BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

„Ohne BBL-Angebot hätte ich wahrscheinlich aufgehört“

26.10.2017 || 10:07 Uhr von:
Braydon Hobbs spricht im Interview über seine Liebe zu Australien, die Leidenschaft zur Kriminalistik und seine ganz besondere Beziehung zu Deutschland.

basketball.de: Braydon, Thorsten Leibenath hat gesagt, dass dein Wechsel nach München zwar finanziell eine Verbesserung darstellt, sportlich aber nicht unbedingt. Was hat dich dennoch dazu bewogen zum FC Bayern zu wechseln?

Braydon Hobbs: Basketball ist auch ein Business und der Wechsel nach München war einfach der nächste Schritt in meiner Karriere. Ich will eine Meisterschaft gewinnen und glaube, dass ich hier am richtigen Ort bin. Ich war in Ulm glücklich und werde es auch in München sein. Viele Spieler wollen für den FC Bayern spielen und ich durfte diesen Schritt jetzt gehen.

Du hast mit Ulm letzte Saison die Hauptrunde gewonnen. Das dürfte jetzt wieder das Ziel sein.

Auf jeden Fall. Als Sportler versucht man natürlich immer Erster zu werden. Die Playoffs für sich zu entscheiden, ist allerdings noch wichtiger als Hauptrundensieger zu werden. Beim FC Bayern herrscht ein hoher Erwartungsdruck, aber ich hoffe, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

Wie denkst du an die Spiele gegen Bayern zurück? Schließlich wurde die Ulmer Siegesserie in der vergangenen Saison durch den FC Bayern beendet.

Bayern war immer ein sehr physisches Team. Ich kann mich an viele packende Duelle – auch im Eurocup – erinnern. Meiner Ansicht nach hat Bayern letzte Saison die beste Defense der Liga gespielt. Gegen sie hatten wir oft massive Probleme.

„Ich spüre keinen besonderen Druck“

Dass unsere Siegesserie irgendwann enden würde, war klar. Dass es dann ausgerechnet gegen Bayern in unserer eigenen Halle passiert ist, war ärgerlich, aber heute kein großes Thema mehr für mich.

In München spielst Du als Point Guard. Die Position, die in den letzten Jahren wohl die größte Schwachstelle im Bayern-Team war. Spürst du diesbezüglich besonderen Druck?

Nein, Bayern hatte gute Aufbauspieler, aber vielleicht haben sie nicht perfekt ins System gepasst. Als Außenstehender kann ich das nicht gut beurteilen. Ich spüre keinen besonderen Druck, sondern versuche nur meine Rolle bestmöglich auszufüllen.

Ich bin eher ein Pass-First-Spieler und glaube, dass ich gut mit Stefan Jovic, der ja auch ein herausragender Passgeber ist, zusammenpasse. Wir werden versuchen unsere Führungsqualitäten einzubringen und die Erwartungen, die in uns gesetzt werden, zu erfüllen.

Persönlich will ich das Spiel meiner Mannschaft organisieren. Das habe ich während der letzten Jahre immer gemacht und ich glaube auch, dass der Coach das von mir erwartet.

Wenn man auf deine Karriere blickt, stellt man fest, dass du nicht den „normalen Weg“ für einen Profi genommen hast. Beispielsweise hast du für ein Division II-College gespielt, um danach in Australien zu unterschreiben.

Ja, das stimmt. Das College war nur 15 Minuten von mir zuhause entfernt und ich wollte nach dem College eigentlich gar nicht professionell Basketball spielen. Daher habe ich mir über die Wahl des Colleges keine größeren Gedanken gemacht.

Ich habe den Abschluss machen können, den ich wollte. Ich konnte in der Nähe meiner Heimat bleiben. Alles war gut, wobei es – wenn ich heute zurückblicke – sicherlich nicht der normale Weg war. Jetzt habe ich schon viel von der Welt gesehen, habe mich durch verschiedene Ligen nach oben gespielt. Ich würde es heute wohl nicht anders machen.

„In Australien kann man die Vorzüge des Lebens genießen“

Wer hat dich dazu gebracht, es doch mit Profi-Basketball zu versuchen?

Das waren mein Vater und ein Assistant Coach am College in Bellarmine. Er hatte in Australien gespielt und so kam es auch zustande, dass ich zunächst dorthin gegangen bin. Der Kontakt nach Europa wurde letztlich über meinen Agenten hergestellt.

Du hast in Australien nicht einmal in der höchsten Liga unterschrieben.

Das stimmt. Es war so eine Art semiprofessionelle Sommerliga, aber die Zeit dort war Wahnsinn. Ich liebe den australischen Kontinent und das Leben dort. Dort ist alles sehr entspannt und man kann die Vorzüge des Lebens genießen (lacht).

Die Bezahlung war zwar nicht sonderlich überragend, aber es ging mir um die Erfahrung. Und die war unbezahlbar. Das Geld spielte wirklich keine Rolle, meine Frau und ich wollten so viel wie möglich von der Welt sehen. Heute sitzen wir hier, mal sehen, was meine Karriere noch so mit sich bringt.

