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Bank Shots: TOP-FOUR-Spezial

16.02.2018 || 16:15 Uhr von:
Am Wochenende spielen Bayreuth, Berlin, München und Ulm beim easyCredit TOP FOUR den Pokalsieger 2018 aus. Ein Blick auf Status Quo, Spielzüge und Jungspunde des Quartetts.

Das easyCredit TOP FOUR bietet die „Möglichkeit, ein bisschen den Mantel des Schweigens über schwächere Phasen gerade aus der Hinrunde zu legen.“ Für Thorsten Leibenath und ratiopharm ulm bietet das Pokalturnier im eigenen Wohnzimmer auch die Möglichkeit, durch zwei erfolgreiche Spiele einen Titel zu holen. Mit Blick auf die rekordträchtige vergangene, aber letztlich titellose Saison sowie diese Spielzeit wäre das ein „Momentum-Swing“, wie ihn vielleicht nur der Basketball kennt.

Doch genau das macht auch den Reiz eines Pokalturniers aus: Do-or-Die-Partien an zwei Tagen, aus denen neben Ulm auch medi bayreuth, ALBA BERLIN und der FC Bayern München als Überlebende herausgehen wollen.

Ratingagentur I: Barthel übernimmt bei Bayern

Das Momentum liegt derzeit sicherlich am stärksten bei den Bayern. Ihre Bilanz gegen die deutsche Konkurrenz in dieser Saison steht bei 22-1. Die einzige Niederlage datiert auf einen Freitag, dem 13. – im Oktober 2017 genau genommen gegen die Frühstarter Würzburg. An diese revanchierten sich die Bayern Ende Januar nicht nur, mit Bamberg (zweimal) und Bayreuth wiesen sie im neuen Kalenderjahr auch die zwei anderen fränkischen Teams in die Schranken.

Die Hiobsbotschaft des Saisonendes von Milan Macvan scheint derweil Danilo Barthel zu mildern. Der deutsche Nationalspieler stellt ein wandelndes Mismatch dar: Denn Barthel versteht es, sich sowohl im Low-Post gegen schmächtigere Gegner durchzupowern als auch vom Flügel gegen langsamere Verteidiger zu attackieren. Wobei, ein Augustine Rubit ist eigentlich nicht langsam auf den Beinen – wie eine von drei Szenen aus dem Spiel gegen Bamberg zeigt:

Seit Macvans Verletzung hat Barthel in den wettbewerbsübergreifend sechs Partien 16,0 Punkte, 6,3 Rebounds, 2,7 Assists, 0,5 Steals und 0,8 Blocks im Schnitt aufgelegt, samt absurden Wurfquoten (75,7% FG; 85,7% 3FG; 85,7% FT). Welchen Most Barthel auch holt, er ist verdammt ausgereift. Hand aufs Herz: Welcher deutsche Spieler ist derzeit der stärkste in der BBL?

Per Günther ist es in dieser Saison nicht. Der 30-Jährige geht mit einer überstandenen Oberschenkelverletzung in das Pokalwochenende, bringt in dieser Spielzeit aber auch sonst keine Konstanz in sein Spiel. Ein pars „per“ toto für die gesamte Ulmer Leistung 2017/18 – es fehlt offensiv mitunter am Denker und Lenker, der die Prinzipien konsequent und kraftvoll umzusetzen weiß.

Was könnte den Ulmern Mut machen? Das eigene Wohnzimmer? Doch mit zwei Heimniederlagen gegen Gießen und Frankfurt geht der Pokalausrichter in das Turnier, die Hinspiele hatten die Ulmer gegen die Hessen-Teams noch gewonnen. Einzig ein Sieg gegen Würzburg mag 2017/18 noch ein Erfolgserlebnis mit kleinem Ausrufezeichen darstellen. Ansonsten? Die Ulmer Bilanz gegen letztjährige Playoff-Teams steht bei 0-6 …

Ismet Akpinar und Danilo Barthel: zwei Nationalspieler im Aufwind

Playoffs stehen, im Optimalfall, auch über für gefundene Rollen und gekonnte Rotationen, doch das lassen die Ulmer noch vermissen. In der Verteidigung fehlt es mitunter an der Abstimmung, die Frankfurter zeigten dies jüngst im Schlussviertel ein um das andere Mal, wenn Phil Scrubb Blöcke nutzte. Beim Defensiv-Rating sind die Ulmer vom dritten Platz in der vergangenen Saison (102,1 Punkte pro 100 Possessions) auf den zehnten Platz in der aktuellen Spielzeit (116,3 Pkt/100 Poss) abgerutscht.

