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„Jugendliche in Serbien sind bereit, Opfer zu bringen“

10.10.2017 || 15:10 Uhr von:
Macvan, Lucic, Jovic
Die drei serbischen Vize-Europameister Vladimir Lucic, Stefan Jovic und Milan Macvan im unterhaltsamen Dreier-Interview über die EM, ihr Heimatland, alte Rivalitäten und Titelambitionen in München.

basketball.de: Vladimir Lucic, Milan Macvan und Stefan Jovic, die Europameisterschaft liegt noch nicht lange zurück, aber die Saison in der BBL ist bereits wieder voll im Gange. Wie blickt ihr auf das Turnier in Istanbul zurück?

Vladimir Lucic: Momentan schaue ich eigentlich gar nicht zurück, sondern fokussiere mich einzig und allein auf die Aufgaben hier in München. Was natürlich bleibt, ist, dass wir die große Chance hatten, eine Goldmedaille zu gewinnen. Am Ende hat uns nur ein einziger Sieg gefehlt.

Auf der anderen Seite dürfen wir nicht vergessen, mit welchen Problemen die serbische Nationalmannschaft im Sommer zu kämpfen hatte. Zahlreiche etablierte Kräfte konnten aus verschiedenen Gründen nicht an der EM teilnehmen. Obwohl wahrscheinlich niemand geglaubt hatte, dass wir so weit kommen würden, haben wir Silber gewonnen. Darauf können wir stolz sein.

Trotz Absagen von Spielern wie Milos Teodosic und Nemanja Bjelica ist Serbien ins Finale gekommen. Woher kommt die enorme Qualität serbischer Basketballer?

Milan Macvan: Zuerst muss man sagen, dass in Serbien wirklich jeder Spieler unglaublich gerne für die Nationalmannschaft spielt. Es ist eine große Ehre. Woher die vielen guten Spieler kommen? Ich glaube, das ist das Ergebnis harter Arbeit. In Serbien trainieren die Kinder ab einem Alter von 13 oder 14 Jahren regelmäßig zweimal pro Tag.

Mit 18 Jahren sind sie dann basketballerisch bereits sehr weit entwickelt. Dann gilt es nur noch, den Spieler im richtigen System einzusetzen. Die Coaches schenken den Spielern früh Vertrauen und lassen sie spielen. Nehmen wir Marko Guduric als Beispiel: Er war mit 22 der jüngste Spieler in unserem EM-Kader. Er hat mit 20 in der EuroLeague debütiert. Heute spielt er bei Fenerbahce bereits auf höchstem europäischem Level. Das ist eine enorme Qualität und schlägt sich auch in der Nationalmannschaft nieder.

Macvan, Lucic, Milosavljevic

„Basketball in Serbien hat einen anderen Stellenwert“

Serbische Jugendliche sind eher bereit eine Profilaufbahn einzuschlagen als beispielsweise deutsche?

Macvan: Das weiß ich nicht. Aber die Kinder und Jugendlichen in Serbien sind schon bereit, „Opfer zu bringen“, um Profi zu werden. Außerdem denke ich, dass Basketball in Serbien einen anderen Stellenwert hat. Es gibt viele Legenden, denen die Kids bereits in jungen Jahren nacheifern.

Das geht damit los, dass sie sich Videos ihrer Idole anschauen. Dann wird auf den Freiplatz gegangen und trainiert. Diese Hingabe zum Sport ist schon besonders in Serbien.

Vladi, aus dem serbischen Team sind dir mit Milan und Stefan zwei Leistungsträger nach München gefolgt. Kannst du die beiden etwas beschreiben?

Lucic: Beide sind Spieler mit unglaublicher Erfahrung und vor allem mit Siegermentalität. Stefan hat mit Roter Stern Belgrad viele Titel gewonnen, und Milan gehört seit mindestens sechs Jahren zu den besten Spielern auf europäischem Niveau. Ich glaube, dass der FC Bayern genau solche Spieler braucht. Spieler mit Gewinner-Mentalität.

Macvan: Danke Vladi (lacht). Ich kenne beide ja schon sehr lange. Mit Vladi habe ich beispielsweise schon 2011 bei Partizan zusammengespielt. Gegen Stefan hab ich in der serbischen Liga auch etliche Male gespielt. Während des Sommers durften wir bei der EM gemeinsam viele schöne Eindrücke sammeln, und jetzt freuen wir uns natürlich auch, auf Vereinsebene zusammenspielen zu dürfen.

Lucic: Die Qualität von Milan zeigt sich auch darin, dass ihn der Coach zum stellvertretenden Kapitän ernannt hat. Der Charakter und seine Persönlichkeit auf und neben dem Feld sind Milans größten Stärken. Er war ja auch bei der EM unser Kapitän.

„Stefan ist ein typischer Floor General“

Stefan, deine beiden Teamkollegen haben eine Vergangenheit bei Partizan. Ist das ein Problem für dich? Schließlich kommst du vom Erzrivalen Roter Stern nach München.

Stefan Jovic: Nein, das ist kein großes Problem. Wir sind ja alle ungefähr gleich alt, sodass wir uns seit Jahren von den Nationalmannschaften kennen. Von Maik Zirbes weiß ich nur, dass es letzte Saison ein System gab, das ‚Partizan‘ hieß. Davon war er jetzt nicht so begeistert.

Lucic: Wir haben es dann sofort in ‚Red Star‘ umbenannt (lacht).

