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„Vielleicht bin ich ein bisschen besessen“

20.09.2017 || 11:05 Uhr von:
Besessen? „Vielleicht ein bisschen.“ Anton Gavel spricht im Interview über seinen Ehrgeiz, die Kapitänsfrage beim FC Bayern München und eine unerfüllte Mission.

basketball.de: Anton, die Sommerpause war in diesem Jahr leider wieder etwas länger. Wie hast du die freie Zeit verbracht?

Anton Gavel: Nach der Saison habe ich eine kurze Pause eingelegt, aber dann war ich bis Ende Juli regelmäßig in der Halle. Ich weiß nicht, ob es etwas gebracht hat, aber das gehört für mich einfach dazu. Bevor man mit der Familie etwas unternehmen kann, muss man sowieso warten bis die Schule rum ist. Dann sind wir aber in die USA geflogen, um meinen alten Teamkameraden Casey Jacobsen zu besuchen.

Du hast also trotz des Saisonaus weiter trainiert. Stefan Kretzschmar hat vor kurzem gesagt, dass man als Profisportler „ein Besessener“ sein muss, um das Maximum aus sich herauszuholen. Würdest du dich als besessen bezeichnen?

Ich würde nicht sagen besessen. Obwohl vielleicht bin ich doch ein bisschen besessen (lacht). Früher war es auf jeden Fall extremer. Jetzt werde ich auch langsam älter, die Spritzigkeit lässt vielleicht ein bisschen nach oder man hat das ein oder andere Wehwehchen. Da muss man einfach am Ball bleiben und im Training nachlegen.

Zieht sich dein Ehrgeiz auch ins Privatleben hinein?

Leider ja. Für mich ist es schon schwierig, die Kinder bei Spielen wie Monopoly, Mensch ärgere dich nicht oder Uno mal gewinnen zu lassen. Aber das gehört ja auch dazu, obwohl ich den Ehrgeiz nur ungern zurückschraube.

Kretzschmar hat auch erwähnt, dass ihm „das Gebilde Mannschaft“ mit den Busfahrten und den anderen gemeinsamen Aktivitäten nach seinem Karriereende fehle. Wie wirken diese Faktoren auf dich vor allem nach einer langen Sommerpause?

Würde man das Beisammensein mit der Mannschaft nicht mögen, würde man wohl kaum eine Karriere als Profisportler überstehen. Während der Saison verbringt man mehr Zeit mit der Mannschaft als mit der Familie. Daher ist es wichtig, dass sich jeder Spieler in der Mannschaft wohlfühlt.

Dieses Gefühl lässt sich natürlich nicht erzwingen, aber man merkt, dass sich ein gutes Teamgefüge auch auf dem Feld wiederspiegelt. Fördern kann man die Teamchemie allerdings schon: durch Kartenspielen, Tischtennisturniere oder Ähnliches. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn jeder bei den Reisen alleine auf seinem Zimmer sitzen würde.

„Fakt ist, dass wir Bamberg in einer Serie noch nicht schlagen konnten“

Die Teamchemie ist auch der Punkt, der beim Meisterteam von 2014 so gelobt wird. Seitdem wartet der FC Bayern auf einen Titel. Der große Rivale aus Bamberg muss nun einen relativ großen Umbruch durchmachen: die Chance zum Angriff auf den Titel?

Es mag zwar abgedroschen klingen, aber ich glaube, dass es nicht unsere Aufgabe ist darüber zu sprechen. Fakt ist, wir haben Bamberg in einer Playoff-Serie noch nicht schlagen können. Natürlich haben sie einige Abgänge zu verkraften, aber sie haben ja auch neue Spieler verpflichtet.

Und die sind durchaus namhaft. Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben machen und versuchen, in allen Wettbewerben so weit wie möglich zu kommen. Dann werden wir sehen, welche Möglichkeiten sich uns bieten werden.

Auch Bayern hat sich verstärkt. Ist das Team stärker als das der Vorsaison?

Das ist jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt in der Saison schwer abzuschätzen. Wir haben mit Maxi Kleber und Bryce [Taylor] natürlich zwei Stützen des Teams verloren, die schwer eins-zu-eins zu ersetzen sind.

Trotzdem konnten wir den Kern der Mannschaft zusammenhalten, was ich als sehr positiv sehe. Wir haben zudem gute Leute verpflichtet. Vor allem für unsere viel zitierte „Problemzone“, die Position des Point Guards, haben wir zwei Spieler geholt.

„Für unsere Problemzone haben wir uns verstärkt“

Die Aufbauposition ist ja auch diejenige, die du hauptsächlich bekleidet hast.

