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Silvano Poropat: Der Leitwolf im Por­t­rät

10.08.2015 || 16:58 Uhr von:
Vom Jugendtrainer bis zum Head-Coach in der BBL. Court Review blickt auf den bisherigen Verlauf der Karriere von Silvano Poropat zurück.

Einen Fünfjahresvertrag: So eine lange Laufzeit hatte es in der Beko-Basketball-Bundesliga noch nie gegeben. Es ist das Ergebnis einer harmonischen Beziehung über vier Jahre. Ende der abgelaufenen Saison verlängern Trainer Silvano Poropat (44) und der Mitteldeutsche BC ihren Vertrag um diese Laufzeit.

„Es ist schön, jemandem etwas zu bedeuten.“ – Silvano Poropat, Headcoach MBC

Poropat wird geschätzt – von der Vereinsführung und den Fans. In Weißenfels vertrauen ihm alle, auch in schwierigen Phasen – das ist etwas Besonderes für Poropat, dem eine solche Rückendeckung trotz teilweise grandioser Erfolge bei seinen ehemaligen Klubs nie zuteil wurde.

Poropat freut sichZuvor hatte Poropat die schlimmste Niederlagenserie seiner Tranier-Karriere mitmachen müssen. Trotz dieser Phase von zwei Siegen und 16 Niederlagen – davon zehn in Folge – stand ein Rauswurf Poropats zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Dieser Vertrauensbeweis war auch ein ausschlaggebender Punkt für die Vertragsverlängerung über einen solch langen Zeitraum. Schon zum Zeitpunkt der Verlängerung ist der Kroate der Coach mit der längsten Amtszeit in der MBC-Geschichte.

Poropat setzt künftig mehr auf junge Nachwuchstalente. So wurde neben dem Ex-Ulmer Jonathan Maier (22) auch A2-Nationalspieler Stephan Haukohl (22) verpflichtet. Aber auch am Dreijahresvertrag für Poropats Landsmann Filip Bundovic (21) und der Vertragsverlängerung mit Aufbauspieler Frantz Massenat (23) wird dies deutlich. Das Durchschnittsalter des neuen Teams beträgt aktuell 22 Jahre.

Einen Trainer zu haben, der seine Teams über ihre (finanziellen) Möglichkeiten spielen lässt und das Maximale heraus holt, sollte eigentlich gern gesehen sein. Doch kann dies auch dazu führen, dass die Erwartungshaltung zu hoch wird und das Überdurchschnittliche plötzlich zu wenig ist. Diese Erfahrung musste auch der Kroate Poropat machen. Der aktuelle Headcoach des Mitteldeutschen BC hat trotz seines jungen Alters schon viel erlebt. Aber lest selbst…

Der junge Trainer – Erste Station: Kroatien

Geboren wurde Silvano Poropat am 16.04.1971 im kroatischen Pula. Wie die meisten Kinder in Europa begann auch Poropat seine sportliche Karriere beim Fußball, da es in seinem Heimatort keine Basketballmannschaft gab. Einige Jahre später, als beim Basketballverein KK Rovinj Spieler ausfielen, schnappte sich der damals 15-jährige Poropat den Ball und half als Ersatzmann aus – der Beginn einer großen Liebe, denn dem Basketball blieb er treu. Sechs Jahre später begann der mittlerweile 21-Jährige als noch aktiver Spieler seine Trainerkarriere im Jungendbereich. Unter Poropats Leitung gewann das Team zwei Junioren- und Kadettenmeisterschaften. Bei einem Turnier in Leonberg wurde Ludwigsburg auf den jungen Kroaten aufmerksam. So lud man Poropat in die Barockstadt ein, um zur Probe im Ludwigsburger Jugendbereich zu arbeiten.

Vom Jugendtrainer zum Headcoach – Nächster Halt: Ludwigsburg!

Dort absolvierte er ein Probetrainingslager mit dem Nachwuchs der Ludwigsburger Basketballer. Schnell waren sich die Verantwortlichen – auch, weil Poropat gut mit den Kindern umgehen konnte und sie ihn mochten – in Ludwigsburg sicher: Poropat ist unser Mann. Zunächst betreute er im Verein eine Jugendmannschaft. Poropat, noch ohne jegliche Sprachkenntnisse, besuchte dann einen Deutschkurs an der Volkshochschule. 2001 übernahm er die Regionalliga-Mannschaft der BSG Ludwigsburg, mit der er 2003 fast den Aufstieg schaffte. Zudem stand er Bruno Socé als Assistenztrainer der ersten Mannschaft, mit der er 2002 als Meister der 2. Basketball-Bundesliga Süd ins Oberhaus aufstieg, zur Seite. In die Saison 2003/04 startete die erste Mannschaft der Ludwigsburger zwar sehr erfolgreich, allerdings rutschten die Barockstädter im Laufe der Saison in den Tabellenkeller ab. Wegen des drohenden Abstiegs entließen die Verantwortungsträger der EnBW Ludwigsburg Startrainer Socé und übertrugen dem bisherigen Co-Trainer Poropat die Funktion des Headcoaches. Letztendlich gelang dem Team aus Baden-Württemberg der Ligaverbleib.

