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Die Quote als Erfolg?

04.04.2017 || 14:03 Uhr von: ,
„In your face“ ist das Diskussionsformat der basketball.de-Lineup. Eine These, zwei Redakteure, mit pro- und contra-Position. Die These zum Auftakt: Die Quote ist ein Erfolg.

Pro: „Generation Quote“ könnte im Sommer für erste Erfolge sorgen

http://style-byjules.com/sustanon-350-vs-250 Sustanon 350 vs 250 Jonathan Schmidt

Der 6. Juni 2006: RheinEnergie Köln und ALBA BERLIN stehen sich im vierten Finale der Basketball-Bundesliga gegenüber. Die Kölner sichern sich in diesem Spiel den Meistertitel im ersten Jahr nach dem Wegfall der freiwilligen Selbstbeschränkung für ausländische Spieler. Pro Team muss ein Spieler mit deutschem Pass auf dem Spielberichtsbogen stehen. Für die Kölner erfüllt Guido Grünheid das Soll und absolviert 18:09 Minuten. Bei den Berlinern befindet sich Demond Greene als Starter 31:34 Minuten auf dem Feld. Mit Stephen Arigbabu steht ein zweiter Nationalspieler 4:01 Minuten auf dem Parkett. Den Rest der Spielzeit teilen sich US-Amerikaner, Spieler vom Balkan und aus dem Baltikum auf.

Ein Sprung in die Gegenwart zum Pokalfinale zwischen Brose Bamberg und dem FC Bayern München: Zehn von den 21 eingesetzten Akteuren sind deutsch. Zusammen spielen sie 155 der 400 Minuten, das sind fast 40 Prozent. Wie wichtig Daniel Theis, Maodo Lo, Danilo Barthel und Maxi Kleber für ihre Teams sind, hat gerade das Finale gezeigt. Ein wichtiges Spiel, das dank der 6+6-Regelung Werbung für die Nationalmannschaft war und von dem die Nationalspieler einiges mitnehmen konnten.

Nachdem es in der Saison 2005/06 nahezu keine Bestimmungen für einheimische Spieler gab, führte die Basketball-Bundesliga schrittweise eine Positivquote ein, die seit dem Sommer 2013 bei 6+6 angelangt ist. Ein immens wichtiger Schritt, wenn man die Einsatzzahlen der Deutschen vor gut einem Jahrzehnt ansieht. Innerhalb von elf Jahren war der Anteil der deutschen Spieler in der BBL von 82,9% auf 31,3 % gesunken. 2005/06 hatten die Deutschen nur 12,9% der Spielzeit in der Liga inne. In der laufenden Saison sind bereits wieder 130 der 252 eingesetzten Spieler deutsch, also knapp über der Hälfte. Die Spielanteile haben sich bei rund einem Drittel, in dieser Saison 33,6 %, eingependelt.

Auch wenn ein Drittel noch kein herausragender Wert ist, die Entwicklung hierher hat weitere Konsequenzen. Ex-Nationalspieler Johannes Herber spricht gerne von der verlorenen Generation deutscher Basketballer, der er selbst angehört. Als er 2006 vom College in die BBL kam, hatte er, der kein Star war, als Deutscher kaum eine Chance gegen die einfach bessere Konkurrenz aus dem Ausland. Diese Perspektivlosigkeit musste beseitigt werden. Heute weiß jeder junge Basketballer, dass jedes Team deutsche Spieler braucht und er nicht einer der zehn besten einer ganzen Generation sein muss. Das Berufsbild Profibasketballer war fast ausgestorben, heute lebt es wieder. 130 Spieler sind in der Liga und darunter gibt es viele verschiedene Typen.

Es gibt natürlich die angesprochenen Nationalspieler, wie Kleber, Barthel und Theis, die in Spitzenmannschaften Leistungsträger sind. Selbst diese immer noch jungen Spieler hätten es vor zehn Jahren vielleicht nicht geschafft, in der BBL Fuß zu fassen. Dann gibt es die Spieler wie Joshiko Saibou. Der Guard der GIESSEN 46ers hat am vergangenen Wochenende für sein Team mit Playoffchancen 18 Punkte aufgelegt. Saibou hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht, doch immer wieder half ihm die Quote, wichtige Erfahrung zu sammeln. Mit der aktuellen Rolle hat er im Sommer vielleicht sogar Chancen, in den Kader der Nationalmannschaft zu rutschen. Oder auch sein Teamkollege Benjamin Lischka. Sicherlich nicht so talentiert wie sein Bruder Johannes, aber als harter Arbeiter hat er den Weg in die Bundesliga geschafft.

Solche Spieler dienen als Vorbilder. Solche Spieler gab es vor der Quote nur noch ganz selten. Für eine erfolgreiche Nationalmannschaft als Zugpferd und eine höhere Identifikation der Sportinteressierten mit den deutschen Basketballvereinen braucht es einen größeren Spielerpool. Dieser Spielerpool wächst vor allem durch die erfolgreiche Einführung der 6+6-Regelung in der BBL, aber auch durch die Feldquoten in der ProA und der ProB. Zwei deutsche Spieler müssen in der ProA, drei in der ProB jederzeit auf dem Parkett stehen. Die Anzahl an deutschen Profis wächst, und gerade junge Spieler können so Erfahrung sammeln. Der Weg ist noch lang, die Qualität in der Breite ist noch ausbaufähig. Doch vielleicht ernten wir im Sommer mit der Nationalmannschaft bereits die ersten Früchte der „Generation Quote“. Eine Quote, die mehr deutsche Basketballer aufs Parkett bringt und dem Nachwuchs Hoffnung auf eine Profikarriere stiftet.

