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„Das Jahr Pause hat mir beim Drang zu spielen geholfen“

17.11.2017 || 01:19 Uhr von:
Phil Scrubb meldet sich von seiner einjährigen Verletzungspause als drittbester Scorer der Liga zurück. Im Interview spricht der Guard über „Beauty in the Struggle“, das Frankfurter Erfolgsrezept und Andrew Wiggins.

basketball.de: Phil, willkommen zurück in der Liga. Du hast ein Jahr verletzt aussetzen müssen. Dennoch hast du im Vergleich zur Saison 2015/16 deinen Punkteschnitt von 10,7 auf 17,4 Zählern bei den FRAPORT SKYLINERS gesteigert. Inwieweit bist du selbst überrascht, dass es so gut für dich läuft?

Phil Scrubb: Ein wenig. Ich habe mich gefreut, wieder nach Frankfurt zurückzukehren, weil ich mich bei dem Coaching-Stab und den Spielern, mit denen ich bereits zusammengespielt habe, sehr wohl fühle. Ich wusste, dass es nach der langen Verletzung wahrscheinlich der angenehmste Ort sein würde, um wieder zu spielen.

Als meine Rückkehr klar war, habe ich sofort mit Coach Gordon Herbert gesprochen: Er meinte, dass ich eine ziemlich große Rolle im Team bekleiden würde. In der Saisonvorbereitung habe ich das dann auch gelernt. Mir wurde klar, dass ich dieses Jahr auch offensiver zu Werke gehen muss. Bislang läuft es gut. Ich will aber nicht selbstgefällig werden – es ist immer noch früh in der Saison, wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Du sprichst deine Rolle an: Was sind die größten Veränderungen im Vergleich zur Saison 2015/16?

Viel mehr Minuten. Damals bin ich von der Bank gekommen, das tue ich jetzt zwar auch ab und an. Aber meine Einsatzzeit ist von etwa 20 auf rund 30 bis 35 Minuten gestiegen. Ich habe zudem den Ball öfter in den Händen und spiele ein wenig mehr als Point Guard. Unsere Rotation ist im Vergleich zu damals etwas kleiner geworden – auch deswegen stehe ich länger auf dem Feld.

„Gordon Herbert verlangt von uns, dass wir die Defense als unsere Identität annehmen“

In der kleineren Rotation stehen auch viele junge Spieler. Trotzdem habt ihr die Saison mit fünf Siegen aus den ersten sieben Spielen begonnen. Überrascht dich der gute Saisonstart?

Nicht wirklich. Wir haben uns bereits in der Saisonvorbereitung gegen einige gute Teams gut geschlagen. Shawn Huff ist nach der EM spät zum Team gestoßen, Tai Webster kam erst danach hinzu. Damit haben unsere jungen Spieler aber Erfahrung gesammelt. Sie haben gezeigt, dass sie auf diesem Level spielen können. Wir sind überzeugt, dass sie einen guten Job machen, wenn sie aufs Feld kommen. Unsere Veteranen helfen ihnen und übernehmen, wenn sie müssen.

Welche Gründe siehst du noch für euren guten Start?

Ich denke, wir sind ein ziemlich vielseitiges Team. Unsere großen Jungs spielen innen stark, die Gegner müssen Mike [Morrison] und Jonas [Wohlfarth-Bottermann] aus dem Spiel nehmen. Sie öffnen das Feld für andere. Wir haben einige Spieler, die in die Zone ziehen und offene Würfe kreieren können. Das Zusammenspiel klappt einfach gut.

Aber das Wichtigste ist unsere Verteidigung. Wenn wir gut verteidigen, läuft unsere Offensive auch ziemlich gut. Unser Trainer legt den Fokus auf die Verteidigung und verlangt von uns, dass wir die Defense als unsere Identität annehmen. Wir haben einige enge Spiele absolviert; wenn wir dort in den letzten Minuten einen Stopp gebraucht haben, ist uns das auch meist geglückt.

Lass uns bei der Verteidigung bleiben: Hierbei sticht bei euch nicht nur das Switchen im Pick-and-Roll, sondern auch abseits des Balls heraus. Wie herausfordernd sind diese Off-Ball-Switches?