Ich glaube auf jeden Fall, dass wir uns auf dieser Position verstärkt haben. Ich bin froh, dass Stefan Jovic und Braydon Hobbs jetzt hier sind. Vor allem Stefan, der sich ja in der EuroLeague über Jahre hinweg bewiesen hat, ist eine Macht auf der Eins.

Denkst du, dass sich deine Rolle aufgrund dieser Verpflichtungen verändern könnte? Eventuell rutschst du vermehrt auf die Zwei.

Die Frage kann ich nicht beantworten. Das muss der Coach entscheiden.

Spielst du lieber auf der Zwei als auf der Eins?

Um ehrlich zu sein: Aktuell weiß ich es nicht. Früher habe ich lieber als Shooting Guard gespielt.

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Du hast den Abgang von Bryce angesprochen. Er ist jetzt genau den entgegengesetzten Weg gegangen, den du 2014 genommen hast. Hat dich sein Wechsel nach Bamberg überrascht?

Zuerst muss man die Entwicklung von Bryce in den letzten Jahren betrachten. Er hat mit dem FC Bayern 2014 eine Meisterschaft gewonnen und ist zu einem der besten Spieler der Liga gereift. Wenn man zwei Mal in Folge eine „50/40/90“-Saison spielt, gehört man in jedem Fall ganz oben mit dazu.

Ich habe Bryce vor kurzem in Los Angeles getroffen und hatte den Eindruck, dass er glücklich ist. Er hat wahrscheinlich einfach eine neue Herausforderung gesucht. Zudem kann er in Bamberg in der EuroLeague spielen, was für einen Spieler natürlich immer reizvoll ist. Ich wünsche Bryce eine hervorragende Saison in Bamberg, allerdings nur, wenn sie hinter uns bleiben.

Außerdem hat er als 31-jähriger einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Natürlich. Bryce hat mittlerweile ja auch ein gewisses Alter erreicht, sodass die Vertragslaufzeit auch eine Rolle gespielt haben könnte. Vor allem, weil im Basketball derart langfristige Verträge nicht die Regel sind.

„Derzeit denke ich noch nicht an die Zukunft, sondern fokussiere mich auf die Saison“

Du wirst bald 33 und dein Vertrag läuft am Ende der Saison aus.

Das stimmt, allerdings denke ich derzeit noch nicht so an die Zukunft, sondern fokussiere mich auf die Saison. Ich habe immer gesagt, dass es für mich das wichtigste ist, einen Titel zu gewinnen. Leider ist uns das bisher noch nicht gelungen.

Mit Kleber und Taylor sind nicht nur zwei Leistungsträger, sondern auch zwei absolute Identifikationsfiguren gegangen. Inwiefern siehst du dich in der Verantwortung, diese Lücken aufzufüllen?

Beide waren absolute Identifikationsfiguren. Gerade Bryce, der vier Saisons hier gespielt hat und zudem unser Kapitän war. Maxi hat die Möglichkeit bekommen, sich seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. Wir haben uns alle sehr für ihn gefreut, auch wenn wir wissen, was wir in ihm verloren haben.

Zum Thema Identifikationsfiguren: Nihad Djedovic und ich sind die beiden dienstältesten Spieler im Team, aber letztlich müssen die Leute entscheiden, mit wem sie sich identifizieren.

„Die Leute entscheiden, mit wem sie sich identifizieren“

Vielleicht wirst du ja auch der neue Kapitän.

Das weiß nicht. Mit Ausnahme der slowakischen Nationalmannschaft war ich noch nie Kapitän. Bislang hatte ich in meiner Karriere mit Bryce und Casey Jacobsen zwei herausragende Kapitäne in meinen Mannschaften. Von beiden habe ich versucht, mir so viel wie möglich abzuschauen.

Ob ich jetzt der optimale Kapitän für den FC Bayern bin, weiß ich nicht. Ein paar Zweifel bestehen bei mir selbst wahrscheinlich immer, aber wenn es so kommen sollte, werde ich versuchen, das Amt bestmöglich auszufüllen.

Generell glaube ich, dass das Kapitänsamt im Basketball einen nicht ganz so hohen Stellenwert hat wie zum Beispiel im Fußball. Welch hohe Wellen das schlagen kann, hat man ja vor kurzem auf Schalke mit Benedikt Höwedes gesehen.

Der Trainer hat deinen Einsatz und Willen auf dem Feld stets sehr gelobt.

Um das zu tun, brauche ich kein Kapitän zu sein. So habe ich schon immer gespielt und so werde ich auch künftig immer spielen.

„Vielleicht bin ich ein bisschen besessen“
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