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Neun Regeln für echte Basketballkenner

13.11.2017 || 15:00 Uhr von:
Der Einstieg in die Sportart Basketball ist für interessierte Erwachsene voller Hürden. Mithilfe dieser neun Regeln steigt ihr aber schnell zum wahren Kenner auf.

Dem deutschen Basketballfan liegen zwei Dinge besonders am Herzen: zum einen möchte er, dass die Sportart hierzulande bekannter wird und jeden Samstagabend ein Bundesligaspiel live im ZDF läuft. Zum anderen ist er recht froh und stolz, dass ausgerechnet er Basketballfan und damit Experte in einer Nische ist, in die Nachbar Sepp und Chefin Maier keinen Zutritt haben. Gerade für Erwachsene ist der Einstieg in den Basketball kein leichter. Auf dem Weg zum wahren Kenner des Sports sind einige Hürden zu überwinden. Dieser Text soll Interessierten eine Sprunghilfe sein, um jedes Hindernis so sicher zu überfliegen wie Vince Carter den Franzosen Frédéric Weis bei den Olympischen Spielen in Sydney.

Regel Nummer 1: Vergleiche

Und damit sind wir auch direkt bei der ersten Regel: Du brauchst gute Vergleiche. Recherchiere die krassesten Dunks der Geschichte und merke dir deine ganz eigene Top5. Dabei solltest du beachten, dass mindestens zwei dieser fünf Dunks aus einer Zeit stammen müssen, in der man Spiele nur am Schwarz-Weiß-Radio verfolgen konnte. Bei passender Gelegenheit lobst du dann ganz nüchtern die gerade erlebte Szene, setzt aber sofort hinzu, dass dieser Dunk von Morgan Freeman im Jahr 1967 noch spektakulärer durchgeführt wurde – in einem Testspiel der amerikanischen U20-Nationalmannschaft gegen Nigeria. Und sag auf jeden Fall Dunk, nicht Stopfball oder sowas, der deutsche Basketballfan wird nur sehr ungern von der ungebildeten Masse verstanden.

Regel Nummer 2: Fachbegriffe

Wenn du einen englischen Fachbegriff aufschnappst, verwende ihn. Dabei kann es sich um den speziellen Namen eines Spielzugs handeln, um eine bestimmte Bewegung abseits des Balles oder um den Dribbling-Move eines Angreifers. Ausrufe wie „Oh, ein Elevator-Play!“ stiften bei dir als Basketball-Neuling zu Beginn nur Verwirrung. Sie lassen dich dumm fühlen und wecken das dringende Bedürfnis, zu Hause gleich nach Spielende ein Fußball-Drittligaspiel zu schauen. Wer sich aber die Zeit nimmt und sich nach der Arbeit jeden Tag noch etwa zwei bis drei Stunden mit den taktischen Feinheiten der Sportart beschäftigt, der steigt bald schon zu einem angesehenen Mitglied der deutschen Basketballfamilie auf.

Regel Nummer 3: Verteidigung

Lobe die Verteidigung. Auch wenn du deinen Arbeitskollegen immer erzählst, dass die vielen Körbe und schnellen Aktionen das Tolle am Basketball sind, so gehst du nach einem 104-102 doch kopfschüttelnd nach Hause. „Ein reiner Shootout“ sagst du dann, stößt einen Seufzer aus und setzt nach: „Verteidigung wurde früher auch schon mal größer geschrieben.“ Zum Spieler des Spiels kürst du den Center mit zwei Punkten und fünf Rebounds in 15 Minuten Einsatzzeit, weil er sehr viele gegnerische Würfe erschwert hat mit seinem guten Positionsspiel und dank seiner guten lateralen Geschwindigkeit. Pass nur während des Spiels auf, dass du dich nicht packen lässt und zu viele Dreier lautstark bejubelst, sonst nimmt dir das am Ende keiner mehr ab.

Regel Nummer 4: Meckern

Oder jubel einfach überhaupt nicht. Im Büro darfst du gerne emotional werden und einzelne Szenen mit Papierkugel und Mülleimer nachstellen, bis auch der letzte Kollege mitbekommt, was Basketball für ein grandioser Sport ist. In der Arena aber musst du dich im Griff haben. Am besten verschränkst du die Arme und kaust ab und an auf deiner Lippe, um Nervosität zu simulieren. Du schimpfst weder bei vergebenen Korblegern übertrieben noch jubelst du ausgelassen nach einem Alley-oop. Aber wenn ein Spieler defensiv richtig rotiert, drehst du dich zum Nachbarn und erklärst ihm im Detail den Grund deiner Ekstase. Die meiste Zeit verbringst du aber mit Meckern. Erst zurück auf der Arbeitsstelle darfst du wieder übertriebene Freude zeigen.

