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Playing with nine fingers – Interview mit Jamar Smith

03.05.2014 || 14:53 Uhr von:
Jamar Smith_Autogrammkarte
Name: Jamar Smith Position: Shooting Guard Nation: USA Geboren: 07.04.1987 Größe/Gewicht: 1,91 Meter/ 84 kg Team: Brose Baskets Bamberg Stationen: High School: Richwoods Illinois (2005-2007) College: S...

Name: Jamar Smith
Position: Shooting Guard
Nation: USA
Geboren: 07.04.1987
Größe/Gewicht: 1,91 Meter/ 84 kg
Team: Brose Baskets Bamberg
Stationen:

  • High School: Richwoods Illinois (2005-2007)
  • College: Southern Indiana (2008-2010)
  • NBA Draft: 2010 / Undrafted
  • 2010-2011  Maine Red Claws/D-League (Boston Celtics)
  • 2011 Guaiqueries de Margarita (Venezuela)
  • 2011-2012 BK Prostějov (Tschechien)
  • 2012-13 Hapoel Gilboa Galil (Israel)
  • 2013-aktuell Brose Baskets Bamberg

 

Court Review: Hi Jamar, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, mit Court Review ein Interview zu führen. Wie war das Training heute?

Jamar Smith: Wir hatten gestern einen Tag trainingsfrei, da sind alle ein wenig aus dem Rhythmus und ein bisschen müde. Aber es ist gut gelaufen und nun bin ich wieder frisch. Training ist so wichtig, wenn mir nur ein Tag fehlt, muss ich noch härter arbeiten um das wieder reinzuholen.

Court Review: Jamar, wie bist Du zum Basketball gekommen?

Jamar Smith_PortraitWir haben viel draußen gespielt, schon als Schüler stunden-, tage-, wochenlang. Wie eben alle. Meine besten Schulfreunde kamen damals ins Team (Richwood High Illinois) und ich wollte da auch hin, war aber zu schlecht. Da hat mir mein Dad geholfen. Er wollte unbedingt, dass ich ein guter Spieler werde. Deshalb hat er mich ziemlich angetrieben noch mehr zu trainieren.

Ich musste als Schuljunge jeden Tag um 5.30 Uhr aufstehen und erst mal ein paar Hundert Körbe werfen. Dann ging es unter die Dusche, zum Frühstück und ab in die Schule. Abends nach der Schule ging ich zum Training, und anschließend zu Hause zu Dad auf den Trainingsplatz und dort habe ich weiter geworfen, und geworfen, und geworfen. Und glaub´ mir, seine Pässe waren nicht so schön wie die in der Halle. Auf die Füße, auf den Oberkörper mit Wucht, überall hin; bloß kein einfaches catch & shoot.

Selbst als einmal einer meiner Finger gestaucht und dick und blau war, rief mein Dad damals: „Gott hat Dir 10 Finger gegeben, Du hast also noch Neun!“ So warf ich weiter. Das werde ich nie vergessen. Er nannte meinen Wurf meinen Moneymaker. Es ist der wichtigste Teil meines Spiels. Schließlich habe ich es doch ins Highschool Team geschafft und von da an war mein einziges Ziel, meinem Team zu helfen, alles zu geben und bester Scorer zu werden.

Und mit der Hilfe von meinem damaligen Head Coach Bruce Weber hat das geklappt. Von ihm habe ich so viel gelernt. Er war und ist auch heute noch jemand, den nicht nur mein Spiel, sondern auch meine Person interessiert. Er hat mich immer unterstützt. Sonst wäre ich sicher heute nicht bei den Brose Baskets in Bamberg.

Court Review: Du hattest 2007 zwei Knöchelverletzungen hintereinander, zuerst der Linke, dann der Rechte.

