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Wheltons Wunschspieler

22.11.2007 || 00:00 Uhr von:

Am 14.11.2007 war es dann mal wieder soweit: Mit Kyle Wilson (Foto) hat ein weiterer Spieler die Bundesliga-Mannschaft des TBB Trier nach wenigen Wochen verlassen. Zuvor wurden mit Ted Skuchas, Andre Smith, Tim Frost und Robert Jackson bereits vier Spieler mit gültigen Verträgen vorzeitig verabschiedet. Im Falle von Smith und Skuchas geschah dies über eine spezielle Klausel innerhalb einer Try-Out-Phase, von Frost und Jackson trennte man sich im beiderseitigem Einvernehmen, respektive auf Wunsch des Spielers. Ähnlich lief es auch im Fall Wilson: "Wir haben uns in beiderseitigem Einvernehmen getrennt. Beide Seiten haben eingesehen, dass es nicht das war, was wir uns alle vorgestellt hatten", so die Worte von Manager Lothar Hermeling in der entsprechenden Pressemitteilung. "Mit Kyle haben wir unseren Wunschkandidaten für diese Position verpflichten können. Wir standen schon eine ganze Weile in sehr engem Kontakt und wir sind froh das wir mit Ihm ?abschließen? konnten." Diese Worte, aus einer Pressemitteilung vom 24.07.2007, stammen ebenfalls von Hermeling und beziehen sich auf die Verpflichtung von eben diesem Kyle Wilson als neuem Small Forward. Ähnlich euphorisch zeigte sich damals Head Coach Whelton und ergänzte "Ich bin sehr froh, Kyle ist genau der Spielertyp den wir haben wollten. Er ist variabel einsetzbar und ist inside aber auch outside ein guter Schütze?.

Solche Fehler bei Spielerrekrutierungen und ? Verpflichtungen lassen sich niemals ganz ausschließen oder gar über Jahre hinweg komplett vermeiden. Jeder Mannschaft, jedem Manager unterlaufen solche Fehleinschätzungen oder der von seinem Agenten als ?2,16m großer Spieler mit NBA-Potenzial? angekündigte Akteur entpuppt sich als 32jähriger Kettenraucher, fußlahm und doch ?nur? 2,03m groß. Nicht jeder Neuzugang kann zuvor wochenlang persönlich beobachtet und auf Herz und Nieren getestet werden, bevor er einen Vertrag erhält. Anfängliche Euphorie kann sich schnell in Resignation verwandeln, wenn sich ein 21jähriger, mannschaftsdienlicher und überathletischer Forward plötzlich als arrogant-egozentrischer Einzelgänger herausstellt. Auch Verletzungen, die berühmt-berüchtigten ?familiären Probleme? oder sonstige Anpassungsschwierigkeiten kann niemand vorhersehen. Kurzum: Irren ist menschlich.

Weit weniger normal oder menschlich sind Regelmäßigkeit und Massivität, mit denen in Trier aus ?Wunschsspielern? plötzlich bedauerliche Fehlgriffe werden und angeblich seit Monaten beobachtete Basketballer ihre Taschen packen und Wohnungen räumen müssen, da sich herausstellt dass sie doch keinen Ball fangen können. Seitdem Joe Whelton, trotz anhaltender Erfolglosigkeit mit einem Vertrag über drei Jahre ausgestattet, in Trier das Szepter schwingt und gemeinsam mit seinem ?Players Recruiting Manager? (so der offizielle Titel) Mike Wolter für die Auswahl der Neuverpflichtungen verantwortlich zeichnet, dreht sich das Personalkarussell ebenso schnell wie beständig.

