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Wie passt E.J. Singler ins Team von s.Oliver Würzburg?

01.12.2017 || 10:19 Uhr von:
Würzburg Bauermann
Dirk Bauermann hat in Würzburg die bundesligafreie Zeit dazu genutzt, um zwei Änderungen am Kader vorzunehmen. Wie könnte sich der Wechsel von Ryan Anderson zu E.J. Singler auswirken?

Zum einen trennten sich die Unterfranken von Ryan Anderson (7 Einsätze, 4,1 Punkte, 4,7 Rebounds). Der Big Man, der vor der Saison für die Positionen Vier und Fünf gekommen war, wurde bereits in der Preseason durch eine hartnäckige Verletzung zurückgeworfen und konnte seine Rolle in der Rotation von Headcoach Dirk Bauermann nie vollends finden. Für Anderson kam zu Beginn der laufenden Woche kein neuer Big Man, sondern in Person von E.J. Singler ein klassischer Flügelspieler für die Position Drei. Die Qualitäten und die mögliche Rolle dieses Mannes sollen hier aufgezeigt werden, um schließlich diesen Transfer zu beurteilen.

Auf einen furiosen Start folgt eine rasante Wende

Um die Sinnhaftigkeit des Singler-Transfers zu diskutieren, bietet es sich an, vorab einen Blick auf den bisherigen Saisonverlauf von s.Oliver Würzburg zu werfen. In furioser Manier regierten die Unterfranken angeführt von einem konstanten Robin Benzing (18,9 Punkte pro Spiel) mit fünf Siegen am Stück nach fünf Spieltagen von der Tabellenspitze. Sowohl gegen Bamberg als auch in München gewann Würzburg. Bei den knappen Erfolgen in Jena (76:73) und gegen Bremerhaven (74:64) zeigten sich schon gewisse Schwächen, die zu Beginn einer neuen Saison und eines Umbruchs einzukalkulieren sind.

Überraschend kam jedoch die Art und Weise, wie rasant das Momentum kippte: Nach dem Sieg in München folgte eine unerwartete Niederlage in Braunschweig sowie weitere drei Niederlagen am Stück. Am Spieltag vor der bundesligafreien Zeit sorgte Würzburg durch einen Sieg gegen einen unter dem Korb äußerst dezimierten Mitteldeutschen BC dafür, dass die Unterfranken mit dem berüchtigten „guten Gefühl“ in die Spielpause gehen konnten. Aktuell befindet sich Würzburg punktgleich mit dem Tabellensechsten Bamberg auf dem neunten Rang.

Geordnetes Halbfeldspiel, stabile Verteidigung, geringe Pace, kuriose Reboundwerte

Ein Blick in die erweiterten Statistiken zeigt, dass die Mannschaft von Dirk Bauermann bislang den langsamsten Basketball der Liga spielt. Die Mannschaft um Kapitän Kresimir Loncar kommt bisher auf 69,2 Ballbesitze pro Partie und damit auf so wenige wie keine andere Mannschaft in der Basketball-Bundesliga (eine Analyse zum erfolgreichen Saisonstart gibt es auf basketball.de).

Dabei kommt das Team im Schnitt auf 111,7 Punkte pro 100 Ballbesitze. Damit weist Würzburg bislang das sechstbeste Offensivrating der Liga auf. Das Defensivrating (103,8) ist ligaweit gar das viertstärkste. Während das Defensivrating seit der ersten Niederlage in der laufenden BBL-Saison nahezu unverändert geblieben ist, hat sich das Offensivrating seit der Niederlage in Braunschweig recht deutlich verschlechtert (107,4). So stellt die Mannschaft von Dirk Bauermann seit dem 20. Oktober das statistisch viertschwächste Offensivteam. Als ein Grund dafür kann die Abhängigkeit vom bisher sehr mäßig fallenden Dreier ausgemacht werden. Trotz der ligaweit drittmeisten Versuche von Downtown fallen bisher lediglich 33,5 Prozent (Platz 14) der Würfe von außen.

