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Per dünkt ein RIESEN-Vorteil

06.01.2016 || 09:12 Uhr von:
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Per Günther denkt, Berlin habe keine Lust auf Ludwigsburg – wegen deren Defense zurecht. Der 17. Spieltag stand zudem im Zeichen von Affentennis, Buzzerbeatern und Knusperzeit.

Beko sagt (wohl) „güle güle“. Bleibt basketball.de, eine Saison lang den Waschsalon zu öffnen und beim Schleudergang die Themen anzuschneiden, um die sich der Spieltag der Haushaltsgeräteliga gedreht hat. Es wird das Waschmittel dosiert (welches Team wusch sich von Niederlagen rein?), Koch- (wer ist heißgelaufen?) und Buntwäsche (was geschah abseits des Parketts?) gewaschen, geschleudert (wie hoch lag der Crunchtime-Gehalt?) und in die Waschtrommel gesehen, ob eine oder ein Paar Socken übrig geblieben sind (wer entschied das Duell des Spieltags für sich?).

Paar/ einzelne Socken

Zehnmal ALBA BERLIN gegen MHP RIESEN Ludwigsburg in einer Saison wäre nichts für Offensivromantiker, dafür umso mehr für Verteidigungsfetischisten. Nach der Hinrunde stellen die Berliner das zweit-, die Ludwigsburger das sechstbeste Team beim Defensiv-Rating. Sowohl Sasa Obradovic, als auch John Patrick bauen ihr System auf der Grundlage der Verteidigung auf – im direkten Duell knüpften daran vor allem zu Beginn aber nur die RIESEN an.

Sie agierten beim Berliner Pick-and-Roll mit einer Hedge-Variante: der Ludwigsburger Big Man trat heraus und verwehrte dem Berliner Ballhandler damit den Drive. Zusätzlich präsentierte sich die ALBA-Offensive zu langsam, den Ball per schneller Bewegung auf die Weakside für einen offenen Wurf zu manövrieren. Natürlich streuten die RIESEN auch ihre Ganzfeldpresse ein, mit der die Berliner aber insofern ganz gut zurecht kamen, als dass die daraus nicht so häufig den Ball verloren. Doch damit gingen kostbare Sekunden von der Berliner Wurfuhr – die Albatrosse benötigen eh viel Zeit, um in ihr Set-Play zu kommen.

20:4 stand es somit nach acht Minuten für die RIESEN. Royce O’Neale rechtfertigte seine Hereinnahme in die Startformation mit zwei frühen Dreiern, womit er die schlechte Berliner Defense-Rotation bestrafte. Entgegen den Ludwigsburgern versuchten es die Berliner Big Men mit einer Drop-Variante beim Pick-and-Roll, also dem Absinken. Doch einmal den Big Man in der Zone vor sich, schlugen die Ludwigsburger Guards diesen per Zug zum Korb.

Am Ende wiesen die Ludwigsburger ein Offensiv-Rating von 114,4 Punkten auf – 3,7 Zähler besser als im Saisonschnitt. Bei den Berlinern hingegen stand ein Offensiv-Rating von 98,9 Zählern zu Buche – 15,8 Punkte schlechter als in der Hinrunde. Das Paar Socken wurde getrennt.

Von den fünf höchsten Saisonniederlagen Berlins in dieser Saison stammen drei von den Ludwigsburgern, die zuvor zweimal im Eurocup gewannen. Sollten es in der Pokal-Qualifikation und/ oder in den Playoffs zu weiteren Aufeinandertreffen kommen, müsste man derzeit die Favorittenrolle schon fast den Ludwigsburgern zuschreiben.

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Schleudern

„Khalid“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „unsterblich“. Und somit wird auch El-Amins Wurfauswahl in der Schlussphase des Heimsieges der BG Göttingen gegen die GIESSEN 46ers nichts von seinem Messiasstatus’ nehmen. Fünf Fahrkarten schoss der Aufbauspieler innerhalb von 4:16 Minuten – inklusive drei Pull-up-Jumper.

Sinnbildlich für die BG-Offensive, die ihr Heil vermehrt in den (langen) Sprungwürfen suchte. Das Resultat: Die Gießener kamen danach immer wieder ins Laufen, dreimal in Folge schlossen die Gäste aus dem Fastbreak ab, um ihren Rückstand von acht auf zwei Punkte zu verkürzen.

Unter anderem Gabriel Olaseni tat sich hierbei hervor. Der 2,08 Meter große Center bewies ein um das andere Mal, wie flink er auf den Beinen ist und verschaffte sich gute Wurfpositionen. Mit dieser für einen Big Man hervorragenden Schnelligkeit passt Olaseni weit besser in das Gießener System als er das in Bamberg getan hat. Wäre der Brite von Saisonbeginn an im Kader des Aufsteigers gestanden, hätte er sich wahrscheinlich in die Allstar-Diskussionen gespielt.