Ja, ich war selbst Schuld. Nachdem mir ein Gegner auf den Knöchel getreten ist, hätte ich eigentlich Pause machen müssen. Aber ich wollte im Training bleiben. Also habe ich das rechte Bein mehr belastet, damit der linke Knöchel nicht so weh tat. Bis beide Knöchel so dick waren, dass ich überhaupt nicht mehr trainieren konnte. Ich bin halt ein Basketball-Junkie! (lacht)

Court Review: Du musstest einige harte und selbstverschuldete Rückschläge in Deiner Karriere verkraften. (Verkehrsunfall unter Alkohol mit Fahrerflucht und Körperverletzung) Du hast deshalb fast zwei Jahre nicht gespielt, weil Du vom College suspendiert wurdest. Wie hast es geschafft, wieder zurückzukommen?

Jamar Smith_Brose Baskets Bamberg_DunkOh Mann, das war pretty much, mir ging es wie allen Menschen, die mit dem Rücken zur Wand stehen. Entweder Du kämpfst und kommst aus all dem heraus oder du bleibst für immer mit dem Rücken zur Wand.

Du triffst ein paar falsche Entscheidungen, machst Fehler und Dummheiten, die du schlimmstenfalls für immer bereust. Egal, ob du Mensch, Bürger, Eltern oder Spieler bist, du machst dein ganzes Leben lang Fehler. Aber ich konnte mich noch nie zurücklehnen und nichts tun. Das Mindeste was ich tun kann, ist, aus den Fehlern zu lernen und sie nicht noch mal zu machen. Und ich glaube fest, du darfst dir niemals Fehler vergeben, sonst kannst du dich nicht daran erinnern, wie schlecht du dich gefühlt hast.

Ich habe einfach keine Aufgeber-Mentalität und darum bin ich damals wohl zurück gekommen. Kämpfen oder fliegen. Das hat mir geholfen. Letztendlich war es besonders mein Dad, der mich immer wieder und wieder herausgefordert hat, auch in harten Zeiten weiter am Ball zu bleiben. Ich habe zwei Jahre nicht gespielt, nur in einem Laden gejobbt, aber jeden Tag mit ihm trainiert wie ein Verrückter. Ich glaube, es gab außer bei Verletzungen keine Zeit in meinem Leben, in der ich nicht den Ball in der Hand hatte.

Das hat sich für mich ausgezahlt. 2008 kam meine Chance am Southern Indian College und ich habe sie genutzt und zwei gute Saisons gespielt.

Danach hatte ich einige NBA-Workouts und spielte ab 2010 in der D-League bei den Maine Red Claws (Boston Celtics). Und dann durfte ich zwei mal Summerleague spielen! Ich meine, ich kam aus der Division II und konnte mit Kevin Garnett oder Ray Allan trainieren. Spieler zu denen ich immer aufgeschaut habe, standen plötzlich mit auf dem Court. Aber ich war damals mental nicht auf die NBA vorbereitet, ich hatte zu viel Respekt vor den großen Namen. Deshalb habe ich auch nicht mein bestes Spiel gespielt. Ich war, denke ich, übermotiviert, weil ich ihnen den Ball klauen wollte.

Court Review: Nach einem kurzen Stopover in Venezuela bist Du 2011 nach Europa zu Prostějov in die tschechische NBL gewechselt. Wie tief war der Cut?

Unglaublich! Overseas ist komplett anders. Die jungen Spieler zuhause am College sagen alle zu mir, sie wollen nach Europa und einfach nur gut spielen, weil sie es können. Ich antworte ihnen, es geht hier überhaupt nicht nur um Basketball. Jungs, es ist einfach daheim guten Basketball zu spielen, mit einem schönen Appartement im Hintergrund und den Eltern und Freunden. Bezahltes Essen, Charterflüge, all das.

Aber Europa? Du verstehst plötzlich kein Wort mehr, kannst keine Werbetafeln lesen, weißt nicht, was im Supermarkt auf den Verpackungen steht und auf dem Court wird plötzlich Teambasketball gespielt, nicht mehr nur das Eins gegen Eins.