Jovic: Außerdem haben wir schon oft mit- und gegeneinander gespielt, sodass die Sache mit Partizan und Roter Stern wirklich kein Thema ist.

Lucic: Außerdem hat Stefan mit Roter Stern eigentlich immer gegen Partizan verloren. Zumindest als ich dort gespielt habe.

Das klingt nach Wiedergutmachung, Stefan. Was können wir von dir in dieser Saison erwarten?

Jovic: So gut wie die ersten Spiele gelaufen sind, kann ich ja fast auf der Bank bleiben (lacht).

Macvan: Auf keinen Fall. Stefan ist ein typischer Floor General. Er hat ein unglaubliches Auge für das Spiel und immer den besser postierten Mitspieler im Blick. Ich bin überzeugt davon, dass er auch in der BBL zu den besten Vorlagengebern gehören wird.

Lucic: Ein Vorteil ist auch, dass er das System von Coach Djordjevic bereits gut kennt. Die beiden haben während der letzten vier Sommer gemeinsam bei der Nationalmannschaft gearbeitet.

Macvan: Wir Spieler helfen Stefan auch bei der Integration. Man darf nicht vergessen, dass er zum ersten Mal außerhalb Serbiens spielt. Wenn ich mich zurückerinnere, als ich als 21-jähriger meine Heimat verlassen habe, sind die ersten Monate nicht leicht.

Jovic: Man hilft mir wirklich sehr hier. Der Coach, aber auch seine Assistenten Goran Bjedov und Muki Mutapcic sprechen ja auch serbisch. Das hilft bei der Integration. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben und dem Team zu helfen.

In München kommt es ja auch zur Wiedervereinigung mit Maik Zirbes. Was macht die Beziehung zwischen euch beiden so speziell?

Jovic: Wir haben wirklich eine besondere Beziehung und verstehen uns sowohl auf als auch außerhalb des Spielfeldes hervorragend. Außerdem spricht Maik mittlerweile ganz akzeptabel serbisch, sodass wir uns gegenseitig beim Lernen der jeweiligen Sprache unterstützen können.

Wir waren den ganzen Sommer über in Kontakt und letztlich haben wir den Entschluss gefasst, wieder gemeinsam für eine Mannschaft zu spielen.

Maik hat im Trainingslager auch von einer besonderen Beziehung zu Milan Macvan erzählt. Stichwort: Trash Talk und gegenseitige SMS.

Macvan: Haha, das stimmt. Wir haben gegeneinander die Belgrader Derbys gespielt. Da geht es schon mal härter zur Sache und man drückt sich den ein oder anderen Spruch rein.

Aber das gehört einfach zum Geschäft: Im Derby gibt jeder alles, um den Sieg für sein Team einzufahren. Generell habe ich aber großen Respekt vor Maik. Er ist ein hervorragender Basketballer und ein richtiger Brocken unter dem Korb.

Bei Stefan war Zirbes ein wichtiger Faktor beim Wechsel nach München. Wer hat dich letztlich überzeugt?

Macvan: Ich habe direkt mit Sasa Djordjevic gesprochen. Als klar war, dass Maxi Kleber das Team in Richtung Dallas verlassen würde, hat mich Sasa tags darauf angerufen. Mein Abgang aus Mailand stand zu diesem Zeitpunkt quasi fest, sodass ich mich schnell für ein Engagement in München entschieden habe.

Mir lagen zwar ein paar Angebote aus Russland vor, aber Bayern ist eine der größten Marken im Sport weltweit. Es ist eine Ehre für diesen Klub spielen zu dürfen.

„Wir haben uns Herzchen aufs Handy geschickt“

„Wir haben noch einige Brocken vor der Brust.“

Da hat es keine Rolle gespielt, dass der FC Bayern nicht in der EuroLeague antritt?

Macvan: Nein.

Jovic: Mir waren die Ambitionen des Klubs wichtiger als der Wettbewerb, an dem er teilnimmt. Mir gefällt die Einstellung, dass wir sowohl in der BBL als auch im Pokal und im Eurocup um Titel spielen wollen. Ich habe mit Roter Stern viele Titel gewonnen und möchte das hier in München wiederholen.

In der Offseason gab es aber viele Gerüchte um einen Wechsel nach Piräus oder zum FC Barcelona.

Jovic: Ach, da wurde von den Medien sehr viel berichtet. Es ging schon los, als ich kurz nach Saisonende nach München zur Behandlung bei Dr. Hahne und Dr. Müller-Wohlfarth kam. Das haben einige Medien als Bestätigung eines Wechsels zum FC Bayern gesehen.

Dabei war da zu der Zeit noch gar nichts beschlossen. Am Ende hatte ich einige Angebote auf dem Tisch, auch aus München, und dafür habe mich nach intensiven Gesprächen im Sommer entschieden.

Die Saison ist noch jung, aber trotz kurzer Vorbereitung scheinen die „Neuen“ bereits gut integriert. Was ist möglich in dieser Spielzeit?

Lucic: Wir sind gut in Form, was auch unsere ersten Ergebnisse auch belegen. Mit Stefan haben wir jetzt noch mehr Möglichkeiten auf der Spielmacherposition als bislang. Ich bin sehr zuversichtlich, aber die Saison ist lang und wir haben noch einige Brocken vor der Brust.

Vielen Dank für das Gespräch.

„Jugendliche in Serbien sind bereit, Opfer zu bringen“
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