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PEAK Sport Prospect Watch: Christian Standhardinger

23.04.2015 || 10:54 Uhr von:
Court Review hat sich auf die Fahnen geschrieben, über alle wichtigen Entwicklungen rund um das orangene Leder zu berichten. Leider kommt hier die Jugend, also der Nachwuchs und die Zukunft des deutschen Basketballs, no...

Court Review hat sich auf die Fahnen geschrieben, über alle wichtigen Entwicklungen rund um das orangene Leder zu berichten. Leider kommt hier die Jugend, also der Nachwuchs und die Zukunft des deutschen Basketballs, noch viel zu oft zu kurz. Das wollen wir ändern und haben daher eine neue Artikelreihe bei Court Review ins Leben gerufen.  Im Rahmen der „PEAK Sport Prospect Watches“ stellen wir Euch in regelmäßigen Abständen aussichtsreiche Talente der deutschen Basketballszene vor. Nach Daniel Mayr, Julian Albus, Dominic Lockhart, Jan Niklas Wimberg, David Brembly, Stephan Haukohl, Mahir Agva, Ismet Akpinar,  Johannes Richter und Stefan Ilzhöfer kommen wir nun zu einem Spieler, der nach fünf Jahren College sein erstes Profijahr erfolgreich absolviert hat – Christian Standhardinger. Mit 25 Jahren ist er kein „klassischer“ Youngstar mehr. Ein Dank gilt an Tobias Faller für die Hintergrund-Recherche.


Biographie:

  • Name: Christan Standhardinger
  • Geburtsdatum: 04.07.1989
  • Geburtsort: München
  • Position: Forward
  • Größe: 2,03 m
  • Gewicht: 99 kg
  • Bisherige Vereine: DJK/SB München,  Erdgas Ehingen/Urspringschule, University of Nebraska-Lincoln (NCAA), University of Hawaii (NCAA), Mitteldeutscher Basketball Club

Aller Anfang ist schwer!

Dass aller Anfang schwer ist – vor allem in den USA -, musste Standhardinger am eigenen Leibe erfahren. In seiner Kindheit war Basketball gar nicht mal die große Liebe des Münchners, sondern Fußball. Eine Reise zu den Philippinen, dem Heimatland seiner Mutter, änderte allerdings seine Ansicht. Von seinem Opa, der früher selbst einmal Basketball spielte, lernte er das Einmaleins des Basketballs und legte den weißen Ball bei Seite, nahm stattdessen das orangene Leder in die Hand – und  übte Tag für Tag. Nach drei erfolgreichen Jahren an der Urspringschule und einer NBBL-MVP-Auszeichnung im Jahre 2008 zog es ihn über den Atlantik zur University of Nebraska. Seine Freshman-Season begann direkt mit einer Negativ-Schlagzeile: 15 Spiele Sperre, weil er die Amateur-Regeln der NCAA missachtet hatte. Danach kam er bei den Cornhusker im Schnitt auf 15,4 Minuten Einsatzzeit – immerhin! Standhardinger, der sich bereits in Deutschland als begnadeter Scorer einen Namen machte, nutzte diese Spielzeit für beinahe schon utopische 8,1 Punkte pro Spiel. Auf 40 Minuten hochgerechnet wären das 21,0 Zähler! Dazu kamen 3,8 Rebounds. Auch sein Sophomore-Year verlief gut: zwar kam er nur in sechs Spielen zum Einsatz, legte er in diesen aber in 17,7 Minuten 9,5 Punkte und 5,5 Rebounds auf. Danach musste er aber aufgrund eines dauerhaften angespannten Verhältnisses zu Headcoach Doc Sadler und dessen Staff das College verlassen.

We just didn’t click. I partly blame it on me, because I was a young and fiery person. But they could have done a better job in guiding me.“ (Christian Standhardinger über Doc Sadler)

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=D4zZTcMPT5w]

Ein Wechsel muß her

Im Jahr 2011 wollte er eigentlich zur La Salle University wechseln. Da der Wechsel jedoch scheiterte, mußte er sich ein anderes College suchen. Gib Arnold, der Headcoach der University of Hawaii, überzeugte ihn schließlich von den Qualitäten seiner University. Die Hawaii Warriors haben sicherlich nicht so ein großes Standing in der NCAA wie die Nebraska Cornhuskers, die vor allem im Football, aber auch immer wieder im Basketball für Schlagzeilen sorgen, aber im Nachhinein war das sicherlich die beste Entscheidung.