Mitunter ist es das. Wir switchen abseits des Balls in Situationen, in denen keiner „out of position“ ist. Kommunikation ist wichtig, damit jeder weiß, wann wir switchen und alle auf einer Wellenlänge sind. Wir haben große Guards, die Big Men verteidigen können, und selbst Big Men, die Guards verteidigen können. Wenn wir das tun können, dann geraten Teams aus ihrem Offensiv-Rhythmus, weil sie sich damit nicht so wohl fühlen.

Wie gut funktioniert eure Verteidigung deiner Meinung nach bislang? Habt ihr das System von Coach Gordon Herbert schon verinnerlicht?

Das System ist großartig. Der Coaching-Stab ist wirklich gut darin, uns auf die Spiele vorzubereiten und die Gegner zu scouten. Wir gehen all deren Spielzüge durch und besprechen, wie wir diese verteidigen wollen. Manchmal gestatten wir unseren Gegnern noch zu lange Läufe, in denen sie innerhalb kurzer Zeit viel punkten. Wenn das passiert, müssen wir uns darin verbessern, ruhiger zu werden und Stopps zu generieren. Aber außer diesen Läufen verteidigen wir ziemlich gut. Wir haben es schon ein paar Mal geschafft, Gegner unter 30 Punkten in einer Halbzeit zu halten.

Wir haben über die kurze Rotation gesprochen. Denkst du, die könnte genau hier noch ein Problem werden: wenn es nicht gut läuft, um mehr Wechselmöglichkeiten zu haben, um den Lauf des Gegners zu stoppen?

Ich weiß nicht. Wenn einer unserer Spieler wirklich müde ist, kann er darum bitten, ausgewechselt zu werden. Wir haben derzeit ein ziemliches Vertrauen in unsere Rotation. Und bald wird Niklas [Kiel] zurückkommen, was uns gut tun wird. Wir werden in Zukunft sehen, was für uns am besten funktioniert und ob wir unsere Rotation vergrößern müssen. Unser Coach weiß aber, was er tut. Wir sind da ziemlich zuversichtlich.

Zu einem anderen Erfolgsrezept: Vor der Saison meinte Gordon Herbert mit einem Schmunzeln: „Wir waren immer erfolgreich, wenn wir mindestens einen Kanadier oder einen Finnen im Team hatten. Jetzt haben wir von beiden jeweils einen im Kader. Das kann ja nur eine gute Saison werden.” Aber im Ernst: Ist da vielleicht was dran? Du und Shawn Huff, ihr macht auf dem Feld einen ziemlich ruhigen und abgeklärten Eindruck.

(lacht) Ich weiß nicht. Ich kann nicht für Finnland sprechen. Aber Shawn ist ein sehr guter Typ und einer unserer Anführer. Wir setzen auf ihn, wenn es mal nicht gut läuft. Er ist gut darin, jeden zu beruhigen und alle zusammenzuraufen. Was mich betrifft: So bin ich einfach als Mensch, einfach entspannt. Es gibt definitiv Kanadier, die nicht so sind. Da gibt es auch in Kanada die ganze Bandbreite. (lacht) Auch hitzköpfige Menschen. Es hat alles seine guten und schlechten Seiten. Immer entspannt zu sein, ist vielleicht manchmal auch nicht das Beste.

Coach Herbert macht die meiste Zeit auch einen entspannten Eindruck. Kann er auch anders?

Es kommt darauf an, wie wir spielen. Wenn wir aufwachen müssen, hat er auch keine Bedenken, uns härter ranzunehmen. Dann geht er sicher, dass wir wissen, was wir falsch machen und dass wir mit mehr Energie spielen müssen. Er coacht schon lange – deswegen weiß er, wann es Zeit ist, lautstark zu sein und wann es Zeit ist, sich zurückzunehmen.

Coach Herbert hat seinen Abschluss in Sportpsychologie gemacht. Als ich ihn einmal darauf angesprochen hatte, sagte er, dass er auch einmal den Teampsychologen der Eisbären Berlin, Markus Flemming, nach Frankfurt eingeladen hat, um zusammenzuarbeiten. Inwieweit äußert sich dieser sportpsychologische Hintergrund in der Arbeit mit eurem Coach?