Als ich nach Tschechien kam, hatte ich nur ein winziges Zimmer in dem ich leben und vor allem auch kochen musste. Also roch das Zimmer jede Nacht wie eine dreckige Pfanne. Ich konnte einfach nicht schlafen, weil ich die schlechte Luft nicht raus bekam. Essen besorgen, auf sich alleine gestellt sein. Das war hart, von solchen Geschichten wissen die Jungs am College natürlich nichts.

Ich hatte befürchtet, dass es in Europa vielleicht Rassisten gibt, oder Amerikahasser. Nichts davon. Alle meine Teamkameraden und die Menschen in Prostějov waren so hilfsbereit, sie haben mich unterstützt wo sie nur konnten. Wenn ich im Laden stand und keine Ahnung hatte, dann habe ich einfach irgendjemanden gefragt. Und wenn der kein Englisch konnte, hat er solange gesucht, bis er jemanden mit Englisch gefunden hat.

Ich habe mich in Tschechien sehr wohl gefühlt, so viel Neues über Basketball und vor allem auch über mich selbst gelernt. In Israel war es dann schon einfacher, weil ich mich auf neue Umstände, Menschen und Mentalitäten einstellen konnte. Auch in Gilboa wurde ich mit offenen Armen und Köpfen empfangen. Die Leute waren sehr, sehr gastfreundlich und ich konnte eine weitere gute Saison spielen.

Court Review: Wie siehst Du Deine Rolle hier im Bamberger Team?

Jamar Smith_Brose Baskets Bamberg_JumpshotZunächst, Bamberg ist von den Umständen her meine einfachste Station, denn alle sprechen Englisch, jeder kennt Dich, und egal wo Du bist, alle wollen dir einen Wunsch von den Lippen ablesen. Das ist einfach nur wunderbar und die Bamberger Fans sind fantastisch. Wir brauchen diese positive Stimmung von den Rängen. Dann spielen wir automatisch besser. Da tut es mir manchmal weh, wenn sie Ooooh machen, weil wir schlecht spielen. Und glaub mir´, ich weiß wie das ist. Ich bin Fan der Chicago Bulls und was meinst Du wie ich durch die Decke gehe, wenn die Bulls verlieren.

Dieses Jahr in Bamberg habe ich so viel dazu gelernt. Ich war manchmal mehr mit Lernen als mit Spielen beschäftigt. Ich hätte nie gedacht, dass die Umstellung auf den europäischen Teambasketball auf diesem Level so groß ist. Ich habe nächtelang Spiele geschaut, die mir Coach Fleming gegeben hat, um die unglaublich wichtigen Feinheiten in den Systemen besser zu erkennen. Ein falscher Schritt nach links oder rechts in der Ecke, ein schlecht getimter cut und das System ist hin.

Nächstes Jahr möchte ich in Bamberg eine größere Rolle spielen, mehr Verantwortung auf dem Court übernehmen und besonders mein Spiel als Pointguard weiter verbessern. Ich denke, dass ich da noch viel Potential habe. Zunächst freue ich mich aber wahnsinnig auf die Playoffs und hoffe, dass wir es bis ins Finale schaffen.

Court Review: Was müsst ihr noch verbessern, um gegen die großen Teams in der BBL bestehen zu können? Schließlich habt ihr in Berlin und daheim gegen München und Oldenburg verloren.

Execution, Rebounding und das Inside Game. Wir haben in allen Spielen gesehen, dass wir auch in den entscheidenden Momenten dem Gegner defensiv Stopps geben können; aber unser Abschluss ist noch nicht sicher genug. Und die Gegner bekommen zu viele zweite Chancen. Wir sprechen über diese Themen auch häufig im Training; heute erst wieder und wir arbeiten hart daran. Aber selbst wenn wir ein Spiel verlieren, behalten wir unser Ziel im Auge. Vor allem der Captain baut uns nach Niederlagen immer wieder auf. Selbst wenn die Stimmung in der Kabine absolut im Keller ist, sind er und John und Anton für das Team da und sie motivieren uns neu. Nur weil ihr eine Schlacht verloren habt, ist der Krieg nicht verloren, solche Sachen. Wir glauben ganz fest an uns und die Siege in den Playoffs.