In der Offensive haben die Ulmer immerhin noch Waffen, die individuell überzeugen können: Ryan Thompson als einer der besten Eins-gegen-Eins-Spieler, der in der Crunchtime übernimmt. Da’Sean Butler als ein potentielles Mismatch auf der Drei und Vier. Und da wir bei deutschen Akteuren waren: Ismet Akpinar befindet sich gerade im Übergang vom Rollen- zum Führungsspieler. Im Schlussabschnitt gegen Frankfurt präsentierte Akpinar nicht nur seinen Scoring-Touch, sondern auch seinen Willen, das Spiel an sich reißen zu wollen.

Hedge Funds I: Ulms viele Optionen

Akpinar rutschte mit dem siebten Spieltag in die Startformation Ulms. Seitdem agiert die Ulmer Offensive zumindest statistisch effizienter. Das wird nicht allein am Combo-Guard liegen, eher daran, dass Thorsten Leibenath sein Playbook überarbeitet hat.

„Das Playbook ist in diesem Jahr ein deutlich größerer Prozess als in den Jahren davor. Das hängt damit zusammen, dass ich gewisse Dinge falsch eingeschätzt und die Mannschaft mit dem Playbook überfordert habe. Obwohl ich noch nicht ansatzweise da war, wo ich sein wollte, mussten wir zu Beginn der Saison deutlich reduzieren“, hatte sich Leibenath im basketball.de-Interview geäußert.

Mit einem Spielzug scheinen die Ulmer zuletzt ganz gut zu fahren. Dabei rotiert Da’Sean Butler von der Zone an den Flügel, um nach Ballerhalt per Hand-Off an einen Ballhandler wie Ryan Thompson abzugeben. Im folgenden Clip kommt Isaac Fotu, der das Play mit einem Pin-Down für Butler eingeleitet hat, dazu und stellt einen Ball-Screen für jenen Ballhandler. Der schnelle und flüssige Übergang vom Hand-Off zum Side-Pick-and-Roll eröffnet den Ulmern gute Optionen.

Hedge Funds II: Bayerns Alley-Oop-Geheimnis

Konstant die effizienteste Offensive dieser Saison stellen die Bayern – und wohl auch eine der ahnsehnlichsten mit samt Alley-Oop-Aktionen. Doch auch diese entstehen natürlich durch bestimmte Prinzipien, oftmals durch frühe Ausstiege oder zweite Optionen eines Spielzugs.

So segelte Jared Cunningham bei der Partie gegen Bamberg Mitte des ersten Viertels per Alley-Oop ein, weil er sich gegen die Rotation nach oben entschied, Maodo Lo überraschte und zum Korb cuttete. Denn in der Possessions davor hatten die Bayern ein Play mit dem gleichen Einstieg gelaufen, nur dass dort der Spieler auf Cunninghams Position (zuvor Reggie Redding) nach einem Staggered-Pin-Down den Ball an der Birne erhalten hatte.

Mit seiner Athletik strahlt Cunningham eine explosive Offensivgefahr aus – und kann damit auch als Lockmittel eingesetzt werden. Gerne nutzen die Münchener ihren Guard als Blocksteller ballabseits. In folgendem Video laufen die Bayern in der ersten Sequenz erst eine „Screen-the-Screener“-Aktion: Cunningham stellt erst einen Block – einen Cross-Screen für Devin Booker an der Baseline –, um dann selbst einen Block zu erhalten. Nach dem Pin-Down von Danilo Barthel kann Cunningham als Ballhandler an der Birne selbst zu Werke gehen. Hier schalten die Bayern aber als Team sehr schnell, Cunningham bedient den abrollenden Blocksteller Barthel für den Korbleger.

In den beiden nachfolgenden Aktionen steigen die Bayern mit der gleichen Aktion ein. Nur erhält Cunningham dann nicht einen Pin-Down-Screen, sondern stellt erneut einen Block – eben für jenen Big Man, der sonst Cunningham freiblockt. Durch diesen Back-Screen Cunninghams resultieren die gefürchteten Alley-Oop-Aktionen der Bayern.

