Benzing, stolzer Vater einer Tochter. Vor den Bildschirmen: die Basketball-Familie.


Klatschpappe ist die Glosse von Linus Müller, der sich jeden zweiten Montag in einem möglicherweise überspitzten Kommentar zu einem Thema aus der Welt des Basketballs äußert.

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