Court Review: Wie wichtig ist das Thema NBA für Dich?

Ich bin jetzt 27 und ich glaube, ich habe noch eine Menge Potential, um mein Spiel weiter zu verbessern. Nächstes Jahr möchte ich mit meinem Team in Bamberg richtig durchstarten und dann gibt es hoffentlich irgendwann wieder die Möglichkeit für mich, eine gute Summerleague zu spielen. Neben dem sportlichen Grund NBA zu spielen, ist der wichtigste Grund mein Sohn Makhir. Ich vermisse ihn so sehr. Er ist jetzt sechs Jahre alt und lebt in Illinois, und er fragt mich jedes Mal am Telefon, warum ich am anderen Ende der Welt Basketball spiele – warum ich nicht nach Hause komme.

Jamar Smith_Brose Baskets Bamberg_3erCourt Review: Wir hatten letzte Saison einen Spieler, der auf Deiner Position genau diesen Weg gegangen ist.

Brian. (lacht) Ja genau. Brian Roberts war genauso alt wie ich, als er nach Bamberg kam, und er musste das erste Jahr in Bamberg ebenfalls viel lernen.

Court Review: Wenn es mit der NBA nicht klappt, kannst Du Dir vorstellen, weiter in Europa zu spielen? Du warst schließlich in der Euroleague Drittbester 3-Point-Shooter.

So weit möchte ich noch gar nicht denken; zunächst zählen jetzt für mich nur mein Team und die Playoffs. Wir spüren, dass wir immer enger zusammenrücken, je weiter es auf die Playoffs zugeht. Nur das interessiert mich im Augenblick. Und Stats lese ich überhaupt nicht.

Court Review: Du hast zwei mal im Gespräch das Kochen erwähnt. Du scheinst gerne zu kochen?

Gerne? Machst du Witze? Oh Mann, und wie, ich bin der Koch! Ich liebe Kochen über alles. Ich koche am liebsten Chinesisch, Mexikanisch, oder ich mache ein BBQ. Und meine Freundin kocht viel Italienisch. Wir kochen jeden Tag. Es gibt nichts Erholsameres als nach einem Spiel oder Training in der Küche zu stehen und zu schnipseln. Einkaufen, kochen, essen. Ich liebe es, weil ich schlechtes Essen nicht mag. Glaub´ mir, wenn mein Dad und die Familie meiner Freundin zu den Playoffs nach Bamberg kommen, werden wir endlos kochen!

Jamar, wir danken Dir ganz herzlich für das Interview mit Court Review und wünschen Dir Glück und Gesundheit für Deine weitere Kariere. Und nun viel Spaß beim Lebensmittel kaufen!

Wer wissen möchte, mit welchen Veränderungen und Umständen Collegboys overseas zu kämpfen haben, liest diesen Artikel aus den USA – Augenzwinkern garantiert.

Stay tuned.

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courtbeastie
courtbeastie 3. Mai 2014 um 16:03 Uhr

Tolles Interview! Vielen Dank hierfür!

Ich konnte Jamar schon von Anfang an sehr gut leiden, fand ihn sehr sympathisch und konnte all diejenigen, die ihn am liebsten im Winter schon wieder wegschicken wollten keine Sekunde verstehen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Jamar noch sehr viel Potential nach oben hat und man in Bamberg noch sehr viel Freude an ihm haben wird; der Vergleich mit Brian erscheint mir da gar nicht so weit hergeholt 🙂 …

BBB-Chris
BBB-Chris 4. Mai 2014 um 2:15 Uhr

Top Interview Roland! 🙂
Jamar kommt sehr symphatisch herüber und ich hoffe, dass wir ihn auch nächstes Jahr in Bamberg sehen. Er scheint sich hier wohl zu fühlen und identifiziert sich mit dem Verein.

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