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„Die FIBA ist ein zahnloser Tiger“

10.12.2017 || 09:56 Uhr von:
Uli Hoeneß spricht Klartext im Streit zwischen EuroLeague und FIBA. Zudem äußert sich der Präsident des FC Bayern zur neuen Halle und zu Visionen für den deutschen Basketball.

Am Rande des FCBB Business Circle in der Zentrale von Hauptsponsor BayWa sprach Präsident Uli Hoeneß über die Basketballer und bezog im Streit zwischen EuroLeeague und FIBA klar Stellung.

Herr Hoeneß, etwa ein Drittel der Basketballsaison ist gespielt und der FC Bayern steht sehr gut da. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Ich denke, wir können vollauf zufrieden sein. Wir haben dieses Jahr eine Mannschaft, die das Publikum begeistert. Im Europapokal haben wir aus sieben Spielen sieben Siege geholt und in der Meisterschaft stehen wir ebenfalls an der Spitze. Aber es gilt weiterhin: Wir messen uns an den Zielen, die wir vor der Saison formuliert haben.

Aktuell scheint unser Plan aufzugehen und wir sind auf einem sehr guten Weg. Leider fehlt mit Vladimir Lucic einer unserer wichtigsten Spieler wegen einer Verletzung. Dennoch ist die Leistung der Mannschaft in etwa so, wie ich mir das vor der Saison vorgestellt habe.

Die letzten Spiele, die zwar alle gewonnen wurden, waren allerdings etwas holprig.

Da haben Sie Recht, aber mir haben diese Siege dennoch gefallen. Wenn ich mich an die letzten Jahre erinnere, hat unsere Mannschaft solche engen Spiele oft verloren. Jetzt habe ich das Gefühl, dass wir gegen Ende nochmals zulegen können und die Spiele für uns entscheiden. Ob knapp oder nicht, spielt im Endeffekt keine große Rolle.

Der Vertrag von Trainer Sasa Djordjevic läuft am Saisonende aus. Müsste man mit ihm bald verlängern?

Wir haben vereinbart, dass wir uns in dieser Angelegenheit im Januar oder Februar zusammensetzen. Ganz ohne Hektik werden wir uns auch an diesen Zeitplan halten.

„Die neue Halle wird ein Prunkstück wie die Allianz Arena“

Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft. Sportlich sollte am Ende ein Titel herausspringen. Zudem sind die Planungen für eine neue Halle bereits weit fortgeschritten.

Ich halte es wie beim Fußball: Unser oberstes Ziel ist die deutsche Meisterschaft. Dass wir im EuroCup so gut dastehen, gefällt mir natürlich auch. Für uns gilt es aktuell, uns auf hohem Niveau zu konsolidieren. Mittelfristig wollen wir uns aber in der EuroLeague etablieren.

Dazu wollen wir eine Mannschaft bauen, die über mehrere Jahre zusammenspielt. Dass zwei oder drei Spieler mal den Verein wechseln, lässt sich im Basketball natürlich nicht verhindern, aber nicht wie in der Vergangenheit sechs oder sieben. Ich will es haben wie in etwa beim Fußball, die Leute sollen sagen: „Ah, ich will jetzt genau diesen Spieler sehen“.

Wenn ich jetzt Spieler wie Lucic sehe, im Übrigen einer meiner Lieblingsspieler, oder Braydon Hobbs, der in der Lage ist, auch in größter Bedrängnis noch einen Dreier zu treffen, dann sind wir diesbezüglich auch auf dem richtigen Weg.

Zu dieser Entwicklung passt auch die neue Halle, die ein ähnliches Prunkstück wie die Allianz Arena werden wird. Dieses Projekt wird ein zweites sportliches Highlight in München werden, und ich gehe davon aus, dass die neue Arena in drei, spätestens vier Jahren fertig sein wird.

Nichtsdestotrotz kann man Abgänge wie den von Publikumsliebling Maxi Kleber nicht verhindern.

Völlig richtig, gegen Abgänge in die NBA können wir nichts machen. Für mich als Manager ist das natürlich eine sportliche Katastrophe, aber ich musste lernen, dass die NBA im Basketball über allem schwebt, und wenn da ein Spieler ein Angebot bekommt, dann ist er weg.

„Wir müssen uns unbedingt fangen!“

Dennoch dürften Ihnen die Leistungen von Maxi Kleber zuletzt gefallen haben…

Da können wir natürlich auch stolz sein, dass zwei Spieler den Sprung vom FC Bayern in die NBA geschafft haben. Paul Zipser hat sich bei den Chicago Bulls ja auch gut durchgesetzt. Man darf aber auch Daniel Theis nicht vergessen, der in Boston ebenfalls überzeugt. Diese Entwicklung zeigt mir, dass der deutsche Basketball langsam in der Lage ist, Spitzenspieler zu produzieren. Mittelfristig wird sich dadurch auch die Qualität des Basketballs in Deutschland verbessern.

„Die EuroLeague liefert einfach ein super Produkt“

Man sieht, dass Ihnen der Basketball sehr am Herzen liegt. Wie beurteilen Sie die erste Länderspielpause aus dem November?

Dass es zwischen EuroLeague und FIBA keine gemeinsame Politik gibt, finde ich katastrophal. Darüber muss dringend gesprochen werden. Es kann doch nicht sein, dass die Spieler von Verein A freigestellt werden und die von Verein B nicht. Das ist doch Wahnsinn.

Für mich ist die FIBA ein zahnloser Tiger und daran muss gearbeitet werden. Die EuroLeague liefert einfach ein super Produkt. Alles, was im Basketball Rang und Namen hat, spielt dort. Und die Geschichte von einem Champions League-Spiel bei CSKA Moskau kennen Sie wahrscheinlich schon: In einem VIP-Raum war der russische Innenminister zu Gast. Als ich mich mit ihm unterhielt sagte er: „Ja, Fußball ist schon ganz nett, aber Basketball ist für uns viel wichtiger.“ Er hat mir außerdem erklärt, dass CSKA die nationale Liga quasi egal ist.

Im Basketball fehlt komplett die Harmonisierung. Die einen sagen: „Ich spiele nur EuroLeague.“ Die anderen sagen: „Nein, die nationalen Ligen sind das Wichtigste.“ Und dann gibt es noch welche, die sich für Länderspiele während der Saison einsetzen. Das wäre ja prinzipiell möglich, aber nur wenn alle an einem Strang ziehen. Dieses Tohuwabohu, wie es aktuell vorherrscht, kann so nicht bleiben.

Die Vereine sollten sich hier verbünden. Auch hier kann ich wieder auf den Fußball verweisen. Damals haben wir mit der G14 angefangen, heute gibt es die ECA, die die UEFA kontrolliert. Man muss diskutieren und darf sich als Verein nicht alles gefallen lassen. So etwas muss im Basketball auch kommen.

„Ein Schröder muss immer spielen“

Dennoch wäre die Nationalmannschaft als Aushängeschild des Sports enorm wichtig.

Absolut, auch hier sehe ich uns auf einem guten Weg. Trotz der Situation haben wir zuletzt gut gespielt. Dennoch haben wir das gerade beschriebene Problem. Wenn die Nationalmannschaft spielt, muss ein Weg gefunden werden, dass auch alle Spieler dabei sein können.

Ein Schröder muss da immer spielen. Gleiches gilt für Zipser, Kleber und Theis. Für die Nationalmannschaften müssen die besten Spieler jedes Landes spielen. Wenn dies nicht möglich ist, dann ist das eine Farce.

Vielen Dank für das Gespräch.

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