Wie kam letztlich der Kontakt nach Deutschland zustande?

Nach meiner zweiten Europa-Station in Ungarn rief mich mein Agent an und sagte, dass Nürnberg aus der zweiten deutschen Liga Interesse hätte.

Du hast in Ungarn mit Fehervar im Eurocup gespielt und dort gut 12 Punkte im Schnitt aufgelegt. Dann gab es nur ein Angebot aus der zweiten deutschen Liga?

Es lag wirklich nur dieses eine Angebot auf dem Tisch. Trotz meiner guten Leistung war das schon etwas frustrierend. Aber ich entschied mich dann nach Nürnberg zu gehen und muss sagen, dass dies wieder die richtige Entscheidung war.

Ich liebe Deutschland und schätze es sehr, wie man mich und meine Familie hier aufgenommen hat. Daher möchte ich in keinem anderen europäischen Land mehr spielen.  Hätte ich nach meiner Zeit in Nürnberg kein anderes Angebot aus Deutschland erhalten, hätte ich wahrscheinlich aufgehört.

„Ohne BBL-Angebot hätte ich wahrscheinlich aufgehört“

Schließlich hast du dich in Deutschland Schritt für Schritt nach oben gespielt.

Ja, mir war schon während der Zeit in Nürnberg bewusst, dass ich auf höherem Level mithalten kann. Wir haben ja einige Vorbereitungsspiele gegen BBL-Teams gespielt. Zudem habe ich die BBL sehr häufig im Fernsehen verfolgt. Demzufolge war ich sehr glücklich, dass mir in Gießen die Möglichkeit gegeben wurde in der BBL zu spielen.

Von Gießen aus ging es nach Ulm, wo ihr eine Rekordsaison gespielt habt. Dort gab es wohl mehrere lukrative Angebote auch aus dem Ausland.

Es haben wohl mehrere Teams angerufen, aber seit meiner Zeit in Gießen habe ich meinem Agenten gesagt, dass ich in Deutschland bleiben möchte und dass er sich um Angebote außerhalb Deutschlands überhaupt nicht kümmern braucht. Ich bzw. mein Agent haben zwar mit dem ein oder anderen BBL-Team gesprochen, aber mir war schnell klar, dass Bayern die beste Option für mich ist.

Beim FC Bayern hast du erstmals einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben. Ist es nach deiner spektakulären Karriere Zeit, um etwas zur Ruhe zu kommen?

Auf jeden Fall. Da ich ja unbedingt in Deutschland bleiben wollte, habe ich in München eine hervorragende Situation. Ich spiele bei einem der beiden absoluten Topteams der Liga und lebe in einer sehr schönen Stadt. Meine Frau und ich wollen hier etwas zur Ruhe kommen und unserer kleinen Tochter ein gutes Umfeld bieten.

Du hast erwähnt, dass du dich schon mit dem Aufhören befasst hast, falls es keine Angebote aus Deutschland gegeben hätte. Da käme es dir zu Gute, dass du einen Abschluss in ‚Strafrecht‘ hast.

Richtig, zunächst wollte ich in Richtung Naturschutz gehen, also in der Natur die Jäger und Fischer beaufsichtigen (lacht). Dann bin ich ja doch Profibasketballer geworden, aber ich kann mir durchaus vorstellen, nach meiner Karriere in der Kriminalistik zu arbeiten.

Was mich aber fast noch mehr reizen würde, ist in der Drogenfahndung bei der DEA oder dem FBI zu arbeiten. Das ist quasi mein Kindheitstraum. Schon vor dem College haben mich Krimis und Drogenfahnder fasziniert.

Obwohl jetzt schon viel Zeit vergangen ist, habe ich immer noch Kontakte zur DEA und zum FBI. Mal sehen, was sich da künftig ergibt.

Hilft dir diese Faszination auch auf dem Feld? Du bist ja für gute Antizipation und No-Look-Pässe bekannt.

Ich weiß nicht, ob man das direkt vergleichen kann. Ich versuche auf dem Feld einfach alles im Blick zu haben und Situationen zu antizipieren. Dabei geht es darum, gedanklich einen Schritt schneller als der Gegenspieler zu sein. Das kann man in der Kriminalistik ja auch gut gebrauchen. Daraus resultieren dann auch oft meine No-Look-Pässe.

Trainierst du diese Pässe oder hast du sie einfach im Gefühl?

Diese Frage wird mir tatsächlich sehr oft gestellt. Also trainiert habe ich No-Look-Pässe noch nie. Aber in meiner Jugend habe ich sehr oft mit meinem älteren Bruder gespielt. Er ist auch ein sehr guter Basketballer, hat sich aber über das Werfen definiert. Als kleiner Bruder musste ich da natürlich oft den Ball abliefern und so haben sich meine Pass-Fähigkeiten entwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die restliche Saison.

„Ohne BBL-Angebot hätte ich wahrscheinlich aufgehört“
5 (100%) 2 votes
Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2017 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.