Den Fans der Mannschaft sei an dieser Stelle dringend geraten mit dem Kauf eines TBB-Trikots bis zum Verstreichen der Transferfrist zu warten. Man kann nie wissen wie viele ?Wunschkandidaten?, ?ideale Ergänzungen? und ?harte Arbeiter? Whelton und die seinen bis zu diesem Tag noch aus dem Hut zaubern, nur damit diese bald darauf wieder im Flieger sitzen. Auch das Aufhängen des offiziellen Mannschaftsposters muss mit äußerster Vorsichte genossen werden – etliche Spieler fehlen noch, andere sind bereits längst wieder Geschichte. In den vergangenen beiden Spielzeiten liefen 23 Spieler – Try Out-Verträge nicht eingeschlossen ? für die Artland Dragons auf. Für Trier spielten gar 27 verschiedene Akteure. Der Unterschied liegt nicht bei 4 Spielern, sondern den Gründen für Verpflichtungen: Während Quakenbrück in der vergangenen Saison von einer herben Verletztenmisere heimgesucht und somit zu Nachverpflichtungen gezwungen wurde, wird in Trier nach dem ?Try and Error?- Prinzip verfahren: Spieler werden auf gut Glück verpflichtet, schlagen sie ein, umso besser. Schlagen sie jedoch nicht ein, werden sie eben wieder fallengelassen.

Wilson, dies sei ausdrücklich noch einmal erwähnt, ist dabei nur einer von erschreckend vielen. Doch steter Tropfen höhlt den Stein. Für ihn wird übrigens vorerst kein Nachfolger seinen Flieger nach Deutschland nehmen. Mit dem eingesparten Geld soll ?Feuerwehrmann? Jerome Coleman – ursprünglich als Aushilfe für den verletzten Point Guard Marcus Taylor verpflichtet – bis zum Ende der Spielzeit in Trier bleiben. Coleman ist ? entgegen der Ankündigung – kein ?erfahrener Spielgestalter?, wusste Whelton offensichtlich aber durch seinen stetig juckenden Abzugsfinger von der Dreipunkt-Linie zu gefallen.

Namen wie Tom Coverdale, Spencer Ross, Brian Conklin, Tate Decker, Ted Skuchas, Andre Smith, Chuck Evans, Modibo Diarra stehen exemplarisch für die vergangenen Jahre an der Mosel. Allesamt angekündigt als Verstärkungen, fehlende Puzzlestücke oder ideale Ergänzungen ? allesamt entpuppten sie sich als nicht dauerhaft bundesligatauglich. Nicola Dacevic und Makhtar N?Diaye, Thomas Celej und A.D. Smith sind weitere Akteure dieser Riege von Fehlverpflichtungen, die in dieser bedauerlichen Häufung kein anderer Bundesligist aufzuweisen hat. Der Hallensprecher hat in Trier eine ganz besondere Aufgabe: Er muss den Zuschauern im Abstand weniger Wochen immer neue, zumeist amerikanische Namen nahe bringen, damit diese überhaupt wissen wer in der Arena Trier auf dem Parkett steht. Unfreiwillig komisch klingt hier auch der lapidare Kommentar in einer Pressemitteilung vom 31. Januar 2007: ?Die Fans des TBB Trier werden sich nicht an das Gesicht von Matt Witt gewöhnen müssen? so das Statement zur Nicht-Verlängerung des Try-Out-Vetrag des unbekannten Point Guards Mark Witt.

Weder die Platzierungen der letzten Jahre noch die Spielweise von in ihrer Zusammensetzung sehr kurzlebigen Söldnertruppen geben den Verantwortlichen des Vereins in irgend einer Weise Rückendeckung. In der Saison 2005/2006 wurde, darauf sei hier ausdrücklich hingewiesen, zwar kein einziger Spieler nachverpflichtet, aber auch in dieser ?ruhigen? Runde wurden die Playoffs verpasst. Selbst den eingefleischtesten Fans Whelton?schen Basketballs ? basierend auf Distanzwürfen, Einzelaktionen, löchriger Defense und ohne für Laien erkennbare Laufwege – wird so früher oder später der Geduldsfaden reissen. Immerhin gibt es so – auch ohne Siege oder ernst zu nehmende Ambitionen ? immer etwas zum Reden und Diskutieren in der ältesten Stadt Deutschlands. Zumindest bis zum 28. Februar 2008 wird das auch so bleiben ? dann ist Transferschluss und selbst in Trier muss mit dem zur Verfügung stehenden Kader weitergearbeitet werden.

