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„Früher waren wir wirklich ein Team. Das fehlt mir heute!“

16.06.2017 || 12:36 Uhr von:
„Dass Spieler nicht zur Nationalmannschaft reisen, gab es zu meiner Zeit nicht!“ Demond Greene redet im Exklusivinterview Tacheles. Potential sei im DBB-Team aber genug vorhanden.

Demond Greene absolvierte 114 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft und gewann unter anderem die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2005. Heute ist der mittlerweile 38-Jährige als Nachwuchstrainer beim FC Bayern aktiv. Neben der NBBL-Mannschaft betreut Greene auch die Reserve in der ProB als Co-Trainer.

Im Exklusivinterview spricht Greene über seinen neuen Job und den Sommer der Nationalmannschaft.

basketball.de: Herr Greene, aktuell betreuen Sie ja überwiegend Jugendspieler. Könnten Sie sich vorstellen, auch im Seniorenbereich zu coachen?

Demond Greene: Vorstellen kann ich mir das auf jeden Fall, aber man muss auch sehen, dass es sehr viele Trainer auf dem Markt gibt. Da kann man sich seine Tätigkeit nicht einfach aussuchen. Ich fühle mich hier in München sehr wohl und bin zufrieden mit meinen Aufgaben in NBBL und ProB. Dort spielen wir ja schon im Seniorenbereich.

Zuerst möchte ich die Dinge auf mich zukommen lassen. Und wenn sich dann irgendwann eine Möglichkeit ergeben sollte, werde ich darüber nachdenken. Ich bin noch ein junger Trainer, daher müsste eine Aufgabe im Seniorenbereich schon eine gute Perspektive bieten.

Schließlich möchte ich mich als Trainer auch weiterentwickeln und den nächsten Schritt in meiner Karriere gehen. Aktuell fühle ich mich in München aber bestens aufgehoben.

Der wohl bekannteste Spieler, den Sie sowohl als Mitspieler aber auch als Trainer kennen, ist Paul Zipser. Hätten Sie ihm einen derartigen Start in der NBA zugetraut?

Ich habe es ihm in jedem Fall zugetraut, wobei mir aber auch klar war, dass der Anfang sehr schwierig werden würde. Er war ja auch einige Male gar nicht im Kader oder wurde in die D-League geschickt. Ich bin mit Paul in Kontakt und habe ihm immer gesagt, dass er ruhig bleiben und sein Ding machen soll.

In der NBA musst du einfach mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Als bei den Bulls schließlich einige Spieler verletzt waren oder auch der ein oder andere Trade ganz gut für Paul gelaufen ist, hat er seine Chance bekommen.

„An jedem Standort müssen Bundesligaspieler entwickelt werden“

Zipser wurde über die Regionalliga an das BBL-Niveau herangeführt. Seine Spielanteile wurden sukzessive größer. So stellt man sich eigentlich die Entwicklung eines jungen deutschen Spielers vor. Sind Sie generell mit den Einsatzzeiten deutscher Spieler in der BBL zufrieden?

Natürlich könnte die Lage besser sein, sie könnte aber auch deutlich schlechter sein. Es gibt einige Mannschaften, in denen deutsche Spieler viel Spielzeit bekommen. Gleichermaßen sehe ich in der BBL aber auch Teams, in denen die Deutschen meiner Ansicht nach zu wenig Spielzeit bekommen.

Da fehlt dann vielleicht auch die entsprechende Qualität bei den Spielern. Somit wären wir wieder bei den Jugendprogrammen und Farmteams. Hier müssen an jedem Standort Spieler entwickelt werden, die die Qualität haben auch in der Bundesliga zu spielen.

Das passt ja optimal zum Thema Nationalmannschaft: Im Sommer steht die Europameisterschaft an. Kann dort die beste Nationalmannschaft seit langer Zeit auf dem Parkett stehen?

Vom Potential her auf jeden Fall. Aber ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist, dass sich eine Mannschaft auch finden muss. Ich will nicht sagen, dass die Perspektive besser ist als zu meiner Zeit, als wir mit Dirk Nowitzki im Nationalteam gespielt haben. Das Spiel an sich hat sich in den letzten Jahren dazu einfach zu sehr verändert, vor allem in Hinblick auf Geschwindigkeit und Athletik.

Nehmen wir als Beispiel die Power Forward-Position: Früher hatten wir da einen wie Sven Schultze, ein extrem wichtiger Teamspieler, der dem Team immer als wichtige Stütze gedient hat. War er besonders athletisch? Nein. Heute gibt es auf dieser Position Spieler wie Maxi Kleber oder Daniel Theis, die extrem athletisch sind. Daher sind Vergleiche spielerischer Natur nur schwer möglich.

