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Raoul Korner: „Wir wollen wieder um die Playoffs fighten“

26.09.2017 || 11:18 Uhr von:
Raoul Korner
Raoul Korner spricht im Sommerinterview über die vergangene Saison, seine neuen und ehemalige Spieler sowie die neue Saison.

medi bayreuth holte sich in der vergangenen Saison im ersten Jahr unter Raoul Korner sensationell das Heimrecht für die erste Playoff-Runde. In diesem Sommer veränderten die Oberfranken nur drei Positionen in ihrem Kader. basketball.de traf sich in der ersten Phase der Vorbereitung mit dem 43-jährigen Österreicher zum Interview.

basketball.de: Wann hat man als Coach eigentlich Urlaub? Nach der Saison beginnt ja quasi schon die Vorbereitung für die neue Spielzeit.

Raoul Korner: Es gibt Recruiting Windows. Das eine ist direkt nach der Saison, wo man zum einen Spieler verlängert, die bereits im eigenen Team sind, oder zum anderen Spieler verpflichtet, die Sicherheit haben wollen. Meistens die, die schon länger im Zirkus sind. Wenn sich das geschlossen hat, ist die Gelegenheit für Coaches, in den Urlaub zu fahren. Bis zum NBA Draft brauchst du nichts machen, weil jeder darauf wartet, dass er gedraftet wird. Die, die nicht gedraftet werden, springen dann auf irgendwelche Summer League-Kader auf. Und in dem Teich, in dem ich ganz gern fische – Spieler, die erst ein Jahr aus dem College raus sind oder komplett Rookies sind -, wird es erst interessant, sobald die Summer League vorbei ist.

Du hast die Summer League erwähnt. Der Verein und du haben einiges in den sozialen Medien gepostet. Wie viel Freizeit hattet ihr dort?

Nicht viel! Du hast am Vormittag die ganzen Free Agent-Camps. Ab 13:00 Uhr geht die Summer League los. Dann sitzt du meistens bis neun oder halb zehn in der Halle. Und dann beginnt Las Vegas zwar erst (lacht), aber meist will man dann nur noch ins Bett. Wenn wir dann doch noch Kraft gehabt haben, haben wir uns danach noch eine Show angesehen, in dem Fall Copperfield und die Blue Man Group. Wenn am Vormittag nichts los war, sind wir mal shoppen gegangen. Der Großteil wurde aber schon mit Spielern, Agenten und Managern in der Halle verbracht.

„Da hat fast alles gepasst.“

Nochmal zurück zur letzten Saison. Du hat gesagt, dass du dir immer noch mal höhere Ziele steckst, als nach außen hin kommuniziert. Warst du trotzdem überrascht von der Saison und vor allem von der Konstanz, mit der ihr gespielt habt?

Da musste schon sehr vieles klappen, um so eine Saison hinzulegen. Das war letztendlich der Fall. Beginnend damit, dass wir sehr früh die Mannschaft zusammen hatten, früh mit der Vorbereitung begonnen hatten, verletzungsfrei über die Phase des Teambuildings gekommen sind, die Chemie sehr gut gegriffen hat zwischen Spielern und Coaches und das Selbstvertrauen recht früh mit den Siegen gekommen ist. Da hat sehr vieles oder fast alles gepasst. Wenn alles zusammenkommt und du dazu entsprechend Arbeit investierst, dann stehen die Chancen ganz gut, dass es unterm Strich eine erfolgreiche Saison wird. Dass es der vierte Platz wurde – muss man ehrlich sagen -, hatte nicht nur mit uns zu tun. Da gab es genügend andere Teams, die Probleme hatten aus unterschiedlichsten Gründen – entweder, weil sie sich bei der Spielerwahl vergriffen, oder Verletzungsprobleme hatten oder andere Gründe. Davon haben wir natürlich auch profitiert. Da sind wir auch realistisch genug, das zu sehen.

Was ist das Ziel für die neue Saison? Nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben, wird es wohl nicht mehr sein.

Das glaubt man sich mittlerweile ja selbst nicht mehr, und das ist auch gut so. Ich bin auch niemand, der einen Sport daraus macht, die Ziele möglichst so niedrig zu stecken, damit man sie immer erreicht und sich dann auf die Schultern klopfen kann. Davon halte ich nichts. Auf der anderen Seite möchte man natürlich keine Erwartungen wecken, die unrealistisch sind.