Regel Nummer 5: Im Büro

Überhaupt das Verhalten im Büro, da gibt es einiges zu beachten. Auf jeden Fall müssen alle mitbekommen, dass du Fan der Sportart Basketball bist und das Interesse deiner Kollegen am Fußball absolut nicht nachvollziehen kannst. Da passiert doch nichts! Auf deinem Schreibtisch steht so ein kleiner Plastikkorb mit Katapult. Dein Bildschirmhintergrund ist ein Schwarz-Weiß-Foto von James Naismith. Offiziell zappst du bei Fußball nur ab und an zufällig rein, aber wenn irgendwo ein Spiel 0:0 ausgeht, dann hast du es immer gesehen und lässt deine Kollegen wissen, dass diese Partie wie überhaupt jedes Fußballspiel eine Zumutung war. Wenn ein Kollege mutig zugibt, dass er deine Sportart neulich mal zufällig auf Sport1 gesehen und die Regeln nicht begriffen hat, dann lächelst du nur müde. Statt ihn in die Halle einzuladen und ihm das Spiel zu erklären, badest du dich im Gefühl deiner intellektuellen Überlegenheit. Die eine Dame aus der Kantine, die auch zu jedem Spiel geht, meidest du bewusst.

Regel Nummer 6: Neulinge

Sollte doch mal jemand den Mut besitzen, einen Neuling mit in die Arena zu bringen, musst du vorbereitet sein. Wenn die beiden hinter dir über eine Regel diskutieren, lächelst du auffällig-arrogant zu deinen Sitznachbarn hinüber. Dein Gesicht muss klar zum Ausdruck bringen, dass du derartiges Unwissen lächerlich und peinlich findest. Du kannst dich auch mal umdrehen und mit der Stirn runzeln, damit die beiden sich genauso unwohl fühlen wie du, wenn du solchen Gesprächen lauschen musst. „Spielt Dirk Nowitzki nicht auch Basketball?“ oder „Warum nimmt er jetzt noch eine Auszeit sieben Sekunden vor Schluss bei minus Zwanzig?“ sind klare Indikatoren für Erstbesucher. Erkläre deinem Nachbarn laut, sodass die hinter dir es auch hören, dass die Auszeit sehr wohl Sinn macht, weil der Trainer bestimmt nochmal ein „Elevator-Play“ laufen möchte.

Regel Nummer 7: Kommentator

Wenn du ein Spiel nur am Fernseher verfolgst, findest du den Kommentator fast immer doof. Weil es für dich als wahrer Kenner fast unerträglich ist, wenn er banal kommentiert als hätte er nie etwas vom „Elevator-Play“ gehört. Jede Kommentierung, die neben dir auch unerfahrene Zuseher inhaltlich begreifen können, ist eine Beleidigung für deinen Intellekt, dein Fachwissen und die Zeit, die du für deinen Lieblingssport geopfert hast.

Regel Nummer 8: Meinung

Du kennst die Regeln vielleicht nicht perfekt und warst nie Schiedsrichter, aber eine Meinung hast du trotzdem. Zu allem. Du findest, dass früher mehr Schrittfehler gepfiffen wurden. Den Drei-Sekunden-Pfiff honorierst du immer mit Applaus, auch wenn er gegen deine Mannschaft gepfiffen wird. Den modernen ballbesitzanzeigenden Pfeil findest du fürchterlich, du vermisst den Sprungball. Wann immer ein Amerikaner einen Schrittfehler begeht, lächelst du verständnisvoll und teilst den Umsitzenden mit: „In der NBA durfte er das noch.“ Dabei ist es irrelevant, ob dieser Spieler jemals in der NBA zum Einsatz kam.

Regel Nummer 9: Unverständnis

Zurück vom Spiel setzt du dich an den Computer und schreibst einen langen wütenden Text über all die Menschen da draußen, die nicht zum Basketball gehen, sondern stattdessen langweilige Fußballspiele schauen. Du schimpfst auf die Sendeanstalten, die lieber Drittligapartien senden als BBL-Spiele. Es will dir einfach nicht in den Kopf, warum seit Jahren so wenig neue Menschen zum Basketball finden. Dabei gibst du dir doch so viel Mühe.


Klatschpappe ist die Glosse von Linus Müller, der sich jeden zweiten Montag in einem möglicherweise überspitzten Kommentar zu einem Thema aus der Welt des Basketballs äußert.

Neun Regeln für echte Basketballkenner
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Fel!x
Fel!x 13. November 2017 um 16:08 Uhr

Pff. Früher wurden solche Kommentare auch noch mit mehr Hingabe geschrieben

backdoor_cut
backdoor_cut 13. November 2017 um 16:29 Uhr

Ich kann das nicht leugnen, Fel!x. Früher war einfach mehr Lametta. Sportsfreund Jalapeño hat mich auf einen Artikel von Arbogast Wünnemann aus dem Jahr 1962 im Göttinger Tageblatt aufmerksam gemacht. Dieser Schülerredakteur verfasste einen ähnlichen Text, nur noch besser.

Tja. Und jetzt stehen wir hier.

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