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„Markkanen hält die Fahne des finnischen Basketballs hoch“

01.11.2017 || 14:27 Uhr von:
Seit seiner Ankunft im Januar 2017 gehört Shawn Huff zu den Leistungsträgern der FRAPORT SKYLINERS. Im Interview erzählt der Kapitän der finnischen Nationalmannschaft über das neue Skyliners-Team, die Erfahrungen bei der EuroBasket und Lauri Markkanen.

Die FRAPORT SKYLINERS sind einmal mehr eines der jüngsten Teams in der easyCredit BBL. Doch neben Talenten gehören auch erfahrene Spieler zu einer Mannschaft, die die jungen Spieler führen und ihnen eine professionelle Arbeitsweise vorleben. Zu diesen Veteranen gehört auch Shawn Huff. Der Forward kam im vergangenen Januar nach Frankfurt und war von Beginn an ein wichtiger Spieler bei den Skyliners. Mit seinen mittlerweile 33 Jahren hat er in seiner Karriere zudem schon viel gesehen und kann diese Erfahrungen an die jungen Teamkollegen weitergeben.

Auf dem Court trägt Huff vor allem als Schütze zum Erfolg bei. Sein verlässlicher Distanzwurf (43,8 3P%) ist mitverantwortlich für den starken Saisonstart der Mainstädter. Vor allem aus dem Catch-and-Shoot ist der Forward brandgefährlich. Drückte Huff nach dem Anspiel sofort ab, fand in der laufenden Saison bislang jeder zweite Dreipunktewurf sein Ziel. Damit macht er im Angriff das Feld weit für die Drives der Guards und das Pick-and-Roll. In der Defensive kann er mehrere Positionen verteidigen und ist daher wertvoll für das Verteidigungssystem unter Head Coach Gordon Herbert.

Auch in der finnischen Nationalmannschaft ist Huff nach wie vor ein elementarer Bestandteil. So führte er Finnland als Kapitän völlig überraschend zu Platz zwei in Gruppe A und setzte sich auf dem Weg unter anderem gegen Frankreich und Griechenland durch. Auch wenn im Achtelfinale gegen Italien Endstation war, dieses Team hatte alle Experten verblüfft und in der Heimat Begeisterung ausgelöst. Huff erzielte in durchschnittlich 24,4 Minuten 5,3 Punkte und 5,5 Rebounds pro Spiel. Im Interview mit basketball.de haben wir den 33-Jährigen zum neuen Team der FRAPORT SKYLINERS, den Erfahrungen bei der EuroBasket 2017 und dem finnischen Top-Talent Lauri Markkanen befragt.

basketball.de: Hallo Shawn! Ihr seid trotz einer schwierigen Vorbereitung mit Verletzungen und späten Verpflichtungen sehr gut in die Saison gestartet. Habt ihr damit gerechnet, dass es schon so früh relativ rund läuft?

Shawn Huff: Nun, wir haben als Team eine gute Mischung aus Veteranen, die schon einige Zeit hier in der BBL spielen, und sehr jungen Spielern im Alter von 20, 19, im Falle Isaac Bonga sogar 17 Jahren. Wenn wir in der Preseason nicht viele Gelegenheiten haben zu trainieren, liegt es in der Verantwortung der Veteranen, dass das Team in den Spielen bereit ist abzuliefern und den jungen Spielern zu helfen zurechtzukommen.

Es war ein guter Start für uns, aber wir hatten auch einige enge Spiele. Es gab zwei Partien, in denen wir vielleicht noch nicht gut gespielt haben, aber trotzdem in der Lage waren, den Sieg zu holen. Das war sehr wichtig, vor allem für die jungen Spieler im Team, damit sie Selbstvertrauen bekommen. Aber es sind erst sieben Spiele, es ist immer noch eine lange Saison. Daher kann man noch keine Aussagen über die Saison treffen. Wir haben immer noch jede Menge Arbeit zu tun.