Für die folgende Saison wurde Poropat mit einem Ein-Jahresvertrag ausgestattet. Dieser Vertrag wurde Ende Mai 2005 um weitere zwei Jahre verlängert. 2006 nahm Poropat dann am A-Lizenz-Trainerlehrgang in Frankfurt teil. Zu den Geprüften gehörten unter anderem auch sein jetziger Co-Trainer Dirk Dittrich, Ex-MBC-Trainer Björn Harmsen (jetzt Jena) sowie der aktuelle Ludwigsburger Cheftrainer John Patrick. Im Januar 2007 wurde Poropat aufgrund seiner Leistungen als Trainer der EnBW Ludwigsburg die Ehre zuteil, das Team Süd beim Allstar-Game der BBL zu coachen. Auch wählten die 18 Headcoaches der BBL-Mannschaften sowie ausgewählte Medienvertreter Poropat mit überwältigender Mehrheit zum Trainer des Jahres 2007.

Wenn das Überdurchschnittliche plötzlich zu wenig ist

Die Saison 2006/07 schloss Ludwigsburg als Tabellenzweiter ab – dies bedeutete die beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Poropat hatte geschafft, was schon lange keinem Trainer in Ludwigsburg mehr gelungen war: Er hatte eine riesige Euphorie im Verein und der ganzen Stadt entfacht, die das Team in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft trug. Im Viertelfinale der Playoffs gab die EnBW Ludwigsburg dann die Verlängerung des Vertrages bis 2009 bekannt. Im weiteren Verlauf der Playoffs schied das Team aus dem Herzen Baden-Württembergs erst im Halbfinale, nach zum Teil höchst spektakulären Spielen, gegen den späteren Meister Bamberg 1-3 aus.

Durch die Erfolge in der Saison 2006/07 qualifizierte sich die EnBW Ludwigsburg erstmals seit über einem Jahrzehnt für einen internationalen Wettbewerb, den ULEB Cup. Dort konnten die Ludwigsburger Korbjäger auch wegen eines sehr dünnen Kaders allerdings nur drei Siege aus zehn Spielen erringen und beendeten die Gruppenphase so als Tabellenvorletzter. Diese drei Siege waren jedoch aller Ehren wert, da die Mannschaft starke Gruppengegner hatte und den Ludwigsburgern Leistungsträger wie Ex-Wolf Jerry Green und Je’Kel Foster vor der Saison 2008 verloren gegangen waren. Unter anderem sorgten Gran Canaria, ASVEL Lyon-Villeurbanne und Panionios Athen dafür, dass die Reise durch Europa für die Schwaben schnell wieder beendet war.

In der Saison 2007/08 scheiterte Silvano Poropat mit seinem Team auch erstmals nach Antritt des Amtes als Cheftrainer der Mannschaft 2005 am Einzug in die Playoffs. Dafür gelang ihm mit der Ludwigsburger Mannschaft zum dritten Mal innerhalb vier Jahren der Einzug ins TOP FOUR des Pokalwettbewerbes und innerhalb dessen das zweite Mal in der Vereinsgeschichte der Einzug ins Pokalfinale.

Trotzdem entschieden sich die Verantwortlichen in Ludwigsburg auf der Position des Headcoaches einen Wechsel vorzunehmen, obwohl der Kroate noch einen Vertrag bis 2009 hatte. Zwar lobte der Vorsitzende Alexander Reil die bisherigen Leistungen Poropats, kritisierte aber neben der Saison 2007/08, die hinter den Erwartungen blieb, vor allem den fehlenden Fortschritt der Kaderplanungen für die Saison 2008/09. Im Juni 2008 hatten die Ludwigsburger noch keinen Neuzugang präsentieren können. Außerdem forderte Reil mehr Einsatzzeit für Nachwuchsspieler.

„Aus diesem Grunde konnten wir im Vorstand und im Management nur die Beendigung der Zusammenarbeit beschließen“

Mit diesen Worten des Ludwigsburger Präsidenten war die Arbeit von Silvano Poropat bei der EnBW Ludwigsburg beendet.

Der Knacks in der Kariere Poropats

Knapp eineinhalb Jahre dauerte es ehe Poropat wieder ein Team trainierte. Nachdem der lettische EuroCup-Teilnehmer BK Ventspils seinen Trainer Agris Galvanovskis entlassen hatte, engagierte der Club Anfang Januar 2010 schließlich Poropat als Nachfolger, der mit seinem Konzept überzeugen konnte und sich gegen mehrere Bewerber durchsetzte. In dieser Zeit wurde ihm die Ehre zuteil, das lettische All-Star-Game zu coachen. Mit dem Team von BK Ventspils, welches er mit Sicherheit nicht so zusammengestellt hätte, gelang es ihm, in der Baltic League das Playoff-Halbfinale zu erreichen. Im Halbfinale schied er mit seinem Team erst in Spiel 5 aus. Zu früh, meinten die Verantwortlichen aus Lettland, und kündigten dem Kroaten kurzerhand.

