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Von Picasso bis Penis

14.03.2012 || 00:00 Uhr von:

„Mission Erfolg. Meine Vision, mein Plan, mein Weg“ – so lautet der Titel des im Februar erschienen Buches von Dirk Bauermann. Gemeinsam mit Ghostwriter Kai Psotta hat der Ex-Nationaltrainer des DBB und aktuelle Head Coach des FC Bayern München eine Mischung aus Autobiographie und Handbuch niedergeschrieben.

Neun Meistertitel gewann der 54-jährige als Trainer, 2005 holte er als Head Coach der deutschen Basketball-Nationalmannschaft die Silbermedaille bei der Europameisterschaft und nahm mit seinem Team im Jahr 2008 an den Olympischen Spielen teil. Bauermann, der seit 2010 die Geschicke des FC Bayern München an der Seitenlinie bestimmt, ist zweifellos der erfolgreichste deutsche Basketballtrainer der letzten Zeit und ebenso zweifellos eine polarisierende Persönlichkeit in der deutschen Szene.

Auf 224 Seiten mit einigen Abbildung nehmen Bauermann und Co-Autor Psotta, ein Sportjournalist, der derzeit für die Münchner Bild-Zeitung arbeitet, den Leser mit auf eine Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt der Galionsfigur. Die durch die Vorankündigungen geweckten Erwartungen werden dabei erfüllt: das Buch bietet die Gelegenheit, den gebürtigen Oberhausener besser und recht persönlich kennen und vor allem verstehen zu lernen.

Während zu Beginn von „Mission Erfolg“ – auch durch das Vorwort von Bayern-Boss Uli Hoeneß – die Befürchtung aufkommt, ein besseres Werbeprospekt des Bayern-Basketballs in der Hand zu halten, löst sich dieser Eindruck erfreulich schnell in Luft auf. Im Rahmen längerer erzählender Abschnitte, die immer wieder von „Auszeiten“ unterbrochen werden, erfährt der Leser viel über Dirk Bauermann, den sie in weiten Teilen Basketball-Deutschlands in einer Mischung aus Ehrfurcht und Ironie noch immer „den König“ nennen. Die „Auszeiten“ werden dabei unter anderem von Tochter Kim, Bruder Ralf und Chicago Bulls-Assistenztrainer Ron Adams genommen, und legen mehr über den Mensch Dirk Bauermann offen.

Bauermann selbst, der „24/7-Mann“, wie er sich aufgrund seiner Arbeitseinstellung und Leidenschaft für den Basketball bezeichnet, erläutert dem Leser seine „Leitplanken“, lässt einen Blick auf seine zentralen strategischen Ideen und die Leitsätze bei seiner Idee von Führung und Verantwortung zu. Dabei finden sich auch immer wieder interessante Details, wie der Umstand, dass auch ein Head Coach wie Bauermann über einen eigenen Agenten zum Aushandeln seiner Verträge verfügt. Mehr als nur ein Schmunzeln kommt auf, wenn intime Details aus der Bayern-Kabine ans Licht kommen und man schwarz auf weiß erfährt, dass Center Darius Hall seinem Penis den Namen „Alabama Snake“ verpasst hat.

Der Umfang von „Mission Erfolg“ bietet viel Platz für solche Anekdoten, die das Buch nicht nur wesentlich auflockern, sondern auch inhaltlich eindeutig bereichern, weil sie eine Innenperspektive auf den Profibasketball erlauben, die zwar weder inhaltlich noch formal an Pletzingers „Gentlemen, wir leben am Abgrund“ herankommen, aber dennoch das Prädikat „lesenswert“ erhalten.
Ob es dabei um unwillige Mäzene aus Belgien oder halbblinde Topscorer geht, die Katzenleichen vor ihren Ehefrauen verstecken – Gelegenheiten zum Lachen gibt es im Buch von Coca Cola-Junkie Bauermann ausreichend.

Auch für Selbstkritik ist Platz, was vor allem denjenigen Lesern gefallen sollte, die den Ex-Nationaltrainer bisher nur als arrogant-unnahbaren Alleinherrscher wahrgenommen haben. Der Leser erfährt viel über Dirk Bauermann als einen zielbewussten, unheimlich disziplinierten Basketballfetischisten, der über die Jahre eine Unmenge an Arbeit an sich selbst und in seinem Erfolg investiert hat.

Sprachlich spielt „Mission Erfolg“ leider nicht in der ersten Liga. Während der zumeist nüchterne Stil nicht weiter stört, gibt es einige Passagen, in denen Formulierungen geradezu grauenhaft pathetisch oder an den Haaren herbeigezogen daherkommen. Wenn von der Entscheidung, den FC Bayern zu betreuen als einem Entschluss gesprochen wird, mit der sich Bauermann sein „Lebenselixier“, das zuvor verloren schien, zurückholte oder in Wortspielen versucht wird, die Aufgabe mit dem FC Bayern als Aussicht auf eine Sex-Affäre darzustellen, sträubt sich so manches Haar zu Berge. Auch Formulierungen wie „Basketball ist kein Mickey-Mouse-Heft, Basketball ist wie Goethe“ wirken inmitten eines ansonsten weitgehend sachlichen Sprachduktus ebenso fehl am Platz wie einfallslos und (zu) plakativ. Das Finale – des Buches und der sprachlichen Vergleiche – ist erreicht, wenn Bauermann die zurückliegenden und noch zu erledigenden Aufgaben mit Werken Picassos vergleicht.

Trotz der sprachlichen Ausrutscher in die Amateurliga ist „Mission Erfolg“ für viele Basketballfans ein interessantes Buch, indem es Dirk Bauermann aus ungewohnter Perspektive und aus geringer Entfernung zu beobachten gibt. Für Bauermann-, Bayern- und Bambergfans gilt eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, aber auch und gerade diejenigen, die sich zur großen Gruppe der Bauermann-Kritiker zählen, sei ein Blick in „Mission Erfolg“ empfohlen.

Dirk Bauermann / Kai Psotta
Mission Erfolg
Meine Vision, mein Plan, mein Weg
224 Seiten mit Abbildungen
€ 19,99
ISBN: 978-3-7766-2679-7
Herbig Verlag, Februar 2012

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Äneas
Äneas 14. März 2012 um 21:30 Uhr

Kauf ich sicher nicht. Aber super Rezension.

mariofour
mariofour 15. März 2012 um 10:48 Uhr

Ich warte lieber aufs Hörbuch…aber nur, wenn es auch angemessen heiser von Dirk vorgelesen wird.

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