Du bist ebenfalls erst spät zum Team gestoßen aufgrund der EuroBasket, wo ich nachher noch ausführlicher drauf zu sprechen komme. Du hattest dort mit Finnland am 9. September dein letztes Spiel, also drei Wochen vor Ligastart. Hast du dazwischen noch etwas Urlaub eingelegt?

Ich habe mit Head Coach Gordon Herbert gesprochen. Er war sehr verständnisvoll. Er wusste, dass ich in guter körperlicher Verfassung sein würde, weil wir im Sommer beim Nationalteam das Training sehr früh aufgenommen hatten und viele Spiele hatten. Es gab eher Bedenken, ob ich mental frisch und bereit zum Training sein würde. Deswegen hat er mir etwas Auszeit gegeben. Als ich nach Frankfurt kam, habe ich mich wieder erholt und bereit für die Saison gefühlt. Das war eine sehr wichtige Sache für mich persönlich. Was mir natürlich geholfen hat war, dass ich schon im Frühling hierher gekommen bin. Ich kannte also die Grundlagen und die Struktur und musste nicht alles von Anfang an lernen. Das half mir, schneller zurechtzukommen.

Was war der Schlüssel, dass ihr so schnell zusammengefunden habt?

Naja, ich weiß nicht, ob wir uns schon richtig gefunden haben. Wir lernen weiterhin viel. Wir hatten ein paar Spiele mit Höhen und Tiefen. Im schlechtesten Fall könnte unsere Bilanz anders aussehen, weil ein paar knappe Spiele dabei waren. Aber um positiv zu sein: Ich denke, dass wir gute Persönlichkeiten und eine gute Team-Chemie haben. Die Spieler vertrauen sich gegenseitig und sind lernwillig. Wir pflegen eine offene Kommunikation. Es ist wirklich wichtig in einem Mannschaftssport, dass die Spieler sich gegenseitig mögen und miteinander auskommen. Das hilft uns dabei, besser zu werden.

Du hast gerade die Verantwortung der Veteranen angesprochen. Du zählst definitiv zu den erfahrensten und auch zu den Führungsspielern, bist sogar Kapitän der finnischen Nationalmannschaft. Warst du schon immer jemand, der vorangeht oder hat sich das im Laufe deiner Karriere entwickelt?

Du gehst durch verschiedene Phasen in deiner Karriere und nun bin ich halt ein älterer Spieler in diesem Team. Ich versuche, mit gutem Beispiel voranzugehen und ein gutes Vorbild auf und neben dem Feld zu sein. Zudem versuche ich auch, ein „Vocal Leader“ zu sein, also mit den Jungs zu reden, sie zu ermutigen. Ich versuche einfach, eine gute Atmosphäre für das Team zu schaffen und sicherzustellen, dass unsere jungen Spieler ein gutes Umfeld haben, in dem sie sich wohlfühlen, aber auch sich selbst antreiben, um besser zu werden.

Wie genau gehst du auf die jungen Spieler zu? Hast du konkrete Beispiele?

Es sind kleine Dinge. Dass du sie vielleicht korrigierst, wenn du etwas siehst, und ihnen sagst: ‚Vielleicht machst du es lieber so.‘ Alle Charaktere sind unterschiedlich, deshalb sprichst du mit ihnen auf unterschiedliche Art und Weise. Ich versuche positiv zu sein, eine positive Atmosphäre zu kreieren. Denn ich weiß auch: Wenn ich immer nur brülle, geht es bei Spielern irgendwann zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. Vor allem, wenn sie gut spielen und gute Plays machen, ermutige ich sie. Und wenn sie Fehler machen, sorge ich dafür, dass sie den Kopf hochlassen und sage ‚Versuch es wieder‘, um ihnen Selbstvertrauen zu geben, weil wir wissen, dass wir sie brauchen. Es ist eine lange Saison. Wir brauchen die jungen Leute, um uns zu steigern. Und sie haben eine tolle Chance hier, eine gute Saison zu spielen und den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu machen.

„Du hast deine Point Guards, den Großen und dann alles dazwischen“

Du hast ja schon Bonga angesprochen. Wie hat er sich entwickelt seitdem du hier bist?

