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Did Play-Old

29.01.2018 || 16:11 Uhr von:
Aktuell kann die Association mit einem prominenten und produktiven Oldie-Trio aufwarten, das wie alle Altgedienten ein wenig Aufmerksamkeit verdient.

In der laufenden Spielzeit amtieren Vincent Lamar Carter (jüngst 41 Jahre), Emanuel David Ginóbili und Jason Eugene Terry (beide 40) als „Old Heads“ der Liga. Gemeinsam haben die NBA-Senioren nicht „nur“ 3784 Saison- und 422 Playoffsspiele absolviert, sondern sie stellen auch das erste legitime Ü40-Trio der bisherigen Liga-Geschichte.

Zwar konnte die Association in den Saisons 2006/07, 2003/04 und 2002/03 ebenso Altherren-Dreiergespanne aufbieten, doch waren diese nur flüchtig präsent. So durfte Kevin Willis 2007 – wohlgemerkt im NBA-Rekordalter von 44 Jahren – allein in fünf Spielen als Maverick mitwirken, während Dikembe Mutombo (Rockets) und Cliff Robinson (Nets) seinerzeit größere Rollen innehatten. Außer Willis (zuvor ein Spur) und Karl Malone (Lakers), sah Charles Oakley 2004 in Houston überschaubare 25 Minuten Einsatzzeit, bevor er letztlich vom Profibasketball zurücktrat. Ein Jahr früher, als wiederum Willis und auch John Stockton auflief, agierte Michael Jordan als 40-jähriger Zauberer – allerdings für viele in den „falschen“ Teamfarben und lediglich in seinen finalen 30 NBA-Partien.

Heuer sind Carter, Ginóbili und Terry hingegen allesamt als Vierzigjährige in die Saison gegangen, zumal sie für ihre Teams mehr als weise Mentoren und willige Handtuchwedler darstellen. Denn die „Vets“ stehen jeweils mindestens zehn Minuten pro Partie auf dem Hartholz und nehmen sonach auch spielerisch noch immer Einfluss (siehe ihr gestriger Glanzabend). Ein guter Grund, dem gegenwärtigen Triumvirat der „Old Heads“ ein wenig Liebe zu schenken.

Manu Magic und King Carter

Zuvorderst ist ein ewig junger Ginóbili zu würdigen, der San Antonio als „Sporengeber“ weiterhin wertvolle Offensivimpulse verleiht (9,2 PPG und 2,4 APG in 20,6 MPG; zweitbestes OffRtg aller Spurs). Mitunter versprüht der Argentinier gar „Manu Magic“ – etwa Anfang Januar mit konsekutiven 20-Punkte-Spielen gegen Phoenix und Portland – oder der Clutch-Player verwandelt direkt den Gamewinner; so geschehen im Dezember 2017 gegen Boston und Dallas.

In 38 von bislang 52 Spurs-Spielen hat der „Sixth Man for Life“ 2017/18 als wichtiger Rollenspieler fungiert. Übrigens nicht nur im Angriff, etwa als effektiver Ballhandler im Pick-and-Roll (0,97 PPP) und elitärer Finisher am Korb, sondern auch am defensiven Ende des Feldes, wo der abgezockte Altmeister zahlreiche Offensivfouls provoziert (ligaweit Rang sechs), aktiv in den Passwegen steht (3,9 Deflections per 36 Min.) und die gegnerischen Wurfquoten absenkt. Nicht umsonst sagt Trainer-Doyen Gregg Popovich über den 40-jährigen „Grandpa Juice“ (wie die jüngeren Spurs Ginóbili nennen): „Er ist unglaublich. Was auch immer er trinkt – ich möchte etwas davon. Im Ernst, irgendwo muss es einen Jungbrunnen geben.“

Neben dem viermaligen NBA-Champ hat diesen wohl auch der nunmehr in Sacramento ansässige „Alterskönig“ entdeckt. Carter denkt gleichfalls noch nicht ans Aufhören. Vielmehr will der 41-Jährige noch immer mittun, wetteifern und auf dem Parkett stehen. Zudem möchte er in Zukunft gerne noch einmal das Trikot der Toronto Raptors tragen, das der ikonische Highflyer zuletzt 2004 übergezogen hatte.

Kehrt „V.C.“ im kommenden Herbst zurück, würde er zu den drei „Eisenmännern“ – Willis, Robert Parish und Kevin Garnett – aufschließen, die 21 Saisons in der Association verbracht haben. Dem ebenso erwählten „40-20-Klub“ um Parish, Willis und Kareem Abdul-Jabbar – in den dann auch Dirk Nowitzki eintreten könnte – gehört der achtfache All-Star ohnehin bereits an.

Apropos auserwählte Gesellschaft. Carter spielt derzeit seine zweite Saison als Mitglied des Ü40-Klubs – was zuvor nur Mutombo, Willis, Parish und Abdul-Jabbar gelungen war. Im Vorjahr hatte Carter in Memphis 73 Spiele (15 davon als Starter) bestritten, ansehnliche 8,0 Zähler erzielt sowie 37,8 Prozent seiner Dreierversuche eingenetzt. Gegen Milwaukee traf er im März 2017 gar sechs Distanzwürfe und legte in 30 Minuten bei perfekter Quote aus dem Feld 24 Zähler auf. Alldieweil „V.C.“ als Grizzly respektable 4,0 Win Shares generierte. Eine Marke, die als Vierzigjährige allein Stockton, Kareem, der „Mailman“ und „Mt. Mutombo“ überboten haben. Und damit nicht genug: In den letzten Playoffs lief Carter durchweg als Starter auf und wusste in mehr als 30 Minuten pro Partie als Schütze zu überzeugen (9,2 PPG bei 61,0 TS%).

