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Raoul Korner: Die Erfolgsgeschichte in Bayreuth geht weiter

29.01.2018 || 12:13 Uhr von:
Raoul Korner hat den Erfolg zurück in die Wagnerstadt gebracht. Nun verlängert er überraschend früh für zwei weitere Jahre. Grund genug einen Blick auf die Erfolgsgeschichte zwischen Korner und medi bayreuth zu werfen.

Was bei Bayreuth seit dem Amtsantritt von Coach Raoul Korner passiert ist, hat schon etwas von einem Märchen. Seit dem Wiederaufstieg 2010 kämpfte der Traditionsstandort aus Oberfranken jedes Jahr ums Überleben. Dabei waren oft sowohl Teams als auch die Trainerposten durchaus mit bekannten und hoffnungsvollen Namen bestückt. Trotzdem blieb es Raoul Korner nach Jahren der Tristesse vorbehalten medi bayreuth zurück in die Playoffs und sogar aufs internationale Parkett zu führen. Dementsprechend groß war die Freude in der Halle, als der Coach beim Spiel gegen die BG Göttingen seine Verlängerung bis 2020 verkündete.

Schweres Erbe

Doch zurück zum Anfang: Zur Saison 2016/2017 stellte der Verein den ambitionierten Österreicher als Nachfolger der Vereinsikone Mike Koch vor. Koch gewann vor fast 30 Jahren zuletzt mit Bayreuth das Double und war bei den Fans ein absoluter Publikumsliebling. Dessen Vorgänger Predrag Krunic, inzwischen bei Bonn, konnte sogar mit Oldenburg den Meistertitel feiern. Der letzten Trainer, der auch in der niederländischen Liga trainierte, Marco van den Berg, konnte sich auch nur knapp 1,5 Jahre halten. Daher war die Entscheidung pro Korner nicht unumstritten.

Dass Korner auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war, konnte man damals in Braunschweig zwar ebenfalls schon vernehmen. Aber die Niedersachsen waren aufgrund von schwindenden Sponsorengeldern schon länger keine Top-Adresse mehr in Basketball-Deutschland. Gerade aufgrund dieser Situation ist die Platzierung in der Saison 2015/16 noch stärker einzuordnen, in denen Korner mit den Basketball Löwen an den Playoffs schnupperte und ihn lediglich ein Sieg davon trennte. Auch bei seinen vorherigen Stationen war der 43-Jährige sehr erfolgreich. Sowohl in den Niederlanden (2012, Den Bosch) als auch in Österreich (2009, Wels) feierte er mit seinen Vereinen Meisterschaften.

Der Weg ist das Ziel

Der studierte Jurist begann seine professionelle Trainerkarriere bereits im zarten Alter von 25 Jahren und wurde in der Heimat auch mehrfach als Österreichs Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er selbst gibt für sich das Ziel aus, dass er mal Euroleague coachen will. Tatsächlich klettert er seit Jahren auf der Karriereleiter immer weiter nach oben. Inzwischen spielt er Champions League mit einer Mannschaft, die mit ihrem Etat theoretisch nicht mal unbedingt in die BBL-Playoffs kommen muss. Doch das ist dem ehrgeizigen Coach völlig egal. Sein Credo seit Amtsantritt: Overperformen!

So wundert es nicht, dass es in der Gerüchteküche in den letzten Monaten mächtig brodelte. Man brachte ihn unter anderem mit Bamberg in Verbindung, das dieses Jahr ziemlich strauchelt und sich bei dieser Entwicklung wohl auch auf dem Trainermarkt umschauen wird. Der oberfränkische Nachbar liegt weder hinsichtlich Entfernung noch hinsichtlich Sponsoren (Brose) allzuweit auseinander. Ob Korner in den nächsten Jahren mit Bayreuth Euroleague spielt, darf zwar bezweifelt werden, allerdings sieht er die Entwicklung des Basketballstandorts noch lange nicht am Ende.