Wheltons Wunschspieler
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k4utz1
k4utz1 22. November 2007 um 17:47 Uhr

ich glaub, ich hab mich grad verklickt bei der bewertung. sorry peter, wollte die gewohnte beurteilung deiner artikel nehmen

nächstes jahr en junges Pro A team in trier, an dem mal wieder spaß hat und mit der mjc kooperiert 🙂
und das mit einem anderen trainer, aber das is selbstverständlich

Highflying_Yao
Highflying_Yao 22. November 2007 um 18:50 Uhr

Wheltons Prinzip der dauerhaften Spielerrotation versagt mal wieder kläglich. Mit seinen US-BOys geht es dieses Jahr gegen den Abstieg. Das sollte man allmählich realisieren. Die Mannschaft hat nicht die nötige Qualität in der Breite um Ausfälle zu kompensieren und in der Konsequenz in der Ligaspitze mitzuspielen. Neben menschlichen Defiziten( SPieler nicht in ihren Abschiedsspielen einsetzen, wenig bis GAR KEINE INTEGRATION VON JUGENDSPIELERN ODER ÜBERHAUPT DEUTSCHER SPIELER, etc…) sind außerdem seit geraumer Zeit auch fachliche und inhaltliche Mängel sichtbar(erkennbar an zuweilen konzeptloser Offensive, Teamzusammenstellung etc..)
Ferner muss man, wenn man den Trainer kritisiert auch fairerweise den Verantwortlichen von Vereinsseite einen Vorwurf machen, da Wheltons Vertrag auch noch verlängert wurde. Seine Handhabe wird also nicht nur momentan geduldet, sondern ist im Gegenteil langfristig(!) erwünscht!!…
Fazit : Dieses Jahr wird es ein sehr bitteres JAhr für die Fans, die schon früh einen Playoff Traum abschreiben müssen und ihr Eintrittsgeld für „Abstiegsknaller“ hinblättern müssen. Die Verantwortlichen sollten im Falle des Ligaverbleibs schon frühzeitig alle Hebel für eine Umstrukturierung in Bewegung setzen. Wichtig wäre die Schlüsselspieler dieser Saison zu halten, einen hart arbeitenden und konzeptionellen Trainer zu verpflichten, der anders als Whelton auch „laute Ansagen “ in der KAbine beherrscht. Ich denke, dass im Basketball Standort Trier eine MEnge ungenutzes Potential vorhanden ist und das man dieser Tage mal den Verein und alles Dazugehörige hinterfragen sollte. ICh habe mal viel von Whelton gehalten, aber das ist schon lange her….

sportliche Grüße

YAO

De Dreier
De Dreier 23. November 2007 um 12:03 Uhr

Ich schätze Whelton auch nicht besonders und die Personalpolitik in Trier ist schon grotesk. Da kann man auch mal einen Artikel zu schreiben und das ganze mal analysieren.
Der Artikel hier ist aber bodenlos. Der Autor findet Whelton mies und die Personalpolitik auch. So weit, so klar. Hat der Artikel sonst noch was zu bieten? Nö.
So billige Hetzartikel könnt ihr euch sparen, das habt ihr nicht nötig.
Wenn ihr so ein inhaltsleeres Teil schon unbedingt online stellen wollt, dann nicht als normalen Artikel, sondern als Kommentar, Polemik oder sonst wie gekennzeichnet.

peterbieg
peterbieg 23. November 2007 um 13:25 Uhr

@De Dreier

1. Der Artikel ist also inhaltsleer? Du selbst hast doch schon sehr gut erfasst worum es geht: Die groteske Trierer Personalpolitik wird kurz (anhand von Fakten) dargestellt und analysiert. Meines Erachtens ist dies durchaus ein gewisser Inhalt, denn es wird begründet weshalb der Autor Whelton und dessen Personalpolitik „mies“ findet.

