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NCAA Basketball und March Madness erklärt

Jedes Jahr im März herrscht in den USA die „March Madness“ im NCAA Basketball; denn dann spielen die besten College-Basketball-Mannschaften des Landes um die Krone der „National Collegiate Basketball Association“ (NCAA). Und nicht zuletzt dank der jüngsten Erfolge der Deutschen Niels Giffey (jetzt ALBA Berlin), Enosch Wolf (jetzt Kirchheim Knights) und Leon Tolksdorf (jetzt American University), die mit der University of Connecticut 2011 (Giffey und Wolf) und 2014 (Giffey und Tolksdorf) den NCAA-Titel gewannen, sowie der zunehmenden Verfügbarkeit von College-Spielen im Internet und TV, steigt auch hierzulande das Interesse an den Stars von morgen. Dennoch: Alleine die NCAA Division I mit ihren 351 Teams und 32 Conferences stellt gerade College-Einsteiger, aber auch langjährige Fans, immer wieder vor Fragezeichen. Deshalb versorgt basketball.de alle NCAA-Interessierte mit den wichtigsten Infos rund um den US-amerikanischen Hochschulbasketball.

Von der Highschool ans College

Kevin Garnett, Kobe Bryant, LeBron James – dies sind nur die berühmtesten von zahlreichen Spielern, die ohne College-Besuch direkt von der Highschool in die NBA wechselten. Seit 2005 muss zwischen Schulabschluss und NBA jedoch mindestens ein Jahr liegen, sodass die große Mehrheit der Nachwuchsspieler nun wieder in der NCAA aufläuft. Ausnahmen wie Brandon Jennings, Jeremy Tyler und Emmanuel Mudiay, die zwischen Schule und NBA kurzzeitig als Profis im Ausland aktiv waren, bestätigen die Regel.

Die Top-Talente werden teilweise bereits im zarten Alter von 14 oder 15 Jahren von US-Hochschulen rekrutiert, ab dem dritten Highschool-Jahr dürfen die College-Coaches telefonisch Kontakt aufnehmen. Dabei ist jedoch zwischen solchen Phasen zu unterscheiden, in denen lediglich schriftlicher und telefonischer Kontakt erlaubt ist, und solchen, in denen auch persönliche Treffen auf und außerhalb des Campus zulässig sind. Bereits jüngere Spieler können der Uni ihrer Wahl dabei eine nicht-bindende Zusage („verbal commitment“) geben, wohingegen sie den schriftlichen – und somit verbindlichen – „National Letter of Intent“ erst im Laufe der Senior-Saison unterzeichnen können. Dies ist während zwei offiziellen „signing periods“ Mitte November sowie Mitte April bis Mitte Mai möglich.

Dabei haben die Highschool-Spieler die Wahl zwischen fast 2.000 College-Basketball-Mannschaften, die in der National Collegiate Athletic Association (NCAA), National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA), National Junior College Athletic Association (NJCAA) oder anderen Verbändenorganisiert sind. Besonders renommiert ist die NCAA Division I, die zuletzt 351 Mannschaften und fast 5.500 männliche Athleten zählte. Zwar dürfen College-Spieler für ihre Tätigkeit (noch) nicht entlohnt werden, doch mit Ausnahme der Eliteunis der Ivy League und der Patriot League bieten alle Hochschulen in der NCAA Division I bis zu 13 Stipendien („scholarships“) an. Jene Spieler, die kein Stipendium erhalten, werden als „Walk-on“ bezeichnet.

351 Teams, 32 Conferences – die NCAA Division I

Obwohl in der NCAA bereits die besten 351 von insgesamt rund 2.000 College-Basketball-Mannschaften antreten, existieren auch hier teils gigantische Unterschiede in Bezug auf die Stärke und das Renommee der Teams sowie der 32 Conferences, in denen diese organisiert sind. Wenngleich eine solche Differenzierung nicht offiziell vorgenommen wird, unterscheiden Medien und Fans gemeinhin zwischen den stärksten Conferences („high-majors“), den mittelstarken Conferences („mid-majors“) und den schwächeren Conferences („low-majors“). Die genaue Zuordnung der 32 Conferences in diese drei Kategorien unterscheidet sich zwar je nach Definition und Sichtweise, und in einzelnen Jahren können klassische „mid-major“-Ligen stärker sein als einzelne „high-major“-Ligen. Dennoch soll die Landkarte der NCAA Division I anhand dieser groben Aufteilung illustriert werden.