Um ehrlich zu sein, habe ich darüber noch nie nachgedacht. Mein College-Trainer hatte einen ähnlichen Hintergrund. Ich denke, es hilft dabei zu verstehen, wie Spieler denken – er hat auch selbst gespielt, das hilft ebenso. Er weiß, wie er mit verschiedenen Spielertypen sprechen muss und wie er das Beste aus ihnen herausholt. Das habe ich mitbekommen – aber nicht im Sinne, dass es ein psychologischer Trick ist, den er gerade benutzt.

Das Beste ist, wenn man gar nicht mitbekommt, wenn er das tut.

Genau. (lacht)

„Mein Bruder und ich wollten nicht Teams unterstützen, die jeder mag“

Als Kanadier hat Coach Herbert natürlich Eishockey gespielt. Hast du auch gespielt?

Nein, habe ich nicht. Meine Eltern haben nicht gespielt und uns somit auch nicht dafür begeistert. Das Equipment war auch ein wenig teuer. Ich habe neben Basketball ein wenig Fußball gespielt.

Ich habe ein Audio-Zitat von Coach Herbert für dich. Als ich mit ihm im vergangenen Jahr gesprochen hatte, habe ich nach dem Eishockey-Hintergrund von dir und Aaron Doornekamp gefragt.

Du bist aus Vancouver, aber ein „New York Rangers Guy”. Was hast du dazu zu sagen?

(lacht) Als ich aufgewachsen bin, habe ich Eishockey schon verfolgt. Mein Bruder und ich wollten irgendwie nicht Teams unterstützen, die jeder mag. Alle mochten die Mannschaft aus der Heimat, wir haben uns unsere eigenen gewählt: er die Montreal Canadians, ich die New York Rangers.

Großartig. Lass uns zurück zum Basketball und zu dieser Saison gehen. Wir haben über eure jungen Spieler gesprochen – du selbst bist mit 24 Jahren ebenfalls noch jung und absolvierst gerade dein erst zweites Profijahr. Dennoch bist du auch ein Anführer. Wie fühlst du dich in dieser Rolle?

Die Situation ist perfekt für mich. Mit Mike, Tez [Robertson] und Shawn haben wir bereits starke Anführer. Ich kann so etwas wie die Führungsrolle aus der zweiten Reihe übernehmen. Als Mensch bin ich vielleicht etwas zurückhaltender und ruhiger. Aber ich kann mit gutem Beispiel vorangehen. Und wenn meine Mitspieler Hilfe brauchen, kann ich ihnen auch ein paar Ratschläge geben.

Du hast erwähnt, dass du in dieser Saison noch mehr als Point Guard spielst; man könnte auch primärer Ballhandler sagen. Hattest du dies schon immer in deinem Spiel, oder musstest du daran arbeiten? Wie hast du dich mit dieser Rolle angefreundet?

Ich habe sowohl in der High-School als auch die fünf Jahre am College als Point Guard gespielt. Das war meine natürliche Position, ehe ich meine Profikarriere begonnen habe. Dann habe ich auf der Eins und Zwei gespielt. Aber ich mag es, auf beiden Positionen zu spielen – das hängt auch davon ab, wer sonst noch auf dem Feld steht. Wenn es Tai [Webster] ist, rutsche ich auf die Zwei. Wenn Isaac [Bonga] auf dem Parkett ist, teilen wir uns das Ballhandling. Das ist eine perfekte Situation für mich. Tai und Isaac sind wahrscheinlich ein wenig besser darin, für andere zu kreieren; sie ziehen gut zum Korb. Dann mag es besser sein, wenn ich am Flügel spiele.

[Shawn Huff im Interview] | [Isaac Bonga im Podcast]

Ich habe mit Coach Herbert auch über dieses Positionsdenken gesprochen. Er meinte, dass es heutzutage viele „Combo-Guards“ gäbe und dass öfter drei Guards auf dem Feld stehen. Aus Spielerperspektive: Siehst du dich selbst als „Point Guard“? Wie haben sich diese Beschreibungen über deine Karriere verändert?

