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Und morgen ein Star in Europa

20.04.2017 || 11:35 Uhr von:
Analyse
Heute noch in der BBL, morgen König in Europa. Wir stellen euch fünf junge Spieler vor, die am Beginn einer großen Karriere stehen.

Vor der Explosion

Erst Bundesliga in Deutschland und dann ganz hoch hinaus: Diese Hoffnung hat sich in den letzten Jahren für einige Spieler erfüllt. Jordan Theodore, Rakim Sanders, Joe Voigtmann und Darius Adams sind nur einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die den Sprung an die europäische Spitze geschafft haben.

Auch in dieser Saison zeigen einige Spieler vielversprechende Ansätze, die zu einer großen Karriere führen können. Die besten Athleten der Liga kennen alle: Nicolo Melli, Daniel Theis, Chris Babb oder Raymar Morgan. Dass für diese Vier nun fette Jahre anstehen, kann sich jeder denken. Im Schatten der ganz Großen spielten sich aber noch andere Akteure in den Vordergrund. Besonders interessant sind dabei diejenigen, vor denen noch eine ganze Karriere liegt. Hier folgen nun die fünf besten „Schattenspieler“ – mit explosivem Potenzial.

Trey Lewis

Es gibt diesen berühmten Spruch: „What happens in Vegas stays in Vegas.“ Zum Glück für medi bayreuth und die BBL war das bei Trey Lewis anders. Coach Raoul Korner besuchte im Sommer die Summer League in Las Vegas mit dem Ziel, Spieler für seine Mannschaft zu finden. Zurück kam er mit Trey Lewis, Combo-Guard, 1,88 Meter groß. Der heute 24-Jährige hatte sich vorher an der renommierten Universität von Louisville als Anführer ausgezeichnet, aber wie nahtlos der Rookie seine Leistungen in die Bundesliga hinübertrug, war dann doch beeindruckend. Gleich im ersten Spiel, bei der Heimniederlage gegen Ulm, legte er 30 Punkte auf. Stand heute ist der US-Amerikaner der achtbeste Scorer der Liga beim Überraschungsvierten aus Bayreuth.

Er kam, sah und siegte. Trey Lewis bringt alles mit, was es braucht, um ein Topspieler in Europa zu werden: Er ist clever, kann sich auf neue Situationen einstellen, er hat die richtige Arbeitseinstellung und einen sehr positiven Charakter. Auf dem Feld ist er defensiv stark und offensiv im Eins-gegen-Eins herausragend. Noch weiß niemand, wohin ihn sein Weg führt, aber Teamkollege Nate Linhart hat da zumindest so eine Ahnung: „Er hat die Chance, große Dinge in seiner Karriere zu erreichen.“

A.J. English

Die ersten beiden Jahre seiner Karriere verbrachte Albert Jay English in der NBA, dann tourte er durch Europa. Vor 17 Jahren hat er seine Karriere beendet. Sein Sohn, Albert Jay English III, spielt nun in Europa. Wenn es nach ihm ginge, würde seine Karriere der des Vaters entgegengesetzt laufen – und ihn irgendwann in die NBA bringen.

Frankfurt ist bekannt dafür, sehr starke Point Guards zu finden. Jordan Theodore, Justin Cobbs, beide haben hier den Grundstein für spätere hochklassige Angebote gelegt (Banvit, München). In dieser Saison aber sah es lange danach aus, als könnte Herbert keinen Super-Guard finden. Dann kam English. Kurz vor Weihnachten stieß der Europa-Rookie zum Team, in Italien war es für ihn nicht so gut gelaufen. Seine Bilanz seitdem, in Zahlen ausgedrückt: nur zweimal weniger als 10 Punkte, im Schnitt 17,1. Wurfquoten von 50 Prozent aus dem Zweier- und 42 Prozent aus dem Dreierbereich. 2,9 Rebounds, 3,9 Assists und ein Effektivitätswert von 15,3 in durchschnittlich 29 Minuten Spielzeit. Seit A.J. English seine offensiven Fähigkeiten in das Frankfurter Angriffsspiel einbringt, gewannen sie neun aus 15 Partien.