Macher und Gesicht des Bayreuther Aufstiegs

Vom ersten Tag an ließ Korner keinen Zweifel daran, dass er mit medi bayreuth viel vorhatte. Bereits bei der ersten Pressekonferenz im Rahmen seiner Vorstellung war der Wiener sehr selbstbewusst und warf Zweiflern seine charismatische und sympathische Art entgegen. Er setzte viele (notwendige) Änderungen durch und ist hinsichtlich Professionalisierung und Aufbruchstimmung einer der Motoren im Verein. Beispielsweise wurden ein hauptamtliche Physiotherapeut und ein Athletiktrainer in das Trainerteam aufgenommen. Seitdem sind die Anzahl geringer und die Dauer der Verletzungen deutlich kürzer geworden.

Gerade erst wurden hinsichtlich Trainingszentrum wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.  Auch die immer weiter wachsende Organisation um den scheidenden Geschäftsführer Philipp Galewski kommuniziert immer wieder ihre hohen Ambitionen offen nach außen und trägt den Spirit, den der Trainer in der Stadt verbreitet, mit. Zwar betont Korner immer wieder, dass er nicht alleine verantwortlich für die positive Entwicklung ist, allerdings hat er wohl zweifelsfrei einen nicht unerheblichen Anteil daran. Das Geld wird seit letzter Saison nicht mehr fast ausschließlich in den Kader gesteckt, sondern auch möglichst langfristig in eine bessere Infrastruktur investiert.

Die Mannschaft ist der Star

Die niedrigeren Gehälter bekamen die Agenten der Spieler von Anfang an zu spüren, die ihre Spieler zu, für sie, sehr guten Konditionen nach Bayreuth brachten. Starspieler, die die Teamchemie kaputt machen, sind in Korners Teams nicht zu finden. Der Trainer ist in der Basketball-Welt extrem gut vernetzt und findet immer wieder Spieler, die niemand auf der Rechnung hatte. Diese haben häufig noch hohe Ziele, wie beispielsweise Trey Lewis oder Gabe York, und machen dafür in Bayreuth ihren nächsten Schritt. Spieler wie Assem Marei oder auch De’Mon Brooks haben sich aus relativ unbekannten Ligen inzwischen in Deutschland durchgesetzt und sind sogar bei der erfolgreichen Organisation geblieben.

Dies ist nicht zuletzt auch dem Coach zu verdanken, der genau weiß, was er von seinen Spielern erwartet. Faule, dumme oder egoistische Spieler stehen bei ihm per se auf der schwarzen Liste. Bevor ein Spieler diese Eigenschaften aufweist, verzichtet er lieber auf Erfahrung und setzt auf erfolgshungrige Rookies. Die Einstellung und die Teamchemie ist daher auch in seinem zweiten Jahr in Bayreuth hervorragend. Das bestätigen sowohl Spieler als auch Funktionäre, die die Mannschaft auf Auswärtsreisen begleiten. Die Spieler haben nicht nur auf dem Feld, sondern auch neben dem Feld eine gute Verbindung.

Die Meinung der Mannschaft

Die besagte gute Verbindung besteht auch zwischen der Mannschaft und dem Coach. Die Spieler spielen gern unter ihm. Man hört auch von ehemaligen Spielern nicht im geringsten negative Töne über die Zusammenarbeit. Im Gegenteil: ehemalige Schützlinge wie Trey Lewis bitten ihn sogar um Rat, wenn es um ihre sportliche Zukunft geht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die aktuellen Spieler und der Geschäftsführer nur warme Worte für ihn bereithalten:

Die Vertragsverlängerung mit Raoul ist eine tolle Anerkennung für die Organisation medi bayreuth. Raoul war und ist für uns die Wunschbesetzung auf dieser Position. Mit ihm an der Seitenlinie kann medi bayreuth selbstbewusst in die Zukunft blicken und die tolle Arbeit fortsetzen. (Geschäftsführer Philipp Galewski)

