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Wo kein Kläger, da kein Richter!

29.03.2017 || 11:08 Uhr von:
Die Wiha Panthers aus Schwenningen sorgen mit ihrem geplanten Vorgehen gegen die Ausländerregelung in der 2. Basketball-Bundesliga für Aufregung. Doch darf man dem Verein überhaupt einen Vorwurf machen oder liegt die Schuld nicht eher bei Liga und DBB?

Basketball-Deutschland ist empört: Da wagt doch tatsächlich ein Regionalliga-Klub aus Baden-Württemberg, das Konzept der 2. Basketball-Bundesliga umzuwerfen. Speziell geht es den Wiha Panthers Villingen-Schwenningen um die Ausländerregelung in der 2. Basketball-Bundesliga. Derzeit müssen in der ProB zu jeder Zeit des Spiels mindestens drei Deutsche auf dem Feld stehen; Deutsche – das heißt eben nicht EU-Bürger. Dies widerspricht nach Auffassung des ProB-Aufsteigers gegen geltendes Europarecht. Basketball-Deutschland empört sich streng genommen darüber, dass ein Klub auf Herstellung rechtskonformer Regelungen besteht. Allerdings ist auch die 2. Basketball-Bundesliga kein rechtsfreier Raum. Auch dort gelten die Gesetze – wie überall. Mag sein, dass die Quote ein gutes Instrument ist, um den deutschen Nachwuchs zu fördern. Nur bringt es wenig, wenn das gute Instrument nicht erlaubt ist.

Das Problem ist nicht neu!

Dass die aktuellen Regelungen zumindest europarechtlich kritisch sind, ist nicht neu. Bereits 2014 war exakt dieselbe Problematik in der 2. Basketball-Bundesliga der Damen ein Thema. Dort mussten ebenfalls zu jedem Zeitpunkt des Spiels mindestens drei Deutsche auf dem Feld stehen. Eine Klageandrohung hat dazu geführt, dass EU-Spielerinnen den deutschen Spielerinnen gleichgestellt wurden. Das dürfte auch der 2. Basketball-Bundesliga der Herren bekannt sein. Genügend Zeit also, um die aktuellen Regelungen auf rechtssichere Füße zu stellen. Allerdings war eine Neuregelung hier bisher nicht notwendig, denn:

Wo kein Kläger, da kein Richter.

Und auch jetzt:

„Der Vorstand wurde beauftragt die bisherige Ausländerregelung in der ProB nicht mehr anzuwenden und eine diskutierte Alternative im Rahmen einer kommenden Gesellschafterversammlung umzusetzen.“ Mitteilung der 2. Basketball Bundesliga vom 25.03.2017

Die bisherige Ausländerregelung wird nur auf die ProB nicht mehr angewandt. Die ProA ist davon laut Mitteilung noch nicht betroffen. Scheinbar wieder der Weg des geringsten Widerstandes! Die Wiha Panthers Villingen-Schwenningen haben meines Erachtens nach nur bezüglich der ProB-Regelungen ein sogenanntes Rechtsschutzbedürfnis. Gegen die ProA-Regelungen könnten sie dadurch nicht vorgehen.

Wie könnten Alternativen aussehen?

Zunächst einmal stelle ich mir die Frage, was die 2. Basketball-Bundesliga mit der Ausländerregelung bezwecken will. Ziel der Regelung ist meiner Auffassung nach die Förderung der deutschen Nachwuchsprogramme, auch um Talente für die deutsche Nationalmannschaft zu entwickeln. Ich könnte nun genügend Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit aufzählen, die nie eine Sekunde in der NBBL oder JBBL gespielt haben. Allerdings würde ich den Spielern damit Unrecht tun, denn ihnen ist kein Vorwurf zu machen. Sie nutzen die bestehenden Regelungen, wie sie jeder andere auch nutzen würde.

Vielleicht sollte man stattdessen darüber nachdenken, die bestehende Homegrown-Regelung (1) auszuweiten oder eine Mindestanzahl an Spielern festzulegen, welche die deutschen Nachwuchsprogramme durchlaufen haben müssen. Dies würde auch dem Ansinnen, die Nachwuchsprogramme zu fördern, gerechter werden. Ob das rechtskonform ist, müssen andere klären. Allerdings würde es die Teilnahmeberechtigung nicht an die Staatsbürgerschaft knüpfen und somit EU-Bürger nicht benachteiligen.

Und auch wenn die Regelung gänzlich entfallen würde und Spieler aus EU-Staaten den deutschen Spielern gleichgestellt werden würden, kann ich mir nicht vorstellen, dass es dann keine deutschen Spieler mehr in den Mannschaften geben würde. Aber natürlich müssten sich die deutschen Spieler dann auch gegen EU-Spieler behaupten. Ich denke, das sollte aber im Profi-Geschäft ohnehin gelten. Um deutsche Spieler konkurrenzfähig zu machen, ist ein gutes Nachwuchsprogramm unerlässlich.

