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Sensation: München, Bamberg und der Reissack

30.10.2017 || 12:27 Uhr von:
Der deutsche Basketball hält eine Vielzahl an tollen Themen bereit. Keines davon ist aber so spannend wie diese verrückte Geschichte zwischen München und Bamberg.

Die Überschrift dieses Textes ist eine Lüge. Dafür ist wohl eine Entschuldigung angebracht – und eine Erklärung. Am Donnerstagabend hat Jan Böhmermann das Thema „Clickbaiting“ in seiner Show aufgegriffen. Er zeigte am Beispiel von bento, dem jungen Nachrichtenportal des Spiegel, die Auswirkungen des klickbasierten Online-Journalismus. Jeder Text auf deren Seite schreit nach Aufmerksamkeit; spektakuläre Titel, dramatisierende Bilder, provokante Themen, das sind die eingesetzten Mittel. Jan Böhmermann muss sich mit seiner gebührenfinanzierten Spartenshow freilich keine Sorgen um Klicks machen, trotzdem nutzt auch er diese Methoden, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Beim Basketball gibt es diesbezüglich einen ganz einfachen Trick. Es muss entweder Bayern München oder Brose Bamberg im Text auftauchen, dann wird er gerne gelesen. Am besten stehen beide Vereine noch in der Überschrift. Wer erinnert sich nicht an die diesjährigen Playoffs, übertragen von Telekombasketball, als zu Beginn schon alle nur über das erwartete Gipfeltreffen zwischen München und Bamberg sprachen? Am Ende hatte man als Zuschauer das Gefühl, dass die Oldenburger regelrecht unrechtmäßig im Finale standen. Das „wahre Finale“ hatte ja schon in der vorherigen Runde stattgefunden, die „Alphatiere“ hatten den großen Kampf schon im Halbfinale ausgefochten.

Auch als vor fünf Jahren ein Spiel auf Kabel eins übertragen wurde, war es natürlich das Gastspiel der Lederhosen in der Bierstadt. Dazu werden dann Geschichten ausgegraben; die Konturen der Spieler werden mit jedem Vorbericht klarer, bis sie ein scharfkantiges Gesicht ergeben. Janis Strelnieks war einer dieser Spieler, der eiskalte Lette. „Kalt wie eine Hundeschnauze“, wer hat diese Formulierung da nicht sofort im Ohr. An der Seitenlinie bei Bamberg wacht der „italienische Vulkan“ Andrea Trinchieri. Längst ist er zum Liebling der Basketball-Berichterstatter geworden. Immer wieder findet er neue blumige Metaphern für banale Sachverhalte: seine Mannschaft sei ein Boot und er als Kapitän wisse noch nicht, wohin die Reise in dieser neuen Saison geht. Solche Aussagen lassen sich prima zitieren. Wird aber auf Pressekonferenzen nochmal nachgehakt, reagiert er regelmäßig genervt und hält seine Antworten kurz. Besonders nach Niederlagen. Als Liebling der Medien kann er sich das leisten.

Alternativen

Dabei geht es bestimmt auch anders. In Weißenfels trainiert beispielsweise ein erst 35-jähriger Montenegriner, der schon sieben Meisterschaften und sechs Pokalsiege als Chefcoach gesammelt hat. In Erfurt betreut Ivan Pavic eine Mannschaft mit jungen, hungrigen deutschen Spielern. Einigen von ihnen war die Rolle des Leistungsträgers in der BBL nicht zugetraut worden – man denke nur an Dino Dizdarevic oder Filip Stanic. In Frankfurt spielt mit Isaac Bonga ein 17-jähriger Deutscher mehr als 22 Minuten im Schnitt. Gießen holt drei Siege nacheinander, dabei spielen John Bryant und Max Landis jeweils eine wichtige Rolle. Der eine ist nach einem längeren Irrweg wieder nach Deutschland zurückgekehrt; der andere konnte sich nichtmal in Belgien durchsetzen, dreht hier nun aber auf.