Hedge Funds III: Sik Sikma

Ein Team, das in der BBL mit am stärksten auf ballferne Blöcke setzt, ist ALBA BERLIN. Wie mittlerweile jedem bekannt sein dürfte, pflegt Coach Aíto eine offene Motion Offense ohne vorgegebene Rotationen. In einer solch frei fließenden Offensive sind spielintelligente Akteure gefragt, wie es Luke Sikma ist – und womit der Point Forward auch seinen MVP-Status zementiert.

In der Analyse zu Sikmas Spiel wurde bereit eine Aktion skizziert, die einen Schützen wie Spencer Butterfield nach einem ballfernen Block zum Wurf kommen lässt.

Butterfields Name verpflichtet: Einen butterweichen Sprungwurf hat der Shooting Guard im Repertoire, den er mit 45,5 Prozent über die Saison hochprozentig von außen trifft. Butterfield hatte mit einer Fußverletzung rund einen Monat pausiert, seinen Rhythmus zuletzt aber beibehalten: In den vergangenen drei Pflichtspielen hat er elf seiner 20 Dreier versenkt. Hinter Bremerhavens Jordan Hulls und Teamkollege Marius Grigonis klopft Butterfield übrigens an die Tür zum „50/40/90“-Club.

Juniordepot: Amaizing Transition

Mit dem jüngsten Kader der ALBA-Geschichte dürfte man sich nicht wundern, wenn sich die Albatrosse den Slogan „Heroes of Tomorrow“ von medi bayreuth ausleihen würden. In dem Zusammenhang wird bei den Oberfranken gerne auch Robin Amaize als talentierter Hoffnungsträger herangezogen – mit Verweisen auf Paul Zipser steht Amaize auch innerhalb der basketball.de-Redaktion hoch im Kurs. Dabei sollte nicht vom Parkett gewischt werden, dass Amaize kürzlich „schon“ 24 Jahre alt geworden ist. Damit ist Amaize übrigens älter als der Bayreuther-Starting-Point Guard James Robinson oder, man mag es kaum glauben, drei Monate älter als Berlins kaltschnäuziger „two-way“-Flügelspieler Marius Grigonis. Eigentlich disqualifiziert dies Amaize für eine Erwähnung im Juniordepot, doch seine Entwicklung mag es verzeihen.

Amaize hat sein Ballhandling derart verbessert, dass er schon mal den Spielaufbau in Bayreuth übernimmt und Linhart’sche Bodenpässe aus dem Handgelenk schüttelt. Seine Abschlüsse am Ring sind konsequenter, den Kontakt absorbiert der Flügelspieler besser. Das beweist Amaize immer wieder im Schnellangriff. Amaizes Fastbreak-Express nach eigenem Defensiv-Rebound scheint sich langsam zu einem der Signature-Moves der BBL zu etablieren – „ein weiche[r] Gang geschmeidig starker Schritte“, der sich von Küste zu Küste dreht:

Vor allem zu Saisonbeginn machte unter den Jungspunden Tim Schneider am meisten auf sich aufmerksam. Die Einsatzzeiten des Berliner Stretch-Vierers waren zuletzt aber ein wenig inkonstant.

Aus dem letztjährigen U20-EM-Kader hat zuletzt auch Ulms David Krämer einen guten Eindruck hinterlassen. Der Flügelspieler nennt einen exzellenten Sprungwurf mit Range sein Eigen, besitzt aber auch eine nicht zu unterschätzende Athletik (was auch Austin Holls nach der Aktion im folgenden Video weiß). Im jüngsten Spiel gegen Frankfurt schien Krämer seinen Coach mehr überzeugen als Trey Lewis, welcher in der zweiten Halbzeit nicht mehr zum Einsatz kam.

Um bei der 2017er U20-Nationalmannschaft zu bleiben, hätten die Bayern mit Karim Jallow ebenfalls einen Schützling in ihren Reihen. Doch der Flügelspieler wird in dieser Spielzeit unter Sasa Djordjevic nicht so recht von der Leine gelassen – obwohl manche Experten ihm das Potential für die späte zweite Runde beim NBA-Draft zuschreiben.

Akpinar, Amaize, Krämer oder Jallow – sie alle bringen Voraussetzungen mit, auch auf der Zwei eingesetzt zu werden. Eine Position, die in der jüngeren Vergangenheit mit Blick auf die Nationalmannschaft oftmals als vakant angesehen wurde. Das easyCredit TOP FOUR könnte aber zeigen, warum eine vermeintliche Lücke geschlossen werden könnte.

