BASKETBALL.DE ist Partner von Sportforen.de. Ehemalige Nutzer von crossover-online.de und Nutzer von sportforen.de können sich auch auf BASKETBALL.DE mit ihren bestehenden Login-Daten anmelden.
Anmelden oder registrieren

Playoff-Vorschau: Bonn gegen Ulm

05.05.2015 || 15:05 Uhr von:
angelo_caloiaro_640x320
Vierter gegen Fünfter, diese Konstellation kennen die Bonner nur zu gut. Doch anders als zuletzt sind diesmal die Baskets mit dem Heimvorteil ausgestattet. Die Ulmer könnten jedoch die Bonner Schwächen ausnutzen, wie exklusive Crunchtime-Stats zeigen.

Es ist angerichtet: 305 Spiele und die Uhren stehen wieder auf null. Nach sieben langen Monaten geht es endlich auf die Zielgerade der Saison – mit dem Heimspiel der Telekom Baskets Bonn gegen ratiopharmulm läutet die BBL am Mittwoch die schönste Zeit des Jahres ein. Sechs der acht Playoff-Plätze waren bis zum letzten Spieltag hart umkämpft, und auch die finalen Paarungen versprechen überwiegend Spannung und interessante Matchups.

In Bonn und Ulm treffen zwei Teams aufeinander, die der Heimvorteil trennt, die sich aber auf absoluter Augenhöhe begegnen und sich ähnlich enge Spiele liefern sollten, wie es die vergangenen Jahre Bonn und Oldenburg in der Serie des Viertern gegen den Fünften getan haben.

Für die vierteilige Playoff-Vorschau (die Previews zu den weiteren drei Serien erscheinen bis zum kommenden Samstag) wurden unter anderem die Crunchtime-Stats der Hauptrunde ausgewertet. „Crunchtime“, das sind (in der allgemein geläufigen Definition) die letzten fünf Minuten des vierten Viertels oder der Verlängerung, wenn beide Teams nicht mehr als fünf Punkte voneinander entfernt sind. Situationen also, in denen das Spiel auf der Kippe steht und jeder Angriff zählt. Denn in den Playoffs werden die Rotationen kürzer, die qualitative Dichte höher und jeder Ballbesitz wichtiger. Die Crunchtime-Stats der Hauptrunde sollen also auch Auskunft darüber geben, wie die Teams unter Druck agieren. Denn wer Meister werden will, muss dem Postseason-Druck standhalten.

Telekom Baskets Bonn (4) gegen ratiopharm ulm (5)

Der Basketballgott wäre ein Unmensch, hätte er uns auch in diesem Jahr eine Serie zwischen Bonn und Oldenburg beschert. Tatsächlich wäre diese Konstellation bis zum letzten Spieltag noch möglich gewesen, Ulm konnte den fünften Platz aber (Gott sei Dank) behaupten.

Wie von einem Matchup zwischen dem Viert- und Fünftplatzierten nicht anders zu erwarten, ist diese Serie die vielleicht engste im Viertelfinale. Bonn hat den Heimvorteil, Ulm die beiden Spiele in der Hauptrunde für sich entschieden. Zwei Teams auf Augenhöhe, zwei junge Trainer mit ähnlichen Ansätzen. Denn Mathias Fischer in Bonn und Thorsten Leibenath in Ulm sind wohl die beiden BBL-Coaches, die den größten Wert auf (erweiterte) Statistiken legen. Dass ihre beiden Teams die wenigsten Würfe aus der Mitteldistanz nehmen, kommt also nicht von ungefähr. Bonn baut am stärksten auf den Eckendreier, Ulm zieht die meisten Freiwürfe. Bei den Würfen in der „Restricted Area“ rangieren beide Teams in den Top-Ten.

Sowohl für die Rheinländer als auch für die Schwaben war es eine Saison mit Höhen und Tiefen. Unter allen Teams der Liga musste Bonn in der abgelaufenen Spielzeit am meisten zittern: Mit 200 Ballbesitzen in der Crunchtime führen sie die Liga mit großem Abstand an. Dass sie dennoch Hauptrundenvierter geworden sind, zeugt von einer ursprünglichen Abgeklärtheit im Kader, die allerdings gegen Ende der Saison immer häufiger in kopflosen Aktionen mündete. Aus der fünftbesten Offensive der Liga wird so nach 34 Spieltagen in der Crunchtime eine der schlechtesten. Mit dem Rücken zur Wand verloren die Bonner zu oft den Ball, agierten schwach am offensiven Brett und trafen ihre Würfe deutlich unterdurchschnittlich, wie die Shot Chart speziell für die Crunchtime zeigt: shotchart_bonn_crunchtimeDas ist aber nur eine Seite der Medaille, denn Basketball wird an zwei Enden des Feldes gespielt – und anders als im Angriff machten die Baskets defensiv in diesen Situationen einen großen Schritt nach vorne: vom siebten Platz über alle Viertel auf den zweiten Platz in der Crunchtime. Denn das Team von Coach Fischer gibt dem Gegner eng verteidigte Würfe: Gerade einmal 23,1 Prozent warfen Bonns Gegner in der Crunchtime aus der Distanz, 37,0 Prozent aus dem Feld – beides Top-fünf-Werte. In der Verteidigung können die Telekom Baskets offensichtlich einen Gang hochschalten, wenn es eng wird. Im Viertelfinale allerdings bekommen sie es mit einem der schlagkräftigsten Offensivteams der Liga zu tun – gerade in spielentscheidenden Situation.