„War Sven Schultze besonders athletisch? Nein!“

Gibt es weitere Unterschiede?

Was mir aber heute fehlt bzw. was uns damals ausgezeichnet hat, war, dass wir wirklich ein Team waren. Jeder hat seine Rolle verstanden und gespielt. Das ist für ein Gebilde wie eine Nationalmannschaft extrem wichtig. Deutschland hätte bereits letzten Sommer das Potential gehabt, eine starke Nationalmannschaft zu stellen.

Aber viele Spieler sind aus verschiedensten Gründen nicht angetreten. Das gab es zu meiner Zeit nicht. Wir hatten damals ein Camp mit mehr als 20 Spielern, aus denen der Trainer auswählen musste. Heute gibt es dieses Problem kaum noch, weil sowieso acht Spieler abgesagt haben.

Für den Sommer hoffe ich, dass wirklich mal alle Spieler antanzen und sich im Camp miteinander messen. Aus diesem Pool kann sich der Trainer dann sein Team zusammenbauen. Dabei muss auch genau auf die Zusammensetzung der Mannschaft geachtet werden.

Aktuell haben wir sehr viele Spieler, die in ihren Klubs Leistungsträger sind. Wer davon ist bereit, in der Nationalmannschaft eine kleinere Rolle zu akzeptieren? Auch diese Fähigkeit ist gewisses Talent. Das sehe ich bei einigen Spielern heutzutage nicht unbedingt.

„Könnte Dennis Schröder mit Per Günther und Heiko Schaffartzik zusammenspielen?“

Es geht also darum, das am besten zusammenpassende Team zusammenzustellen.

Auf jeden Fall. Die Zusammenstellung einer Mannschaft ist elementar wichtig und gleichzeitig auch sehr schwierig. Nehmen wir als Extrembeispiel die Aufbauposition. Könnte ein Dennis Schröder mit einem Per Günther und vielleicht noch einem Heiko Schaffartzik zusammenspielen? Alles drei sehr gute Aufbauspieler, die es gewohnt sind, viel zu spielen. Solche Aspekte müssen auch beachtet werden.

Die Nationalmannschaft hat in diesem Sommer eine große Chance. Man muss die Mannschaft so früh wie möglich zusammenbringen. Nach den letzten Jahren bin ich einfach gespannt, wer letztlich bereit ist, für die Nationalmannschaft zu spielen und wer nicht.

Dass es nicht immer die zwölf besten Spieler sein müssen, hat Sasa Djordjevic mit Serbien vorgemacht. Er hat ein funktionierendes Team zusammengestellt und damit bei Olympia stark aufgetrumpft. Darum wird es für die deutsche Mannschaft in diesem Sommer gehen.

Vielen Dank.

„Früher waren wir wirklich ein Team. Das fehlt mir heute!“
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theLF411
theLF411 16. Juni 2017 um 23:56 Uhr

PG: Schröder, Schaffartzik, Lo/Günther/?
SG: Gavel, Staiger, Djedovic/Lo/?(Bryce Taylor?????)
SF: Zipser, Benzing, Giffey/Harris/Heckmann
PF: Kleber, Theis, Nowitzki/Barthel/Thiemann
C: Voigtmann, Zirbes, Barthel/Pleiss/Ohlbrecht

????????Das wär schon ne geile Truppe!!! ????????

Lorenz2000
Lorenz2000 17. Juni 2017 um 13:11 Uhr

Also Schaffartzik wird vermutlich nicht zur Natioanalmannschaft kommen und auch bei G[nther sehe ich zumindest ein Frageyeichen. Ansonsten ist Taylor in der Tat als 3 and D Spieler eine starke Option, bei Gavel sehe ich aber nicht mehr das spielerische Potential, um ( Achtung Phrase) der Mannschaft zu helfen. Djedovic ist bereits in der Bosnischen Nationalmannschaft aufgelaufen und wird daher nicht Teil der Deutschen Mannschaft werden. Aber mit Schroder, Lo, Taylor und Staiger + Stuckey ist das auf Guard gar nicht so schlecht.

theLF411
theLF411 18. Juni 2017 um 12:54 Uhr

Ohh ja – die Riege Stuckey/Doreth/Tadda hab ich als Alternativen ja total vergessen.
Ja Bryce würde dem ganzen echt gut tun wenn das alles klappt mit Einbürgerung usw.
Schaffartzik ist schade aber wäre für mich das Absolute Highlight!
Ja aber Gabs da nicht So ne Regelung dass Djedovic unter gewissen Umständen nicht doch für Team GER auflaufen kann?!

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