Eine weitere nennenswerte und eine sogleich kuriose Statistik zeigt sich in Bezug auf das Reboundverhalten: Die Würzburger holen ligaweit prozentual die meisten Defensivrebounds, sichern sich gleichzeitig aber die wenigsten Offensivrebounds. Als überraschend kann die Statistik insofern gesehen werden, da Würzburg quasi seit dem Saisonstart häufig auf „Small Ball“ setzt. Center Leon Kratzer (rund 10 Minuten pro Spiel) und Power Forward Osvaldas Olisevicius (11 MpG) erhalten bisher als nominelle Back-ups auf den Positionen Vier und Fünf recht wenig Spielzeit, sodass auch ein Robin Benzing des Öfteren auf der für ihn sehr ungewohnten Position Fünf agiert hat.

Dass Würzburg dennoch so stark beim Defensivrebound ist, korreliert sicherlich stark mit der Tatsache, dass sich die Verteidigung der Unterfranken bisher weitgehend als stabil erwiesen hat. Die schwache Quote bei den Offensivrebounds hängt damit zusammen, dass Würzburg bis zur Position Fünf (mit Ausnahme von Kratzer) mit Spielern agiert hat, die ihr Spiel gerne nach außen verlagern.

Was verändert die Trennung von Anderson und Verpflichtung von Singler?

Der jüngste Abgang von Ryan Anderson kann im Zusammenhang mit den zuletzt dürftigen Offensivleistungen von s.Oliver Würzburg gesehen werden. Anderson machte nach seiner Rückkehr von seiner Verletzung keinen so beweglichen Eindruck, wie er ihn in Videos aus seiner Zeit in Belgien gemacht hat. Er wirkte eher ungelenk und von seinen Bewegungen wie ein Center, ohne die entsprechenden Fähigkeiten für diese Position mitzubringen. Er konnte weder als Pick-and-Roll-Spieler noch als Stretch-Fünfer oder -Vierer und auch nicht als Post-up-Spieler überzeugen, obgleich sich sein Ertrag von 4,1 Rebounds in etwas weniger als 14 Minuten pro Partie durchaus sehen lassen kann. In der Offensive konnte er dem Team schlichtweg nicht essentiell weiterhelfen; und defensiv war er nicht der Hauptgrund dafür, dass Würzburg bisher zu den stärksten Teams in dieser Kategorie gehört.

Durch den Abgang eines nominellen Big Mans und der Verpflichtung von Swingman E.J. Singler wird es künftig jedoch sehr interessant sein zu sehen, ob Würzburg unter dem Korb dauerhaft gegen andere Playoff-Anwärter bestehen kann. Voraussichtlich wird Robin Benzing wie schon gegen den Mitteldeutschen BC wieder häufiger auf der Position Fünf zu finden sein. Bisher hat Dirk Bauermann in einer Line-up mit dem kräftigeren, aber unbeweglicheren Olisevicius und Benzing zumeist auf Benzing als den Verteidiger des Pick-and-Rolls mit dem gegnerischen Center gesetzt. Robin Benzing spielt auch deshalb auf der Position Fünf, weil die beiden nominellen Center Kresimir Loncar und Leon Kratzer bisher zumeist deutlich weniger 40 Minuten Einsatzzeit unter sich aufteilten. Durch den Abgang von Ryan Anderson könnte die ohnehin große Abhängigkeit von Robin Benzing auf den großen Positionen zunehmen. Gleichzeitig sind Spieler wie Olisevicius, der zuletzt konstant weniger als zehn Minuten spielte, und Leon Kratzer gefordert, einen deutlich größeren Einfluss auf das Spiel auszuüben. Weitere Anmerkungen zur Rotation werden an späterer Stelle gemacht.

Champion in der D-League

Der neue Spieler, für den Dirk Bauermann auf einen Big Man verzichtete, ist der 27-jährige E.J. Singler. Der – Achtung Anekdote – Bruder des NBA-Spielers Kyle Singler spielte in den vergangenen Jahren primär in der NBA Development League (heute: G-League). Während seines einzigen Engagements in Europa, in der Saison 2014/2015 in Kalev (Estland), hinterließ der US-Amerikaner keinen bleibenden Eindruck. In der VTB-League kam der 1,98 Meter große Swingman auf 4,5 Punkte und 2,4 Rebounds pro Partie. In der estnischen Liga brachte er es zumindest auf eine glanzvolle Dreierquote von 50 Prozent und 8,2 Punkte je Spiel. Zuletzt gehörte der spielintelligente Dreierspezialist beim Meisterschaftsgewinn des D-League-Klubs Toronto Raptors 905 zu den Leistungsträgern. In der laufenden Saison blieb Singler bislang vereinslos.

