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28.12.2017 || 12:23 Uhr von:
Die Top-Stories der easyCredit BBL-Saison beinhalten die Rückkehrer Benzing und Bryant, die Comebacks von WoBo und Kerusch sowie die Kultur in Frankfurt und Ludwigsburg.

Robin Benzing (s.Oliver Würzburg)

Robin Benzing zog aus, um das Fürchten lehren zu lernen. In Benzings letztem Jahr in München 2014/15 sprach der damalige Bayern-Coach Svetislav Pesic den deutschen Nationalspielern die Ambitionen ab, die zeigt Benzing in dieser Saison in Würzburg nun umso mehr. Zwei Jahre in Spanien halfen dem DBB-Kapitän, sein Spiel und Selbstvertrauen wiederzufinden.

Dass Benzing zocken kann, hat er in den vergangenen Jahren bei der Nationalmannschaft bewiesen. Dass Benzing aber um die Topscorer-Krone der Liga zockt, hätten wohl die wenigsten vermutet. 18,7 Zähler legt Benzing derzeit im Schnitt auf. Zum Vergleich: In seinem letzten BBL-Jahr sank sein Punkteschnitt auf einen Karrieretiefstwert von 6,5 Zählern.

Benzing kommt das System von Head Coach Dirk Bauermann zugute, unter dem Benzing schon häufiger gespielt hat. Eins-gegen-Eins mit dem Gesicht, aber auch mit dem Rücken zum Korb; als Blocksteller für das Pick-and-Pop, als Ballhandler im Pick-and-Roll – der Forward scheint nun wirklich sein Scorer-Gen gefunden zu haben. „Robin wirft, Robin trifft. Alles ist gut.“ Maurice Stuckeys Aussage verdeutlicht, welche Rolle Benzing in Würzburg einnimmt und mit welcher Selbstverständlichkeit er dies tut – auch wenn es mit den Gamewinnern wie zu Saisonbeginn zuletzt nicht mehr so bestellt war.

Was sich im Vergleich zu seiner Zeit in München nicht geändert hat: Benzing polarisiert. Bauermann versucht, seinen Schützling zu schützen; Außenstehende prangern hingegen seine Theatralik beim Ziehen von Fouls an. Ein Fakt: Mit 6,9 Freiwurfversuchen pro Spiel führt Benzing die Liga an. Dieses Polarisieren, aber mehr noch die Rückkehr nach zwei Jahren fern ab der Liga samt Scorer-Genetik lassen Benzing eine der Top-Stories der diesjährigen BBL-Saison schreiben.

John Bryant (GIESSEN 46ers)

Gegen ein ähnliches Brett schlägt John Bryant. Gießens Offseason-Coup war zwar „nur“ ein Jahr von der deutschen Beletage entfernt, nach einem missglückten Wechsel nach Spanien aber rund acht Monate vereinslos. Und auch der zweimalige Liga-MVP polarisiert mit seiner Bayern-Vergangenheit und seinen immer wieder auftretenden Gewichtsproblemen.

Zwei Statistik-Zeilen zum Vergleich:

1.: 14,2 PpG, 10,1 RpG, 3,1 ApG, 1,5 BpG, 2,4 TpG, 50,3% FG
2.: 16,2 PpG, 10,5 RpG, 1,6 ApG, 1,3 BpG, 1,8 TpG, 57,9% FG

Bei den ersten Werten handelt es sich um Bryants Statistiken pro 30 Minuten in der aktuellen Saison. Bei den zweiten Werten um seine Statistiken pro 30 Minuten aus seiner ersten MVP-Saison 2010/11. Die Situation in Gießen „fängt an, sich ein wenig wie in Ulm damals anzufühlen“, hatte Bryant bereits nach rund einem Saisonmonat gesagt in Bezug auf die Frage, wieviel Spaß ihm Basketball derzeit mache. „Irgendwie schließt sich bei mir der Kreis.“

Mit der sportlichen Bedeutung, dass sich Bryant anschickt, tatsächlich an seine MVP-Werte heranzureichen. Während sein Dreier (noch) nicht konstant fällt, hat Bryant aber sein Passspiel verbessert. Im Low-Post findet er häufig die Schützen um sich herum. Gegen Braunschweig verfehlte Bryant nur um zwei Assists das erste Triple-Double in der BBL seit dem 1. Mai 2010.

Bryants Vermächtnis? „John Bryant hat es genossen, Basketball zu spielen. Und das hat wiederum die Fans gefreut“, wünscht sich der Center, an was sich die deutschen Fans bei ihm erinnern sollen. Und in der Tat sieht man Bryant dieser Tage auf dem Feld häufig den Spaß an. Göttingens Harper Kamp nutzt seine Schnelligkeit und zieht gegen Bryant das Foul? Der lächelt nur und gibt Kamp einen Klaps mit. Ludwigsburgs Johannes Thiemann nutzt den Platz, den Bryant ihm gibt, und trifft einen Dreier? Bryant lächelt nur. Es scheint, als habe Bryant wieder so viel Spaß am Basketball, dass er die eigenen Schwächen auch einfach akzeptieren kann.

