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Qual der Wahl

05.10.2017 || 08:02 Uhr von:
NBA All-Star Game
Die NBA hat zwar das Format des All-Star Games erneuert, doch eher Kosmetik statt Reform betrieben und daher grundlegende Änderungen verpasst.

Das nächstjährige All-Star Game der Association, das am 18. Februar 2018 in Los Angeles stattfindet, wird mit einem Novum aufwarten. Denn wie die Liga jüngst verkündet hat (basketball.de berichtete), wird es erstmals in der 67-jährigen Historie des Events nicht zum Aufeinandertreffen einer Ost- und West-Auswahl kommen.

Stattdessen sollen zwei Mannschaftskapitäne jeweils ihre elf Mitspieler auswählen und anführen. Erstere werden die beiden Hauptakteure sein, welche in ihrer Conference die meisten Stimmen bei der All-Star-Wahl erhalten (2017 waren dies LeBron James und Stephen Curry). Wie diese Selektion der dann wohl gemischten Teams praktisch ablaufen wird, ist bis dato offen.

Gewiss ist derweil: An der eigentlichen All-Star-Wahl ändert sich gar nichts. Auch wenn der Osten nicht mehr gegen den Westen antritt, werden letztlich je zwölf Spieler aus einer Conference auflaufen. Wiederum beginnt die Wahl im Dezember dieses Jahres, wobei weiterhin 50 Prozent der Starter-Stimmen von den Fans und je 25 Prozent von den NBA-Spielern sowie ausgesuchten Fachjournalisten herrühren. Die NBA-Coaches benennen sodann wie gehabt die insgesamt 14 Reservisten. Erst dann können die designierten Team-Captains (vermutlich erneut James und Curry) ihre beiden Formationen aus dem Pool der 22 verfügbaren Spieler bestimmen.

Diese Neuerung vermag nun vielleicht das Ungleichgewicht zwischen den beiden Conferences zu kaschieren – die obsolete Einteilung (generell der Liga) in Ost und West, ein Grundproblem, wird jedoch kaum gelöst. Vielmehr wird lediglich der Mannschaftsname auf den Auswahltrikots ein anderer sein.

Unausbalanciertes Spektakel

Sicher, die NBA und ihre Medienpartner dürften es verstehen, aus dem Auswahlprozess der Mitspieler ein spannungsvolles Spektakel zu kreieren, indem Rivalitäten und vermeintliche Animositäten hochgekocht werden (LeBron vs. Kyrie, KD vs. Russ, usw.). Aber kann jene Medienshow das jährliche Trauerspiel auf dem Parkett tatsächlich beswingen oder bemänteln? Das erscheint eher zweifelhaft.

Klar, der Fakt, dass die Westauswahl in der letzten Dekade sieben von zehn Aufeinandertreffen bzw. sechs der letzten sieben für sich entschieden hat, rückt fortan in den Hintergrund. Indes bleibt allzu offensichtlich: Im Staples Center werden 2018 wieder einmal nicht die 24 besten NBA-Spieler auf der Showbühne stehen. Weil die Conference-Zugehörigkeit weiterhin ein Hindernis darstellt, das nicht wenigen Ausnahmekönnern die Teilnahme verstellt.

Insbesondere nachdem in der Offseason mit Jimmy Butler, Paul George, Paul Millsap und Carmelo Anthony vier diesjährige All-Stars in den Westen gewechselt sind, während allein Gordon Hayward gen Osten gezogen ist. Das ohnehin deutlich aufscheinende Ungleichgewicht zwischen den beiden Conferences – das sich anhand allerlei Statistiken aufzeigen ließe – wurde so nochmals verstärkt.