Das schnelle Spiel, dass die Warriors auszeichnete, kam dem athletischen Deutschen sehr entgegen. Nachdem er aufgrund der „Transfer Rules“ der NCAA die komplette Saison 2011/2012 von der Tribüne aus verfolgen musste, kam er als Junior umso besser zurück: 15,8 Punkte, 7,9 Rebounds, 1,4 Steals, 1,3 Assists und 0,5 Blocks konnte er verzeichnen; dazu kam eine Feldwurfquote von 51 %. Dass er in seinem letzten Collegejahr sein Spiel nochmal auf ein höheres Level hieven konnte, spricht ganz klar für Standhardinger: 18,1 Punkte, 8,4 Rebounds, 1,5 Assists, 1,4 Steals und 0,7 Blocks. Nur seine Wurfquote aus dem Feld ging in dieser Spielzeit auf 47,4 % zurück. In seinen beiden Saisons in Hawaii wurde er jeweils in das All-Big-West-Team gewählt.

Manchmal kommt es anders

Auf der Suche nach seinem ersten Profivertrag ging Standhardinger im Sommer 2014 zu Aufsteiger Göttingen, der einige verletzte Spieler mit Trainingsspielern ersetzen musste, um die Saisonvorbereitung durchführen zu können. Vermutlich war es sein Ruf, der viele Clubs von einer Verpflichtung abhielt. Er gilt als schwieriger Charakter, der ungern den Ball abgibt und stattdessen lieber selbst scoren will. Göttingen hätte ihn behalten, konnte oder wollte ihm aber kein gutes Angebot unterbreiten. So klopfte der Mitteldeutsche BC, der auf der Suche nach einem Power Forward war,  bei Standhardinger an. Bereits in der Saisonvorbereitung stellten die Verantwortlichen in Weißenfels fest, dass sie sich von Johannes Lischka mehr erhofft hatten und seine Position neu besetzt werden mußte. Umso gelegener kam ihnen, dass Standhardinger frei war und auch zusagte. Bereits in den ersten Saisonspielen stach Standhardinger heraus und punktete in den ersten acht Partien stets zweistellig (15,9! PPG) und angelte sich im Schnitt starke 6,3 Rebounds pro Spiel.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=E50qZA996OQ]

War sein Name zuvor nur Insidern ein Begriff, die sich über seine starken Stats am College gefreut und gleichzeitig gefragt haben, wie sie einzuschätzen sind, weil sein College doch eher als schwach eingestuft wird, war er aufgrund seines starken Saisonstarts plötzlich in der Basketballszene bekannt und empfahl sich daher für das AllStar-Team National 2015. Jeder wollte ein Interview mit ihm führen, um mehr über ihn zu erfahren. So etwas kann für einen Rookie, der sich auf den Profibetrieb eigentlich in Ruhe einstellen sollte, auch einmal zu viel werden. Zweistellig zu scoren, gelang ihn dann lange Zeit nicht mehr (mit Ausnahme des Heimspiels gegen Bonn). Stattdessen wurden seine Statistiken  immer schlechter, so dass Poropat ihm eine Pause verordnete und ihn ein Spiel aus dem Kader nahm sowie vor der Presse schütze. Doch auch danach, wollte lange Zeit nicht mehr viel zusammen kommen. Die gegnerischen Mannschaften hatten sich inzwischen auf sein Spiel eingestellt und verteidigten ihn besser und wie viele Spieler in ihrem ersten Profijahr, konnte er noch nicht seine Leistung konstant abrufen.

Scorer vor dem Herren

Standhardinger ist ein Scorer, der am College regelmäßig heiß gelaufen ist. Sein schneller erster Schritt und seine Athletik erlauben es ihm, trotz seiner Körpergröße von 2,03m erfolgreich zum Korb zu ziehen. Er attackiert bedingungslos am liebsten vom Highpost Ecke Freiwurflinie von der rechten Seite, kann aber auch über links abschließen, wobei er dabei die rechte Hand benutzt. Oft kann er dabei nur durch ein Foul gestoppt werden. Von allen deutschen Spielern, ist er am häufigsten an die Linie geschickt worden, wobei seine Quote von 68 % noch ausbaufähig ist.