Luke Sikma (ALBA BERLIN)

Der Sigmakörper meint in der Mathematik eine Menge von Mengen. Luke Sikma verkörpert eine eigene Mengenlehre. Denn der Berliner Big Man vereint so viele Facetten eines spielintelligenten Akteurs.

Ein Triple-Double um zwei Assists verpassen? Kennt Sikma aus dem Spiel gegen Würzburg. Dort setzte er mit folgender Aktion ein Highlight: Ein Hand-Off mit Bennet Hundt glückt nicht, Sikma stellt nach Hundts Cut stattdessen einen Block mit seinem Po, um dann der Berliner Guard per Bodenpass durch die Beine seines Verteidigers zu bedienen. Nur auf dem neunten Platz der Telekom Top Ten:

Aíto hat bei ALBA BERLIN ein System implementiert, in dem weniger Spielzüge, als vielmehr Prinzipien im Vordergrund stehen. Ein System, das Spieler fördert, aber auch fordert, mit eigener Spielintelligenz Situationen und den Gegner zu lesen. Und genau hier besticht Sikma – auf beiden Seiten des Feldes.

Der 28-Jährige wechselte als spanischer Meister in die BBL. Die filmreifsten Geschichten gieren auch nach Rückschlägen und Niederlagen. Nichtsdestotrotz ist Sikma der Frontrunner auf die MVP-Auszeichnung.

Tim Schneider (ALBA BERLIN)

Aítos System fördert und fordert vor allem junge Spieler. Und so ist der 20-jährige Tim Schneider fester Bestandteil der Berliner Rotation. Eigentlich benötigt ein Albatros einige Monate, ehe er flügge wird, so aber nicht der U20-Nationalspieler. In der gesamten Saison 2016/17 war Schneider nur 18:39 Minuten auf dem Feld gestanden. Diese Marke hatte der Forward schon im ersten Spiel dieser Saison in Ulm überboten!

Eigentlich vornehmlich als Stretch-Vierer aufgestellt, fällt Schneiders Dreier in dieser Saison (24,0% 3FG) bislang noch nicht so, wie man es von ihm erwarten könnte. Bei der U20-EM dieses Jahres avancierte Schneider zum treffsichersten Distanzschützen des DBB-Teams (45,5% 3FG). Doch Schneider hat in dieser Saison auch schon eine größere Bandbreite aufblitzen lassen: sein Passspiel aus dem High-Post oder seine Athletik. Schneider ist nicht nur eine der individuell positivsten Überraschungen der Saison, sondern auch ein Steal beim basketball.de German Hoops Draft (an 92. Stelle von Jan Jagla gezogen)

Frankfurts Kultur

Die Berliner schicken das jüngste ALBA-Team der Geschichte ins Rennen; bei den FRAPORT SKYLINERS sind gleich zwei U20- sowie ein U19-Nationalspieler fester Bestandteil der Rotation. Während Niklas Kiel und Richard Freudenberg aber derzeit verletzt ausfallen, schickt sich Isaac Bonga an, seine Karrierebestwerte immer wieder zu steigern.

Apropos Verletzungen: Da fehlen den Frankfurtern ihre Rotationsspieler Phil Scrubb (zudem Liga-Topscorer), Jonas Wohlfarth-Bottermann, Shawn Huff sowie die angesprochenen Freudenberg und Kiel, und dennoch schlagen sie zuhause Berlin. Das Erfolgsrezept? Auch der Coaching-Stab um Gordon Herbert und Klaus Perwas.

Das Frankfurter Playbook ist nicht das dickste, und doch schaffen es die Frankfurter durch das Einhalten von Prinzipien, das Rotieren auf bestimmte Positionen, sich offene Würfe zu erspielen. „Für Coach ist es ein signifikanter Unterschied, ob ich einen Meter in oder vor der Zone stehe“, weiß Jonas Wohlfahrt-Bottermann aus eigener Erfahrung. Doch statt von ihrer Offensive leben die Frankfurter vor allem von ihrer Verteidigung: In dieser Spielzeit weisen die Hessen wie schon in der vergangenen Saison das viertbeste Defensiv-Rating auf; in der Saison davor führten sie die Liga in dieser Kategorie sogar an.

Der Abgang vergangener Leistungsträger, die sich in Frankfurt zu Nationalspielern entwickelt haben, punktuelle Verletzungen, wodurch ProB-Spieler den Kader auffüllen – anscheinend kein Problem für Herbert. Der Kanadier hat, bis in die Geschäftsführung um Gunnar Wöbke, in Frankfurt eine Kultur geschaffen.

Der Kultur-Begriff in der NBA wird gerne mit den San Antonio Spurs in Verbindung gebracht. Und die Texaner trotzen immer wieder kollektiven Abgesängen. Es mag daher wenig verwundern, dass Herbert einst auch bei den Spurs hospitiert hatte und sich beim wenigen NBA-Basketballkonsum gerne das Team von Gregg Popovich anschaut.

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