Raoul hatte mir vor meiner Verlängerung eine gewisse Tendenz gesagt. Anders wäre es auch unfair gewesen. Ich finde es natürlich eine gute Sache, weil wir die letzten beiden Jahre sehr gut zusammengearbeitet haben und darauf lässt sich auf jeden Fall aufbauen. Ich hoffe, dass wir die beiden nächsten Jahre so weitermachen können. (Kapitän Bastian Doreth)

Es kann sein, dass die Verlängerung von Raoul Einfluss auf meine Entscheidung für nächstes Jahr hat. Der Coach ist einer der Hauptgründe, weshalb ich nach Bayreuth gekommen bin. Aber wichtiger ist, dass es gut für den Klub und die Stadt Bayreuth selbst ist. Gut für alle. (Nate Linhart)

Ich finde, es ist ein wichtiges Signal für den Verein, dass wir den Trainer zwei Jahre länger hier haben, gerade jetzt, weil der Geschäftsführer (Philipp Galewski) aufhört. Mit Basti (Doreth) und dem Coach sind schon mal zwei wichtige Pfeiler da. Die Verlängerungen waren auch vielleicht früher, als sie vielleicht normalerweise stattfinden, um nach außen zu zeigen, dass es weiterhin in die richtige Richtung geht. (Andreas Seiferth)

Aufhören, wenn es am Schönsten ist…

Raoul Korner hat diesen Satz bereits bei der Vertragsverlängerung gesagt. Bereits letztes Jahr war der Playoff-Einzug mit Heimrecht ein unglaublicher Erfolg für den Bayreuther Basketball. Aber wer den Coach auch nur ansatzweise kennt, weiß, dass er sich nicht auf bereits Erreichtem ausruht, sondern immer den nächsten Schritt gehen möchte. Er hat wohl dementsprechend neben kurzfristigen Zielen, wie dem Top Four im Februar in Ulm und dem Playoff-Einzug in der Champions League, noch einiges vor in Bayreuth.  Zum Glück sieht er diese Schritte für die nächsten Jahre vorerst in Bayreuth.

Nach den jüngsten Erfolgen auf nationalem und internationalem Parkett haben sicherlich nicht nur die Spieler, sondern hat auch der Trainer die Aufmerksamkeit von diversen Vereinen auf sich gezogen. Die Anfrage nach Angeboten weicht er jedoch geschickt aus.

Wenn man sich im Jänner bereits deklariert, ist das ein Signal, dass man auf andere Angebote gar nicht wartet. Ich hätte jetzt nicht verlängern müssen. Ich hätte sagen können, dass wir bis Mai warten, was so reinkommt und dann such ich mir das Beste aus. Mir ist es nie darum gegangen Geld zu maximieren. Für mich ist das Wichtigsten in einer Situation zu arbeiten, in der ich denke, dass ich was bewegen kann. Ich denke, dass das hier noch der Fall ist und auch in den nächsten zwei Jahren der Fall sein wird. Wenn ich glücklich verheiratet bin, schau ich mich auch nicht um, ob ich noch eine hübschere Frau irgendwo auf der Straße finde, sondern ich gehe mit meiner Frau. Genauso ist es hier. (Raoul Korner)

Diese Worte werden die Bayreuther Fans gerne hören. Bereits jetzt wollen ihm einige Fans ein Denkmal setzen. Zweifler gibt es in Bayreuth ohnehin nicht mehr. Die Mannschaft inklusive Coaching Staff lässt in jedem Spiel ihr Herz auf dem Spielfeld. Das gesamte Umfeld, aber auch die Liga, darf sich auf weitere Jahre mit Raoul Korner freuen. In diesem Sinne: Gemma Burschen, es stehen noch viele Aufgaben an!

Live aus der Oberfrankenhalle

Posted by medi bayreuth on Sonntag, 28. Januar 2018

Vielen Dank an Holm Vater für die Bereitstellung des Titelbildes! Seine Zeichnungen aus der Welt des Basketballs findet ihr hier.

Raoul Korner: Die Erfolgsgeschichte in Bayreuth geht weiter
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