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Der Basketball

27.11.2017 || 18:43 Uhr von:
Der Ball ist des Spielers bester Freund, mit ihm beginnt und endet alles. Eine Glosse über die X-Technologie, konstanten Softtouch und Dornenhecken.

Und Gott sprach: Es sollen Körbe errichtet werden, fest in der Erde verankert, die ihre Hälse ausstrecken in Richtung Himmel. Sie werden eine Höhe haben von 3,05 Meter und ein Ring wird an ihnen befestigt sein, auf dass sie denen Freude bringen, die da schuften von acht bis vier. „Machen wir, Herr Gott“, sagte Florian Höckerberg, Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Er schickte seine Leute los, die ein Loch buddelten und den Korb einsetzten wie ein Gärtner seine Rosen im Herbst. Am Abend stattete Achim Gott der Korbanlage einen Besuch ab. Er sah, dass es gut war. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. Am zweiten Tag stellte Gott fest, dass sich direkt hinter dem Korb eine Dornenhecke breitgemacht hatte. Dieses Naturgesetz ist so alt und so wahr, dass auch im billigsten Pflanzenatlas notiert ist: „Der natürliche Lebensraum der Dornenhecke ‚saepes balltoeteris’ befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Korbanlagen. Die Hecke ernährt sich vorwiegend von Lederbällen.“

Im Laufe der Zeit sammelt sich so am Rande jedes Freiplatzes ein Ball-Friedhof an. Geht ein Ball kaputt, wird ein neuer gekauft. Wer nun annimmt, dass die folgende Kaufentscheidung eine leichte wäre, der irrt gewaltig. Unter anderem stellen die Firmen Molten, Spalding, k1x, Wilson und Nike Basketbälle her. Die Firma Molten mit Sitz im japanischen Hiroshima produzierte den Spielball für die diesjährige Basketball-Europameisterschaft und ist daher eine geeignete erste Anlaufstelle. Auf deren Website kann man sich unter anderem über die neuesten Ball-Technologien informieren. Die X-Technologie sorgt beispielsweise für ein „gleichbleibendes Ballgefühl, weil die Noppen parallel ausgerichtet sind“. Das neue Dämmungskonzept vereinheitlicht darüber hinaus die Schaumstoffschicht, „um einen konstanten Softtouch zu gewährleisten“. Außerdem sind die Farben im Vergleich zu den bisherigen heller, wodurch die „Sichtbarkeit des rotierenden Balles deutlich erhöht wird“. Oder anders gesagt: „Der erhöhte Kontrast zwischen den Merkmalfarben des Balls bietet die ultimative Erfahrung in Ballsichtbarkeit.“ Alles in allem, so wirbt Molten, ermöglichen deren traumhafte Basketbälle aus der X-Reihe jedem Spieler die Verwirklichung seines Potenzials.

Das klingt schon sehr beeindruckend. Teilweise unverständlich, ja, aber beeindruckend. Während der Europameisterschaft kam es aber trotzdem zu einer kurzen Aufregung, als nämlich zahlreiche Kapitäne und Funktionäre der Nationalteams gemeinsam einen Beschwerdebrief unterzeichneten. In diesem Schreiben wurde das „Consistent Touch“-Feature kritisiert, welches den Ball mit fortschreitender Spieldauer rutschig machen würde. Molten hatte die Form und Anordnung der einzelnen Noppen modifiziert und diese neu ausgerichtet. Per Günther schrieb damals: „Wenn ich nur an den Ball denke, kriege ich Schweißausbrüche. Mit dem Teil spiel ich bestenfalls auf ProB Niveau.“ Damit ist sein Potenzial natürlich nicht verwirklicht.

Der Ball ist der beste Freund des Spielers, mit ihm beginnt und endet alles. Deshalb ist es wichtig, sich zu informieren und beispielsweise bezüglich der aktuellen Noppenanordnungs-Trends auf dem Laufenden zu sein. Wenn der nächste Ball von der Dornenhecke umarmt wird und anschließend langsam sein Leben aushaucht, dann ist es erlaubt, den Verkäufer im Geschäft einmal genauer nach den Features der jeweiligen Modellreihe zu befragen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Pflege. Die Firma Molten gibt dazu Hinweise auf ihrer Website. So sollten synthetische Lederbälle mit einem weichen, feuchten Tuch abgewischt werden; Schmutz oder grober Sand dagegen werden besser mit einem feuchten Schwamm entfernt. Dann weist Molten noch darauf hin, dass „der Ball nicht mit scharfen Gegenständen, wie z.B. Dornen von Rosen“, in Berührung kommen sollte. Für Freiplatzspieler ist das aber unmöglich, denn es gibt da ja dieses Naturgesetz. Deshalb weist Molten darauf hin, dass sich kleine Löcher tatsächlich reparieren lassen. Dazu wird der Ball auf 70-80 Prozent seines Volumens aufgepumpt, ehe man fünf bis sechs Sekunden lang das Dichtungsmittel RL 420 in den Ball sprüht. Anschließend soll der Ball voll aufgepumpt und genau zehn Mal auf den Boden geprellt werden, bevor er für eine Stunde mit der undichten Stelle nach unten auf den Boden gelegt wird. Et voilà: Der Ball ist repariert, die Dornenhecke bezwungen. Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. Und Datzgeräusche überall.


Klatschpappe ist die Glosse von Linus Müller, der sich jeden zweiten Montag in einem möglicherweise überspitzten Kommentar zu einem Thema aus der Welt des Basketballs äußert.

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