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Award Tour

02.04.2018 || 14:32 Uhr von:
Harden Houston
Die reguläre NBA-Saison neigt sich dem Ende zu. Zeit also, um auf Award Tour zu gehen und verdiente Lorbeeren an die Top-Performer zu verteilen.

Most Valuable Player: James Harden

Wenig überraschend ist der unbestrittene Topscorer (30,7 PpG) und drittbeste Passgeber (8,7 ApG) der Association auch der wichtigste wie wertvollste Spieler der Houston Rockets – der herausragenden Mannschaft der regulären Saison, die mit bisher 61 Saisonsiegen einen neuen Franchise-Rekord etabliert hat.

„Iso James“ kann dabei mit dem besten Player Efficiency Rating und Real Plus-Minus aller NBA-Akteure aufwarten, zumal er ligaweit die meisten Win Shares verbucht. Nimmt der bärtige Freiwurf- und Dreierkönig auf der Bank Platz, sinkt das Offensivrating der hochfliegenden Raketen um satte 5,8 Punkte. Derweil fällt der Offensivkünstler (nunmehr umgeben von fähigen Verteidigern) am defensiven Ende nicht mehr allzu negativ auf …

Die Platzierten: Würden ihre Teams besser dastehen und mehr als Ligamittelmaß darstellen, wären individuell hervorstechende Ausnahmekönner wie LeBron James, Anthony Davis und Giannis Antetokounmpo zulässige Gegenkandidaten.

 

Defensive Player of the Year: Rudy Gobert

26 verpasste Partien hin oder her – am „Stifle Tower“ führt in dieser Saison kaum ein Weg vorbei. Denn der französische Big Man verankert die mit ihm überragende (und generell zweitbeste) Defensive der Liga: Steht Gobert für Utah auf dem Parkett, lässt das verteidigungsstarke Jazz-Ensemble gerade einmal 98,2 Punkte pro 100 Ballbesitze zu (ohne ihn 105,1 Zähler; in puncto Defensiv-Rating beschreibt die Differenz den Unterschied zwischen absoluter Spitze und gutem Mittelmaß).

Dabei agiert der 25-Jährige als elitärer Ringbeschützer (die Gegner treffen nur 53 Prozent ihrer Würfe aus der Nahdistanz), fähiger Rebounder und exzellenter Shotblocker (2,3 BpG bei 63,2 %BLK). Zumal der Zweitplatzierte des Vorjahres erneut das mit Abstand beste defensive Real Plus-Minus aller Profis aufweist sowie das stärkste Defensiv-Lineup der Liga anführt.

Die Platzierten: Ein ernstzunehmender Titelkonkurrent ist zuvorderst Joel Embiid, der in Philadelphia einer Top-5-Defensive vorsteht. Auch verdient der noch immer unterschätzte Team-MVP der Celtics, Al Horford, Anerkennung für seine Verteidigungsarbeit.

 

Rookie of the Year: Ben Simmons

Der junge Australier befindet sich auf dem besten Weg, in seiner Premierensaison im Schnitt 16 Punkte sowie je acht Assists und Rebounds aufzulegen (derzeit 15,8 PpG, 8,0 ApG, 8,0 RpG). Eine großartige Allroundleistung, die in der 69-jährigen Geschichte der Association bislang lediglich sieben Akteuren gelungen ist. Allein Oscar Robertson hat es als Liganeuling (1960/61) vermocht, solch exzellente Kombi-Werte zu generieren. Und auch konnte einzig „The Big O“  in seiner Rookiekampagne mehr Triple-Doubles als Simmons markieren (26:10 aktuell).

Zudem gefällt der 2,08 Meter große Point Forward der sich erfolgreich entwickelnden Sixers nicht „nur“ als ungewöhnlicher Spielgestalter – auch am defensiven Ende des Feldes weiß der 21-jährige Allrounder zu überzeugen. In dieser Hinsicht stehen unter anderem die zweitmeisten defensiven Win Shares, das drittbeste defensive Real-Plus-Minus aller Starter auf der Eins, 2,5 Stocks (Steals + Blocks) sowie exzellente Hustle-Stats in den Statistikbüchern.

Die Platzierten: Gewiss, die Leistungen von Donovan Mitchell sind ebenso überaus beachtlich, aber an das eindrucksvolle Gesamtpaket von Simmons reichen sie wohl nicht heran. Jayson Tatum rangiert auf Platz drei.

 

Most Improved Player: Victor Oladipo

Unerwartet ist der bald 26-jährige Singstar in dieser Saison zum All-Star und im Hoosier State zum neuen Franchise-Player avanciert. Mit seinem verspäteten Leistungssprung hat der einstige Nummer-zwei-Pick (2013) viele Zweifler verblüfft. Was auch für die Überraschungsmannschaft der laufenden Spielzeit, die maßgeblich durch ihn angetriebenen Playoff-Pacers gilt.

