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Von einem, der auszog, das Fürchten lehren zu lernen

04.10.2017 || 09:30 Uhr von:
Robin Benzing ist zurück in der BBL – und wie. Mit Clutch-Qualitäten hat der DBB-Kapitän Würzburg zu zwei Siegen geführt. Dabei wurden ihm in München noch die Ambitionen abgesprochen.

Am 21. Juni 2015, in seiner vorerst letzten BBL-Partie, spielte Robin Benzing um die Meisterschaft – doch er spielte kaum. Benzing saß auf der Bank, als sein Team, der FC Bayern München, in Bamberg das Unmögliche möglich machen wollte: einen 13-Punkte-Rückstand innerhalb von dreieinhalb Minuten aufholen, um gegen den großen Rivalen die Chance auf den Titel zu wahren.

Das wäre den Bayern beinahe geglückt, doch am Ende gewannen die Bamberger das Duell mit 88:84, die Finalserie mit 3-1 und lösten im ersten Jahr der Trinchieri-Ära die Münchener als Titelträger ab. Der Startpunkt für eine Dominanz der Franken in der Basketball-Bundesliga, vorerst der Endpunkt für Benzing in Deutschland.

Eineinhalb Monate vor dem verlorenen Finale hatte der damalige Bayern-Coach Svetislav Pesic in der Süddeutschen Zeitung seine deutschen Spieler kritisiert – und damit auch Benzing. Einigen von ihnen würden „definitiv die Ambitionen fehlen“. Laut Pesic denken sie: „Ich bin Nationalspieler, es ist schön hier bei Bayern. Aber wenn ich es nicht schaffe, dann gehe ich woanders hin.“

Das tat Benzing auch. Nach vier Jahren in München, in denen seine Einsatzzeit kontinuierlich gesunken war, verließ Benzing die Bayern, die BBL und wechselte nach Spanien. Drei Minuten stand Benzing im letzten Viertel des letzten Saisonspiels auf dem Feld, über das gesamte vierte Finalspiel waren es nur acht Minuten. In den Playoffs lag seine Einsatzzeit nicht mal im zweistelligen Bereich.

„Es fehlen definitiv die Ambitionen“

„Bequem“ seien laut Pesic einige deutsche Spieler geworden. Doch ist es bequem, das eigene Umfeld, seine Heimat zu verlassen? Einen neuen Schritt im Ausland, in einer ungewohnten Kultur zu wagen? Es ist das eine, zu erkennen, dass sich etwas ändern muss. Doch es ist etwas anderes, diese Änderungen auch wirklich in die Tat umzusetzen. Das erfordert Mut.

Zwei Jahre hat Benzing in Spanien bei Saragossa verbracht. Er hat damit nicht wie in München bei einem Titelanwärter gespielt, sondern bei einem Team, das in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert hat. Benzing spielte nicht um Meisterschaften, doch er stand in der Crunchtime auf dem Parkett und gewann Spiele. Benzing lernte wieder, Verantwortung zu übernehmen.

„Die zwei Jahre waren extrem wichtig, weil ich Selbstvertrauen getankt und wieder zu dem Spiel zurückgefunden habe, das mich ausmacht: dass ich sehr aggressiv im Scoring bin und dass ich Verantwortung übernehmen muss und nicht nur ein Rollenspieler bin, der von Ecke zu Ecke läuft“, erklärte Benzing bei Telekom Sport. In gewisser Weise zog Benzing aus, um das Fürchten lehren zu lernen.

„Nicht nur ein Rollenspieler, der von Ecke zu Ecke läuft“

Am 29. September 2017 war Robin Benzing endgültig zurück in der BBL. Der 28-Jährige spielte „nur“ beim Saisonauftakt von s.Oliver Würzburg, doch er spielte groß auf. Und dabei ausgerechnet gegen das Team aus Bamberg, das für Benzing den zwischenzeitlichen Endpunkt in der BBL bedeutet hatte. Aber jetzt vielleicht so etwas wie einen Neuanfang einläutet.

Benzing zeigte gegen den Serienmeister die Aggressivität, die er in der BBL zuvor verloren hatte: Als Power Forward agierend, zog er immer wieder hart zum Korb und erarbeitete sich Freiwürfe. Mit 13/13 sollte Benzing nicht nur perfekt von der Linie bleiben, sondern so auch den 76:73-Erfolg sicherstellen. Der 2,08-Meter-Schlaks gab sogar den Ballhandler im Pick-and-Roll, forcierte im Low-Post aber ebenso die Mismatches. Oder einfach: Benzing zeigte eine Flexibilität, die man ihm so vielleicht gar nicht (mehr) zugetraut hat.

Was sicherlich auch am System von Dirk Baumermann liegt. Ausgerechnet Bauermann, der 2009 Benzing einst in die A-Nationalmannschaft berufen hatte. Seitdem hat Benzing übrigens bei jeder Europameisterschaft seine Knochen für die Nationalmannschaft hingehalten. Als Kapitän trug er auch bei der diesjährigen EuroBasket das DBB-Trikot, obwohl seine Frau ihr Kind erwartete. Obwohl Benzing zu diesem Zeitpunkt immer noch vereinslos war. Wieviele Spieler gibt es, die in der jüngeren Vergangenheit mehr für den deutschen Basketball getan haben?

Vielleicht schließt sich so auch der Kreis: Benzing erstarkt zurück in der BBL. Als Spieler, der Partien entscheidet. Wie auch in der zweiten Saisonbegegnung in Jena, als er die Würzburger nicht nur in die Verlängerung rettete, sondern in der Extrazeit den Gamewinner besorgte.

Nein Robin, du bist nicht „ein Rollenspieler, der von Ecke zu Ecke läuft“. Robin, you’re a bad man!

Von einem, der auszog, das Fürchten lehren zu lernen
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