Unglaublich, was er für Schritte gemacht hat. Ich glaube, ich war einen Monat hier, bevor mir jemand gesagt hat, dass er 17 Jahre alt ist. Ich konnte nicht glauben, dass er so jung ist. Aber wenn du ihn fragst, fühlt er denke ich auch, dass er erst am Beginn seiner Reise steht. Er weiß, dass er noch viel mehr zu lernen hat. Aber es ist nicht nur er, sondern ich möchte allen jungen Spielern helfen. Natürlich ist Bonga ein unglaubliches Talent. Er spielt viele Minuten und ist noch jung, da ist es natürlich, dass er noch einige Fehler machen wird, aber die wichtigste Sache ist, dass er dadurch lernt. Das wird ihn zu einem großartigen Spieler machen.

Noch ein paar Fragen zum Kader allgemein: Im Moment seid ihr nicht gerade tief besetzt. Ihr habt eine Acht-, manchmal sogar Sieben-Mann-Rotation. Wie beeinflusst euch das? Geht ihr anders in die Partien rein? Denkt ihr beispielsweise daran, dass ihr versuchen müsst, Foulprobleme zu vermeiden?

Es ist natürlich hart für uns zum Saisonstart, dass mit Niklas Kiel ein Schlüsselspieler fehlt. Er war schon letzte Saison in der Rotation. Von daher ist es hart, dass ein Rotationsspieler ausfällt. Ich denke, es kann gut oder schlecht sein: Wenn du weniger Jungs hast, ist es manchmal einfacher, den Rhythmus zu finden. Andererseits können die Spieler auch manchmal müde werden oder haben vielleicht nicht immer die Energie auf dem Court. Aber du kannst nicht wirklich Angst davor haben, Fouls zu bekommen oder müde zu werden. Du musst immer alles geben, wenn du auf dem Feld stehst. Gerade wenn wir nur sieben oder acht Leute haben, muss jeder einzelne Spieler auf sich selbst aufpassen, dass er bereit ist und dass er seine Rolle erfüllt. Und den Rest überlassen wir den Trainern. Die können sich über Rotationen Gedanken machen, wir kümmern uns nicht darum. (lacht)

Aber du spricht ja schon einen Nachteil an. Siehst du den Punkt mit der Erschöpfung möglicherweise langfristig als Problem an?

Die ersten Partien waren schwierig, weil die so eng beieinander lagen, aber mit einem Spiel pro Woche denke ich nicht, dass es ein Problem ist. Dafür hast du dann mehr Zeit zu trainieren und besser zu werden. Das ist besonders für ein junges Team wichtig: viel Training und Zeit zu haben, um an Skills zu arbeiten und besser zu werden.

Eine weitere Eigenschaft des Teams in den ersten Spielen war euer hohes Spieltempo. Statistiken zeigen, dass ihr bei der Pace in der laufenden Saison ganz weit vorne liegt. Ist das der größte Unterschied im Vergleich zur Vorsaison, dass ihr nun mehr den Fastbreak lauft?

Das wusste ich gar nicht. Ich habe darüber vorher nicht nachgedacht. Aber jetzt wo du es sagst, realisiere ich das sofort. Vielleicht liegt es an den jungen Beinen. Vielleicht geben die jungen Spieler uns älteren Veteranen Energie, schnell zu spielen. Ein anderer Grund ist eventuell, dass Coach Herbert davor Leute hatte, die lange in seinem System gespielt haben. Sie kannten das System sehr gut, weshalb es für sie einfacher war, die Fünf-gegen-Fünf-Offense auszuführen.

Ich denke, Coach war immer sehr opportunistisch mit dem Fastbreak, aber wenn es keine Gelegenheiten gibt, willst du auch nichts erzwingen. Aber bei einem jüngeren Team ist es manchmal schwieriger, Fünf-gegen-Fünf zu spielen. Es ist einfacher und du hast einen kleinen Vorteil, wenn du aggressiv spielst. Das hängt auch mit der Defense zusammen. Denn wenn wir gut verteidigen und dadurch mehr Rebounds und Steals bekommen, ist es einfacher für uns zu rennen und es macht die Offense einfacher als im Halbfeldangriff.