Sowohl im College-Football als auch im College-Basketball gibt es die so genannten „Power Five“, die in Sachen Stärke und Aufmerksamkeit eindeutig das Sigel „high-major” verdienen: die Atlantic Coast Conference (ACC) mit Schwerpunkt im Osten des Landes, die Big Ten Conference (Big Ten) im Mittleren Westen, die Big-12 Conference (Big-12) im Süden und Zentrum der USA, die Pacific-12 Conference (Pac-12) im Westen sowie die Southeastern Conference (SEC) im Südosten. Sie locken regelmäßig die besten Spieler, die meisten Fans und die zahlungskräftigsten Sponsoren und Medienpartner an und bilden den Großteil der NBA-Spieler aus.

Dabei gab es bis 2013 noch eine sechste Kraft, die in einem Atemzug mit den „Power Five“ genannt wurde: die Big East Conference. Diese existiert zwar weiterhin, doch nur mit sieben der 15 damaligen Mitglieder; fünf schlossen sich anderen Conferences an, während die übrigen drei zu den Gründungsmitgliedern der American Athletic Conference zählten. Dennoch seien auch diese beiden Ligen auf der ausführlichen Infoseite zu den Top-Conferences vorgestellt.

Dass auch die „mid-majors“ trotz geringerer Aufmerksamkeit guten Basketball spielen, beweisen regelmäßig die Mannschaften der Mountain West Conference (z.B. UNLV, New Mexico und San Diego State), Atlantic-10 Conference (z.B. Dayton, Saint Louis und VCU), West Coast Conference (z.B. Gonzaga, Saint Mary’s und BYU), Missouri Valley Conference (z.B. Wichita State und Northern Iowa) oder der Ohio Valley Conference (z.B. Murray State). Kleine Unis wie Butler, Creighton oder Memphis konnte sich mit ihren Leistungen sogar für höherklassige Conferences empfehlen, denn auch der Wechsel zwischen einzelnen Conferences – sei es aus finanziellen oder sportlichen Anreizen – ist in der NCAA gang und gäbe.

Und gerade die „mid-majors“ und „low-majors“ stellen Jahr für Jahr das Salz in der College-Basketball-Suppe dar, wenn es darum geht, im NCAA-Tournament die vermeintlich Großen zu ärgern. So war es kein Geringerer als NBA-MVP Stephen Curry, der die wenig bekannten Davidson Wildcats (Southern Conference) 2008 bis ins Viertelfinale der College-Meisterschaft führte. Und auch andere Spieler wie Damian Lilliard, C.J. McCollum oder Elfrid Payton schafften in den letzten Jahren den Sprung vom „low-major“ zum NBA-Lottery-Pick. Zudem sind gerade deutsche College-Spieler häufig bei mid- oder low-majors anzutreffen. Bestes Beispiel: Nationalspieler Maodo Lo, der zu den besten Spielern der – zumindest sportlich – zweitklassigen Ivy League zählt.

Die Saison im NCAA Basketball

Die NCAA-Saison besteht grob gesagt aus zwei Hälften: In der „non-conference season“ spielen die 351 Teams der NCAA Division I gegen jene Mannschaften, die nicht derselben Conference angehören, entweder in Form einzelner Spiele oder so genannter „early-season tournaments“ wie dem „Maui Invitational“ auf Hawaii, dem „Battle 4 Atlantis“ auf den Bahamas oder dem „Champions Classic“ in Chicago. Hinzu kommen wiederkehrende Veranstaltungen wie die „ACC-Big Ten Challenge“, bei der die Mannschaften der ACC und Big Ten gegeneinander antreten.

