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Großer gegen kleiner Bruder

15.05.2016 || 16:16 Uhr von:
Mit dem Euroleague-Finale zwischen Fenerbahce Istanbul und CSKA Moskau kommt es auch zum Aufeinandertreffen zweier langjähriger Weggefährten: den Coaches Zeljko Obradovic und Dimitrios Itoudis.

Man kann sich die beiden gut als Trainergespann vorstellen. Auf der Pressekonferenz vor dem Euroleague-Finale zwischen Fenerbahce Istanbul und CSKA Moskau sitzen Zeljko Obradovic und Dimitrios Itoudis Seite an Seite.

Auf der einen Obradovic, den eine gewisse Aura umgibt, der die PK – wie es zu einer Trainerlegende passt – bestimmt und der Fragen des Öfteren mit einem witzigen, teils auch selbstironischen Unterton beantwortet. Ganz anders sein Auftreten an der Seitenlinie, an der er emotional – wie es bei Obradovic-Coaches wohl sein muss – früh auf Betriebstemperatur kommt und Andrea Trinchieri aussehen lässt wie einen erloschenen Vulkan.

Auf der anderen Itoudis, der auch sonst in seinem Auftreten sehr professionell herkommt, sich sprachgewandt zeigt und den basketballdetailreichen Fragen offen gegenübersteht.

13 Jahre lang arbeiteten die beiden Finaltrainer bei Panathinaikos Athen zusammen und feierten unter anderem fünf Euroleague-Titel – Obradovic als Head-, Itoudis als Assistant Coach. Nun stehen sie sich mit CSKA und Fenerbahce im Endspiel um den Euroleague-Titel gegenüber.

Ob sie denn zu Saisonbeginn erwartet hätten, dass sie sich am Ende der Saison auf der großen Bühne wiedersehen würden, werden sie gefragt: „Wir haben während der Saisonvorbereitung miteinander gesprochen und gesagt, klar, wir sehen uns in den Finals“, legt Zeljko Obradovic mit ironischem Unterton vor. So sehr der 56-Jährige als Trainerlegende gilt und so stark der Kader Fenerbahces auch individuell sein mag, war der Weg Istanbuls bis nach Berlin kein Selbstläufer: Erst zum zweiten Mal steht Fenerbahce im Final Four.

Dennoch haben sich, das hat der Saisonverlauf gezeigt, die beiden stärksten Teams für das Endspiel qualifiziert. Und somit muss man auch vorsichtig sein, das immer wieder zitierte Trainerduell als das zwischen Lehrmeister und Lehrling abzutun.

„Ich habe Itoudis nie als Assistant Coach behandelt – es war ein spezielleres Verhältnis, es war mehr“, macht Obradovic auf der PK deutlich. „Er machte mich mit seinen Anliegen während des Spiels immer verrückt“, erinnert sich Fenerbahces Coach weiter – ein Beweis für das Mitspracherecht Itoudis‘ und das gleichwertige Verhältnis.

Das sieht auch Patrick Femerling so. Der deutsche Rekordnationalspieler absolvierte zwei Spielzeiten bei Panathinaikos Athen und erinnert sich im Gespräch mit basketball.de: „Es war wirklich eine Zusammenarbeit zwischen den beiden. Natürlich war Zeljko der Head Coach, aber Itoudis hat sehr viel Verantwortung übernommen – und das wurde auch von Zeljko so angedacht, denke ich.“

Somit verwundert es Femerling auch nicht, dass Itoudis nun als Head Coach erneut im Endspiel steht. „Das hat sich schon abgezeichnet, weil er ein bestimmtes Auftreten, eine bestimmte Dominanz hat. Dass er das Zeug dazu hat, hat man damals schon gesehen.“

Bei all dem menschlichen Verhältnis scheint das sportliche umso spannender. Coaches holen sich Einflüsse von überall, ligaübergreifend und somit von vielen Trainerkollegen. Dennoch: Bei einer 13-jährigen Zusammenarbeit – wie kann man dem Gegenüber mit etwas aus seinem Playbook denn noch überraschen, möchte basketball.de am Tag vor dem Endspiel beim Medientraining von Dimitrios Itoudis wissen:

„Zeljkos Playbook und meines sind wirklich lang, richtig umfassend. Ich denke, er hat so 70, 75 Optionen – wir liegen bei 76, 78“, erklärt Itoudis. „Natürlich muss man daraus etwas auswählen. Man kann nicht in ein Spiel gehen und 78 Optionen durchgehen. Aber zu jeder Zeit kommt etwas neues hinzu: bei einer Auszeit, in den ersten beiden Angriffen.“

Doch das kann natürlich nicht allein vom Coach abhängen, sondern liegt auch an den Spielern: „Es gibt also immer Platz für Überraschungen – vorausgesetzt, die Spieler können die Situationen richtig lesen. Am Ende geht es um das Kreieren und um das Spacing“, macht Itoudis deutlich.

Das Endspiel zwischen Fenerbahce und CSKA mag dann doch was vom Lehrmeister haben – denn es könnte einem Schachspiel gleichkommen, das von den Kniffen der beiden Coaches bestimmt werden wird.

Auf der Pressekonferenz vor dem Finale blickt Itoudis noch einmal auf die gemeinsame Vergangenheit zurück. „Nach dem Euroleague-Titel 2002 gab es einen emotionalen Moment, in dem wir für zehn, 15 Minuten alleine in der Kabine waren und Zeljko mir gesagt hat, wie sehr er unsere Beziehung wertschätzt.“ Am Sonntagabend werden diese Emotionen aber unterschiedlicher kaum sein können, wenn einer der beiden Coaches den anderen Schachmatt setzen wird.

Großer gegen kleiner Bruder
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