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82 Spiele und DNP-Rests – Ist die NBA-Saison zu lang?

11.04.2017 || 16:07 Uhr von: ,
„In your face“ ist das Diskussionsformat der basketball.de-Lineup. Die These diesmal: Die NBA Regular Season ist zu lang und DNP-Rests schaden der Liga.

These 1: „DNP-Rests schaden der Liga!“

Louis Richter

Wenig wird zurzeit heftiger diskutiert als Superstars, die per DNP geschont werden. Und dann auch noch bei Spielen, die im nationalen TV übertragen werden, ach du Schreck! Versteh‘ mich nicht falsch, ich bin mir bewusst, dass NBA-Spieler vor allem monetär ein äußerst privilegiertes Leben führen und sie für ihr Geld dementsprechend auch arbeiten sollen. Auch ich leide mit Fans, die mehrere hundert Dollar ausgeben um ihrem Lieblingsspieler dann beim Witze reißen auf der Bank zuzusehen. Aber das Problem an der ganzen Sache ist doch nicht der Umstand, dass ein Spieler gerade bei einem TV-Spiel aussetzt, sondern dass der Spielplan die Franchise oder den Spieler selbst quasi dazu zwingt, Ruhepausen einlegen zu müssen. Das Problem beginnt bei der Wurzel, nicht in der Baumkrone.

Schauen wir uns LeBron James an. Der King stand mehr als 37 Minuten pro Partie auf dem Platz, was eine Gesamtminutenanzahl von mehr als 2700 gespielten Minuten ergibt. Kombiniert man das mit einer Usage Rate von knapp 30 Prozent, ist schnell klar, was eh klar ist: Der Mann spielt an der absoluten Belastungsgrenze. Hochleistungssportler hin oder her, der Spielplan der NBA, gepaart mit etlichen Stunden Reisezeit, Zeitumstellung, Presseterminen usw., ist knallhart. Will man eine Verletzung seines Superstars, und davon hatten wir in der laufenden Saison ja wirklich genug, bei diesem Pensum verhindern, bleibt meiner Meinung nach nur eine Lösung: Pausen einlegen.

Im vergangenen Jahr standen lediglich James Harden, Al-Farouq Aminu, Al Horford, Robin Lopez, Mason Plumlee und Kart-Anthony Towns in allen 82 Saisonspielen von Beginn an auf dem Court. Natürlich spielt hier auch mit rein, dass Teams tanken und sich Spieler verletzen. Dennoch zeigt diese extrem geringe Zahl, wie vorsichtig Franchises auf Grund des Spielplans mit ihren Spielern umgehen. Wie blickst du auf diese Thematik?

Simon Wisser

Aus meiner Sicht wurde das Thema „DNP-Rests“ total überhöht. Das Aussetzen von Stars war vor allem auch deswegen in den Schlagzeilen, weil es in zwei Top-Partien an zwei aufeinander folgenden Samstagen zur Prime-Time auf ABC passierte (San Antonio – Golden State, LA Clippers – Cleveland). Hätte es sich um zwei nicht so hochkarätige Spiele an einem anderen Tag zu einer anderen Uhrzeit gehandelt, ich bin mir sicher, es hätte die Diskussion in einem solchen Ausmaß nie gegeben.

Zudem ist diese Debatte ziemlich heuchlerisch. Gregg Popovich, Headcoach der San Antonio Spurs, schont schon seit einigen Jahren seine wichtigsten Spieler. Er war es auch, der vor fast genau fünf Jahren „DNP-OLD“ als Grund für Tim Duncans Inaktivität auf den Spielerbogen schrieb bzw. schreiben ließ. Popovich gab sich also nicht einmal die Mühe, die Pausen seiner einsatzfähigen Spieler mit vorgetäuschten Verletzungen zu rechtfertigen. Teilweise schickte „Pop“ seine drei oder vier besten Akteure während langer Roadtrips vorzeitig nach Hause oder ließ sie bei kurzen Reisen gar ganz zu Hause.

Als Reaktion kamen von Seiten der meisten Beobachter keine Wellen der Empörung, sondern Lobgesänge. „Wie clever von den Spurs“, war da zu hören oder auch: „Was für ein Genie dieser Popovich doch ist.“ Keinen hatte es gestört – bis auf die NBA mit dem damaligen Commissioner David Stern, der die Franchise für solche Delikte stets mit Geldstrafen belegte.

Foto: Spurs-Coach Gregg Popovich

Um eine Aussage darüber zu treffen, ob das Aussetzen der Liga schadet, müsste man die TV-Quoten der Spiele überprüfen, wo die Stars ausgesetzt haben. Der sportlichen Qualität in der NBA schaden die „DNPs“ aber definitiv nicht. Lieber schont man stark belastete oder angeschlagene Spieler (zum Beispiel bei Back-to-Backs oder dem vierten Spiel in fünf Tagen), anstatt dass sie sich verletzen und länger ausfallen.

