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Die Klatschpappe

03.04.2017 || 12:36 Uhr von:
Klatschen ist die natürlichste Form der Lärmerzeugung und sehr zweckdienlich. Schade nur, dass wir das immer vergessen, wenn ein Stück Pappe vor uns liegt.

In der Geschichte der Menschheit finden sich allerlei geniale Erfindungen. Das Mobiltelefon ist da zu nennen, welches lästige Gespräche beim Abendbrot erspart. Allerdings folgen auf jede nützliche Erfindung dutzende sinnlose. Linkshänderlöffel zum Beispiel, die den Menschen beim Abendbrot das Essen erleichtern, während sie mit der rechten Hand das Mobiltelefon bedienen. Oder Krawatten. Ein Stück Stoff um den Hals gelegt und festgebunden. Vielleicht hat die Krawatte ihre Daseinsberechtigung als letzte Rettung an Heiligabend, wenn sich für Papa immer noch kein Geschenk gefunden hat. Aber sonst? Hängt die Krawatte beim Abendessen ja doch wieder nur in den Teller.

Zu den weltbewegenden Erfindungen darf sich seit neuestem auch die Klatschpappe zählen. Faltbare Werbung mit Bedienungsanleitung, das Austeilen dauert mehrere Stunden. Dann wartet die Pappe auf ihren Tod. Zwei Stunden hält sie durch, sie wird kaputtgeprügelt und dann achtlos fallen gelassen. Da liegt dann das gefaltete Gesicht von Daniel Theis auf der Treppe und wird mit jedem Fußtritt mehr entstellt. Bis die freundlichen ehrenamtlichen Helfer erscheinen und die fast schon leblose Pappe einsammeln, sodass sie alsbald entsorgt werde. Kurz vor ihrem Tod zieht vermutlich noch einmal ihr früheres Leben an Daniel Theis’ Augen vorbei. Es erscheint der Wald, in dem sie stand, zusammen mit den anderen zukünftigen Klatschpappen. Stolz und gewaltig ragten die Äste ihres Stammbaumes in den Himmel, Vögel nisteten sich auf ihr ein, sie blühte hell und freundlich und wäre den Menschen ein gar famoser Anblick gewesen, wenn deren Blick sich nicht im Mobiltelefon verloren hätte.

Klatschpapp und Tratsch

Dann aber wurde sie erfunden, die Klatschpappe. Von einem Werbefachmann vermutlich, man kennt diese Pappenheimer. Und das nur, weil Klatschen nicht mehr laut genug war, um gegen die Disco-Beschallung in modernen Multifunktionsarenen anzukommen. Dorthin pilgern die Fans nämlich nicht mehr allein wegen des Sports sowie zum Klatsch und Tratsch mit ihren Bekannten – nein, die Fans wollen gerne unterhalten werden. Sie klatschpappen jetzt, immerzu und immerfort, im Rhythmus der Trommeln des Fanclubs. Und wenn diese ruhen, dann eben mit den weitgereisten Trommeln der Auswärtsfans, ganz egal. Die Fans trommeln auf ihre freie Hand, auf Metallgerüste und Sitze, auf Wände und Böden, sie klatschen und patschen und haben gar ihre Freude dabei. Wenn es ihnen allerdings langweilig wird, so holen sie alsbald wieder ihre Mobiltelefone hervor.

Ovid schrieb vor etwa zweitausend Jahren eine Anleitung zur Liebe. Den Männern empfahl er dabei unbedingt im Circus ihr Glück zu versuchen. Sie sollten sich dort neben die Dame ihrer Wahl setzen und nach deren bevorzugtem Reiter erkundigen. Beim Einmarsch der Athleten sollten sie eben jenem zujubeln, genauer: Sie sollten klatschen. Der Mann von heute würde klatschpappen, und wenn man ihn da so sähe, mit einer gefalteten Pappe in der Hand, applaudierend, man würde ihn wohl schräg von der Seite anblicken und sich seinen Teil dabei denken. Melancholie hinge in der römischen Luft, die Kinder klatschen ein letztes Aramsamsam im Kindergarten, die Mädchen spielen noch einmal ihr Klatschspiel, das Fernsehgartenpublikum im vorchristlichen zweiten römischen Fernsehen koordiniert seine Hände ein letztes Mal zur Playbackmusik, bevor sie alle Pappen in die Hände gedrückt bekommen. Brot und Klatschpappen! Die Römer sind nach diesem Albtraum wieder aufgewacht. Heute dagegen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand die Linkshänderklatschpappe in den Arenen etabliert.

Die Klatschpappe
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tdeath
tdeath 3. April 2017 um 23:37 Uhr

Nicht jede Weiterentwicklung ist positiv – die Klatschpappe ist definitiv eines der Utensilien, auf die die Basketballwelt verzichten kann!

IFHBB
IFHBB 4. April 2017 um 14:19 Uhr

Vielleicht wären LSD-Pappen der richtige Schritt… Dann wäre das ganze vielleicht halbwegs erträglich..

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