Ich denke, dass wir auch als Programm an der Schwelle stehen, die Frage zu beantworten, war das ein One-Hit-Wonder oder sind wir ein legitimer Playoff-Anwärter. Vom Etat her sind wir es noch nicht, auch wenn wir uns in die richtige Richtung entwickeln. Auf der einen Seite müssen wir daher nicht sagen, dass wir in die Playoffs müssen, auf der anderen Seite, wenn man letztes Jahr Vierter war – aus den genannten Gründen -, dann wollen wir natürlich auch wieder in die Playoffs. Ich will es gar nicht so sehr an der Platzierung festmachen, sondern, dass in der Endabrechnung kein Team vor uns steht, von dem wir das Gefühl haben, dass wir es eigentlich hinter uns sehen. Und vielleicht das ein oder andere Team hinter uns lassen, von dem nicht auszugehen war. Dann ist man auch mit der Platzierung zufrieden.

Bei uns kommt ja noch das erste Mal in der jüngeren Vereinsgeschichte das Abenteuer Champions League dazu. Da wird vielleicht die ein oder andere Partie in der Meisterschaft verloren gehen, die man sonst mitnimmt. Wenn man das mit ins Kalkül nimmt, ist das Ziel noch ambitionierter. Wir wollen aber wieder um die Playoffs fighten, am Ende unter den ersten Acht stehen und uns international bestmöglich verkaufen. Das wird in unserer Gruppe schon schwer genug.

„Ich denke, dass wir zwei große Vorteile haben.“

Kann man schon etwas zu den Gruppen sagen?

Vom Namen her sehr stark und sehr attraktiv. Ich denke, dass wir zwei große Vorteile haben: Wir gehen jetzt nicht mit großem Druck in den Wettbewerb, ihn gewinnen zu müssen. Und wir haben eine gewisse Kontinuität in der Mannschaft. Ich glaube, das wird bei nicht vielen Teams der Fall sein. Das könnte uns gerade zu Beginn helfen. Aber nominell sind wir da sicherlich Außenseiter. Wir sind eigentlich das einzige internationale No-Name-Team in der Gruppe. Ich habe ja die Auslosung live in Las Vegas um vier Uhr früh verfolgt. Mir war nur wichtig, dass wir nicht nach Krasnoyarsk müssen. Da ist es dann schon fast egal, ob du nach Las Vegas oder dort hin fliegst.

Euer Spielstil war sehr von Intensität geprägt. Kann man das diese Saison mit zwei Spielen pro Woche so fortführen?

Der Spielstil war ja unserem Setup als Team geschuldet. Wir waren sehr mit jugendlicher Unbekümmertheit unterwegs – gerade auf den Außenpositionen. Das war manchmal an der Grenze „wild“, aber wir haben von dieser Energie gelebt und sind dann auch diese Welle geritten, weil ich relativ schnell gesehen habe, dass das der Weg ist, mit dem wir am erfolgreichsten sein können. Das war nicht unbedingt immer die Art von Basketball, die ich in der Vergangenheit gespielt habe und für die meine Teams bisher bekannt waren. Aber es war aus der Situation heraus, denke ich, die beste Methode. Bei der jetzigen Mannschaft muss man wieder analysieren, was diese Mannschaft stark macht. Dann versuchen wir das herausszustreichen und diesen Stil zu spielen.

Ich glaube, dass dieses Team mit mehr taktischer Disziplin agieren kann als letzte Saison, was uns helfen wird, da wir nicht immer nur durch Energie die Spiele gewinnen können, sondern auch durch entsprechend taktische und spielerische Mittel die Chance haben Spiele zu gewinnen, in denen es mal nicht so läuft. Die Mannschaft jetzt könnte ein wenig akademischer werden als letztes Jahr, ohne groß an Energie Einbußen hinzunehmen. Wir sind von der Tiefe her sehr gut aufgestellt – 10 Mann tief ist top. Da gibt es ja kaum Leistungsabfall; vor allem, solange alle gesund sind. Ich rechne wieder mit Energie und Intensität, aber ich glaube, dass wir ein bisschen weniger mit der Brechstange spielen. Und das meine ich überhaupt nicht wertend. Das war überhaupt nicht schlecht, was wir gemacht haben. Das hat für uns funktioniert und war für die Mannschaft der optimale Stil. Wenn das wieder der optimale Stil ist, dann werden wir ihn wieder gehen.