In der „conference season“, die in etwa von Anfang Januar bis Anfang März andauert, werden die 32 Conference-Meister ermittelt. Doch auch hier gibt es Unterschiede: Während beispielsweise die Big-12 mit ihren zehn Mannschaften einen „balanced schedule“ (Hin- und Rückspiel) austrägt, treffen in der ACC manche der 15 Mitglieder nur einmal pro Saison aufeinander („unbalanced schedule“). Am Ende tragen 31 von 32 Conferences kurze Conference-Tournaments aus, um den Meister zu ermitteln. Nur die Ivy League stellt diesbezüglich eine Ausnahme dar.

Der Höhepunkt der Saison ist jedoch ganz klar die „March Madness“ mit dem NCAA-Tournament – der Meisterschaftsrunde. Die 32 Conference-Champions sind hierfür direkt qualifiziert („automatic bids“). Hinzu kommen 36 sogenannte „at-large bids“, die von einem „Selection Committee“ vergeben und am sogenannten „Selection Sunday“ (nächstes Jahr am 13. März 2016) im Rahmen einer abendlichen Live-Übertragung verkündet werden.

Auf Grund der oben dargestellten Heterogenität der Teams und Conferences genießt das Komitee hier einen nennenswerten Entscheidungsspielraum. Dabei geht es vor allem darum, die Qualität der Siege und Niederlagen vergleichbar zu machen. Eine wichtige Kennzahl ist dabei beispielsweise die Härte des Spielplans („strength of schedule“), welche beurteilen soll, wie schwer eine Mannschaft ihren „non-conference schedule“ zusammengestellt hat und wie stark ihre Conference war. Mannschaften, die am Selection Sunday auf der Kippe stehen, werden „Bubble Teams“ genannt. Die meisten „at-large bids“ gehen dabei üblicherweise an die „high-majors“. So erhielten die „Power Five“ und die Big East im vergangenen März zusammen 29 der 36 vom Komitee vergebenen Startplätze.

Und so läuft die March Madness …

Das NCAA-Tournament beginnt am Dienstag und Mittwoch nach dem Selection Sunday mit dem sogenannten „First Four“, an dem die vier schwächsten „automatic qualifiers“ und die vier schwächsten „at-large teams“ teilnehmen. Die verbleibenden 64 Teams sind nun in einem Turnierbaum angeordnet, dem „Bracket“, welcher bereits am Selection Sunday vom Auswahlkomitee festgelegt worden ist. Dieser Baum umfasst vier – optimalerweise gleichstarke – Äste à 16 Mannschaften, die so genannten Regionen. In jeder Region werden die Mannschaften durch das Komitee von eins bis 16 durchnummeriert, wobei eins die stärkste und 16 die vermeintlich schwächste Mannschaft bezeichnet. In der ersten Runde, die am Donnerstag und Freitag stattfindet, treten nun #1 gegen #16, #2 gegen #15 und so weiter an. Je größer der zahlmäßige Unterschied, desto größer also die Blamage für den Favoriten im Fall einer Niederlage. Und während in der Turniergeschichte noch nie eine #1 gegen eine #16 verloren hat, verloren beispielsweise 2012 mit Duke und Missouri gleich zwei #2-Teams in der ersten Runde.

In der zweiten Runde (Samstag und Sonntag) trifft die #1 dann entweder auf die #8 oder #9, die #2 bzw. #15 auf die #7 oder #10 und so weiter, ehe am zweiten Turnierwochenende das Achtel- und Viertelfinale steigen – besser bekannt als „Sweet Sixteen“ und „Elite Eight“. Die vier Austragungsorte des zweiten Wochenendes sind übrigens namensgebend für die vier Regionen, die auch als East, South, West und Midwest Region bezeichnet werden. Die geographische Herkunft der Hochschule hat hingegen in der Regel keine Auswirkung auf die Region, in der diese antritt. Und wer aus seiner Region als Sieger hervorgeht, hat zumindest schon einmal einen kleinen Eintrag im Geschichtsbuch sicher: Denn dies bedeutet die Teilnahme am „Final Four“, dem Turnier der letzten Vier, welches stets am ersten April-Wochenende steigt. Dort schneidet dann, in der Nacht von Montag auf Dienstag, der neue College-Basketball-Meister die Netze ab. Einige der häufigsten und erfolgreichsten Final-Four-Teilnehmer ist hier zu finden.

