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Gestatten: Arnold, das Maskottchen

07.08.2017 || 16:28 Uhr von:
Am Samstag präsentierte sich in Erfurt das neue DBB-Maskottchen Arnold erstmals den deutschen Fans. Eine Einordnung.

Das Länderspiel in Erfurt begann mit einer großen Enthüllung. Das neue Maskottchen des DBB präsentierte sich in neuem Gewand und mit neuem Namen, es heißt jetzt Arnold. Sein Blick vermittelt etwas latent-aggressives, der Irokesenschnitt unterstützt diesen Eindruck. Arnold ist ein Adler, aber einer, der nicht fliegen kann. Er ist zwei Meter groß und am 01. Juli 2017 geboren. So steht es in seinem Steckbrief im diesjährigen Länderspiel-Magazin. Dort ist auch zu lesen, dass Arnold in den USA geboren wurde, was wiederum die Frage aufwirft, ob das deutsche Maskottchen nicht über einen deutschen Pass verfügen sollte, um für die deutsche Nationalmannschaft rumhampelberechtigt zu sein.

Dass hier eine Einbürgerung vorliegt, lässt sich an vielen Indikatoren erkennen. Das Motto des kuscheligen Hünen ist laut Steckbrief „Work hard, play hard“. Das ist sehr schön, denn was sonst sollte den größten Fans des Maskottchens und den Kleinsten unserer Gesellschaft – den Kindern – vermittelt werden, wenn nicht das: arbeite hart, spiele hart. Und lern Englisch, so früh es geht, am besten noch vor der Vorschule, dann bist du den anderen Kindern einen Schritt voraus im knallharten Kampf um den besten Arbeitsplatz im späteren, wahren Leben. Und vor allem verstehst du dann auch das Maskottchen der deutschen Nationalmannschaft, das in den USA geboren worden ist und sich offenbar bevorzugt des Englischen bedient. Natürlich hört Arnold auch gerne Musik. Der DJ ist heute bekanntlich der wichtigste Mann in einer Basketballhalle. Am liebsten hört der Adler „Fette Beats und Hip Hop“. Die Texte handeln häufig von Drogen, Geld und dem harten Kampf auf der Straße. Das ist schön, denn ist es nicht das, was die Kinder auch gerne hören? Hip Hop motiviert die Kleinen, und Motivation ist wichtig, um „hard zu worken“ und „hard zu playen“.

Vielleicht ist der Ansatz über die Kinder aber auch falsch, und das Maskottchen ist in Wahrheit für die Erwachsenen da. In der Viertelpause treibt der Hallensprecher, der heutzutage eher die Funktion eines Marktschreiers erfüllt, seine Stimme zu Höchstleistungen, um die Zuschauer von den Sitzen zu reißen. Auf dem Parkett steht dann Arnold, dieser liebenswerte, zerzauste Vogel mit dem aggressiven Blick, in seinen Händen hält er eine Kanone. Früher wurden die Fanartikel noch geworfen, aber das war früher, heute werden sie geschossen, Fortschritt nennt man das. Also schießt Arnold T-Shirts aus der Plastikkanone in die Menge, aber nicht irgendwohin, nein. Nur dahin, wo es gerade am lautesten ist. Er legt seine rechte Hand an die Stelle, wo er sein Ohr vermutet und lauscht, und die Menschen stehen jetzt auf von ihren Stühlen und donnern die aufblasbaren DBB-Klatschhilfen gegeneinander und brüllen. Es ist eine bittere Wahrheit, dass Arnold unmöglich hören kann, wo es gerade am lautesten ist. Es tut weh, die Hoffnung in den Blicken der Menschen zu sehen, und dann schießt Arnold doch woanders hin, obwohl es dort relativ leise war, und er schießt viel zu hoch, weil die Kanone nie richtig funktioniert, und das T-Shirt fliegt über alle Köpfe hinweg und landet hinter der Tribüne.

Hoffnung gibt es dann nur noch in Form des Fanartikel-Verkaufs am Eingang. Natürlich macht der gebürtige Kapitalismus-Amerikaner Arnold in seinem Steckbrief auch darauf aufmerksam, dass man ihn leider nicht mit nach Hause nehmen kann. Also zumindest nicht direkt, aber immerhin gibt es einen plüschigen Ersatz-Arnold im DBB-Shop für nur 14,90 Euro. Der Plüsch-Adler hat einen furchterregenden Blick drauf wie Šarūnas Jasikevičius zu seinen besten Zeiten, wenn ein Mitspieler in die falsche Richtung lief. Dazu erhebt der kleine Arnold streng den Zeigefinger, als wolle er sagen: „Work hard, play hard!“ Wer ein guter Vater ist, der nimmt also nach dem Spiel zwei davon mit, einen für sich und einen für sein Kind. „Dream hard, mein Sohn.“


Die Klatschpappe ist eine Glosse, die jeden zweiten Montag ein Thema aus der Welt des Basketballs möglicherweise überspitzt behandelt.

Gestatten: Arnold, das Maskottchen
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