Da muss man als Coach auch flexibel sein, auch wenn man als Trainer natürlich versucht, Spieler zu holen, die seiner Philosophie entsprechen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: James Robinson ist ein komplett anderer Typ Point Guard als Kyan Anderson. Bei ihm kann man drüber diskutieren, ob er überhaupt ein Point Guard war in diesem Sinne. Er war ein Scorer. James geht viel mehr in Richtung Point Guard, der viel mehr ein Spiel und das Tempo kontrollieren kann. Dadurch wird sich auch unser Spielstil ändern. Was letztendlich dem Team mehr hilft, werden wir erst sehen.

Ist es in der Offseason nicht fast schon langweilig , wenn man auf einmal nur noch drei Spieler braucht?

Ganz so ist es nicht, weil dadurch, dass der Grundstock schon steht, hat man ein viel genaueres Profil von den Puzzlesteinen, die man noch braucht. Dementsprechend sucht man noch akribischer und noch genauer. Wenn ich ein Puzzle zusammensetze, geht es zu Beginn relativ schnell: Man holt die besten Spieler, die verfügbar sind, und baut um die herum die Mannschaft auf. Das war dieses Jahr nicht möglich. Wir hatten diesen Grundstock, deshalb wussten wir, was man braucht und was wir vielleicht letztes Jahr ein wenig vermisst haben. Man schaut, wo man sich verbessern kann, was sehr schwierig ist, weil Kyan und Trey sehr viel davon ausgemacht haben, wie wir gespielt haben – positiv wie negativ.

Dann kommt noch die Überlegung, wie man die Mannschaft verbessern kann. Es geht nicht nur darum, einen besseren Spieler zu finden als Kyan oder Trey, sondern welchen Spieler kann man finden, damit das Gesamtbild vielleicht sogar noch besser wird? Darum ist es gegangen, und das war alles andere als einfach. Dass der Point Guard so schnell verpflichtet war, hat dem Prozess gut getan und geholfen. Aber dadurch war auch klar, wie die anderen Positionen auszusehen haben, damit ein Zahnrad ins andere greift.

medi bayreuth: mit Konstanz wieder in die Playoffs?

Warst du überrascht, dass so viele vor allem ausländische Spieler gehalten werden konnten?

Ich glaube, wenn man in dem Prozess letztes Jahr drin war und die Mannschaft als solche erlebt hat, dann überrascht es einen vielleicht nicht so sehr, wie wenn man außen steht. Wenn man sieht, mit welcher Freude die Spieler agiert haben, wie wohl sie sich auch untereinander gefühlt haben und auch sportlich wohlgefühlt haben. Dann überrascht es einen vielleicht weniger. Ich glaube, alle drei Spieler hätten die Option gehabt, woanders mehr Geld zu verdienen. Aber ich glaube auch, dass das Gesamtpaket für alle drei schlüssig ist.

Nate hat genug gesehen, der weiß genau, was er hier in Bayreuth hat. Für De’Mon Brooks und Assem Marei gilt, dass sie innerhalb derselben Organisation, wo sie sich wohlfühlen, wo sie sich etabliert haben und wo man sie auch schätzt, einen Schritt nach vorne machen können. Gehaltstechnisch vielleicht nicht so groß, wie anderswo, aber dadurch, dass wir international spielen und letztes Jahr zu einem Team gekommen sind, das traditionell gegen den Abstieg gespielt hat und jetzt ein Playoff-Anwärter-Team sind, das noch dazu international spielt. Das ist auch ein Schritt nach vorne. Gerade, wenn man das früh in der Karriere machen kann, ist das auf jeden Fall sinnvoll. Ich glaube, die Spieler würden die Frage genauso beantworten.

„Ich habe ihm zwei Ratschläge mitgegeben.“

Warst du überrascht, dass Trey in Ulm gelandet ist, weil er ja den Traum von der NBA hat?

