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Dorell Wright: Der neue X-Faktor?

24.11.2017 || 11:59 Uhr von:
Dorell Wright, Brose Bamberg
Mit der Verpflichtung von Dorell Wright ist die Hoffnung auf eine weitere erfolgreiche Saison zurück in Bamberg. Ein NBA-Titel und eine Station in China sind Teil einer ereignisreichen Karriere.

Es verbleiben noch knapp zwei Minuten des ersten Viertels der Partie Brose Bamberg gegen Baskonia Vitoria Gasteiz auf der Spieluhr, als ein neues Gesicht das Parkett der Brose Arena betritt. Erst wenige Stunden zuvor war die Verpflichtung des 31-jährigen US-Amerikaners Dorell Wright offiziell von Brose Bamberg verkündet worden.

Der 2,06 Meter große Forward muss in der Verteidigung gleich einmal gegen Gäste-Center Johannes Voigtmann ran und sichert kurze Zeit später einen Defensivrebound für seine neue Mannschaft. Im direkten Gegenzug wird Wright von Maodo Lo im Pick-and-Pop an der Dreierlinie gefunden. Der Neuzugang zögert keine Sekunde. Er drückt ab und trifft den Dreier über das Brett mit Foulspiel. Der Einstand des für viele Basketballfans bekannten Unbekannten war geglückt.

VON DER HIGHSCHOOL IN DIE NBA

Dorell Lawrence Wright, geboren am 2. Dezember 1985 in Los Angeles, ist einer dieser Basketballer, die einen eher ungewöhnlichen Weg in den Spitzensport gefunden haben. Bis zur elften Klasse war Wright nur mäßig an der Sportart Basketball interessiert. Vielmehr verfolgte er den Traum, es als Baseball-Spieler in die amerikanische Profiliga zu schaffen. Für diesen Traum wechselte er sogar die Schule, um ins Baseball-Programm der Leuzinger Highschool aufgenommen zu werden.

„Ich wusste, wie sehr mein Vater wollte, dass ich Baseball spiele, deshalb habe ich das immer ernster genommen“, erinnert sich Wright im Gespräch mit ESPN. Zu Wrights Glück erkannte der Basketball-Coach der Leuzinger Highschool Wrights Athletik und sportliches Talent und überzeugte ihn, Basketball zu seiner Priorität Nummer eins zu machen.

Erst in der zwölften Klasse begann Dorell Wright, Basketball richtig ernstzunehmen. Er trainierte öfter und härter und verbrachte viel Zeit damit, sein Spiel zu verbessern. In dieser Saison legte der Foward im Schnitt 24 Punkte für seine Mannschaft auf und bekam erste Angebote von Mittelklasse-Colleges: „In diesem Jahr versuchten Colleges wie Fresno State, Long Beach State oder Northern Iowa mich zu rekrutieren. Dass ich es in die NBA schaffen könnte, war mir jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst“, erklärte Wright im ESPN-Interview. Fortan war Baseball für Wright keine Option mehr.

Dorell Wright, Brose Bamberg, EuroLeague

Um sein Spiel weiter zu verbessern und sich auf das College vorzubereiten, wechselte er nach seinem Senior-Jahr an der Leuzinger Highschool an die South Kent School, einer sogenannten „Prepschool“ in Conneticut. Doch wie sich erst später herausstellte, sollte ihn dieses Schuljahr nicht aufs College vorbereiten. Aufgrund seiner basketballerischen Leistungen meldete sich Dorell Wright 2004 mit 18 Jahren zum NBA-Draft an und versuchte es ohne Umweg College, direkt in die stärkste Basketballliga der Welt zu schaffen.

Am 24. Juni war es soweit. Unmittelbar nach Josh Smith und einem gewissen J.R. Smith wurde Dorell Wright an 19. Stelle von den Miami Heat gedraftet. Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem Baseball-Prospect aus Los Angeles ein NBA-Spieler.

549 NBA-SPIELE UND EINE MEISTERSCHAFT

Insgesamt sechs Spielzeiten verbrachte Wright bei den Miami Heat, in denen der Forward Höhen und Tiefen erlebte. In seinem Rookie-Jahr wurde Wright lediglich drei Mal eingesetzt. Doch Wright arbeitete weiter an seinen Fähigkeiten und erhielt kontinuierlich mehr Spielzeit. In seiner zweiten Saison in Miami absolvierte der 20 reguläre Saisonspiele für die Heat und feierte am Ende seines Sophomore-Jahres sogar die Meisterschaft. Deutsche Baskebtallfans werden sich an diese Serie noch äußerst schmerzlich erinnern. Bereits mit 21 Jahren ist Dorell Wright NBA-Champion.

In seiner bis dato produktivsten Spielzeit 2007/08 (25,1 Minuten, 7,9 Punkte, 5,0 Rebounds, 1,4 Assists) verletzte sich Wright im März 2008 am Meniskus und verpasste den Rest der Saison. Auch in der folgenden Saison bremste ihn die Verletzung aus und erlaubte ihm lediglich sechs Kurzeinsätze. In seiner letzten Saison für Miami fand Wright langsam wieder zu seiner alten Form zurück und erzielte in 72 Spielen in durchschnittlich 21 Minuten 7,1 Punkte und 3,3 Rebounds. Mit der Zusammenkunft von LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh in der Offseason 2010 endete gleichzeitig die Zeit von Dorell Wright in Miami. Als Free Agent wechselte er zu den Golden State Warriors.