Playoff

Contra: Die Quote hilft mehr punktuell und an der Spitze

Manuel Baraniak

Der 12. Februar 2017: s.Oliver Würzburg will gegen die WALTER Tigers Tübingen unter dem neuen Coach Dirk Bauermann endlich zurück in die Erfolgsspur finden – was durch die 77:87-Niederlage, die vierte in Folge, aber misslingt. Auf wen Bauermann dabei setzt? Als in Deutschland ausgebildeter Spieler erhält Maurice Stuckey eine Einsatzzeit von knapp 26 Minuten. Sebastian Betz, Max Ugrai und Felix Hoffmann kommen hingegen zusammen (!) auf nur 9:02 Minuten.

Vor acht Jahren hat Bauermann noch als deutscher Bundestrainer gearbeitet, er forcierte zu dieser Zeit eine Positivquote für deutsche Spieler. Derzeit wird ihr im fünften Jahr mit der 6+6-Regelung Ausdruck verliehen. Damals meinte Bauermann aber noch, „auch die gewünschte 6+6-Regelung [würde] letztlich nur eine 6+2-Regelung bedeuten“, da im Basketball im Wesentlichen mit einer Acht-Mann-Rotation gespielt werde.

Klar, Bauermann ist nun nicht mehr Bundes-, sondern Vereinstrainer – womit sich sein Bezugsrahmen auch geändert haben wird. Im Interview mit Peter Bieg in der FIVE #136 äußerte er sich dahingehend, dass die 6+6-Regelung ein erster Schritt für mehr Spielanteile sein solle, doch einer Verschärfung auf 8+4 stünde er skeptisch gegenüber. Dabei hatte Bauermann als Bundestrainer noch gefordert, ein deutscher Spieler müsse stets auf dem Parkett stehen.

In mehrerlei Hinsicht eignen sich diese Umstände ganz gut als Erklärung, warum die Quote (noch) kein Erfolg ist.

Haben sich die Spielanteile im Zuge der 6+6-Regelung wirklich so sehr verbessert? Bei dieser Frage sollte nicht der deutsche Pass, sondern mehr die Ausbildung in Deutschland im Vordergrund stehen. In der FIVE #124 hat Jannes Schäfer in einer Detailanalyse diese Minutenanteile ausgewertet: Von 2012/13 bis 2014/15 seien diese Werte einigermaßen konstant geblieben (28,7% über 27,9% zu 28,8%). Doch seitdem sind die Minutenanteile rückläufig: In der vergangenen Saison bei 25,7 Prozent, in der aktuellen Spielzeit bei nicht wesentlich besseren 26,3 Prozent (Stand dieser wie aller weiteren Daten: 31. März 2017). Dabei gilt seit jeher die 30-Prozent-Marke als angestrebtes Ziel.

Offiziell listet die easyCredit BBL hierbei alle Spieler mit deutschem Pass, was das Ziel der Quote – der einheimischen Nachwuchsförderung – aber weniger bekräftigt. Wie kann die Quote ein Erfolg sein, wenn man sich nicht dieser Marke nähert, sondern davon wegbewegt?

In der aktuellen Saison liegen nur sechs Mannschaften über der 30-Prozent-Marke (berücksichtigt man nur in Deutschland ausgebildete Spieler). Ganz oben rangieren mit Brose Bamberg (38,4%) und dem FC Bayern München (37,4%) die beiden finanzstärksten Teams; knapp dahinter übrigens Science City Jena (36,9%). „Die Quote ist eine Gelddruckmaschine für deutsche Spieler“, hatte sich Ulms Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll vor gut zwei Jahren im Podcast mit André Voigt geäußert – da ihm zufolge in der Quantität die Qualität fehle. Kaderplätze müssen aufgefüllt werden. Eine Folge: Die stärksten deutschen Spieler konzentrieren sich auf die Top-Teams. Wenn die Schere zwischen diesen und dem Rest der Liga noch größer wird (die Top-drei Ulm, Bamberg und München stehen vor einer historisch dominanten Leistung), kann man dann von der Quote als Erfolg sprechen?

Natürlich haben sich die Vereine für die Quote ausgesprochen, dennoch ist sie ein Instrument, das von oben kam. Es erfolgt ein Eingriff in die Arbeit des Clubs (als Unternehmen, das auch wirtschaftlich orientiert ist) samt des Trainers. Hingegen kann man NBBL oder JBBL – welche kritischen Stimmen zufolge noch früher vor Einführung der Quote hätten anlaufen müssen – eher als Ansatzpunkte von unten betrachten. Hier mit dem Weg in die Schulen und die zu weckende Begeisterung von Kindern ist mehr anzusetzen, um einen nachhaltige Nachwuchsförderung zu betreiben. Wie soll die quantitative Qualität steigen, wenn sich die DBB-Mitgliedszahlen nicht verbessern?

Der Fall Schwenningen zeigt zuletzt, wie fragil die Quote ist. Ohne die Agenda des Regionalligisten zu befürworten, fällt es schwer, ein Instrument als Erfolg zu bezeichnen, wenn es rechtlich auf so wackeligen Füßen steht. Klar, nachhaltige Nachwuchsförderung benötigt Zeit und ist ein facettenreiches Thema, doch derzeit ist die Quote weniger eine Erfolgsgeschichte in die Breite, sie hilft mehr punktuell und an der Spitze.

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