Nein, weil ich mit ihm regelmäßig Kontakt hatte. Er hat mich oft nach meiner Meinung gefragt, wenn es um gewisse Entscheidungen gegangen ist. Ich habe selten so viele Telefonate im Sommer geführt wegen eines Spielers, wie wegen Trey. Ich wurde von vielen, vielen Coaches, Managern und Agenten angerufen, aus Spanien, der Türkei, Italien und Frankreich. Da gab es schon eine Fülle an Möglichkeiten für ihn. Daher war ich nicht überrascht, weil ich wusste, welche Angebote da sind, und er jemand ist, der nicht der entscheidungsfreudigste ist. Das habe ich letzten Sommer schon zu spüren bekommen. Was wir investieren mussten, um ihn von Bayreuth zu überzeugen, war schon heavy.

So war es jetzt für ihn die konservative Variante, die aber karrieretechnisch durchaus Sinn ergibt, weil er sich gehaltstechnisch ohne Frage massiv verbessert. Und das innerhalb einer Liga, wo er weiß, dass er funktioniert und auch dominieren kann, was für ihn sehr wichtig ist. Dass er den Schritt zu einem Eurocup-Team machen kann, ist schon sinnvoll. Ich fand die Entscheidung auch nicht absurd, wie das vielleicht der ein oder andere Außenstehende sehen mag. Ich habe ihm zwei Ratschläge in meinem Abschlussgespräch mitgegeben: Einen behalte ich für mich. Der zweite war der, dass er seinen Traum von der NBA nicht so groß machen soll, dass er dadurch seine Europa-Karriere aufs Spiel setzt. Vielleicht hat er sich auch daran erinnert.

In die NBA zu kommen, ist auch nicht gerade einfach…

Es hat auch viel damit zu tun, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, die richtigen Leute zu kennen und gerade ein Profil zu erfüllen, das gesucht wird. Ich glaube, dass er eine tolle europäische Karriere haben kann. Er ist ein Typ, der gern eher im Mittelpunkt und im Scheinwerferlicht steht. Da bist du in Europa als Starter oder Schlüsselspieler besser aufgehaben als in der NBA, wenn du dort zwölfter oder dreizehnter Mann bist. Deshalb liegt ihm diese Rolle meiner Meinung nach auch mehr.

Du hast bereits James Robinson angesprochen, der körperlich ein ganz anderer Typ ist als Anderson. War das auch ein Grund für seine Verpflichtung?

Das ist ein positiver Zusatznutzen, aber ich bin nicht rausgegangen und habe gesagt, dass ich nur ab 1,90 Meter suche. Ich habe in den letzten Jahren auch immer mit kleinen Point Guards gespielt, zum Beispiel mit Dru Joyce oder Derek Needham. Für mich ist die Größe auf der Point Guard-Position nicht so entscheidend, zumindest nicht auf dem Niveau, auf dem wir hier spielen. Es zeigt sich auch, dass immer mehr kleine Point Guards in Mode kommen. Für mich ging es um andere Dinge.

Wo wir uns am meisten verbessern konnten, war im Sinne von Stabilität und Führung am Feld. Gerade im internationalen Wettbewerb ist es wichtig, eine gewisse taktische Disziplin zu haben. Da steht und fällt sehr viel mit dem Point Guard. James hat mich dadurch beeindruckt, dass er als Rookie in einem nicht einfachen Land, in Bosnien, wo du eigentlich nur mit Spielern der jugoslawischen Schule zu tun hast, sich durchgekämpft hat und dort derart souverän aufgetreten ist, wie ich es selten bisher von einem Rookie gesehen habe. Ich habe viele Spiele von ihm gesehen, und er hat einfach keine Fehler gemacht. Wenn es wichtig war, hat er das Heft in die Hand genommen. Er hat ein immenses Gefühl dafür, wann er mehr machen und wann er sich zurücknehmen muss. Das hat er immer daran gemessen, was das Team braucht.

Kyan hat das immer nach Gefühl gemacht. Er hat uns in vielen Situationen das Spiel gedreht, weil er die unglaubliche Fähigkeit hatte, im Alleingang das Momentum zu verändern. Aber ich glaube, dass James auf der anderen Seite einfach mehr Point Guard ist. Ob er diesen Killerinstinkt hat, wie ihn Kyan hatte – aber auch erst entwickelt hat -, das weiß ich nicht. Das wird sich herausstellen. Was ich sagen kann, ist, dass er eine unglaubliche Fähigkeit hat, das Spiel zu lesen und zu wissen, wann er mehr macht und wann er sich mehr zurücknehmen muss. Für das Alter, in dem er ist, ist das gewaltig. Wir haben jetzt vier Trainingswochen absolviert, und er hat auf dem Feld keinen großen Blödsinn gemacht. Das ist schon stark, und er bringt ein sehr gutes Set mit: Er hat einen Wurf, er kann penetrieren, ist körperlich gut und athletisch sowie defensiv sehr präsent. Er ist schon ein sehr sehr kompletter Spieler.