2017/18 hat „Vinsanity“ seine Veteranenpräsenz in 30 von bis dato 49 „Königspartien“ erneut eingebracht (5,1 PPG bei 39,0 3P%, 2,0 RPG und 1,6 Stocks in 16,6 MPG, bei sehr ordentlichen On-Off-Werten). Wobei Carter im Januar bereits dreimal zweistellig gepunktet hat sowie generell gut 22 Minuten Einsatzzeit sieht und bei 47,1 Prozent von Downtown durchschnittlich neun Zähler beisteuert.

Ende des vergangenen Jahres setzte der „Tagebuchschreiber“ zudem ein wiederholtes Glanzlicht, als er gegen Cleveland in 30 Spielminuten 24 Punkte (10-12 FG) einstreute – mehr Zähler hatten Vierzigjährige zuletzt 2003 markiert (Jordan und Stockton; allein Abdul-Jabbar verbuchte in höherem Alter mehr Punkte).

Der Jet und die Zahlen

Terry, der im Dezember verletzt ausfiel und auch sonst einige „DNPs“ kassierte, konnte indessen in immerhin 19 Spielen für die „Young Bucks“ den Leithirsch geben. Chefanimator ist der ikonische Stirnbandträger in seiner nunmehr 19. Spielzeit an der Seitenlinie sowieso.

Auch wenn der „Jet“ im Gegensatz zu Carter, Ginóbili und zur Vorsaison nur noch selten abhebt und in limitierten Minuten spielerisch wenig beiträgt (1,7 Pünktchen), bleiben seine Vorleistungen bestehen. So hat der letztjährige „Teammate of the Year“, der für seinen Mannschaftsgeist, seine Führungsstärke und ausgeprägte Siegermentalität bekannt ist, bis dato die drittmeisten Dreipunktewürfe in der Geschichte der Liga versenkt (2248 an der Zahl). Allein Reggie Miller und Ray Allen haben häufiger von Downtown eingenetzt. Derweil ist der NBA-Champion von 2011 (siehe Video) in bisher 1378 Saisonspielen zum Einsatz gekommen. Von den derzeit Aktiven hat allein sein langjähriger Teamkollege, Dirk Nowitzki, mehr Spielerfahrung vorzuweisen; während lediglich drei Guards – Miller, sein vormaliger Coach und Mitspieler Jason Kidd sowie John Stockton – öfter als Terry auf dem Hartholz standen.

Kommen „J.T.“ und „V.C.“ (Rang 12 und 13 bei den Karrierespielen) weiterhin regelmäßig zum Einsatz, könnten sie bald in die Top-Ten der „ewigen“ Bestenliste vorrücken (Terry möchte im Übrigen wie Carter für eine weitere Saison, seine 20., zurückkehren). Hält Ginóbili, der bereits in 19 Partien zweistellig gescort hat (17 Spurs-Siege), seine Punkteausbeute (9,2 PPG) aufrecht, würde er Carters letztjährige Marke übertrumpfen und sich hinter NBA-Legenden und Ü40-Pionieren wie dem „Cap“ (Kareem), „Chief“ (Parish) und „Stockalone“ einreihen. Überdies sind Ginóbili und Carter die einzigen „Old Heads“ der Liga-Historie, die als Bankspieler in einer Partie 20 Punkte erzielt haben (generell ist dies Jordan 2003 20-mal, Kareem 16-mal, Stockton neunmal, Parish sechsmal und Malone viermal gelungen) …

Bei all diesen Zahlenspielereien sei gleichwohl gesagt, dass es in der wechselvollen Ligahistorie bisher zu wenige über Vierzigjährige gegeben hat, um bedeutungsvolle Trends heraus- und sinnhafte Vergleiche anstellen zu können (alldieweil sich das Spiel und dessen Rahmenbedingungen gravierend geändert haben). Überhaupt kam es in der 69-jährigen Geschichte der Association nur 29 Mal vor, dass Akteure mit (über) 40 Jahren in eine NBA-Saison gegangen sind. Auffällig ist dabei zumindest, dass 21 Mal langlebige Big Men die Sneakers schnürten.

Gewiss erscheint indes: Das gegenwärtige Triumvirat hält zur Hälfte der laufenden Spielzeit mehrheitlich sehr ordentlich mit und verdient daher auch jenseits bloßer Zahlen unsere Anerkennung. Bevor es nämlich zu spät ist, im Boxscore hinter den Namen von Carter & Co. „Did Not Play-Old“ steht – und wir den schätzenswerten Senioren nachtrauern.

Wer mehr über die Geschichte der „Old Heads“ erfahren möchte, kann diese in der kommenden Ausgabe der FIVE (#146) nachlesen, die am 23. Februar erscheint.


In seiner Kolumne „Freiwurf“ schreibt Christian Orban jede zweite Woche über Akteure und Aspekte der NBA – gegenwartsbezogen, gesellschaftskritisch und geschichtsbewusst.

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