Aber es war keine explizite Vorgabe von Coach, das Tempo zu pushen?

Ich bin nicht sicher. Vielleicht war es das Ziel und er hat es uns nicht erzählt. (lacht) Es könnte sein. Vielleicht hat er in einer Art Code-Sprache mit uns gesprochen nach dem Motto ‚Wir müssen gut und aggressiv verteidigen, damit wir rennen können‘. Aber wir hatten nicht wirklich eine Diskussion über schnelleres Tempo. Ich denke, der Basketball-Trend im Moment geht einfach Richtung schnelle Pace.

„Im Frühjahr spielen wir hoffentlich unseren besten Basketball“

Ihr spielt ja auch oft mit mehreren Point Guards, das ist vielleicht auch ein allgemeiner Trend im Basketball, oder?

Ich denke, im modernen Basketball geht es mehr und mehr in die Richtung, dass Positionen nicht mehr so sehr zählen. Du hast deine Point Guards, den Großen und dann hast du alles dazwischen. (lacht) Und das ist, wie Basketball aktuell ist. Es hilft der Defense, wenn du viel switchen kannst, und auch der Offense, indem du viele Ballhandler auf dem Feld hast, die kreieren können. Ich denke, das ist die Richtung im Basketball und du kannst es an den jungen Spielern sehen. Sie sind sehr gut ausgebildet und können mehrere Positionen spielen. Dadurch ergeben sich viele Optionen.

Auf das Switchen nach Blöcken in der Defense wollte ich als Nächstes zu sprechen kommen. Ihr seid ein Team, das das auffällig oft praktiziert. Gehört das zu den euren Stärken, dass viele Spieler im Team das machen können?

Da gibt es immer Vor- und Nachteile, wobei wir natürlich die Vorteile durchsetzen wollen. Ich switche alles auf meiner Position als zu kleiner Power Forward. Wir machen das oft, um gegnerische Drives zu neutralisieren. Manchmal switchen auch Mike [Morrison] und Jonas [Wohlfarth-Bottermann] spät in der Wurfuhr. Sie sind große und mobile Jungs. Sie machen gegen die Guards oft einen ziemlich guten Job bei herunterlaufender Uhr. Ich denke, das ist die Stärke des Teams. Aber wir versuchen nicht alles zu switchen, sondern den Gameplan umzusetzen. Allerdings haben wir immer die Möglichkeit, das im Ernstfall zu tun. Das bedeutet, dass die Guards bereit sein müssen, mit den großen Jungs zu kämpfen und die Großen müssen bereit sein, vor den Guards zu bleiben.

Bislang funktionierte eure Taktik sehr gut. Nun stehen aber schwere Gegner auf dem Programm. Ihr müsst gegen alle Halbfinalisten der Vorsaison hintereinander spielen. Fühlt ihr euch gewappnet für diese Aufgaben?

Es wird eine harte und gute Herausforderung für uns, um zu sehen ob wir gegen die Top-Teams der Liga mithalten können. Es wird uns die Richtung zeigen und an welchen Spielen wir noch arbeiten müssen. Bis jetzt lief es gut, aber wenn wir besser sein wollen, müssen wir auch in der Lage sein, diese Teams herauszufordern und ihnen einen Kampf zu geben. Ich bin sicher, dass wir unser Spiel noch verbessern können. Im nächsten Frühjahr spielen wir dann hoffentlich unseren besten Basketball.

Was genau könnt ihr noch verbessern? Was fällt Dir da konkret ein?

Auf jeden Fall den Fünf-gegen-Fünf-Angriff. In der Defense kann man sich auch immer verbessern: aggressiver sein, unsere Hände benutzen, um Bälle abzufälschen, Closeouts und Defensiv-Rebounds. Das alles ist sehr wichtig, damit wir die Offense besser starten können.