Auf der Grundlage von Videobeobachtungen von einzelnen D-League-Spielen und Statistiken (Quellen: Draftexpress, Eurobasket) werden an dieser Stelle Stärken und Schwächen des neuen Würzburger Small Forwards, der zuletzt in der D-League sehr häufig als Shooting Guard fungiert hat, aufgezeigt werden.

Stärken: Ein Dreierspezialist, der die Details kennt

Catch & Shoot/Blöcke nutzen: Wenn jemand E.J. Singler mit einem Wort beschreiben müsste, könnte der Neu-Würzburger sicherlich als „Dreierspezialist“ betitelt werden. In der Saison 2015/2016 verwandelte der Absolvent der University of Oregon für die D-League-Raptors 47,5 Prozent seiner Dreipunktwürfe – das Ganze bei 2,9 Treffern pro Partie. Auf ähnliche Werte kam er in der Saison 2013/2014 (47,5% bei 2,6 Treffern). Der Flügelspieler verfügt über einen sehr sauberen und relativ schnellen Wurf. Er ist niemand, der sich seinen eigenen Wurf kreiert, sondern wird primär in Szene gesetzt.

Catch & Go (oft nach Wurftäuschung): Auffällig ist bei einem Blick auf die Statistiken, dass Singler über seine Karriere gesehen für einen Dreierspezialisten nicht außergewöhnlich viele Dreier nimmt. Seit 2009 beendete er erst zweimal eine Saison mit über zwei verwandelten Dreiern pro Partie, auch wenn er in den vergangenen vier Spielzeiten durchweg mehr Dreier als Zweier versuchte. An Einsatzzeit mangelte es ihm dabei nicht. Nur in Estland kam er auf weniger als 20 Minuten durchschnittlicher Einsatzzeit.

Der nicht inflationäre Fokus auf den Dreier ist auch darauf zurückzuführen, dass Singler die Close-outs der gegnerischen Verteidigung sehr gut liest. Wenn der Gegenspieler auf den zum Dreier ansetzenden Singler zuläuft, versteht es der 27-Jährige sehr gut, bestimmt zur rechten wie auch zur linken Seite aus dem ersten Dribbling heraus den Korb zu attackieren. In der Zone scheut er nicht vor dem Kontakt, und auch der Floater ist Teil seines Repertoires. Ein Makel ist jedoch, dass Singler ein ziemlich dominanter Rechtshänder ist, der selten seine linke Hand benutzt.

Spacing im Fastbreak/Ballbewegung im Halbfeld: In der Offensive berücksichtigt Singler sehr viele Details. Er bewegt sich nach einem Defensivrebound sehr gut in der Transition-Offense. Mit seinem stabilen Wurf, den der Gegner immer respektieren muss, zieht er Gegenspieler auf sich und kann dadurch Räume für andere Spieler schaffen. Zudem ist er jemand, der im Fastbreak den Extrapass sucht und auch das Extradribbling setzt, um die Verteidigung in einer Überzahlsituation nochmal entscheidend zu bewegen. Im Halbfeld gelingt es ihm häufig, sich auf der ballabgewandten Seite durch kurze Bewegungen in die Zone und zurück an die Dreierlinie in Position für seinen Wurf oder für einen Korbleger zu laufen.

Intelligentes Passspiel: Generell ist Singler nicht der Spieler, den viele als „kreativen Passgeber“ bezeichnen würden. Er ist kein begnadeter Pick-and-Roll-Spieler, dafür aber jemand, der den Extrapass spielt und beim gelegentlichen Drive offene Mitspieler findet. Auch als Passgeber im Low-Post – vor allem in Mismatches gegen andere Zweier – wurde er von den Raptors teilweise eingesetzt. In der D-League kam er auf diese Weise in der Saison 2016/2017 in 28,1 Minuten Einsatzzeit auf solide 2,6 Assists pro Partie. Ob sich diese Fähigkeit auch in Würzburg herauskristallisiert, hängt allerdings auch davon ab, wie sehr er in den Spielzügen involviert sein wird.