„Es war schon einiges an Überredungskunst notwendig, ihn davon zu überzeugen, dass es nicht überall in Europa so ist.“

Gabe York ist auf den ersten Blick ein Eins-zu-Eins-Ersatz zu Trey Lewis: stark von außen und athletisch.

Kyan war eher der Shooter. James ist eher der Penetrierer. Daher war es entscheidend, dass, wenn wir jetzt einen Point Guard haben, der mehr zum Korb zieht, dass der andere mehr der Shooter ist und nicht so viel Richtung Korb drängt. Deshalb war es ganz wichtig, dass er ein guter Werfer ist. Gabe ist Trey vom Skillset nicht unähnlich. Er ist noch athletischer, gerade was die Sprungkraft angeht. Aber er muss sich erst an den europäischen Basketball und die Physis hier adaptieren. Ich glaube, dass Gabe die Fähigkeit besitzt, Spiele innerhalb von kürzester Zeit zu drehen. Er kann so richtig heiß laufen. Er hat auch gezeigt, dass er auch ohne im Mittelpunkt zu stehen, sehr gut im Kollektiv funktioniert. Das hat sich bis jetzt sehr positiv auf uns ausgewirkt. Das Unberechenbare, was bei Trey vorhanden war, ist denke ich auch bei Gabe vorhanden.

Aber es ist natürlich sehr schwer, in die Fußstapfen von einem Trey zu treten. Man darf auch nicht den Fehler machen, die beiden Spieler eins zu eins zu vergleichen. Sie sind zwar ähnlichere Spielertypen als die Point Guards, und er wird sich den Vergleich wohl immer wieder gefallen lassen müssen, aber darum geht es nicht. Mir geht es darum, dass wir mit Gabe genauso gut funktionieren, wie mit Trey. Das ist das Entscheidende. Mir gefällt seine Mentalität und seine Einstellung. Er ist sehr offen, lernwillig und hat ein unglaubliches Potenzial. Das ist alles, was ich als Trainer brauche. Der Rest ist tägliche Arbeit. Ich glaube, dass er viel Spaß machen wird.

Letztes Jahr hatte er schon mal einen Kurzauftritt in Italien. Dort hat es aber irgendwie nicht funktioniert…

Im Endeffekt wurde Gabe vom GM des Vereins verpflichtet, der ihn als Scorer und als Schlüsselspieler in der Mannschaft haben wollte. Sein Coach hat das anderes gesehen. Der hat ihn als reinen Backup-Point Guard gesehen für 10 bis 15 Minuten pro Spiel. Das war aus zweierlei Gründen schwierig. Zum einen, weil er kein gelernter Point Guard ist. Er kann auf der Position aushelfen, aber er ist ein Shooting Guard, ein Scorer. Und dann einem Rookie von vorneherein zu sagen, dass er nur 10 bis 15 Minuten spielt, da bekommt, glaube ich, jeder die Panik. Damit hat das Ganze schon mal begonnen.

Dann hat vieles nicht funktioniert, was Wohnung und Geld anbelangt hat. Das ist irgendwann mal so chaotisch geworden, sportlich in Kombination mit dem Drumherum, dass es dann nicht mehr funktioniert hat. Deshalb ist er dort dann weg. Es war schon einiges an Überredungskunst notwendig, ihn davon zu überzeugen, dass es nicht überall in Europa so ist. Zu Beginn wollte er eigentlich in den USA bleiben und den Sprung in die NBA schaffen. Aber ich glaube, dass er jetzt froh ist, dass er es gemacht hat und dass er sieht, dass Deutschland nicht Italien ist.

„Robin ist für mich nach wie vor ein ganz wichtiger Baustein.“

John Cox ist ja ein erfahrener Spieler, zeigt aber seine Fähigkeiten auch gerade wieder beim Americup (FIBA Amerikameisterschaften). Ist er vor allem wegen des wieder sehr jungen Backcourts verpflichtet worden?