Konsequenterweise wird es beim All-Star Game in Los Angeles reichlich „Snubs“ zu besprechen geben. Erneut unberücksichtigt bleiben könnten etwa Damian Lillard, Rudy Gobert, Mike Conley und Karl-Anthony Towns. Im weniger talentreichen Osten (wo zudem Isaiah Thomas vorerst verletzt ausfällt und hinter Joel Embiid ein gesundheitliches Fragezeichen aufleuchtet) wären sie hingegen wohl mit großer Wahrscheinlichkeit All-Stars …

Fehlende Konsequenz

Was hierbei ganz simpel Abhilfe schaffen könnte? Wenn Fans, Spieler, Fachpresse und Cheftrainer die ligaweit 24 herausragenden Akteure wählen dürften – und zwar unabhängig von der Himmelsrichtung. Das wäre nur schlüssig (wenngleich es zuvorderst den Wahleinfluss der Fans zu überdenken gilt). Zumal die traditionelle Ost-West-Bezeichnung der Teams – die 1951 im Zuge des ersten NBA All-Star Games in Boston eingeführt worden war – ohnehin aufgehoben ist.

Solch ein egalitäreres Wahlverfahren ohne geografische Restriktion wäre auch sinnvoll, weil das All-Star-Wochenende mithin das Spiel der Stars nun einmal das Showcase-Event der Liga sein soll. Daher wäre es folgerichtig, alljährlich die besten Profis zu versammeln und nicht implizit den Osten zu bevorteilen, den es im All-Star Game formell ja gar nicht mehr geben wird.

Zugleich wäre die größte Schwäche des Schauspiels – die mangelnde Kompetitivität – damit keinesfalls behoben. Schließlich zeigte sich das All-Star Game in den vergangenen Jahren wiederholt als sportlich wertlose wie langweilige Veranstaltung. Vor allem weil die Hauptdarsteller, was verständlich erscheint, jedwede Verteidigungsanstrengung und Verletzungsgefahr kollektiv vermeiden. Hierbei bedarf es als Motivationsanreiz sicherlich mehr, als im Vorfeld des Spiels jeweils eine Wohltätigkeitsorganisation auszuloben, die im Nachgang die gesammelten Einnahmen erhalten soll. Kein Frage, eine löbliche Neuerung, alldieweil eine Marketingmaßnahme im Sinne von „NBA Cares“, die aber kaum zusätzliche Intensität ins Spiel bringen dürfte.

Die Liga hat es also leider verpasst, jenseits einer neuen, vorzeigbaren Verpackung, den Inhalt des All-Star Games qualitativ aufzuwerten. Nicht zuletzt, weil sie einer Vielzahl ihrer verdienten Ausnahmespieler den Zugang unnötig erschwert oder verunmöglicht.

Qual der Wahl
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theLF411
theLF411 10. Oktober 2017 um 13:03 Uhr

Meines Erachtens fehlt einfach ein Anreiz.
Ost vs West hätte man ruhig lassen können.
Aber wieso vergibt man nicht das Heimrecht in den Finals an ost bzw West bei gewinnen des All-Star-Games?
Warum lässt man nicht jedes Team einen 3er-Contender und einen Dunk-Contender bestimmen und man erhält als Sieger (nach KO-System und Losverfahren) einen zusätzlichen Deaftpick 31. und 32. (Runde 2 würde dann erst ab pick 33 starten)
Dann wären Anreize geschaffen, da man dadurch ein Ziel hat, das nicht ausschließlich aus Spaß bestehen sollte.
Was dem ganzen All-Star-Event fehlt ist die Competition – ansonsten ist es leider nichts anderes als ein Harlem Globetrotters Event, welches durchaus unterhaltsam ist, aber eben kein MUSS für einen Fan, nur weil eben LeBron, Curry oder Westbrook dabei sind.

christian orban
christian orban 10. Oktober 2017 um 16:13 Uhr

Stimmt – und auch deswegen ist die Änderung wie beschrieben nur Kosmetik. Weil das Haupt-Problem, die mangelnde Kompetitivität, nicht adressiert wurde. So bleibt es bei einer Show ohne Substanz.

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