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75 Spiele, 60.000 Kilometer: Die Belastungen einer Saison

22.06.2017 || 20:12 Uhr von:
Nicolo Melli | Brose Bamberg | Belastungen
Welcher Bamberger hat am längsten gespielt? Wie stehen Bambergs Stars im Vergleich mit anderen BBL-Spielern da? War die Saison vorher weniger lang? Wie läuft es in anderen europäischen Ligen?

Fortsetzung von: 75 Spiele, 60.000 Kilometer: Die Belastungen einer Saison

Chris Kramer marschiert voran

Zurück in die Saison 2016/17. Wie sah denn die Belastung allgemein in der easyCredit BBL aus? Es sind ja nicht nur die Bamberger, die viele Spiele hatten. Insgesamt acht Teams durften sich dem internationalen Wettbewerb stellen.

WettbewerbAnzahl Spiele
Saison 2016/17460
easyCredit BBL283
easyCredit BBL Playoffs28
BBL-Pokal7
EuroLeague30
Eurocup43
Champions League53
Europe Cup16

460 Spiele mit Beteiligung eines BBL-Teams gab es vom Saisonauftakt am 23. September bis zum dritten Finale am 11. Juni zu sehen. Das ergibt einen Schnitt von 1,76 Basketball-Spielen am Tag. In diesem Fall nicht nur eine Belastung für die Spieler, sondern auch für die Fans. Denn jedes dieser Spiele gab es live bei Telekom Basketball, DAZN oder als FIBA-Youtube-Stream zu sehen. Durch den Lizenzentzug für Phoenix Hagen nach elf Spieltagen fanden außerdem 23 angesetzte BBL-Spiele am Ende nicht mehr statt.

Der Spieler in der easyCredit BBL mit der meisten Spielzeit, der nicht international gespielt hat, ist Braunschweigs Dyshawn Pierre mit 1050:33 Minuten. Jake Odum von s.Oliver Würzburg kam als zweiter Nicht-Internationaler auf über 1000 Spielminuten. Es folgten Nate Linhart (993:49 + 25:40 Pokal-Qualifikation), Cameron Wells (990:58), Jared Jordan (950:50), Jordan Hulls (941:24), Quincy Diggs (927:48), Trey Lewis (921:58 + 19:52) und Immanuel McElroy (921:00). Ein BBL-Schlüsselspieler kommt bei den kleineren Teams also pro Saison auf knapp 1000 Minuten und absolviert alle sechs bis sieben Tage ein Spiel.

Zum Vergleich, wie es bei den internationalen Teams aussieht, seien mit Brose Bamberg, dem FC Bayern Basketball, den EWE Baskets Oldenburg und den Telekom Baskets Bonn je eine Mannschaft aus den vier verschiedenen internationalen Wettbewerben herangezogen. Davon habe ich die fünf Importspieler und die beiden Deutschen mit den meisten Minuten ausgewählt.

 

Belastungen

Mit Bambergs Dauerbrennern Nicolo Melli, Darius Miller und Fabien Causeur kann in dieser kleinen Stichprobe außer den Oldenburgern Rickey Paulding und Chris Kramer keiner mithalten. Die beiden Baskets-Arbeitstiere sind allerdings auch außergewöhnlich lange auf dem Feld. Die Wahrscheinlichkeit für Müdigkeit von ihnen oder den drei Bambergern ist also alleine schon aus den Zahlen ableitbar. Die weiteren Leistungsträger kommen jedoch auf ähnliche Gesamtminuten wie andere Spieler, die international ranmussten. Deutlich wird hierbei auch, dass Bambergs Daniel Theis, Nikos Zisis oder Patrick Heckmann von der gesamten Zeit im ähnlichen Bereich wie die Bayern oder Bonner liegen, doch dafür deutlich mehr Spiele gebraucht haben. Die Bamberger haben öfters gespielt, aber dafür dann pro Spiel nicht so viel wie die Schlüsselspieler anderer Teams.

Haben die anderen EuroLeague-Teams ähnlich hohe Belastungen?

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Konkurrenz in der EuroLeague. Wie gehen andere Ligen und andere Teams mit der Problematik der vielen Spiele um? Als erstes Beispiel sei Real Madrid aus der europäischen Vorzeigeliga ACB herangezogen. Auch die spanische Liga hat in der vergangenen Saison mit 17 Teams gespielt, Madrid hat als Pokalsieger drei Runden gespielt und zehn Spiele in den Playoffs absolviert. Einzig die EuroLeague-Saison ging für die Königlichen länger und brachte fünf Spiele mehr als sie Bamberg hatte. Zum Vergleich innerhalb Spaniens: Meister und Eurocup-Vize Valencia hatte im Eurocup nur 23 Spiele und kam über die gesamte Saison auf 69 Partien.