Teamdefense (Antizipation, Rotation, Ausboxen): In der Pressemitteilung von s.Oliver Würzburg lobt Dirk Bauermann E.J. Singlers Defensivqualitäten. Der 27-Jährige ist kein athletischer Lockdown-Verteidiger. Allerdings kann er defensive Prinzipien exzellent umsetzen. Er reagiert sehr schnell darauf, wenn ein Mitspieler irgendwo auf dem Spielfeld im Eins-gegen-Eins geschlagen wird. Zudem versteht es, Offensivfouls aufnehmen und auszuboxen.

#3 Rot (Minute 13:20): Singler reagiert blitzschnell, nachdem ein Mitspieler an der Baseline geschlagen wurde.

Arbeit gegen Blöcke, Verständnis für Abstand: Gegen sehr athletische Gegenspieler tut sich Würzburgs Neuzugang aufgrund athletischer Nachteile durchaus schwer, rechtzeitig um die Blöcke zu kurven. Grundsätzlich ist Singler allerdings sehr stark darin, am Block Kontakt zu seinem  Gegner aufzunehmen und dann wieder vor dem Gegenspieler zu sein. In der Eins-gegen-Eins-Verteidigung haben die Raptors ihn teilweise auch auf Point Guards angesetzt. Zwar übt Singler keinen übermäßigen Druck auf den Ball aus, doch mit seiner Kombination aus Größe, Armlänge und Antizipation schafft er es relativ häufig, seinen Gegenspieler vor sich zu halten.

Schwächen: Athletik, Kreativität, (zu sehr?) Komplementärspieler

Laterale Geschwindigkeit, Physis, Umstellung auf BBL in der Defense: Trotz seines hohen Spielverständnisses und Willens, in der Helpside und auch im Low-Post durchaus hart zu verteidigen, bekommt Singler gegen sehr athletische Gegenspieler manchmal Probleme. In diesem Punkt wird die Umstellung auf den europäischen Basketball eine Rolle spielen. In Europa werden die Blöcke vermeintlich noch etwas härter gestellt und generell wird sehr viel mit Blöcken im Halbfeld operiert. Ob er physische wie athletische Gegenspieler wie Rickey Paulding konstant vor sich halten kann, muss sich zeigen.

Tiefe Position in der Teamdefense: Zwar ist der 27-Jährige ein sehr intelligenter Teamdefender, jedoch neigt er dazu, eine recht tiefe Position in der Helferverteidigung einzunehmen. Dadurch ist er anfällig dafür, bei sogenannten Back- oder Flare-Screens – häufig unerwarteten Blöcken – seinen Gegenspieler zu verlieren.

Pick & Roll, Ballhandling: Generell ist E.J. Singler relativ abhängig davon, wie stark sein Team den Ball bewegt oder wie viel sein Team für ihn im Angriff läuft. In einer Offensive, in der einzelne Spieler den Ball statisch erhalten und im Eins-gegen-Eins etwas kreieren sollen, kann Singler auch untertauchen. Dies könnte der Fall gewesen sein bei seiner eher glücklosen Station in Estland. In kleineren Ligen kommt es häufig vor, dass Mannschaften von Einzelspielern getragen und mit wenig Ballbewegung im Angriff operieren. Jedenfalls ist Singler niemand, dem ein Team „einfach den Ball gibt“, um etwas zu kreieren.

Gelegentlich kann er ein Pick-and-Roll laufen, um den Ball zur nächsten Station zu passen. Grundsätzlich fühlt er sich aber wohler, wenn seine Mannschaft den Ball und Gegner bewegt, bevor Singler eine Aktion starten soll. Im Bereich des Ballmovements besteht für Würzburg noch Verbesserungsbedarf angesichts dessen, dass die Unterfranken in der BBL die zweitwenigsten Assists (15,6) spielen – wobei diese Statistik unter dem Gesichtspunkt zu sehen ist, dass Würzburg das geringste Spieltempo der Liga fährt und dadurch auf weniger Ballbesitze als andere Teams kommt.