Kommen wir nun zur Europameisterschaft 2017. Ihr wart das Überraschungsteam, habt in der Vorrunde unter anderem Frankreich und Griechenland geschlagen und habt Euch als Gruppenzweiter für die Finalrunde qualifiziert. Was war das Erfolgsgeheimnis der finnischen Mannschaft?

Es ist die Kontinuität in unserer Gruppe. Einige der älteren Jungs spielen schon lange zusammen. Es war ein weiter Weg, angefangen mit der Qualifikation über die B-Division vor etwa zehn Jahren. Wir haben viel zusammen gelernt und sind zusammengewachsen. Und dann kommen die jungen Talente hinzu wie Lauri Markkanen, die uns auf ein neues Level bringen. Und natürlich darf man den Heimvorteil nicht vergessen. Wir hatten eine unglaubliche Unterstützung von den Fans, die uns gepusht haben.

Wie war Atmosphäre in der Arena, aber auch außerhalb?

Die Atmosphäre war großartig. Basketball ist kein großer Sport in Finnland mit wenigen, dafür aber loyalen Anhängern. Aber ich denke, dass wir diesen Herbst etwas Spezielles erreicht haben. Wir haben dafür gesorgt, dass Basketball auch für Leute wichtig wurde, die den Sport sonst nicht betreiben oder verfolgen. Bezüglich Aufmerksamkeit wurden alle Grenzen übertroffen. Es war phänomenal, zu Hause zu spielen. Es waren einige enge Partien dabei, wo uns die Fans geholfen haben. Die Leute wollten zu den Spielen kommen und die TV- Berichterstattung war größer als jemals zuvor in Finnland, was Basketball angeht. Also es war etwas Tolles und etwas, worauf wir hoffentlich aufbauen können, um eine Basketball-Kultur in Finnland zu entwickeln.

Wie bedeutsam ist Basketball? An erster Stelle steht Eishockey, aber folgt dann schon Basketball?

Ich denke, wir sind froh, wenn wir unter den Top zehn sind. Es hängt davon ab, woran man es misst: an den Aktiven oder den Zuschauerzahlen. Denn es gibt viele, die Wintersportarten betreiben. Formel Eins ist sehr populär, was die Zuschauer betrifft, weil wir gute Fahrer haben. Und Fußball ist überhaupt wichtig. Dann gibt es noch Volleyball, denen geht es wie den Basketballern. Die befinden sich im Wachstum. Unser Vorteil als Teamsportart liegt darin, dass man auch als kleines Land ohne die großartigsten Einzelspieler erfolgreich sein und die großen Länder herausfordern kann, wenn man eine gute Gruppe hat.

Ich denke, Basketball wächst langsam und solche Heimturniere helfen dabei, neue Leute zu gewinnen. Es liegt jetzt an den Clubs, das zu nutzen und die jungen Spieler zu begeistern. Als ich jung war, konnte ich mir als finnischer Spieler nicht vorstellen bei Europameisterschaften mitzuspielen, weil wir nie dabei waren. Aber wenn ein junger Spieler in diesem Jahr vor dieser Heimkulisse von 13.000 Leute bei der EM spielt, gibt es ihm eine andere Art von Träumen und Hoffnungen. Die Leute im Basketball-Verband müssen einen Weg für junge Spieler bauen. Ich denke, es ist ein Boom da, aber man muss arbeiten, damit es weitergeht. Es passiert nichts von alleine.

Basketball gehört also nicht zu den populärsten Sportarten in Finnland. Wie hast du die Leidenschaft für den Sport entdeckt?

Ich kam ziemlich spät zum Basketball. Ich habe vorher wohl jeden anderen Sport probiert. (lacht) Mein Vater war selber Basketballspieler, aber er hat mich nie dazu gedrängt. Ich habe mit 12 Jahren begonnen. Basketball war etwas, das ich wirklich gemocht habe. Ich habe mich sofort in die Sportart verliebt, als ich damit begonnen habe. Es war immer Teil meines Lebens gewesen, weil mein Vater erst in Amerika und danach in Finnland spielt hat. Ich hatte das immer im Hintergrund, Basketball war immer da. Von daher ich habe es als Kind ein bisschen gespielt, aber nie organisiert. Ich bin auch zu Basketballspielen gegangen, aber erst mit 12 Jahren habe ich wirklich begonnen zu spielen.

