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„Trinchieri würzt das Ganze noch mit Salz und Pfeffer“

27.10.2017 || 10:40 Uhr von:
Bambergs Neuzugang Daniel Hackett spricht im Interview über seine Verletzung, Karriereentscheidungen, den Anruf von Andrea Trinchieri und seine neue Rolle sowie Tipps von Nicolo Melli.

basketball.de: Du hast dich im Dezember des vergangenen Jahres schwer verletzt und bist lange ausgefallen. Wie geht es dir inzwischen?

Daniel Hackett: Es war wirklich eine schlimme Verletzung. Ich bin auf Höhe der Freiwurflinie ausgerutscht, auf einem der Werbesticker. Ein Bein ging in die eine Richtung und das andere Bein in die entgegengesetzte. Es fühlte sich surreal an, so auf dem Boden zu liegen und diese starken Schmerzen zu spüren. Dann kam die Nachricht, dass ich operiert werden muss. Das war hart zu verdauen.

Ich hatte danach abwechselnd gute und schlechte Phasen, besonders mental. Es bestand immerhin die Möglichkeit, dass ich meine frühere Form nie mehr erreichen würde. Aber irgendwie, mit der Hilfe meiner Freunde und meiner Familie, habe ich einen schmalen Weg durch die Dunkelheit gefunden. Ich habe Licht gesehen, und das Licht wurde größer und größer, als ich endlich wieder spielen konnte. Jetzt geht es mir wieder gut, ich bin bereit für die Saison und sehr glücklich.

Wo hast du deine Reha absolviert?

Die Operation hatte ich in Italien. Danach habe ich noch drei Monate in meiner Heimat verbracht, dann bin ich zurück nach Griechenland.

Bist du also komplett gesund, oder gibt es hier noch ein spezielles Programm für dich?

Ja, ein spezielles Programm gibt es schon. Ich bekomme Erholung, wenn ich sie brauche. Wir haben so viele Spiele, und ich hatte keine Pause nach der Europameisterschaft. Drei Tage nach dem Ausscheiden mit Italien war ich schon für Bamberg in Kroatien im Einsatz.

Im ersten Heimspiel gegen Gießen hast du ausgesetzt. War das Teil des Programms?

Auch das gehörte zum Plan, ja.

Hacketts Werdegang

Wir wollen deine Karriere ein wenig von hinten aufrollen. Wie ging es bei dir los?

Ich war am College, an der University of Southern California in Los Angeles. Nach drei Jahren bin ich da rausgekommen und habe einen Vertrag bei Benetton Treviso unterschrieben.

Später bist du nach Siena gewechselt, hast da 2013/14 in der Euroleague über 13 Punkte im Schnitt aufgelegt. Zuletzt bei Olympiacos warst du eher der Rollenspieler von der Bank. Welche Rolle ist dir lieber?

Das ist in jedem Team anders, abhängig von den Spielern um dich herum. In Siena hatte ich mehr Freiraum selbst zu attackieren, auch mal schnell abzuschließen und generell aggressiv zu sein. Bei Olympiacos hatte ich dahingehend natürlich weniger Freiraum. Als neuer Spieler in einem Team mit so vielen guten Spielern war das aber zu erwarten. In Mailand, wo ich zwischendrin gespielt habe, hatte ich wieder eine andere Rolle. Hier in Bamberg werden wir noch sehen, was meine Rolle ist. Da bin ich noch im Lernprozess. (lacht)

Warum hast du die kleinere Rolle in Piräus akzeptiert? Du warst 27 Jahre alt und hattest Europa bereits gezeigt, dass du ein Team auch führen kannst.

Mir bot sich die Möglichkeit in einem Topteam zu spielen. Ein Team, das die Euroleague gewinnen möchte. Diese Mannschaften suchen manchmal nach besonderen Spielern, die eine spezielle Rolle abdecken können. Ich wusste bei der Vertragsunterschrift genau, worauf ich mich einließ. Natürlich wollten sie keine 20 Punkte von mir sehen, dafür hatten sie Vassilis Spanoulis. Und Georgios Printezis, der die zweite Option im Angriff war. Ich sollte nur meine Rolle spielen. Das ist ein Teil des Spiels.

Also war dir die Chance auf einen internationalen Titel wichtiger als eine große individuelle Rolle.

Man kann trotzdem jeden Tag ein Anführer sein: in der Art, wie du im Training auftrittst, wie du dich deinen Mitspielern gegenüber verhältst. Nicht nur die Punkteausbeute macht einen Anführer aus. Dieses Rollenverständnis ist natürlich auch Ergebnis eines Lernprozesses. Ich habe das Scoren aber nie verlernt, ich kann immer noch aggressiv sein und angreifen. Jetzt müssen wir mal abwarten, wie ich das hier umsetze. Coach Trinchieri will sicher, dass ich in seinem System mehr die Rolle ausfülle, die ich in Siena hatte, als jene, die ich in Piräus gespielt habe.