Die Berichterstattung rund um den Basketball ist vor allem dank Telekom Sport so gut wie nie. Dazu kommen die BIG, der deutsche Teil der FIVE, spox.com, go-to-guys.de und natürlich basketball.de. Guckt man sich dort überall ein wenig um, fällt schnell auf, dass fast jedes Team mal im Scheinwerferlicht steht. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass sich alles um Bamberg und Bayern dreht, weil Artikel und Beiträge über diese Vereine um ein Vielfaches mehr geklickt, geliked, geteilt und kommentiert werden. Im deutschen Basketball interessiert sich jeder vorrangig für sein Team. Ein bisschen auch für die Liga, aber doch so wenig, dass es gerade noch für Bamberg und Bayern reicht. Und deshalb bekommen die Basketballfans weiterhin vor allem das, was sie indirekt verlangen: Bamberg und Bayern in der Überschrift, auch wenn der Text nur über den neuen Haarschnitt von Daniel Hackett informiert. Erst irgendwo weit unten, nach langem Scrollen, findet sich vielleicht ein Interview mit Isaac Bonga oder Igor Jovovic. Eingeleitet natürlich mit der Einstiegsfrage: „Wer wird deutscher Meister, Bayern oder Bamberg?“


Klatschpappe ist die Glosse von Linus Müller, der sich jeden zweiten Montag in einem möglicherweise überspitzten Kommentar zu einem Thema aus der Welt des Basketballs äußert.

Sensation: München, Bamberg und der Reissack
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theLF411
theLF411 2. November 2017 um 20:16 Uhr

…. jetzt hab ich mich soo sehr auf nen Text über Bayern gefreut

    backdoor_cut
    backdoor_cut 3. November 2017 um 13:27 Uhr

    Lieber theLF411,

    zunächst einmal möchte ich Ihnen für den Kommentar danken. Ich habe mir überlegt, dass jeder, der einen meiner Artikel kommentiert, mit einer langen und ausführlichen Antwort bedacht wird.
    Ich möchte Ihnen daher an dieser Stelle mitteilen, dass mich mein schlechtes Gewissen seit Montag regelmäßig mit spitzen Zähnen aus Tagträumen weckt, mir in den Magen tritt und meine ganze Lebensfreude absorbiert. Aufgeheitert werden kann ich nur noch von Nackten und Zahlen. Äh, nackten Zahlen. Diese Glosse wurde nämlich tatsächlich sehr gut geklickt, was mich freut, weil in jedem Text ja eine kleine Beobachtung steckt, die ich gerne auf idealerweise unterhaltsame Art mit anderen teilen möchte. Auf der anderen Seite verdanke ich die Klicks einer gemeinen Lüge.
    So gerne ich Ihnen einen Text über Bayern anbieten würde (Alex King hat neulich was sehr spannendes erzählt, ich glaube er war einkaufen und hat spontan diese neue Knäckebrotsorte mit Rote Beete-Geschmack in den Wagen gelegt…), ich muss Sie leider enttäuschen. Aus Scham und um mit gutem Beispiel voranzugehen werde ich mich in der nächsten Klatschpappe wieder mit einem Thema beschäftigen, das weder mit Bayern noch mit Bamberg zu tun hat. Ich hoffe, dass dann wieder zumindest ein Fünkchen Lesefreude entsteht, dass die Überschrift nicht zu falschen Erwartungen führt und dass sie wieder einen Kommentar dalassen. Egal, ob kurz oder lang, mit Punkten am Ende oder am Anfang, ob Lob oder Kritik. Nur füllen Sie diese Kommentarspalte hier unten.

    Ich danke nochmals herzlich und wünsche Ihrem Team allseits viele Siege, solange es nicht gegen mein(e) Team(s) spielt.

    PS (jetzt wieder unseriös): Wer kommentiert, der nimmt natürlich an einem Gewinnspiel teil; ein Däumchen wär ein Träumchen; ER HAT EINEN KOMMENTAR GESCHRIEBEN UND DU WIRST NICHT GLAUBEN, WAS DANN PASSIERTE! Wenn du dir über die Links unten etwas kaufst, unterstützt du mich damit. Also kauf! Und ich hab jetzt einen Shop, ich verkauf Klatschpappen, ist so ein meta meta meta Ding, oder meta meta, und jedenfalls kostet jede Klatschpappe nur 19,99€ und wer sie NICHT benutzt, der bekommt das Geld am Ende der Saison zurück. Lasst ein Abo da!

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