Trainer Gordon Herbert beschreibt seine Fähigkeiten folgendermaßen: „Er kann für uns als Point Guard und als Shooting Guard auflaufen, seinen eigenen Wurf kreieren, aber auch den guten Pass spielen. Ich glaube, dass seine Fähigkeiten sehr gut in den europäischen Basketball passen.“ Damit hat er Recht, wobei man inzwischen wohl anmerken darf: Sie passen sehr gut. Schon in seinem zweiten Spiel für Frankfurt schaffte er etwas, was ihm vorher nie gelungen war: Er traf einen Buzzerbeater zum Sieg. Er hat die Anlagen, eine große Karriere hinzulegen, es vielleicht sogar in die NBA zu schaffen. Er hat auch den Willen. Im Interview mit basketball.de-Redakteur Simon Wisser sagte er im Hinblick auf seine Zukunft: „Es ist weiterhin mein Traum, in der NBA zu spielen, und ich werde weiter Arbeit reinstecken. Wenn ich diesen Weg über Europa gehen musste, um eine lange Karriere in der NBA zu haben, mache ich das jederzeit. Und wenn es nicht passiert, dann sollte es eben nicht sein. Am Ende des Tages liebe ich es, Basketball zu spielen. Das ist das Entscheidende.“

Maodo Lo

Vor kurzem traf Maodo Lo mit seinen Bambergern auf ALBA BERLIN, das Team seiner Mutterstadt. Im Sommer, als Lo den besten Platz für den Start in die Profikarriere suchte, reichten auch die Verantwortlichen von ALBA BERLIN ein Angebot ein. Die Bayern aus München natürlich auch, jeder wollte ihn. Gegen Berlin liest sich seine Ausbeute dann so: ein Treffer bei fünf Würfen aus dem Feld, fünf Fouls, vier Ballverluste, davon einer schlimmer als der andere. Maodo Lo ist zwar schon 24 und damit nicht mehr super jung, aber eben noch ein Rookie. Er macht Fehler. Nur wenige Spieler haben eine engere Verbindung zum Puls von Andrea Trinchieri.

Aber da sind diese Momente, diese Phasen. Wenige Minuten, in denen Maodo Lo spielt, als wäre er der beste Point Guard Europas. Gegen Darussafaka Istanbul zum Beispiel, als er neun Punkte in fünf Minuten machte. Er kann dann zum Korb gehen, als wären die Gegner Faultiere. Er dribbelt hinter dem Rücken, den Kopf hat er oben und scannt das Spielfeld, dann wirft er, zack, ganz schnell, alles aus einer Bewegung. In solchen Phasen hat er das Selbstvertrauen von Kobe Bryant und die lässige Ausstrahlung von Dennis Schröder. Bis er den nächsten Ball verliert und das Gefühl für die Offense dazu. Dann nimmt ihn Trinchieri wieder runter.

Noch spielt Maodo Lo sehr inkonstant innerhalb eines Spiels, aber das ist schon besser geworden. Sogar defensiv hat er große Sprünge gemacht im ersten Jahr unter Trinchieri, auch wenn der Nationalspieler hier vor allem im Kopf manchmal noch zu langsam ist. Er hat aber in dieser Saison bereits bewiesen, dass sich alle deutschen Topclubs zurecht um ihn bemühten. Nicht mehr lange, dann werden solche Leistungen wie gegen Berlin weniger und solche wie gegen Darussafaka Istanbul häufiger. Dann kann Lo wirklich zu den besten Guards Europas gehören.