Neue Rolle in Bamberg

Welche Rolle wurde dir in den Gesprächen vor Vertragsabschluss angeboten?

Ich soll glücklich sein und Basketball spielen. (lacht) Das erwartet der Trainer von mir. Ich soll das Spielen genießen und mich vom System leiten lassen. Natürlich soll ich auch meine Erfahrung an junge Spieler wie Ali Nikolic und Maodo Lo weitergeben. Auch Augustine Rubit ist ein Newcomer in der Euroleague. Mit meiner Erfahrung soll ich das Team mittragen. Ricky Hickman, Nikos Zisis und ich können als erfahrene Spieler dem Coach helfen, das System zu installieren und am Laufen zu halten.

Du bist also einer der Veteranen.

Ja, endlich kann ich das behaupten. Mit meinen 29 Jahren fühle ich mich immer noch jung, aber vielleicht werde ich langsam ein Veteran … wie Lucca! (guckt Staiger an) Ein Veteran, Lucca, ein Veteran.

Lucca Staiger: Du bist alt.

Die italienische Nationalmannschaft besteht quasi nur aus erfahrenen Spielern. Einige Bamberg-Fans haben deine Auftritte während der EM mit Spannung verfolgt. Was erwartete Trainer Ettorne Messina von dir?

Das Team anzuführen, den Ball nicht zu verlieren, die Scorer in einen guten Rhythmus zu bringen und zu verteidigen. Meine Rolle im Nationalteam war ähnlich der bei Olympiacos. Vielleicht hatte ich noch ein bisschen mehr Freiraum, um selbst zu attackieren. Ich denke, heutzutage und auf diesem Niveau sollten alle Guards in der Lage sein, das Spiel anzuleiten und Korbgefahr auszustrahlen. Das ist die neue Ära des Basketballs.

Elias Harris aus dem Hintergrund: Weise Worte eines weisen Mannes. Er ist aber kein weißer Mann!

Nein! Ich bin ein Mix! (lacht)

Du warst der Starting Point Guard Italiens. Siehst du dich als Point Guard?

Meine Position spielt keine Rolle. Ich habe beides in meiner Karriere gespielt, Point Guard und Shooting Guard. Und Small Forward und Power Forward. Ich denke, ich kann alle Rollen spielen außer der des Centers. Was auch immer der Coach von mir verlangt, das spiele ich.

In der Kennenlernphase

Von außen ist ersichtlich, dass ihr als Mannschaft noch in einem Prozess steckt. Wie weit seid ihr inzwischen?

Wir brauchen noch Zeit. Bisher hatten wir kaum Zeit zu trainieren. Ich bin an einem Dienstag angekommen, am Mittwoch sind wir dann sofort zum Turnier nach Zadar geflogen, wo wir drei Spiele in drei Tagen hatten. Vor diesen Spielen hatte ich kein Training. Wir lernen das Zusammenspiel während der Spiele.

Wir haben einen Schlag abbekommen mit der Niederlage in Würzburg. Bei einem guten Team wie diesem zu verlieren kann uns aber auch helfen, besser zu werden. Gegen Gießen hatten wir Probleme. Es ist offensichtlich, dass wir noch mehr Zeit zusammen brauchen. Wir müssen uns besser kennenlernen, müssen das System noch mehr verinnerlichen, müssen Vertrauen in das System gewinnen. Ich denke, es ist normal, dass wir noch nicht so weit sind.

Worauf konzentriert ihr euch aktuell im Training? Arbeitet ihr schon an den Details oder lernt ihr erst noch die grundlegenden Ideen des Trainers?

Details sind sehr wichtig. Zu lernen, wie sich der Mitspieler bewegt, wohin er cuttet, wer das Team in der Crunchtime tragen kann: das alles gehört dazu. Ich für meinen Teil versuche, Plays für mein Team zu kreieren und aggressiv zu sein. Die Rolle des Kreativspielers ist in dieser Form ein Stück weit neu für mich. Es geht mehr darum, andere Spieler in Szene zu setzen als unbedingt selbst in Erscheinung zu treten. Vor allem will ich aber großartig verteidigen und in der Defense die Mentalität vorleben, dass der Gegner nicht zu leichten Punkten kommt.

Vor einem Jahr saßen wir hier mit Fabien Causeur. Auch er hat uns von seinen Schwierigkeiten erzählt, in die neue Rolle zu finden und die ganzen Mechanismen des Trinchieri-Stils zu verinnerlichen.