Eine kleine Veränderung kann ich ausmachen. Zu meiner High-School- und College-Zeit war es klar, dass es einen Point Guard gibt und dann einen Zweier. Aber bei der Nationalmannschaft oder hier in Frankfurt hast du zwei oder drei Guards, die den Ball nach vorne bringen und die Offensive in Gang bringen können. Heutzutage vermischen sich die Positionen, weil jeder so viele Skills hat, um ein primärer Ballhandler zu sein. Dennoch glaube ich, dass du so etwas wie einen „Set Point Guard“ brauchst – dem du in bestimmten Situationen den Ball gibst und der die Offensive einleitet.

Drive, Kontakt, Stop, Jumper: Phil Scrubb mit seinem Go-to-Move gegen Bayreuth. Sein Treffer zum 67:65 bei 41 Sekunden auf der Uhr brachte Frankfurt auf die Siegerstraße.

„Der Midrange-Jumper ist mein Go-to-Move“

Wenn man sich dein Spiel anschaut, fallen deine Verzögerungen und Richtungswechsel auf, du fühlst dich in der Mitteldistanz wohl. Es mag athletischere und schnellere Spieler als dich geben, aber du schaffst es immer gut, gegen Verteidiger deinen Wurf los zu werden. Wie hast du dieses Spiel entwickelt?

Ich habe ziemlich früh in meiner College-Zeit erkannt, dass es einige Spieler gibt, die einfach schneller sind als ich. Ich habe gelernt, meinen Körper und meine Größe zu nutzen, um meinen Wurf los zu werden. Mein Ziel in der Offensive ist es, an meine bevorzugten Stellen auf dem Feld zu kommen. Wenn es Kontakt gibt, kann ich den Step-Back-Jumper nehmen. An diesem Wurf habe ich während meiner College-Zeit viel gearbeitet, mit diesem Wurf fühle ich mich wirklich wohl. Der Wurf verschafft einem mehr Möglichkeiten zu punkten, wenn man den Verteidiger nicht im Drive schlägt.

Ich versuche immer, mein Spiel zu erweitern. Diesen Wurf aus der Mitteldistanz nehme ich häufig. Manchmal verlasse ich mich vielleicht zu sehr darauf anstatt zu attackieren, um einen Korbleger zu bekommen. Daran muss ich noch arbeiten.

Wir haben über den modernen Basketball gesprochen. Dort wird der Fokus auf den Dreier gelegt oder zum Korb zu kommen, um ein Foul zu ziehen oder den Korbleger zu nehmen. Wie wichtig ist die Mitteldistanz dennoch für dich?

Der Wurf aus der Mitteldistanz ist wichtig für mich. Solange ich diese Würfe treffe und effizient bin, nehme ich diese Würfe. Und meistens treffe ich den Mitteldistanzwurf auch mit einer hohen Prozentzahl. Das ist einfach Teil meines Spiels. Wenn ich sie nicht treffen würde, müsste ich sicherlich mein Spiel umstellen und bessere Wurfmöglichkeiten suchen. Aber einstweilen werde ich diese Würfe weiter nehmen.

Dirk Nowitzki hat in einem Podcast mit Marc Stein einmal gesagt: „Gute Spieler haben den Drive oder den Layup, aber um den Unterschied zu machen, brauchst du einen Go-to-Move in der Mitteldistanz”, weil die Defense einem in der Crunchtime keine Korbleger und Dreier gibt. Ist dieser Midrange-Jumper dein Go-to-Move?

Ja, das ist definitiv der Wurf, den ich suche, wenn ich für mich selbst kreieren und einen Abschluss forcieren muss. Wenn dein Verteidiger deinen Drive aufhält, ist er auch außer Balance – so hat er es schwer, dich zu stoppen und gleichzeitig den Closeout zu machen. Ja, das ist derzeit mein Go-to-Move.

Deine Play-Type-Statistiken sind bei den Anteilen zwischen on-ball- und off-ball-Aktionen sehr ausgeglichen. Wo fühlst du dich am wohlsten?

Eine Kombination aus Pick-and-Roll und Spot-up. Off-Ball zu spielen und in einer Situation zu sein, wo der Verteidiger zum Closeout rennt, da fühle ich mich am wohlsten. Dann kann ich entweder werfen oder nach einem Pump-Fake den Verteidiger aussteigen lassen. Aber ich mag es auch, aus dem Pick-and-Roll zu kommen und nach einem Block am Ball das Zwei-gegen-Eins zu spielen.

„Das Jahr Pause hat mir beim Drang zu spielen geholfen“
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