Als solider Schütze aus der Mitteldistanz (46 %)  ist er in der Lage vor allem auf Höhe der Freiwurflinie für sich selbst Würfe zu kreieren, was in der heutigen Zeit sehr wichtig ist.

Neben den spielerischen Aspekten ragt in Standhardingers Spiel vor allem sein Wille heraus. Obwohl er in Hawaii der absolute Star-Spieler war, war er sich nie zu schade, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und um jeden Ball zu kämpfen. Seine These dazu klingt logisch: Wenn er stets dem Rebound (egal ob am defensiven oder am offensiven Brett) hinterher hechtet, dann ist es wahrscheinlich, dass er irgendwann den Abpraller auch fängt. 10599416_713886388692841_3012759552938759323_nSo kam er in der NCAA auf 8,4 RpG und in seinem ersten Profijahr auf 4,8 davon 1,9 Offensivrebounds.

Hat er in der NCAA als Small Forward gespielt, spielte er beim MBC als Power Forward. Ein Grund dafür ist seine schwache 3er Quote, die mit 12,5 % (27,7 % am College) als eine seiner größten Schwächen angesehen werden kann. Dabei hat er das Potential für eine deutlich bessere Quote, mit deren Hilfe er den Gegner zwingen würde ihn am Perimeter zu respektieren und nicht so stark abzusinken und die Räume für seinen starken Zug zum Korb eng zu machen. Inzwischen fangen die Gegner an, ihn enger zu decken.

Ein weiteres Manko ist seine mangelnde Spielübersicht. Wenn er auf dem Weg zum Korb einmal gestoppt wird, findet er selten den besser positionierten Mitspieler und kommt so für einen Spieler, der die Defense auf sich zieht, auf bislang noch auf magere 0,7 ApG.

Auch wenn in der Defense seine Einstellung und Intensität absolut stimmt, fehlt ihm oft noch das Timing für die Rotation in der Help-Defense und ist er im 1 gegen 1 zu langsam, weil er sich mit einem zu hohen Schwerpunkt bewegt.

Auf seiner Positon gehört er trotzdem zu den besten deutschen Spielern und wenn er an seinen Mängeln arbeitet, sollte einer erfolgreichen Profikarriere nichts im Wege stehen.


„Ich denke, ich bin endlich erwachsen geworden“ – Christan Standhardinger im Interview

Court Review: Christian, Du bist auf der Position des Power Forwards einer der besten deutschen Spieler. Trotzdem bist Du bei einem Verein mit einem sehr geringen Etat gelandet. Was waren die Hauptgründe für Deinen Wechsel zum Mitteldeutschen BC?

Christian Standhardinger: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass der MBC eines der wenigen Teams war, die sich wirklich für mich interessiert haben, als ich vom College kam. Daher ist es mir einfach gefallen, die Entscheidung zu treffen. Ich wurde hier sehr, sehr gut aufgenommen und ich denke wir sind auf dem Weg eine für MBC-Verhältnisse sehr gute Saison zu spielen.

Kanntest Du Silvano Poropat schon vor Deinem Wechsel?

Ich habe ihn glaube ich einmal beim NBBL-Finale gesehen. Ich kannte ihn also nur vom Sehen. Es ist hier ein kleiner Basketballkreis.

Wie hat er Dir bei Deinen ersten Schritten als Profi geholfen?

Er hat mir sehr viel geholfen. Ich habe sehr viel taktisches Verständnis und sehr viele Denkens-Ansätze, die man sich durch den Kopf gehen lässt, mitbekommen. Ich habe unter Silvano Poropat einen riesigen Schritt nach vorne gemacht, als Basketballspieler und als Mensch.

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen der NCAA und der BBL? Ist Dir die Umstellung schwer gefallen?