Bis dato generiert Oladipo 23,2 Punkte (2016/17: 15,9), 5,3 Rebounds (4,3), 4,2 Assists (2,6) sowie 2,9 Stocks (1,5) – und das bei nahezu gleicher Spielzeit, aber in neuer Hauptrolle, die der legitime Zwei-Wege-Spieler effizient meistert. So hat er auch seine True-Shooting-Quote bei erheblich angestiegener Nutzungsrate (von 21,3 auf 30,3 %) um knapp vier Prozentpunkte angehoben. Alldieweil die Offensive und Defensive der Tempomacher stark an Fahrt aufnimmt, wenn der beste Balldieb der Liga auf dem Parkett schaltet und waltet. Ohne Oladipo hat Indiana in dieser Saison kein einziges Spiel gewonnen (0-6).

Die Platzierten: Hinter ihm reihen sich unter anderem Spencer Dinwiddie, Clint Capela und Terry Rozier ein. Stark verbesserte Zweitjahresprofis wie Jaylen Brown, Kris Dunn und Domantas Sabonis sind hierbei traditionell außen vor.

 

Sixth Man of the Year: Lou Williams

Gibt es heuer einen zahlenmäßig produktiveren Bankangestellten als „Sweet Lou“? Schwerlich. Schließlich kann der wurffreudige Combo-Guard in bisher 55 Bankeinsätzen und durchschnittlich 31,4 Spielminuten ligaweit konkurrenzlose Zahlen anbieten: 22,0 Punkte bei sehr ordentlicher Wurfeffizienz (57,7% TS) sowie respektable 5,5 Assists.

Gefühlt im Alleingang hat Williams die verletzungsgeplagten Clippers zudem erstaunlich lange auf Playoffkurs gehalten und sich durch seine formidablen Offensivleistungen zwischenzeitlich gar in die erweiterte All-Star-Konversation gespielt.

Daher darf der beste sechste Mann der Saison 2014/15, der als 31-Jähriger ein Karrierejahr spielt, als klarer Topkandidat für die erneute Auszeichnung gelten.

Die Platzierten: Vorjahresgewinner Eric Gordon hat bloß 37 Bankeinsätze absolviert und genauso wie Will Barton in dieser Saison weniger als „Sweet Lou“ abgeliefert. Ungeachtet dessen verdienen sie, im Übrigen wie auch Kelly Olynyk, J. J. Barea und Bobby Portis, für ihre Beiträge ein bisschen Liebe.

 

Old Head of the Year: Manu Ginóbili

Gemeinsam mit Vince Carter (41 Jahre) und Jason Terry (40) bildet Ginóbili das erste legitime Ü40-Trio der bisherigen NBA-Geschichte. Dabei ist der ewig junge Argentinier herauszuheben, da er San Antonio als „Sporengeber“ weiterhin wertvolle Offensivimpulse verleiht und substanziell zum Teamerfolg beiträgt (8,7 PpG und 2,5 ApG in 20,0 MpG).

Mitunter versprüht der langjährige Sixth Man gar „Manu Magic“ – etwa Anfang Januar mit konsekutiven 20-Punkte-Spielen gegen Phoenix und Portland – oder der Clutch-Player verwandelt direkt den Gamewinner; so geschehen im Dezember des Vorjahres gegen Boston und Dallas.

In bislang 59 Saisoneinsätzen hat Ginóbili in 27 Partien zweistellig gescort (21 Spurs-Siege) und so als wichtiger Rollenspieler fungiert. Übrigens nicht nur im Angriff – wo er als Ballhandler im Pick-and-Roll (0,88 PPP, 66,1 Perzentil) und effektiver wie kreativer Finisher am Korb noch immer wertvoll ist –, sondern auch am defensiven Ende des Feldes, wo der abgezockte Altmeister seit jeher zahlreiche Offensivfouls provoziert (ligaweit Rang 6), aktiv in den Passwegen steht (3,5 Deflections per 36 Min.) und die gegnerischen Wurfquoten sehr ordentlich absenkt.

Sonach verdient der 40-jährige „Grandpa Juice“ die Auszeichnung als „Old Head“ des Jahres.

Die Platzierten: Es folgen lose die würdig gealterten Big Men David West und Pau Gasol sowie der ebenso 37 Jahre junge Edelschütze des „Königs“: Kyle Korver.

 

Abschließend:

Für den Coach respektive den Executive of the Year Award gibt es gleichermaßen einige würdige Kandidaten. Der Zuschlag geht hier an Dwane Casey und Danny Ainge (vermutlich aber wohl eher an die Raketenforscher Mike D’Antoni und Daryl Morey, während Brad Stevens und Masai Ujiri ebenso legitime Picks darstellen).

 

Alle Statistiken sind auf dem Stand vom 29. März 2018.


In seiner Kolumne „Freiwurf“ schreibt Christian Orban jede zweite Woche über Akteure und Aspekte der NBA – gegenwartsbezogen, gesellschaftskritisch und geschichtsbewusst.

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