Denn die Ulmer haben zwar weniger enge Spiele bestritten als Bonn, waren in diesen Situationen aber meist auf der Höhe. Die Offensive der Schwaben war in der abgelaufenen Saison mit 111,2 Punkten pro 100 Ballbesitzen die viertbeste der Liga. In der Crunchtime allerdings stieg dieser Wert auf unglaubliche 134,6 Zähler pro 100 Ballbesitze – mit Abstand Ligabestwert, vor offensivstarken Teams wie Bamberg und Bayern. Mit dem Rücken zur Wand trifft Leibenaths Team 41,2 Prozent seiner Dreier und 79,0 Prozent von der Linie. shotchart_ulm_crunchtimeOhnehin ist ihr System darauf ausgelegt, viele Freiwürfe zu ziehen – im Ligavergleich („pace-adjusted“) die meisten. In engen Spielen allerdings steigert sich dieser Wert ins Absurde: Für jeden Crunchtime-Feldwurf nahmen die Ulmer in der abgelaufenen Hauptrunde 1,15 Freiwürfe. Für den Zuschauer nicht unbedingt attraktiv, aber unheimlich effektiv – und ein großer Vorteil, denn die Schwaben schweben, was das Freiwurfvolumen angeht, in ganz eigenen Sphären.

shotsselection_bonulm2

Unterm Strich

Unter den möglichen 4-5-Matchups ist Ulm jenes Team, das die Schwächen der Bonner am ehesten offenlegen kann: Der schnelle Spielstil der Schwaben liegt den Rheinländern nicht, der aggressive und immer drohende Zug zum Korb ebenso wenig.

Zwar hat auch Coach Leibenaths Team eine große Schwäche, die sich durch die Saison zieht: die Verteidigung unter dem eigenen Korb, die sich auch in schwachem Rebounding ausdrückt. Die Telekom Baskets allerdings sind unter allen Playoff-Teams vielleicht dasjenige, das dieses Defizit am wenigsten ausnutzen wird können.

Tadas Klimavicius kann mit all seiner Erfahrung für Unruhe sorgen, dahinter wird es aber dünn auf den großen Positionen – auch, weil Angelo Caloiaro zwar immer besser in die Saison gefunden hat, aber nach wie vor keine große Gefahr im Low-Post darstellt. Bonn hat das Heimrecht, Ulm aber genügend Klasse, um ein fünftes Spiel zu klauen.

Tipp: Ulm in fünf.


Die Previews zu den drei weiteren Serien:

FC Bayern München gegen Fraport Skyliners

Alba Berlin gegen EWE Baskets Oldenburg

Brose Baskets gegen MHP Riesen Ludwigsburg

Jetzt mitdiskutieren Anmelden oder Registrieren
Mjay
Mjay 5. Mai 2015 um 16:34 Uhr

Interessante zahlen, die sich auf Ulmer Seite allerdings wieder etwas relativieren, wenn man den Saisonverlauf der Ulmer mit in Betracht zieht. Die Spiele gegen die „großen“ wurden eigentlich allesamt recht hoch verloren, sodass diese in die Crunchtime-Stats gar nicht mit reinzählen, wenn ich das richtig verstanden habe. Gegen die „kleineren“ Teams der Liga hat sich Ulm recht schwer getan, aber dennoch meistens gewonnen. Dies dürfte die guten Chrunchtime-Statistiken erklären. Denn gegen unerfahrene und günstigere Spieler gewinnt man vielleicht leichter, als gegen Euroleague-Personal wie in Bamberg & Co. Dennoch ist natürlich die Tatsache, dass Ulm diese Saison viele knappe Spiele für sich entscheiden konnte nicht zu übersehen und hoffentlich ein Vorteil für die Playoffs, die ja erfahrungsgemäß gerne mal knapp verlaufen.

Basketball.de - Footer-Icon
entwickelt von Markenwirt, Werbeagentur Bamberg
Copyright 1998-2016 BASKETBALL.de. Alle Rechte vorbehalten. Für den Sport!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst Du Dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.