2. Eine „billige Hetzjagd“ sieht komplett anders aus und wird auch auf unserer Seite wohl niemals ihren Platz finden.
Abgesehen davon, dass an mehreren Stellen die Trierer Verantwortlichen in ihrer Gesamtheit angesprochen werden und auch Namen wie Lothar Hermeling oder Mike Wolters fallen, ist in diesem Artikel keinerlei „Hetzerei“ zu finden.

3. Autoren haben im Normalfall stets eine eigene Meinung, in diesem Fall geht eine Analyse anhand von Fakten mit einigen Kommentaren einher. Dies ist schlichtweg legitim.

Ebenso legitim ist Deine, übertrieben formulierte Meinung, die wir dennoch selbstverständlich akzeptieren.

De Dreier
De Dreier 23. November 2007 um 15:02 Uhr

1. Die Analyse findet in meinen Augen nicht statt. Inhaltlich steht da nur, wer alles geholt worden ist.

2. Hetzjagd ist eine völlig überflüssige Formulierung von mir. Sorry! Da sind mir die Gäule durchgegangen.

3. Was steht denn in diesem Artikel drin außer, wer geholt worden ist und dass nix erreicht wurde in der Zeit. Dass hätte man inhaltlich auch in zwei Sätze packen können.
Bsp: Seit (Zeitpunkt einfügen) wurden folgende Spieler verpflichtet und nach kurzer Zeit wieder weggeschickt (Aufzählung). Verantwortlich sind Whelton + Hermeling + Wolters. (Möglicher dritter Satz: Das klappt offensichtlich nicht so gut in Trier.)

4. Trier hätte als exemplarischer Aufhänger dienen können für Fehlentwicklungen in der BBL oder als besonders krasses Beispiel. Auch wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie die Verantwortlichen zu der Entwicklung stehen. Möglicherweises sind nicht alle Fälle auf schlechtes scouting zurückzuführen? Wie groß ist die Fluktuation im Allgemeinen?
Auch hättest du die Lage in Trier analysieren können und nicht einfach so einen Satz raushauen müssen:
„Selbst den eingefleischtesten Fans Whelton?schen Basketballs ? basierend auf Distanzwürfen, Einzelaktionen, löchriger Defense und ohne für Laien erkennbare Laufwege – wird so früher oder später der Geduldsfaden reissen.“
Wie konnte es zu der Abhängigkeit von Whelton kommen? Wofür steht der Mann?

So legitim die Grundaussage des Artikels ist, so dünn finde ihn leider auch.

peterbieg
peterbieg 23. November 2007 um 19:44 Uhr

Ich glaube unsere Ansprüche an diesen Artikel sind sehr unterschiedlich. 😉

Mein Vorhaben war es nicht haarklein und am Beispiel Trier fehlerhaftes Scouting bzw. die dortigen Risiken aufzuzeigen, zu analysieren und auch noch Verbesserungsvorschläge zu machen. Der Artikel ist nicht auf Tiefe ausgelegt, sondern soll KONKRET nur zeigen dass Trier nach dem „Try and Error“-Prinzip arbeitet. Deshalb ist es aber eben auch keine Auflistung. Anhand von Namen, Fakten und abgelaufenen Geschehnissen versuche ich ein MUSTER aufzuzeigen. Eben dieses Muster, so denke ich, ist recht gut zu erkennen. Außerdem wird eben gerade nicht nur aufgezählt wer alles kam und ging, sondern eben (im kurzen Vergleich zu Quakenbrück) aufgezeigt dass dies (im Trierer Fall) nicht aus einer Verletztenmisere, sondern offensichtlichen Fehlern heraus geschieht.

Falls Du also ein mehrseitiges, deutlich allgemein-analytischeres Dossier erwartet hast, so wurdest Du in der Tat enttäuscht. Dies wurde allerdings nirgends angekündigt oder behauptet. Eine kurze, aus aktuellem Anlass gefertigte Analyse der Trierer Missgeschicke mit kommentierendem Unterton, das ist was ich in den obigen Zeilen versucht habe. Nicht mehr – aber auch nicht weniget.

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