Diese Position war am schwierigsten zu besetzen, weil es relativ klar war, dass wir einen Spieler brauchen, der einerseits uns Qualität gibt und andererseits konnten wir keinen Spieler mehr vertragen, der nur funktioniert, wenn er 30 Minuten spielt. Finde mal einen Spieler, der nicht viel spielen muss, aber so gut ist, dass wenn er spielt, so gut ist, dass er die Mannschaft auf ein höheres Niveau hebt. Das geht eigentlich nur mit einem erfahrenen Spieler, der auch mal froh ist, wenn er nur 15-20 Minuten spielt und dazu auch internationale Erfahrung hat. Gleichzeitig durfte es niemand sein, der Robin Amaize in seiner Rolle bedroht, weil Robin für mich nach wie vor ein ganz wichtiger Baustein ist. Weil ich glaube, dass wir als Mannschaft noch besser werden können, wenn Robin individuell besser wird. Es war also ganz schwierig, diese Nische zu finden von Qualität und nicht von den hohen Ansprüchen an Spielzeit des Spielers. Deshalb war er eigentlich die logische Verpflichtung. Ich kenne ihn bereits seit fünf Jahren. Ich wollte ihn damals schon nach Braunschweig holen, aber das war damals nicht machbar.

Schaut man sich die Neuen an, kann man sagen, dass die Abgänge hinsichtlich der Positionen eins zu eins ersetzt wurden.

Ja, das Setup hat ja letzte Saison funktioniert, deshalb gab es keinen Grund, da herumzudoktern. Ich weiß, dass immer wieder der Ruf laut wurde, noch einen einen Innenspieler zu holen. Das war aber in erster Linie bedingt durch den Ausfall von Andi Seiferth Ende der letzten Saison. Aber man darf eines nicht vergessen: Wenn wir jetzt noch einen fünften Innenspieler holen, was mache ich mit dem, wenn alle fit sind? Mit einem zusätzlichen Innenspieler hätte ich einen Plan B, aber ich hätte keinen Plan A. Weil, wenn alle fit sind, hätte er zu wenig Minuten. Wenn sich wirklich jemand weh tut, müssen wir ohnehin reagieren. Man hat ja auch gesehen, dass De’Mon einen super Job auf der Fünf gemacht hat, wir also kurzfristig einen Ausfall schon kompensieren können.

Mindestens genauso weh getan, wie der Ausfall von Andi, hat uns die Verletzung von Kyan. Er konnte zwar spielen, allerdings konnte er seine Stärken nicht mehr so ausspielen, weil er sich nicht mehr entsprechend bewegen konnte. Ein Team wie wir wird immer Probleme bekommen, wenn ein wichtiger Spieler ausfällt, egal auf welcher Position. Wir haben jetzt alle Positionen doppelt besetzt. Wir haben viele Spieler, die auf mehr als einer Position spielen können. Ich glaube, wir haben in der jetzigen Konstellation die größte Aussicht auf Erfolg, wenn alle fit sind, aber auch wenn sich einer verletzen sollte.

Wie ist der Zustand von Andi nach der Verletzung und von Basti nach der Nationalmannschaft?

Andi ist wieder voll da, der Rest ist jetzt Spielpraxis und Selbstvertrauen. Basti ist eine Maschine, da gibt’s gar nichts. Auch wie De’Mon aus dem Sommer zurückgekommen ist, war beeindruckend. Er hat seinen Wurf massiv verbessert. Er wirft viel höher. Er hat sich es wirklich zu Herzen genommen, dass wir gesagt haben, dass wir ihn als eine größere Bedrohung von außen brauchen, um das Feld weiter zu machen. Allgemein sind alle Spieler in ausgezeichnetem körperlichen Zustand zurückgekommen. Nate hat sich beispielsweise mehrere Wochen einen Individualtrainer genommen.

„Sie müssen sich untereinander riechen können.“

Ihr wart vor kurzem im Trainingslager. Wie war das aus deiner Sicht, und wie ist so die Teamchemie bisher?