Belastungen

Beide Mannschaften haben ein ähnliches Bild, was die Minutenverteilung über die gesamte Spielzeit angeht. Sergio Llull war bei den Spaniern der wichtigste Spieler in dieser Saison und somit auch mit Abstand am längsten auf dem Parkett. Für Bambergs Dreierpack Melli, Miller, Causeur gab es dann allerdings mehr Spielzeit als für den Rest der Madrilenen. Während Bamberg neun Spielern mehr als 990 Minuten gegeben hat, war die Stammrotation bei Madrid zehn Spieler umfassend. Die Franken haben dafür insgesamt zwei Spieler mehr eingesetzt und mit am Ende neun Ausländern in der BBL auch mehr rotiert. Signifikante Unterschiede sind allerdings nicht festzustellen.

 

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Auch bei drei anderen EuroLeague-Teams gibt es keine größeren Abweichungen bezüglich der Rotation in dieser Premierensaison. CSKA Moskau hat es bis ins Halbfinale geschafft, aber insgesamt weniger Spiele gemacht, da die VTB nur mit 13 Mannschaften spielt. Bei den Russen ist beachtlich, dass nur die Guards Nando De Colo, Milos Teodosic und Aaron Jackson über 20 Minuten im Schnitt gespielt haben. Dafür kommen insgesamt 12 Spieler auf über zehn Minuten pro Einsatz, die alle weit mehr als die Hälfte der Partien absolviert haben. Für das Team von Isaiah Hartenstein war die Saison in der EuroLeague genauso früh vorbei wie für Bamberg, doch in der litauischen Liga spielen die zehn Mannschaften eine doppelte Hauptrunde. Daher hat Zalgiris mehr Spiele absolviert als der deutsche Meister. Bei den Minuten sieht die Verteilung sehr ähnlich aus. Die Litauer haben ihre Spieler bei mehr Spielen etwas kürzer eingesetzt, nur fünf Spieler bewegten sich zwischen 20 und 23 Minuten pro Spiel.

In Griechenland spielt die Basket League mit 14 Mannschaften, weshalb Panathinaikos auch etwas weniger Spiele hatte als Brose Bamberg. Auf die Minuten wirkt sich dies allerdings wenig aus, denn auch bei den Athenern spielten zwei Spieler über 1700 Minuten. Auffällig dabei ist, dass nur sieben Athleten die Marke von 1000 Minuten erreicht haben. Ein kurzer Blick über den Teich sei an dieser Stelle noch angebracht, auch wenn sich NBA- und FIBA-Basketball von ihrer Intensität schwer vergleichen lassen. Dennis Schröder stand für die Atlanta Hawks in dieser Saison am längsten auf dem Parkett. Der ehemalige Braunschweiger spielte 2700 Minuten aufgeteilt auf 85 Partien.

Fazit

Es war eine lange Saison für alle Basketball-Fans und vor allem für die Teams aus der EuroLeague. Viele Spieler sind über viele Wochen zweimal pro Woche im Einsatz gewesen und haben dabei 20 oder mehr Minuten gespielt. Brose Bamberg ist dabei umgerechnet noch anderthalbmal um die Erde gereist. Neben der körperlichen Belastung von 70 bis 80 Spielen kommt auch noch der mentale Stress hinzu. Dass sich die Profis jetzt einen erholsamen Urlaub verdient haben ist da selbstverständlich.

Rein auf die Spielzeit bezogen hat sich die Mehrbelastung im Vergleich zum Vorjahr in Grenzen gehalten. Sechs Spiele mehr für den deutschen Meister, doch die Spieler hatten dabei etwas weniger Spielzeit pro Partie. Je nach Spielverlauf, Bamberg hatte ja viele deutliche Spiele in der BBL, kann in der Zukunft den Spitzenspielern in solchen Partien noch mehr Schonung zu Teil werden. Aber auch im Vergleich mit anderen BBL-Teams waren Bambergs Spieler nicht in hohem Maße mehr auf dem Feld.

Die nicht zu leugnende hohe Belastung für alle Spieler, die auf mehr als nur einer Hochzeit tanzen, scheint den Zahlen nach noch in einem erträglichen Rahmen. Sollten einzelne Spieler an ihre Limits kommen, müssen die Teams vielleicht auch einfach über einen Spieler mehr in der festen Rotation nachdenken. Gerade das neue EuroLeague-Format hat so viel Spaß gemacht, da sind sechs Spiele mehr als im Vorjahr ein kleiner Preis. Auch die anderen europäischen Wettbewerbe waren spannend und haben tollen Sport geboten.

Brose Bamberg im nationalen und internationalen Vergleich
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