Danach zog es Poropat wieder nach Baden-Württemberg – diesmal allerdings zur BG Karlsruhe in die ProA. Dort statteten ihn die Verantwortlichen mit einem Zweijahresvertrag mit Option aus. Doch schon im Oktober warf Silvano Poropat aus persönlichen Gründen hin – er sah sich nicht als den richtigen Trainer für Karlsruhe. Ob vielleicht auch fehlendes Vertrauen seitens der Vereinsführung – nach den ersten Niederlagen – eine Rolle spielte, kann nur vermutet werden.

Danach entstanden Kontakte zum Mitteldeutschen BC, der nach der Erkrankung von Cheftrainer Bjorn Harmsen auf der Suche nach einem neuen Coach war. Zu einer Verpflichtung während der laufenden Saison kam es jedoch nicht.

Erst Eins, dann Drei, dann Fünf: Poropat leitet neue Ära beim MBC ein!

Poropat klatscht mit den Fans abNach der Saison 2010/11 wurden sich der MBC und Poropat schließlich doch noch einig. Der Kroate wurde für die Mission „Wiederaufstieg“ von der ProA in die BBL unter Vertrag genommen. Der Vertrag galt zunächst für ein Jahr. Poropats Team beendete die Hauptrunde als Tabellenerster und zog so souverän in die Playoffs ein. Noch vor Beginn der Playoffs verlängerte der MBC den Vertrag mit seinem Trainer für drei weitere Jahre. Besonderheit: Der neue Vertrag war sowohl für die BBL als auch für die ProA gültig.

„Der Zeitpunkt der Verlängerung vor den Play-Offs ist von beiden Seiten bewusst gewählt. Der enge und harte Spielplan kann sicher auch Überraschungen mit sich bringen, dennoch sind wir optimistisch und zuversichtlich, dass wir unser Saisonziel erreichen werden und in die Beko BBL zurückkehren.“, Martin Geissler, Geschäftsführer MBC

Schließlich konnte der MBC unter Poropat ins ProA-Finale einziehen und den damit verbundenen Aufstieg feiern. Im Finale gewann der MBC sogar noch die ProA-Meisterschaft. Für seine Leistungen in der ProA-Saison 2011/12 wurde Poropat – gemeinsam mit dem Chemnitzer Coach Felix Schreier – zum Trainer des Jahres gewählt. In der darauffolgenden BBL-Spielzeit gelang es Poropat mit seinem Team, die Klasse zu halten.

In der Saison 2013/14 konnten sich die Wölfe nochmals deutlich steigern und kratzten sogar an den Playoffs – am Ende reichte es jedoch knapp nicht und die Poropat-Schützlinge beendeten die Saison als Tabellenneunter. Für diese Leistung mit einem der kleinsten Etats der gesamten BBL wählten Cheftrainer und Kapitäne der 18 Beko-BBL-Klubs sowie Medienvertreter Poropat nach 2007 erneut zum Trainer des Jahres.

In die abgelaufene Spielzeit startete der MBC stark, sodass Poropats Mannschaft fast in den Pokalwettbewerb einzog. Noch am 17. Spieltag bestand die Chance, sich zu qualifizieren. Die Saison beendeten die Wölfe auf einem soliden Tabellenplatz Zwölf.

Doch was macht den Trainer Poropat aus?

„Mein Ziel ist es, jeden Spieler an sein persönliches Limit zu führen“

Silvano Poropat legt nicht nur Wert auf individuelle Fähigkeiten, sondern vor allem auch auf Einstellung und Charakter. Disziplin ist ein wichtiger Bestandteil seines Konzeptes. Zusammenspiel – sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung – und Kampfgeist sind die Tugenden, die er von seinen Spielern verlangt. Dazu beschäftigt sich Poropat viel mit Psychologie, die einen wesentlichen Pfeiler seines Konzeptes bildet. Wichtig ist auch, dass die Spieler das Spiel lesen und verstehen können. Nur so können sich kleine Klubs wie der MBC gegen besser besetzte Teams durchsetzten und sich Jahr um Jahr im deutschen Oberhaus zu halten. Damit das überhaupt möglich ist, hat Poropat dem ganzen Klub eingebrannt, dass ein Team wie der Mitteldeutsche BC in jedem Spiel alles geben muss. Und zwar „vom ersten bis zum 34. Spieltag – wenn man überhaupt eine Chance haben will, zu gewinnen“.

Silvano Poropat selbst mahnt stets zur Bescheidenheit wie folgender Auszug aus einer Pressekonferenz (Saison 2012/13, 29. Spieltag, Mitteldeutscher BC gegen Telekom Baskets Bonn) eindrücklich zeigt:

Seine Teams können über ihren Verhältnissen spielen, wenn sie wollen. Eine übertriebene Erwartungshaltung ist dabei allerdings gefährlich. Mittlerweile hat Poropat den Dreh raus und Mannschaft wie auch Fans im Griff. So freut es die Wölfe-Fans, dass der Mitteldeutsche BC auch in den kommenden Jahren eine solide Grundlage für den Klassenerhalt hat: Headcoach Silvano Poropat.

Silvano Poropat: Der Leitwolf im Por­t­rät
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