Das Trainingslager hat seinen Zweck voll und ganz erfüllt. Wir haben auch mit dem Wetter Glück gehabt. Innsbruck ist auch eine sehr schöne Stadt mit den Bergen drum herum. Wir haben aber dieses Mal keine Bergtour gemacht, weil ich das den Spielern nicht zumuten wollte, obwohl es immer ein riesen Abenteuer und Erlebnis war. Wir haben viel und intensiv trainiert. In erster Linie geht es mir im Trainingslager darum, dass die Spieler in einem anderen Umfeld sind und nicht schon so früh eine Routine einkehrt. Außerdem sollen sie auch mal aufeinanderkleben und sich daran gewöhnen. Wir werden viel Zeit in Hotels verbringen. Da müssen sie sich untereinander riechen können. Wir haben Spieler zusammen in ein Zimmer gelegt, die sonst vielleicht nicht auf die Idee kommen würden, sich zusammenzutun. So lernen sich alle besser kennen.

Dir sind ja die Strukturen im Verein auch sehr wichtig. Inwiefern hast du mit dem neuen Nachwuchskoordinator John Dieckelman zu tun?

Im Idealfall habe ich sehr viel mit ihm zu tun. Er soll unsere Basketball-Philosophie als roten Faden hinunterziehen bis in den Nachwuchs. Er hat auch mit Spielern zu tun, die vorwiegend bei mir trainieren und bei ihm spielen. Ich kenne ihn seit vielen Jahren schon aus Österreich, als wir noch gegeneinander gecoacht haben. Dann wurde er mein Assistant Coach in Wels für drei Jahre. Seitdem sind wir immer in Kontakt gewesen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist er für uns der ideale Mann für die Aufgabe. Ich bin froh, dass wir ihn dafür gewinnen konnten.

Wir müssen auch unsere zweite Mannschaft wieder hinaufbringen (Anm. d. Red.: die zweite Mannschaft ist in der letzten Saison in die 2. Regionalliga abgestiegen). Da reicht auch auf Dauer die Regionalliga 1 nicht, mittelfristig muss da eine ProB stehen. Ich habe es diesen Sommer gemerkt: Es ist nicht möglich, junge Perspektivspieler zu rekrutieren, wenn du nicht zumindest ein ProB-Team dahinter hast, wo sie Spielpraxis sammeln können. Mit der 2. Regio lockst du niemanden hinter dem Ofen hervor. Wenn wir deshalb zukünftig den Weg mit jungen Perspektivspielern gehen wollen, und das wollen wir, und wir die jungen Spieler, die nicht durch unseren Nachwuchs gehen, frühzeitig in das Programm bringen wollen, dann brauchen wir ein Farmteam in der ProB. Das ist mittelfristig auch seine Aufgabe.

Wenn es schwierig ist, für die 2. Mannschaft neue Spieler zu rekrutieren, wie schafft man es dann, wieder aufzusteigen?

John wird sich jetzt einen Überblick über die Stärke der Mannschaft machen. Im Endeffekt wird man nicht drumherum kommen, einen oder zwei Ausländer zu stellen, um mit der Truppe aufzusteigen. Wie gesagt, wohl überlegt und punktuell, wo wir Bedarf haben.

Merkt man Basti Doreth die Enttäuschung irgendwie an, dass er kurz vor der EM noch gecuttet wurde?

Nein, gar nicht. Basti ist ja hundert prozentig loyaler Profi. Er weiß, wie das Geschäft funktioniert, und man mag mit der Entscheidung d’accord gehen oder nicht, aber Fakt ist, dass Entscheidungen getroffen werden müssen. Er ist da Profi genug, um das zu akzeptieren und zu respektieren. Ob er d’accord ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Aber er respektiert die Entscheidung und konzentriert sich voll auf seine jetzige Aufgabe. Das ist auch eine seiner großen Stärken, dass er durch alle Widrigkeiten sein Ding durchzieht.

Für die Mannschaft eventuell ein Vorteil, weil er letztes Jahr erst eine Woche vor Saisonbeginn dazugestoßen ist?

Letztes Jahr war es noch heikler, weil alles neu war. Dieses Jahr hätte ich besser damit leben können, weil er meine Philosophie schon kennt. Wir haben bisher auch taktisch noch nichts Neues gemacht. Wir haben in der Phase, in der wir noch nicht komplett waren, nur die Sachen gemacht, die wir letztes Jahr schon taktisch intus hatten und behalten wollen. Jetzt, wenn alle dazu kommen, beginnen wir Neuigkeiten reinzubringen.

Vielen Dank,viel Erfolg und eine verletzungsfreie Saison!

Raoul Korner: „Wir wollen wieder um die Playoffs fighten“
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