Das braucht einfach Zeit. Es hängt auch von deiner Vergangenheit ab. Unter welchen Trainern hast du gespielt, welchen Spielstil haben diese vorgegeben? In Piräus war das System sehr strikt. Coach Sfairopoulos gibt einen sehr engen und detaillierten Plan vor, deine Entscheidungen sind entweder schwarz oder weiß. Da gibt es fast kein grau. So ist es vorgegeben, und genau so wird es dann auch gemacht. Jeden Tag im Training habe ich gelernt, mich genau nach diesen Regeln zu verhalten. Jede schmale Linie, jeder Cut zählt für ihn. Hier in Bamberg ist es ähnlich. Ich bin nicht überrascht über die Art und Weise, wie Coach Trinchieri uns trainiert. So machen es Topteams in der Euroleague eben.

Aber gibt es auch Unterschiede zwischen Sfairopoulos und Trinchieri?

Sfairopoulos war wirklich sehr, sehr genau, er ging extrem ins Detail. Jedes kleinste Detail war absolut wichtig. Trinchieri ist zwar ähnlich, würzt das Ganze aber ein wenig mehr mit Salz und Pfeffer. Er bringt ein bisschen mehr Würze rein. Als würde er einen Zauberstab benutzen. So macht das Spiel mehr Spaß, den Spielern gefällt das.

Wurde deine Entscheidung für Bamberg dadurch beeinflusst, dass Andrea Trinchieri ebenfalls Italiener ist?

Nach der schweren Verletzung, die mich seit Dezember am Spielen gehindert hat, war meine Zukunft unklar. Sobald die Neuigkeit öffentlich wurde, dass Olympiacos meinen Vertrag nicht verlängert, hat er mich angerufen. Seit der Meldung waren da etwa vier Stunden vergangen. Dadurch hatte ich das gute Gefühl, dass hier jemand an mich glaubt und mich unbedingt in seinem Team haben will. Das hat mich noch mehr motiviert, schnell wieder komplett gesund zu werden, die Reha abzuschließen und noch stärker zurückzukommen.

Außerdem habe ich von Nicolo Melli und Nikos Zisis viel Positives über Bamberg gehört. Wie sich der Verein die letzten Jahre präsentiert hat, wie sie Basketball gespielt haben, wie sich Spieler hier weiterentwickelt haben, all das spielte mit hinein in die Entscheidung, andere Angebote auszuschlagen und nach Bamberg zu kommen.

Tipps von Nicolo Melli

Du hast mit Zisis und Melli gesprochen?

Ja, mit Nicolo habe ich mich unterhalten. Auch mit dem Trainer habe ich lange gesprochen. Sandro Bencardino, der Athletiktrainer, war wie ich auch in Siena. Mit ihm hatte ich eine sehr lange Unterhaltung. Ich bin sehr glücklich, jetzt hier zu sein. In Europa hat der Name Brose Bamberg für viele vielleicht nicht den Klang wie die Namen Barcelona, Real Madrid oder Fenerbahce. Aber dieses Programm hat das Potenzial, in diese Richtung zu wachsen. Ich hoffe, dass Bamberg in Zukunft in die Playoffs einzieht oder sogar zum Final Four fährt.

Was hat dir Nicolo Melli genau über die Stadt und das Team erzählt?

Er hat davon erzählt, wie die Stadt das Team umarmt und trägt. Basketball steht in Bamberg an erster Stelle, das ist wichtig. Auch von der tollen Organisation und Struktur innerhalb des Vereins hat Nicolo berichtet. Die Menschen, die hier arbeiten, geben dir das Gefühl, Teil einer Familie zu sein. Es fühlt sich nicht an wie die Atmosphäre in einem Unternehmen, es herrscht ein Familiengefühl. Nicolo hat mir erzählt, dass das den Spielern hilft, für das Team und die Fans immer noch mehr zu geben.

Er hatte hier eine tolle Zeit und als früherer Teamkollege von ihm bin ich sehr stolz, wie er sich entwickelt hat. Das Brose-Team um ihn war in der Vergangenheit ein sehr schwieriger Gegner für uns. Jetzt wünsche ich ihm nur das Beste. Ich weiß, dass hier alle stolz auf ihn sind, und ebenso auf die anderen Spieler wie Fabien Causeur, Brad Wanamaker, Darius Miller und Daniel Theis. Da gibt es viele Beispiele.

Einer der Verantwortlichen für die individuelle Entwicklung der Spieler ist Stefan Weissenböck. Arbeitest du auch mit ihm, zum Beispiel an deinem Dreier?

Ja, ich trainiere mit ihm. Ich mag ihn sehr, er hat eine großartige Vita. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit in dieser Saison.

Zum Abschluss noch eine Frage: Du wirfst zwar mit links, scheinst am Korb aber den Abschluss mit der rechten Hand vorzuziehen. Hast du früher mal mit rechts geworfen?

Nein, ich bin beidhändig. Seit ich klein bin benutze ich beide Hände, geworfen habe ich aber immer mit links.

„Trinchieri würzt das Ganze noch mit Salz und Pfeffer“
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