Dass die Aufholjagd der 46ers letztendlich nicht in einem Sieg mündete, lag vor allem an der Freiwürfschwäche (4/8 FT zum Schluss) und der Arbeit beim Defensiv-Rebound: Drei Offensiv-Rebounds gaben die Gäste in den letzten 3:16 Minuten ab, dreimal punkteten die Göttinger daraus.

Dabei hätten die Gastgeber den Sieg beinahe noch hergeschenkt: Bei einer Drei-Punkte-Führung zwölf Sekunden vor Schluss fiel David Godbold beim Einwurf mit dem Ball in den Händen ins Feld – Ballverlust. Doch Benjamin Lischka verfehlte seinen anschließenden Dreier.

Kurios wurde es bei einem weiteren Einwurf Godbolds 25 Sekunden zuvor: Er warf an den Rücken Lischkas ein – unter dem eigenen Korb. Für gewöhnlich sieht man solch seltenen Tricks nur unter dem gegnerischen Korb, siehe Jake Odum.

Ansehnlich war vor allem Denis Wucherers Spielzug aus der Auszeit heraus beim Stand von 86:79 und 40 Sekunden auf der Uhr: Lischka und Braydon Hobbs standen beim Einwurf Seite Karsten Taddas in der HORNS-Aufstellung. Cameron Wells nutzte beide als Screen, um danach in die Zone zu cutten. Nach dem gesetzten Block rotierte Hobbs nach einem Flare-Screen von Lischka vom Einwerfer und Korb weg und platzierte sich in der linken Ecke. Tadda fand Hobbs per Lob-Pass; ein Fake, Mitteldistanzwurf drin, nur zwei Sekunden aufgebraucht. Solche Flare-Screens bei ATO-Plays sieht man in der NBA immer wieder bei Brad Stevens.

Kochwäsche

Blöcke benötigte Klemen Prepelic kaum, um beim Oldenburger Kantersieg über Tübingen heißzulaufen. Sieben von zehn Dreiern versenkte der Combo-Guard und nahm keinen einzigen Wurf von innerhalb der 6,75-Meter-Linie. Im Gegenteil: Sowohl das erste, als auch das zweite Viertel beendete Prepelic per Buzzerbeater vom Parkplatz – den ersten aus der eigenen Hälfte! Dabei waren in der BBL zuvor zehn Dreier Prepelics in Folge vor die Hunte gegangen.

Mittlerweile sollte sich in der Liga herumgesprochen haben, dass Prepelic ohne Probleme aus der NBA-Distanz Maß nimmt. Der 23-jährige Slowene besitzt einen lehrbuchmäßigen Sprungwurf, den er bis dato bei 41 verwandelten Dreiern angebracht hat – der zweithöchste Wert zusammen mit Allstar Kyle Fogg hinter Knöchelbrecher Brandon Jefferson.

Neben seinen Pull-up-Buzzerbeatern netzte Prepelic dreimal als Spot-up-Schütze aus dem Catch-and-Shoot ein – weniger innerhalb eines bestimmten Spielzuges, als einfach nach guter Ballbewegung der Oldenburger. Bei seinen letzten beiden Distanzwürfen nutzte Prepelic dann doch mal einen Block; vor allem sein letzter Dreier resultierte aus einem Spielzug maßgeschneidert für einen Schützen:

Dominic Lockhart brachte den Ball über rechts nach vorne, Jan Niklas Wimberg schnitt zur Weakside und stellte einen Down-Screen für Philipp Schwethelm, der den Ball an der Birne erhielt. Prepelic startete in der Weakside in der rechten Ecke. Wimberg orientierte sich zur Korbmitte und stellte einen Cross-Screen für Prepelic. Kurz dahinter folgte ein zweiter Block Dennis Kramers, der von der Freiwurflinie gekommen war – Catch-and-Shoot, nichts als Netz.

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Leider befindet sich die Wurfanalyse der Beko BBL nur in der Beta-Phase, womit Prepelics Würfe nicht korrekt graphisch dargestellt werden. Nach Augenmaß und Eigenberechnung netzte Prepelic seine Dreier durchschnittlich aus 9,8 Metern Entfernung ein.

Der Winter hielt Einzug, womit weitere Spieler heißliefen: unter anderem Nicolo Melli und Bryce Taylor in den ersten Halbzeiten ihrer deutlichen Siege.

Melli beendete das Spiel Bambergs gegen Bonn gar ohne Fehlwurf aus dem Feld, jeden seiner sieben Versuche verwandelte der Italiener. Bedanken konnte sich Melli vor allem bei Janis Strelnieks und der Bonner Verteidigung. Immer wieder lief das Guard-Foward-Duo ein Pick-and-Roll, bei dem der Bonner Guard-Verteidiger versuchte, über den Block zu gehen. Der Bonner Big Man sank tief ab – genug Platz für Melli, meist aus der Mitteldistanz einzunetzen. Viermal schloss Melli als Blocksteller ab, einmal zog er aus solch einer Offensivaktion ein Foul.