Ratingagentur II: Albatros im Höhenflug

Nach den Bayern weist derzeit ALBA BERLIN die längste Siegesserie auf: Inklusive die Pokal-Qualifikation sind die Berliner seit acht Partien ungeschlagen. In dieser Zeit ließen die Albatrosse in vierten Vierteln ihre Gegner trotz komfortabler Führung zwar herankommen, sie bewiesen dann aber auch Crunchtime-Stärke, um das Momentum wieder an sich zu reißen.

Hierbei trumpfte vor allem das Duo Peyton Siva/Marius Grigonis auf – womit auch die Frage erlaubt sei, welches Team das beste Trio aus Ballhandler/Swingman/Big Man aufbietet? Kann eine Mannschaft die Berliner Troika Siva/Grigonis/Sikma überbieten? Vielleicht die Bayern mit Redding/Cunningham/Booker?

Man könnte auch beim Berliner Halbfinalgegner medi bayreuth fündig werden und ein Trio aus Nate Linhart, Gabe York und Assem Marei ins Rennen schicken. Marei brauchte nach seiner Verletzungspause im November etwas Zeit, knüpfte zuletzt aber wieder an seine starken Leistungen zu Saisonbeginn an. Während Mareis Abstinenz und darüber hinaus sprang Andi Seiferth ein, was ein Bayreuther Alleinstellungsmerkmal untermauert: Kein Team weiß ein so starkes Low-Post-Center-Duo in seinen Reihen. Und in Raoul Korners System werden die beiden Pivoten auch dementsprechend eingesetzt.

York lief um den Jahreswechsel extrem heiß, kühlte aber fast genau so schnell wieder ab. Gut, wer einen Nate Linhart im Kader hat. Der 31-Jährige ist und bleibt der Bayreuther Klebstoff und stellt als Ballhandler auf der Drei mit seiner linken Hand so viele Verteidiger vor Probleme.

Lefty Linhart und Sik Sikma: zwei der intelligentesten Spieler der BBL

Das bewies Linhart unter anderem beim Aufeinandertreffen mit Berlin Mitte November, als er mit 23 Punkten zum Topscorer avancierte. Mit drei Monaten zwischen jenem Duell und der Halbfinalpaarung am Samstag mag man nicht zu viel Aussagekraft aus dem 83:76-Sieg Bayreuths ziehen, doch ein gleichsam spannendes Spiel ist zu erwarten, mit der leichten Favoritenrolle auf Seiten Berlins.

Als sich Ulm und München Ende Dezember das erste und bisher letzte Mal in dieser Spielzeit gegenüberstanden, wurden die Ulmer im ersten Viertel von den Bayern regelrecht überrannt – was auch an einer taktischen Defensivausrichtung Ulms lag, die man so nicht wiedersehen dürfte. Trotz Heimvorteil ist die Favoritenrolle klar bei den Bayern zu sehen.

Ratingagentur (Bayern): AA
Ratingagentur (Bayreuth): BBB
Ratingagentur (Berlin): A
Ratingagentur (Ulm): CCC

Nichtsdestotrotz stehen sich vier Teams gegenüber, deren Spieler die Liga auch prägen – was der basketball.de BBL Hoops Draft anschneidet. Mit Bamberg weisen jene vier Teams die meisten im Draft gezogenen Spieler auf (Bayern: zehn Spieler gewählt; Bayreuth: 9; Berlin: 8; Ulm: 7). Vielleicht ein Indiz dafür, welche Qualität beim easyCredit TOP FOUR auf dem Parkett zu erleben ist.

Auf den „Schleudergang“ zur Beko BBL folgen die „Bank Shots“ zur easyCredit BBL. Beobachtungen zu den Spielen der deutschen Beletage samt Crunchtime-Aktionen („Money“), Taktikfunden („Hedge-Funds“), Spielerbewertungen („Ratingagentur“), Negativserien („Kredit verspielt“), Leistungen von Nachwuchsspielern („Junior Depot“), Rekorden und Zahlen („Kontostand“) sowie Tipps zum easyCredit BBL-Manager („Managerboni“) in losem – easy – Rhythmus.


Material zur Verfügung gestellt von Telekom Sport: Alle Spiele der easyCredit BBL, der deutschen Teilnehmer des Eurocup und der Euroleague exklusiv. Alle Infos hier.

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