Wenn es über die Quote nicht gefördert werden kann, muss die Liga sich andere Instrumente überlegen wie zum Beispiel die Verpflichtung für alle BBL-Teams, je eine Mannschaft in der NBBL und JBBL zu stellen oder die Verpflichtung, hauptamtliche Nachwuchstrainer zu beschäftigen. Solche Bedingungen bestehen bereits heute und sollten ausgeweitet werden. Vielleicht müssen die Standards (natürlich schrittweise und in abgeschwächter Form) auch bereits in Ligen unter der ProB eingeführt werden, sodass auch Regionalliga-Vereine eine Jugendmannschaft vorhalten müssen, um am Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen.

Fazit

Spätestens seit 2014 weiß die 2. Basketball-Bundesliga, dass ihre Ausländerregelung auf wackligen Füßen steht. Sie hatte also genug Zeit, sich über ein anderes Modell Gedanken zu machen. Für Viele sind die Wiha Panthers Villingen-Schwenningen die Buhmänner. Doch letztlich bringen sie nur den Stein ins Rollen, der schon viel früher ins Rollen gebracht hätte werden können. Die 2. Basketball-Bundesliga und der DBB sollten die Gelegenheit nutzen und agieren, statt nur zu reagieren, und die Förderung der Nachwuchsarbeit auf rechtssichere Füße stellen. Die Zukunft des Basketballs gilt es zu gestalten. Aktiv! #FuerDenSport


(1) = § 24 / 2. der Spiel- und Veranstaltungsordnung 2016/2017 der 2. Basketball-Bundesliga GmbH

2. Spieler, welche die nachstehenden genannten Bedingungen erfüllen, werden unter Berücksichtigung von Absatz 5 deutschen Spielern im Sinne des Art. 116 Grundgesetz gleichgestellt:
a) Wenn der Spieler vor Beantragung einer Spielerlizenz in der 2. Basketball-Bundesliga zwischen seinem 13. und 19. Lebensjahr durchgängig mindestens drei Spielzeiten für den beantragenden Herren-Bundesligisten bzw. seinen Kooperationspartner am Spielbetrieb des DBB oder seiner Gliederungen (z.B. Landesverband oder Kreis) teilgenommen hat und
b) wenn der Spieler bei dem Bundesligisten, für den er eine Spielerlizenz beantragt, bzw. dem finanziellen Träger des Jugendbereichs, für den er bereits eine Teilnahmeberechtigung im Jugendbereich besaß, einen mindestens zwei Jahre ununterbrochenen, gültigen Vertrag abgeschlossen hat. Kündigt der Spieler seinen Vertrag beim Bundesligisten vor Ablauf dieser Mindestausbildungszeit oder endet dieser aus Gründen, die der Spieler zu vertreten hat, entfällt dieser Status des Spielers ersatzlos.


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Liebe Wiha Panthers Schwenningen (MfG Simon)

Wo kein Kläger, da kein Richter!
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Lorenz2000
Lorenz2000 29. März 2017 um 14:31 Uhr

Sehr guter Artikel, der vor allem die Absurdität endlich auf den Punkt bringt, dass man sich in dem gesamten Sturm gegen Schwenningen eigentlich gegen geltendes Recht auflehnt. Ich sehe die Verantwortung auch bei der Liga. Inakzeptabel finde ich es, wenn gegen den geltendes Recht wahrnehmenden Verein geschossen wird.

SkylinersDominik
SkylinersDominik 29. März 2017 um 15:45 Uhr

Dieser Artikel gefällt mir auch viel besser als der, der Kategorie „MfG Simon“. Scheinbar seid ihr euch in der Redaktion selbst nicht einig, was eine Reform der Regelung unabdingbar macht. Es kann nicht sein, dass für den Sport andere Regelungen gelten als im „normalen“ Arbeitswesen.
Außerdem sehe ich in einer Modifizierung der Ausländerregelung hin zu einer „Home-grown-player“-Regelung nicht als Gefahr sondern als Chance für deutsche Spieler sich täglich mehr und mehr zu verbesser. Deutsche Talente gibt es dadurch nicht weniger, sie werden besser, da sie sich mit anderen EU-Talenten messen können und somit die Qualität für die Pro-B und anschließend auch die großen deutschen Vereine steigt.
Außerdem denke ich, dass die Clubs dennoch lieber Talente aus ihrer Umgebung ausbilden und in den Herren-Kader übernehmen, da so die Identifikation steigen kann und ich bezweifle, dass es tatsächliche deutsche Vereine geben wird, die vollständig auf EU-Ausländer setzen wird.

    Manuel
    Manuel 29. März 2017 um 16:28 Uhr

    Selbstverständlich können unsere Autoren innerhalb der Redaktion unterschiedlicher Meinung sein, das ist doch ganz natürlich und das erhoffen wir uns auch. Es wäre doch langweilig, wenn jeder die gleiche Meinung hätte. In diesem Fall zeigt es auch, dass das einfach ein komplexes Thema ist.

SkylinersDominik
SkylinersDominik 30. März 2017 um 12:54 Uhr

So sehe ich das auch, ich finde es gut, dass Ihr dieses Thema so intensiv beleuchtet und alle möglichen Seiten zeigt. 🙂

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