Brose Bamberg: die Lo-gische Entscheidung

Niklas Kiel

Nur in einem einzigen Spiel der letzten Saison betrat Niklas Kiel das Bundesligaparkett. Das hatte einen ganz pragmatischen Grund: Er wollte sich auf die Schule konzentrieren. „Das war genau das Richtige“, sagte Kiel im Nachhinein beim Interview mit basketball.de-Redakteur Simon Wisser. In dieser Saison nun konnte sich der 19-Jährige erstmals voll dem Profisport widmen, und das hat sich bemerkbar gemacht. Sechs Punkte und 2,8 Rebounds legt der junge Power Forward in durchschnittlich 15 Minuten auf. Damit ist er der beste Bundesligaspieler seines Alters – muss aber auch den Vergleich mit älteren Talenten nicht scheuen. Ismet Akpinar, zum Beispiel, ist zwei Jahre älter und wird in dieser Saison hoch gelobt; Kiel legt jetzt schon mehr Effektivitätspunkte auf als dieser.

Die Vorschusslorbeeren blühten prächtig in den letzten Jahren. „Wie McHale gepaart mit Gallinari“, titelte Spox.com 2015. Seitdem ist einiges passiert. Kiel hat im Sommer an seinem Wurf gearbeitet, er trifft jetzt 33% seiner Dreier. Er hat an Masse zugelegt und ist trotzdem beweglich geblieben. Sein bestes Spiel machte er vor zwei Wochen gegen Vechta: Drei seiner vier Dreier segelten in den Korb, insgesamt machte er 19 Punkte. Dazu sammelte er noch drei Rebounds. Mit ihm auf dem Feld erspielte sich Frankfurt einen Vorsprung von zwölf Punkten, am Ende gewannen sie nur mit zwei. Es war das erste Spiel, in dem Kiel seine Frankfurter zum Sieg führte. Es wird sicher nicht das letzte gewesen sein. Und auch, wenn es beim jungen Deutschen im Gegensatz zu den anderen hier gelisteten Spielern etwas länger dauern dürfte – Kiel hat in dieser Saison gezeigt, dass er das Potenzial hat für die ganz große europäische Bühne.

Dwayne Evans

Die GIESSEN 46ers standen im Sommer 2016 vor einem Umbruch. Unter Leitung des herausragenden Denis Wucherer erreichten sie trotz des geringen Etats den neunten Platz. Die besten Spieler wechselten anschließend zu finanzstärkeren Clubs, Gießen musste den Etat weiter kürzen und Wucherer wurde mal wieder kreativ. Dwayne Evans, physisch starker Forward, im letzten Jahr in der ProA für Trier aktiv, unterzeichnete einen Ein-Jahres-Vertrag. Sicherlich, der 2,01 Meter große Athlet hatte im Trikot der Trierer überzeugt und gehörte zu den besten Spielern der zweiten Liga, aber würde er das in der BBL bestätigen können?

In den ersten Wochen waren Evans’ Leistungen in Ordnung, mehr aber nicht. Bis Frontcourt-Kollege Thomas Scrubb sich am 18. Spieltag den Fuß kaputt machte. Dass die GIESSEN 46ers nach dieser Horrornachricht trotzdem noch um die Playoffs kämpfen, hat sehr viel mit Dwayne Evans zu tun. Seit diesem Spieltag scorte er immer mindestens zehn Punkte, auch sein Effektivitätsranking war durchgängig zweistellig. 27 Punkte und zehn Rebounds gegen Göttingen, 23 Punkte und 16 Rebounds gegen Bremerhaven und zuletzt 20 Punkte und elf Rebounds gegen Ulm. Zahlen, die kein Ausrufezeichen brauchen, weil sie selbst eines sind. Nach seiner einjährigen Basketballpause wegen einer Knieverletzung und dem anschließenden Engagement in der ProA hat Evans nun die BBL erobert. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Die Gießener müssen wohl auch dieses Juwel weiterziehen lassen. Vorher kämpfen sie aber noch um die Playoffs – Evans sei Dank.

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