Linke Hand, Umstellung auf die BBL in der Offense: Für einen Spieler, der nicht die ganz großen Moves für den Drive im Repertoire hat, ist es mehr als hilfreich, mit beiden Händen abschließen zu können. Singler tendiert dazu, nahezu immer seine starke rechte Hand zu benutzen, wenn er mit Kontakt zum Gegenspieler zum Korb zieht. Erhält er den Ball in der Bewegung, schließt er schon mal mit seiner linken Hand ab. Auch in diesem Punkt spielt die Umstellung auf den europäischen Basketball eine Rolle. Wie effizient kann Singler abschließen, wenn er in einer Liga, die keine (defensive) Drei-Sekunden-Regel kennt, mit einem Dribbling zum Korb zieht?

Effizienz in limitierter Spielzeit/mit limitierten Ballbesitzen: Ein Punkt, der bisher genannte Aspekte ein wenig zusammenfasst, bezieht sich auf Singlers Effizienz in limitierter Einsatzzeit und mit limitierten Touches. In der vergangenen Saison verpflichtete RASTA Vechta mit Trevor Cooney einen Spieler, der von seinem Profil her (Dreierspezialist, spielintelligenter Spieler mit wenig Ballhandling) Singler relativ ähnlich ist, obwohl Singler sicherlich über deutlich mehr Erfahrung und vermeintlich auch Qualität verfügt. Nach wenigen Spielen fragten sich Fans vermutlich, was dieser Spieler in der BBL zu suchen hat.

Auch Singler ist kein Kreativposten, sondern jemand, der bisher vor allem dann sehr effizient gespielt hat, wenn er viel Einsatzzeit erhalten hat. In Kalev – beim einzigen Klub, der ihn weniger als 20 Minuten spielen ließ – entpuppte sich Singler nicht als großer Faktor. Angesichts der Minutenverteilung in Bezug auf die Würzburger Guards – Maurice Stuckey spielt seit Wochen als Small Forward – stellt sich die Frage, wie viel Einsatzzeit wirklich auf E.J. Singler abfallen wird.

Ein Überangebot an Aufbau- und Flügelspielern?

Die Verteilung der Einsatzzeit und damit das Finden von Führungsspielern neben Cliff Hammonds, Robin Benzing und häufig auch Kresimir Loncar wird in den kommenden Partien eine große Herausforderung für Dirk Bauermann und seine Mannschaft. Das Prozedere der Minutenverteilung kann an das ungeliebte Kürzen einer Facharbeit erinnern, wenn der Autor eigentlich nichts rausschneiden möchte, aber keine andere Wahl hat. Maurice Stuckey war bislang neben Robin Benzing vielleicht der Spieler, der am konstantesten Verantwortung geschultert hat. Neuzugang Vaughn Duggins war in seiner Karriere noch nie ein Rollenspieler mit limitierter Einsatzzeit. Ihre Rollen – wie auch die Rollen anderer Spieler auf den Positionen Eins bis Drei – könnte sich durch die Nachverpflichtung eines Small Forwards verändern.

Dies offenbart ein Blick auf die bisherigen Einsatzzeiten der Spieler (gerundete Werte):

PG (61 von 40 zu vergebenen Minuten): Hammonds (32 Minuten pro Spiel), Gaddy (29)
SG (53/40): Duggins (27), Stuckey (26)
SF (21/40): Lipkevicius (21), Singler (?)
PF (45/40): Benzing (28), Olisevicius (11), Hoffmann* (6)
C (31/40): Loncar (21), Kratzer (10)

*spielt manchmal auch eher als Small Forward

Zugegeben: Die Aufstellung erscheint womöglich nicht als sonderlich sinnvoll, weil einzelne Spieler auch auf anderen Positionen spielen und es bei manchen Line-ups schwierig ist, die traditionelle Terminologie von Positionen zu verwenden. Allerdings kann die Tatsache, dass viele Spieler bisher auf anderen Positionen – Gaddy als Zweier neben Hammonds, Stuckey als Dreier – aufgelaufen sind, die Krux sein bei der Beurteilung des aktuellen Kaders. Mit nun zwei Spielern pro Position werden einzelne Spieler voraussichtlich an Minuten verlieren. Schon der vor einigen Wochen entlassene Ex-Würzburger D.J. Richardson könnte einem ähnlichen Zustand zum Opfer gefallen sein.