Die Umstellung ist mir nicht so schwer gefallen. In der BBL wird ein bisschen weniger gepfiffen. Man merkt: Wir sind jetzt bei den Profis angelangt. Die Regeln sind ein bisschen anders. Die Umstellung ist mir nie schwer gefallen. Ich habe davor bereits in der ProB in Deutschland gespielt.

Du hast am College sehr gute Stats aufgelegt und auch zu Saisonbeginn sind Dir überragende Werte gelungen. Mittlerweile haben sich die Teams besser auf die eingestellt. In den letzten Spielen ist Deine Leistung wieder besser geworden. Wie hast Du dein Spiel verändert, um Dich schwerer ausrechenbar zu machen?

Natürlich muss ich ein bisschen mehr werfen und ein bisschen mehr schauen, wie ich meine Mitspieler in Szene setzen kann. Meine Mitspieler besser zu machen, war mit einer der Erfahrungen, die ich machen konnte. Daran arbeite ich auch weiterhin. Ich denke das klappt ganz gut. Und selbst in einem Spiel wie heute [Mitteldeutscher BC gegen EWE Baskets Oldenburg, 31. Spieltag, Ergebnis: 78-76]: Ich mache nur 4 Punkte und 6 Rebounds, aber trotzdem konnte ich dem Team helfen, den Sieg zu holen.

Der MBC hatte eine Niederlagenserie von 10 Niederlagen. Hatte das auch Einfluss auf Deine Spielweise und wie bist Du damit klar gekommen?

Es war ein riesiges Tief. Ich bin in meinem Leben schon durch härtere Sachen gegangen. Natürlich war es eine schwere Zeit. Man muss einfach weiter gehen. Es gibt ein schönes Sprichwort: „Wenn du durch die Hölle gehst, gehe weiter.“ Irgendwann bist du halt nicht mehr in der Hölle.

Du wurdest von Ralph Junge ausgebildet, der für seine Detailarbeit bekannt ist. Wie sehr prägt es noch heute Dein Spiel?

Ralph Junge hatte riesen Einfluss auf mein Basketballspiel. Ich wäre kein Erstbundesliga-Basketballspieler ohne Ralph Junge. Ich wünsche ihm viel Glück bei den Spielen gegen Gießen. Er versucht gerade aus der ProA aufzusteigen. Dafür wünsche ich ihm viel Glück.

Würdest Du nochmal mit den Urspringschülern mitreisen bzw. ist etwas geplant?

Es ist nichts geplant. Wenn Ralph mich braucht, habe ich immer ein offenes Ohr für den Mann. Er hat mich aufgebaut und geformt.

Was liebst Du am Basketball am Meisten?

Mich mit anderen zu messen.

Was ist Deine größte Stärke und was Deine größte Schwäche? Woran willst du am meisten arbeiten?

Meine größte Stärke ist der Zug zum Korb. Meine Schwäche ist der Wurf, wobei ich denke, dass ich in diesem Bereich schon große Fortschritte gemacht habe. Heute beim Spiel hat man gemerkt, dass der Gegner mich nicht mehr frei stehen lässt. Das nehme ich als Kompliment. Ich habe zwar nur vier Punkte gemacht, aber jetzt ist der Mann dran, jetzt verteidigen sie mich ehrlich. Das ist ein riesen Schritt in meiner Basketball-Kariere.

Siehst Du es eher als Nachteil an erst mit 25 Jahren Deine ersten Profi-Schritte zu gehen, während andere schon mehrere Profi-Jahre hinter sich haben?

Ich sehe es als riesen Vorteil an. Ich muss dazu sagen, ich bin ein Spätzünder. Ich habe meine Zeit gebraucht, um erwachsen zu werden. Ich habe auch viel Mist gemacht. Ich denke, ich bin endlich erwachsen geworden. Ich bin froh, dass ich jetzt ein Profi beim MBC bin. Zudem bin ich einer der wenigen Bundesligaspieler, die ein abgeschlossenes Studium hinter sich haben; in meinem Fall in BWL.

Wo siehst Du Dich in 5 Jahren?

In 5 Jahren bin ich 30. Ich sehe mich irgendwo professionell Basketball spielen. Hoffentlich werde ich auch neben dem Basketball mir meine eigene Sache aufgebaut haben.

PEAK Sport Prospect Watch: Christian Standhardinger
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