Immerhin seine ersten fünf Würfe versenkte Taylor gegen Ulm – meist als Spot-up-Schütze. Doch auch im Schnellangriff war der Flügelspieler Empfänger des bayerischen Expressversandes. Diese Stärken im Open-Court und Set-Play machen Taylor so wichtig im System der Münchner – nicht zu vergessen seine Defensivarbeit, mit der er sich für die Auszeichnung zum Verteidiger des Jahres empfiehlt.

Schonwaschgang

Apropos Defense: Mit seiner Verteidigungsleistung nahm Anton Gavel seinen Gegenüber Per Günther aus dem Spiel, womit ratiopharm ulm nach den ersten drei Minuten lediglich zwei Punkte erzielt hatte. Gavel kämpfte sich um jeden Block bei High-Pick-and-Rolls, mit denen die Gäste John Bryant in die Verteidigung dessen zwingen wollten – doch auch dieser machte zu Spielbeginn einen sehr soliden Job.

Als Ballführer beim Blocken-und-Abrollen erzielte Günther am Ende nur 0,29 Punkte pro Possession und leistete sich in 42,9 Prozent der Offensivaktionen einen Ballverlust.

Ganz anders das Pick-and-Roll-Spiel des FC Bayern München: Auch hier stand Bryant im Zentrum, obwohl er selbst zu Beginn daraus nur einmal abschloss. „Gravity“ und „Big John“ in den Zusammenhang zu bringen, soll nicht boßhaft klingen, der Center zog nach dem Abrollen die Ulmer Verteidiger auf sich – womit er Räume für seine Mitspieler schaffte.

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21:9 stand es nach fünf Minuten, die ausreichen, um die Essenz der Partie zu erkennen.

Zwar spielten die Münchner das Pick-and-Roll samt Pässe auf die Weakside gekonnt aus, doch besser rotierende Verteidigungen hätten den Bayern nicht so viele offene Würfe gestattet. Erneut apropos Defense: Was die Ulmer in der Transition und nach Drives der Münchner in der Verteidigung anstellten, sah stellenweise eher aus wie „Affentennis“.

Waschmittel

Einer anderen Sportart ähnelte teils auch das, was die Eisbären Bremerhaven im ersten Viertel ihres Heimspiels gegen medi bayreuth ablieferten. Zu statisch präsentierten sich die Bremerhavener, die sich auf ein Two-Way Game fokussierten – mitunter erweckte das (nicht vorhandene) Zusammenspiel den Eindruck, das Team befinde sich noch in der Findungsphase und Saisonvorbereitung.

Bezeichnend hierfür eine Aktion beim Einwurf an der Grundlinie kurz vor dem Ende des ersten Viertels. Larry Gordon will den Ball einwerfen, doch Waverly Austin und Lorenzo Williams können sich nicht entscheiden, wer sich wie freispielen soll. Austin hebt den Arm für das simple Anspiel und bewegt sich immer weiter nach außen. Williams hüpft hinterher, um einen Back-Screen zu stellen, damit Austin zum Korb curlen kann. Das Endresultat: Austin bekommt den Ball, Williams kommt in die Ecke, Austin gibt ab, der Ball springt an Williams’ Brust, wieder zuück an Austin und ins Aus.

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Und dennoch feierten die Eisbären am Ende ihren ersten Heimsieg, um als letztes Team die O in der Gesamt-Tabelle zu streichen. Coach Chris Harris versuchte es nach der Halbzeit mit einer kleinen Aufstellung aus drei Guards (Jerry Smith, Kyle Fogg, Brandyn Curry) und Larry Gordon auf der Vier. Dementsprechend schnell spielten die Eisbären, was ihnen mit den Schwierigkeiten der Ball- und Mannbewegung im Set-Play zu gute kommt. Durchschnittlich nahmen sie nach 11,4 Sekunden im dritten Viertel ihren Wurf, siebenmal hieß es „Seven Seconds or Less“.

Buntwäsche

Ein Blick zum Pressesprecher auf der Suche nach dem Abnicken. Als Paul Zipser nach dem Sieg gegen Ulm gefragt wurde, was man denn beim Dunk-Halbfinale gegen Daniel Theis von ihm erwarten könne, stellte Zipser seine Absage in Aussicht. Auf Grund „physischer Probleme“, vor allem am Daumen, mache eine Teilnahme eigentlich keinen Sinn.

Während eine Absage nicht offiziell bekannt gegeben wurde, wird Niels Giffey mit Sicherheit nicht am Allstar Day teilnehmen: Der Berliner laboriert weiterhin an den Folgen einer Fußsehnenverletzung. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Absagen folgen und Andrea Trinchieris Aussage – die er selbst mit einer Nominierung Duggins‘ hätte wahrmachen können – eintreffen wird.

Screenshots von Telekom Basketball

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