Regeln

Doch nicht nur der NCAA-Spielplan unterscheidet sich gravierend von anderen Basketballligen; auch hinsichtlich der Spielregeln bestehen einige Unterschiede im Vergleich zur NBA oder FIBA, von denen die wichtigsten im Folgenden kurz aufgeführt werden sollen. Während Länge und Breite des Spielfelds sowie der Zone den NBA-Maßen entsprechen, ist die Entfernung der Dreierlinie mit 6,32 Metern geringer als in der NBA (6,70 bis 7,24 Meter) und der FIBA (6,60 bis 6,75 Meter). An das NBA-Niveau angepasst wurde im Sommer 2015 hingegen die Entfernung des korbnahen Halbkreises, der die „offensivfoulfreie Zone“ markiert und nun vier Fuß (1,22 Meter) vom Korb entfernt ist. Dadurch soll nicht nur die Anzahl der stets schwierig zu pfeifenden Offensiv-/ Defensiv-Foul-Situationen verringert werden; auch das Verletzungsrisiko soll dadurch sinken.

Noch offensichtlicher als die diversen Feldmaße ist wohl die Tatsache, dass anstatt viermal zwölf (NBA) bzw. viermal zehn (FIBA) Minuten in der NCAA zweimal 20 Minuten gespielt werden, wobei die Uhr nur in der letzten Minute der zweiten Halbzeit nach einem Korberfolg angehalten wird. Die Spieldauer hat auch Implikationen auf die Foulregeln:

Während in der NBA und FIBA die sogenannte Teamfoulgrenze ab dem fünften Foul eines Viertels überschritten ist, gibt es in der NCAA gleich zwei Grenzen je Halbzeit: Der bekannte „double bonus“, bei dem einem gefoulten Spieler auch dann zwei Freiwürfe zugesprochen werden, wenn ein Defensivfoul außerhalb einer Wurfaktion stattgefunden hat, greift ab dem zehnten Teamfoul einer Halbzeit (bei Offensivfouls gibt es jedoch nie Freiwürfe). Darüber hinaus kennt der College-Basketball die „one-and-one“-Regel. Dabei erhält ein Spieler, der abseits des Wurfs gefoult wird, ab dem siebten Teamfoul einen Freiwurf zugesprochen; doch nur wenn er diesen trifft, erhält er noch die Möglichkeit zu einem zweiten Freiwurf. Eine Verlängerung gilt hinsichtlich der Teamfouls übrigens als Erweiterung der zweiten Halbzeit, während das Limit für persönliche Fouls wie in der FIBA bei fünf liegt. Ein weiterer interessanter Freiwurf-Fakt: In der NCAA dürfen sich – neben den beiden Offensivspielern – vier Verteidiger am Zonenrand aufstellen, also einer mehr als in der NBA oder FIBA.

Einer der offensichtlichsten Regelunterschiede, und der vielleicht am stärksten diskutierte, ist die längere Wurfuhr. Während in der NBA und FIBA nach spätestens 24 Sekunden der Korbschluss erfolgen muss, betrug diese Zahl in der NCAA bislang 35 Sekunden, bevor sie im Sommer 2015 auf 30 Sekunden reduziert worden ist. Dadurch dürfte es für College-Teams nun schwerer werden, bei einem erfolglosen Spielzug noch ein weiteres „Play“ zu laufen, wie es bislang häufig der Fall war. Von der Regeländerung versprechen sich jedoch nicht nur Scouts eine leichtere Umstellung auf den schnelleren Profi-Basketball; vor allem die NCAA hofft auf mehr Ballbesitze, mehr Wurfchancen und mehr Punkte – denn in den letzten Jahren schadeten rückläufige Punkt- und Ballbesitzzahlen der Attraktivität des in vielerlei Hinsicht faszinierenden und spektakulären College-Basketballs.

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