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Wie eine Oldenburger Pressemitteilung die Basketballwelt ins Wanken brachte

01.05.2017 || 12:34 Uhr von:
Einige Oldenburger Spieler sind plötzlich krank, also veröffentlicht der Verein einen Text. Eine Glosse über die folgenschwerste Pressemitteilung der jüngeren deutschen Basketballgeschichte.

Die Nachricht erreichte Basketballdeutschland am späten Montagabend und verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bei gleich fünf Spielern der EWE Baskets Oldenburg wurde eine Lebensmittelvergiftung diagnostiziert. Dazu war Duggins noch nicht fit, Mihailovic verletzt und de Zeeuw gerade erst geheilt. Die Formulierungen der Oldenburger Pressemitteilung vermittelten den bangen Fans den Hauch einer Ahnung, wie es um den Gemütszustand ihres Vereins bestellt war. „Ungünstiger hätte der Zeitpunkt nicht sein können“ – das war der erste Satz. „Höhere Gewalt“ bewirkte diese Katastrophe, wurde da gejammert, und das ausgerechnet gegen Jena, den Tabellenzwölften. Die Liga blockte den Verlegungsversuch der Oldenburger ähnlich lässig ab wie Rickey Paulding hochklassige Angebote anderer Vereine während der letzten zehn Jahre. Damit war Oldenburgs Schicksal besiegelt, nur ein Wunder konnte jetzt noch helfen.

Wunder

Wunder sind das Gegenteil von Pressemitteilungen. Sie sind überraschend, selten und lösen so etwas wie Emotionen aus. Über die Pressemitteilungen wird höchstens mal geschmunzelt, im Nachhinein, wenn der US-Amerikaner rausfliegt, der sich vor zwei Wochen noch auf diese neue Herausforderung in dieser wunderschönen Stadt mit diesen wunderschönen Fans gefreut hatte. Schrieben die Pressesprecherinnen und Pressesprecher des Landes nun aber das Gegenteil, dann wären die Fans wohl auch nicht begeistert und der Arbeitgeber noch weniger. Er kenne die Stadt nicht, würde der neue Spieler dann vielleicht sagen, woher solle er Oldenburg auch kennen, aber das Gehalt würde stimmen und vor allem soll es hier in Deutschland sicher sein. Die Stadt ist zwar nicht wunderschön, hässlich aber auch nicht. Im Vergleich zu New York allerdings, naja. Aber stimmt schon, schönes Fachwerkhaus da hinten und ja, die St. Lamberti-Kirche wird er sicher noch besichtigen, bei Tripadvisor liegt sie im Ranking der Sehenswürdigkeiten Oldenburgs auf Rang Zwei. Vor allem aber wird Rickey dem neuen Spieler bald die besten Restaurants der Stadt zeigen, und dann wird alles gut.

Aber nichts ist gut. „Dirk Mädrich muss endgültig in Oldenburg bleiben“ – diese Schreckensnachricht am Morgen des 25. April löst bei den Anhängern der Niedersachsen Erschütterung aus. Es geht doch um die Playoffs! Die Fans aus Bonn, Gießen, Berlin und Ludwigsburg fiebern nun ebenfalls gebannt auf den Abend hin, lediglich der verwendete Fieberbegriff ist ein anderer als jener in Oldenburg. Für ihre Teams ist das die Chance im Kampf um die Playoffs. Um 19 Uhr geht das Spiel in Jena endlich los. Die ersatzgeschwächten Oldenburger halten sich zunächst noch recht wacker. Vaughn Duggins zieht auf Krücken an Julius Jenkins vorbei, spielt raus auf den am Rollator gehenden Paulding. Der täuscht den Wurf an, gibt dann aber unter den Korb zu Qvale. Der lebensmittelvergiftete Center der Oldenburger wird von Bauchkrämpfen hin- und hergeworfen, aber irgendwie kann er den Ball schließlich kontrollieren. Und Qvale punktet!

Realität

Die Halle ist jetzt ganz still. Den Heimfans stehen die Münder offen, sie alle können es spüren: Hier, direkt vor ihren Augen, geschieht gerade ein Wunder. Ganz anders reagieren die Mitarbeiter von Telekom Basketball, welche die Einschaltquoten überblicken. „Manni, schmeiß den Schampus auf den Grill!“, tönt es aus der Regie. So viele Zuschauer hatte ein Basketballspiel in Deutschland noch nie – und das alles wegen einer mutigen, ehrlichen Pressemitteilung. Mit Fortdauer des Spiels aber geschieht das Unvermeidbare, weil Wunder eben doch nur in Märchen passieren: Das Team der EWE Baskets bricht ein, nichts geht mehr. Die letzten 38 Sekunden verlieren die Blaugelben klar und deutlich mit 2:4. Damit schrumpft der Vorsprung der Oldenburger zum Spielende auf kümmerliche 41 Punkte zusammen. Geknickt schleichen die Spieler vom Parkett. In der Pressemitteilung am nächsten Tag ist zu lesen, dass es für Oldenburg weiter „spannend bleibt“. Und weil dieser Satz so vorhersehbar war, so langweilig und unvermeidbar, atmete Basketballdeutschland – in gegenseitigem Einvernehmen – auf. Alles war wieder wie immer.

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