An der Westküste erlebte Wright seine beiden besten Spielzeiten in der NBA. In seinem ersten Jahr bei Golden State stand der Foward durchschnittlich 38,4 Minuten auf dem Parkett und erzielte dabei 16,4 Punkte, 5,3 Rebounds und 3,0 Assists. Er startete in allen 82 Spielen der regulären Saison. Auch in seiner zweiten Saison bei den Warriors punktete Wright im Schnitt zweistellig (10,3 Punkte).

Nach einer Saison bei den Philadelphia 76ers absolvierte Dorell Wright seine letzten beiden Spielzeiten in der NBA bei den Portland Trail Blazers. Bei beiden Teams spielte Wright weiterhin solide und etablierte sich endgültig als ausgezeichneter Rollenspieler in der NBA. Insgesamt absolvierte er in elf Spielzeiten 549 Spiele in der NBA.

ÜBER CHINA UND BOSNIEN NACH BAMBERG

Nachdem Wright die NBA 2015 verlassen hatte, heuerte er in der chinesischen Liga bei den Beikong Fly Dragons an und erzielte dort in 37 Spielen im Schnitt 24,3 Punkte und 7,5 Rebounds. Ein Jahr später versuchte er es erneut bei den Miami Heat, kam jedoch zu keinem Einsatz. Anfang Oktober dieses Jahres unterschrieb Wright einen Vertrag bei der bosnischen Mannschaft KK Igokea, von denen er nach nur vier Spielen zum amtierenden Deutschen Meister Brose Bamberg wechselte.

In Bamberg soll Dorell Wright für mehr Qualität auf den Forward-Positionen sorgen, die aufgrund der Querelen rund um den eigentlichen Hoffnungsträger Quincy Miller und dessen Vertragsauflösung dringend verstärkt werden mussten. Beim unglaublichen Comeback-Erfolg der Bamberger gegen den FC Barcelona bekam Wright zum ersten mal einen Eindruck, warum die Stadt und die Fans auch als „Freak City“ bezeichnet werden: „Wir wissen es zu schätzen, wie uns die Fans bei jedem Spiel unterstützen. Freak City! Das sind gerade meine ersten Erfahrungen in der EuroLeague, und es ist großartig. Die Fans waren heute unser sechster Mann“, machte Wright gegenüber basketball.de deutlich.

EIN KLASSISCHER STRETCH-FOUR?

In seinen ersten Auftritten für Brose Bamberg erinnerte Dorell Wright stark an die ersten Einsätze von Darius Miller nach dessen Nachverpflichtung in der Saison 2014/2015.

Ebenso wie damals Miller, wird Wright im Moment ausschließlich auf der Power-Foward-Position eingesetzt. In der NBA gab Wright hingegen den klassischen Small Forward. Aufgrund seines guten Distanzwurfes schafft er Platz für das Attackieren des Korbs durch die Guards, aber auch für Spieler wie Augustine Rubit oder Luka Mitrovic, die ihre stärken im Low-Post-Spiel besitzen. Mit Wright auf dem Parkett wird das Feld für die Bamberger Offensive wieder breiter. Ein Faktor, der die Mannschaften von Andrea Trinchieri in der Vergangenheit ausgezeichnet hat.

Zudem ist Wright in der Lage, auch als Ballhandler aktiv zu werden. Trotz seiner 2,06 Meter kann Wright den Ball auf den Boden bringen und zeigt bislang auch mit aggressiven Drives in Richtung Korb seine Vielseitigkeit. Obwohl er erst seit kurzer Zeit für Brose Bamberg aktiv ist, haben seine Scorer-Qualitäten der Mannschaft bereits enorm geholfen.

Dorell Wright, Andrea Trinchieri, Brose Bamberg

Auch in der Verteidigung konnte der Neuzugang bereits seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Nicht nur aufgrund seiner insgesamt vier Blocks bei seinem ersten Auftritt gegen Baskonia wurde Wright im Anschluss von Trainer Trinchieri gelobt: „Ich habe heute gesehen, dass Dorell Wright in der Verteidigung immer richtig steht. Er hat ein sehr gutes Verstädnis in der Defense.“

Instinktiv ist Wright in der Verteidigung häufig zur rechten Zeit am rechten Ort. Auch aufgrund seiner Länge schafft es Bambergs Neuzugang, sowohl Passwege als auch Würfe zu beeinflussen. „Ich merke, dass ich mich von Spiel zu Spiel besser in der Mannschaft zurechtfinde. Es ist ein langer Prozess, aber wir kommen dem Ziel immer näher.“

Nach der Auswärtsniederlage gegen den FC Bayern Basketball betonte auch Trinchieri, dass Wrights vollständige Integration in die Mannschaft noch einige Zeit benötigen wird:

„Dorell Wright hat bisher lediglich drei Trainings absolviert. Mit 20 wird er uns helfen“.

Auch Wrights aktuell sehr schwankende Leistungen zeigen, dass noch viel Arbeit vor ihm und dem gesamten Team liegen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Dorell Wright sich zu einer entscheidenden Verstärkung für Brose Bamberg entwickeln kann. Die Fans hat der Forward bereits ins Herz geschlossen, was er nach dem denkbar knappen Heimsieg gegen Valencia einmal mehr betonte: „Wenn du solche Fans hat, die sich bei jedem Spiel die Lunge aus dem Hals schreien, dann profitierst du definitiv vom Heimvorteil. Das war heute meine erste „Humba“, und es war ziemlich verrückt.“

Dorell Wright könnte in Bamberg einen ähnlichen Weg beschreiten wie einst Darius Miller, der ebenfalls als NBA-Veteran an die Regnitz wechselte. Millers Erfolgsgeschichte ist bekannt, und auch für Dorell Wright ist Bamberg wohl der letzte Versuch, es vielleicht noch einmal zurück in die beste Basketball-Liga der Welt zu schaffen.

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