Wer werden die Konstanten neben Benzing und Hammonds?

Cliff Hammonds hat sich bisher als klarer Führungsspieler auf der Position Eins entpuppt. Ein Spieler, der 32 Minuten im Schnitt spielt, sitzt zumeist nur aus zwei Gründen auf der Bank: Foultrouble oder Erschöpfung. Deshalb erscheint es als relativ unwahrscheinlich, dass Dirk Bauermanns Floor General und defensiver Antreiber auf deutlich unter 30 Minuten Einsatzzeit zurückfällt.

Hammonds‘ Back-up Abdul Gaddy präsentierte sich bisher nicht als allzu konstant. Jedoch ist Gaddy neben Hammonds der stärkste Ballhandler im Würzburger Kader und verleiht dem insgesamt mit nicht allzu vielen Kreativspielern bestückten Team wertvolle Qualitäten im Pick-and-Roll. Bisher ist Maurice Stuckey häufig auf die Position Drei ausgewichen.

Nach der Verpflichtung von E.J. Singler bietet sich die Position Drei nicht mehr so sehr als Ausweichoption für Guards an, sofern Vytenis Lipkevicius (6,0 Punkte, 3,7 Rebounds, 1,7 Assists), zuletzt gegen den MBC 15 Minuten auf dem Parkett, auch nur ansatzweise bei 20 Minuten Einsatzzeit bleibt. Es erscheint als möglich, dass Lipkevicius‘ Einsatzzeit künftig deutlich unter seinem bisherigen Schnitt liegen könnte. Dies hängt wiederum davon ab, wie sich E.J. Singler als in Europa noch relativ unerfahrener Spieler in seinen ersten Spielen präsentiert. Möglicherweise hofft Dirk Bauermann darauf, dass sich E.J. Singler als vermeintlich etwas stärkerer Werfer, eher als Lipkevicius, als Lead-Small-Forward erweist.

Die Ausdünnung des Kontingents an großen Spielern (mit der Entlassung von Anderson) könnte also zu einem Überangebot an Akteuren auf den Positionen Eins bis Drei geführt haben. Es ist möglich, dass bisherige Leistungsträger durch die Tatsache, dass die Positionen Eins bis Drei allesamt mit Spielern für potenziell 21 bis 32 Minuten doppelt besetzt sind, ihren Stellenwert verlieren könnten. Gerade für eine Mannschaft, die seit dem Aus in der Qualifikation für den FIBA Europe Cup nur noch in der BBL unterwegs ist, kann es sehr wichtig sein, dass sich neben Robin Benzing und Cliff Hammonds weitere Konstanten im Spiel herauskristallisieren.

Wenn es der Mannschaft gelingt, E.J. Singler durch explizit für ihn gelaufene Spielzüge oder durch stringente Ballbewegung regelmäßig in das Offensivspiel involvieren, kann der Neuzugang aus der D-League ein Spieler sein, der als Komplementärspieler ein schon relativ gut funktionierendes Team noch besser machen kann. Gerade angesichts der bisherigen Inkonstanz beim Dreier und der in Bauermanns strukturiertem Offensivbasketball wichtigen Detailbesessenheit könnte der spielintelligente Singler weiterhelfen. Mit der Verpflichtung eines Flügelspielers besteht jedoch ebenso die Gefahr, dass bisherige Leistungsträger durch geringe Einsatzzeit ihren Rhythmus verlieren. Womöglich steht dann in wenigen Wochen wieder ein neuer Big Man (für einen Flügelspieler) auf der Matte.

Wie passt E.J. Singler ins Team von s.Oliver Würzburg?
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