Auch bessere Leistungen in den Playoffs können ein Ergebnis sein. Erst kürzlich hat sich Steve Nash zu dem Thema geäußert und zugegeben, dass er in den Playoffs immer müde gewesen war und ein paar Pausen hätte gebrauchen können. Natürlich ist es verständlich, dass Fans und Fernsehanstalten frustriert sind. Im Sinne der Qualität des Wettbewerbs sind solche Maßnahmen jedoch nur zu begrüßen.

These 2: „Die reguläre Saison ist zu lang!“

Louis Richter

Und genau darum geht es doch, oder? Um die Qualität des Wettbewerbs, welche zeitgleich auch über die sportliche Relevanz der Liga bestimmt. Denn was ist so eine Niederlage in der regulären Saison eigentlich wert? Wie dramatisch ist es überhaupt, auf einem Westküsten-Roadtrip fünf Packungen in Folge mit in den Flieger zu nehmen? Eine der beliebtesten Standard-Antworten jedes NBA-Spielers birgt im Kern nämlich ein Riesenproblem: Natürlich ist es nicht schlimm, ein oder zwei Spiele zu verlieren, da bereits in den nächsten Tagen die nächsten Spiele auf dem Programm stehen. Eine Niederlage bedeutet erst einmal gar nichts. Wenn die Spurs mal zuhause gegen die Lakers ausrutschen? Macht nichts. Die vielen mysteriösen Niederlagen der Cavaliers? Nicht wirklich schlimm, gibt ja genügend Spiele, um die Siege wieder reinzuholen. Ein Umstand, der auch für die sportliche Qualität auf dem Parkett fatale Folgen hat.

Es ist kein Geheimnis, dass man sich den Basketball im November und frühen Dezember oft nur mit einem zugedrückten Auge angucken kann. Der Grund dafür: Die Teams sehen keine Notwendigkeit, zu diesem Zeitpunkt zwangsweise schon auf ihrem bestmöglichen Level spielen zu müssen. Warum am Anfang der Saison in jedem Training ans Limit gehen? Wieso in der zweiten Woche bei 20 Punkten Rückstand im dritten Viertel nochmal alles raushauen? Teams und ihre Spieler sparen oftmals lieber ihre Kräfte, was bei eben jenen 82 Spielen (leider) auch irgendwo nachzuvollziehen ist.

Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich mir zu Beginn der Saison wie ein Verrückter von jedem Spiel die ausgedehnten Highlights samt Boxscore reinfahre. Ab Anfang Februar nimmt die Begeisterung jedoch stetig ab, weil die NBA schlichtweg zu viel (irrelevanten) Basketball anbietet. Erinnert sich noch irgendwer an den Auswärtssieg der Knicks bei den Magic Anfang März? Wer denkt nicht mit Gänsehaut an den Suns-Heimsieg über die Bulls am 10. Februar zurück? Spaß beiseite. Das Problem ist: Die NBA vermarktet und sieht sich als Premiumprodukt. Jedoch macht sich die Liga einen Strich durch die Rechnung, indem sie von allem zu viel anbietet. Auch vom leckersten Gericht im Fünf-Sterne-Restaurant bleibt ein fader Beigeschmack in Erinnerung, wenn die Vorspeise und die Beilagen nicht auf den Punkt stimmen.

Natürlich ist eine Aufholjagd, wie sie die Miami Heat in dieser Saison hingelegt haben, spektakulär. Noch spektakulärer: Spiele mit Do or Die-Charakter, in denen jeder Wurf und jeder Ballverlust entscheidend sein kann. Spiele, die für die unmittelbare Zukunft einer Franchise wirklich relevant sind. Warum ist der Hype rund um die NFL und die Stimmung in den Stadien schon während der regulären Saison auf einem Level, das die NBA frühestens ab Anfang der Playoffs erreicht? Weil jedes der 16 regulären Saisonspiele wirklich zählt. Erfolgsrezept: Knappheit statt Überangebot.

Wenn die NBA in Zukunft keine Superstars in Anzügen, egal ob verletzt oder pausierend, auf den Ersatzbänken sehen möchte, muss sie den Teams entgegenkommen. Anstatt die Saison, wie von NBA-Commissioner Adam Silver vorgeschlagen, auszudehnen und zwischen die 82 Spiele mehr Ruhetage einzufügen, muss ein klarer Schnitt gesetzt werden. Spieler profitieren vom geringeren Verletzungsrisiko und von niedrigerer Belastung. Fans profitieren auf Grund von Spielen mit mehr sportlicher Relevanz und von einer vermutlich höheren Qualität auf dem Court. Sofern die NBA die sportlichen Aspekte über potentielle finanzielle Gewinne einordnet, gibt es meiner Meinung nach keine andere Lösung.