„Lauris Entwicklung sind keine Grenzen gesetzt“

Lass uns abschließend noch über Lauri Markkanen sprechen. Was macht ihn aus?

Was Lauri besonders macht ist die Tatsache, dass er sehr reif für sein Alter ist. Er ist ein sehr guter und bescheidener Junge. Aber wenn er auf den Court tritt, verändert sich seine Persönlichkeit. Dann legt er die Zurückhaltung ab. Er liebt einfach das Spiel und will besser werden. Basketball ist seine Leidenschaft. Ich weiß nicht, wie viele Teams gewillt sind, einen 20-Jährigen den Star sein zu lassen. Niemand war neidisch auf ihn. Wir sind echt alle glücklich für ihn und wollen ihn auf das nächste Level heben. Er ist nicht nur ein großartiger Spieler, sondern hat auch einen sehr guten Charakter. Und er ist ein harter Arbeiter. Seine Persönlichkeit und sein Talent werden ihn weit tragen.

Vor und nach dem NBA-Draft hatte es Zweifel an ihm gegeben. Experten verwiesen auf seine Schwächen in der Defense und fehlende Allround-Skills. Sie waren der Meinung, er sei zu früh gezogen worden für einen reinen Shooter. Kannst du diese Zweifel verstehen?

Natürlich kann ich die Zweifel verstehen. Man muss bedenken, dass Lauri einen anderen Weg eingeschlagen hat. Wie viele Lottery-Kandidaten aus Europa sind aufs College gegangen und waren auch nach ihrer Freshman-Saison noch ein Lottery-Pick? Es hat vorher wenige „One-and-Done“-Spieler aus Europa gegeben. Aber er hat die Herausforderung gewählt, aufs College zu gehen und war erfolgreich. Er hat seine Draftchancen sogar verbessert. Das behalte ich immer im Hinterkopf, dass er das gemacht hat. Und es hat ihm vielleicht dabei geholfen, sich mit der Kultur und dem Spielstil vertraut zu machen. Von daher denke ich, dass die Anpassung für ihn eventuell nicht so groß ist – auch wenn die Umstellung auf die NBA natürlich immer groß ist.

Eine Sache war auch, dass der Draft sehr tief war. Ich denke, wir werden einmal zurückschauen und sagen: ‚Dies war einer der tiefsten Drafts überhaupt.‘ Ich glaube auch nicht, dass jemand Lauris Talent in Frage stellt. Die Zweifel beziehen sich vielleicht darauf, wie hoch er gezogen wurde oder was auch immer. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, was seine Entwicklung betrifft.

Also bist du zuversichtlich, dass er sich etablieren wird?

Ja, ich denke alles ist möglich. Lauri hat schon so viele Hürden übersprungen in seiner Karriere. Wenn du weiß, welch eine Person Lauri ist, machst du dir nie Sorgen um ihn, weil er solch ein harter Arbeiter ist. Er wird sich immer in die bestmögliche Situation bringen, um erfolgreich zu sein. Und wenn er es nicht schafft, liegt es nicht an ihm, weil ich weiß, dass er alles in seinen Möglichkeiten tun wird. Ich bin sehr interessiert, wie er sich machen wird. Wir drücken ihm alle die Daumen in Finnland und ich denke, Chicago kann ein sehr guter Ort für ihn sein.

Ist das generelle Interesse an ihm groß in Finnland?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke, er hält die Fahne des finnischen Basketballs hoch als einziger NBA-Spieler. Er kann uns auch dabei helfen, Basketball auf ein höheres Level zu heben, indem er jungen Spielern zeigt, dass sie auch in einem kleinen Land wie Finnland eine Chance haben, es in die NBA zu schaffen. Ich werde seine Reise gespannt beobachten.

„Markkanen hält die Fahne des finnischen Basketballs hoch“
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