Simon Wisser

Du sprichst zu Recht die Argumente aus sportlicher- und Fan-Sicht an. Dort kann ich dir auch nur schwer widersprechen. Was allerdings bislang vernachlässigt wurde, ist der Business-Aspekt. Viele wird das ärgern, aber das Geschäft gehört nun einmal dazu. Wenn eine Kürzung der regulären Saison umgesetzt werden soll, funktioniert dies nur mit dem Einverständnis der Besitzer. Und für die gilt halt (mehrheitlich) „Quantity first“ statt „Quality first“. Und dafür gibt es vor allem einen Grund: Geld.

Weniger Spiele in der regulären Saison würden nämlich auch weniger Heimspiele bedeuten, durch die die Franchises hohe Einnahmen generieren. Wie viel die Teams tatsächlich bei einem Heimspiel verdienen, ist nicht bekannt. Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von mehr als 80 Dollar, einer Arena-Kapazität von etwa 20.000 Zuschauern und zusätzlichen Einnahmen durch Parkgebühren sowie den Verkauf von Speisen, Getränken und Fanartikeln kommt man allerdings sicherlich auf zwei bis zweieinhalb Millionen Dollar. Nun werden Fans verständlicherweise protestieren, dass die Eigentümer, die häufig Milliardäre sind, solche Summen nicht kümmern sollten. Doch einfach so auf dem Tisch wollen sie das Geld dann doch nicht liegen lassen. Würdet ihr ja auch nicht, oder?

Wesentlich wären auch die Verluste an Geldern durch Fernsehen und Radio, die laut Brian Windhorst von ESPN etwa 40 Prozent der gesamten Einnahmen ausmachen. Nicht nur die Verträge mit den nationalen TV-Anstalten, auch die mit den lokalen Sendern müssten überarbeitet werden. Schließlich würden jene nicht einsehen, genauso viel Geld für weniger Spiele zahlen zu müssen.

Foto: NBA-Commissioner Adam Silver

Doch nicht nur die Besitzer wären von monetären Einbußen betroffen, sondern auch die Spieler. All die genannten Einnahmequellen fließen in das „Basketball Related Income“ (BRI) ein. Laut CBA, dem Tarifvertrag zwischen den Besitzern und der Spielergewerkschaft, bekommen die Spieler 51 Prozent vom großen Kuchen und die Eigentümer 49. Weniger Einnahmen würden somit eventuell auch Einfluss auf die Höhe des Salary Cap haben, da nicht mehr so viel Geld zur Verteilung an die Spieler zur Verfügung stände wie vorher.

Dass alle Beteiligten freiwillig auf diese Einnahmen verzichten, ist höchst unwahrscheinlich. Somit muss die NBA andere Bemühungen anstellen, um den Spielplan so gut wie möglich zu entzerren. Und das hat sie in den letzten Jahren schon kontinuierlich getan. In der laufenden Saison müssen nur noch 70 Prozent der Teams maximal einmal vier Spiele in fünf Tagen bestreiten. Vor zwei Jahren waren es noch bis zu vier von diesen „Höllen-Trips“ pro Mannschaft. Die Gesamtzahl dieser „Vier-in-Fünf’s“ wurde im Vergleich zur Spielzeit 2014/15 um 71 und im Vergleich zur Vorsaison um 26 Prozent verringert. Auch die Anzahl von Back-to-Backs wurde deutlich reduziert. 2014/15 mussten Mannschaften noch 16- bis 22-mal an zwei aufeinander folgenden Tagen antreten. In dieser Saison sind es „nur“ noch 14 bis 18 pro Team, also immerhin ein Minus von 16 Prozent. Die aktuelle Saison ist die Spielzeit mit so wenigen Back-to-Backs und „Vier-in-Fünf’s“ wie nie zuvor in der NBA-Geschichte.

Und die Ligaverantwortlichen stellen weitere Bemühungen an, den Spielplan für die Teams freundlicher zu gestalten. 2017/18 wird der Saisonstart um zehn bis zwölf Tage vorgezogen werden, was erneut für weniger Spiele an aufeinander folgenden Tagen sorgen wird. Die NBA ist also auf einem guten Weg, den Stars mehr Ruhepausen zu schaffen. Dies wird in Zukunft zu weniger „DNP-Rests“ und einer höheren Qualität auf dem Court sorgen – auch ohne die Gesamtzahl der Spiele zu verringern. Ganz wird man diese aber ohnehin nie verhindern können, selbst bei einer Reduzierung der Hauptrunde auf 70 oder noch weniger Begegnungen pro Team. Die Top-Teams werden immer den Fokus auf die Playoffs legen und ihre Stars bei den kleinsten Anzeichen von Überlastung sofort aussetzen lassen – auch wenn dies nicht jedem Fan gefallen wird.

82 Spiele und DNP-Rests – Ist die NBA-Saison zu lang?
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